Wer ist „MarkTomJack“?

Über ein furchtbar furchtbares Meme hat heute Antje Schrupp heute furchtbar toll gebloggt:

Wir haben zuhause seit einiger Zeit ein neues Mem. Es heißt „MarkTomJack“. Zusammengesetzt aus den Serienhelden Mark (Flash Forward), Tom (4400) und Jack (Lost).

MarkTomJack (addieren könnte man auch Jim aus The Wire) bezeichnet einen bestimmten, sehr nervigen Typus Mann, der neuerdings offenbar in keiner amerikanischen Fernsehserie fehlen darf. Er ist immer weiß, er ist immer die Hauptfigur und er hat immer einen knackigen, einsilbigen Namen (oder ist es anders zu erklären, dass die einzige männliche Serienfigur, die nicht in dieses Raster passt, einen zweisilbigen hat, nämlich Peter aus Fringe?).

Erste Eindrücke vom Google Co:llaboratory

„Menschenrechte und Internet“ – Unter diesem Titel begann am Montag in Berlin das fünfte Google Collaboratory (um das sich analog zur Mädchenmannschaft oder dem PolitCamp nun ein Verein gegründet hat, in Deutschland wird halt alles vereinsrechtlich geregelt). Rund 30 „Expert_innen“ sind diesmal dabei, vor allem Rechts- und Verwaltungswissenschaftler_innen, einige Aktivist_innen und erstaunlich wenig Menschen aus der Wirtschaft.

Nach einer Vorstellungsrunde ging es direkt schon zur Bildung von thematischen Untergruppen, die sich dann einen weiteren Plan erarbeiten sollten. Plan? Was genau wir jetzt eigentlich machen sollen, war irgendwie niemand klar. Aus dem letzten Colab ist ein Buch mit Texten erschienen, diesmal soll es interaktiver werden. Doch wieder Texte, Aktionen oder sogar Softwareideen? Aufgelöst haben wir die Frage am Ende des Tages nicht, aber immerhin sind wir an anderen Stellen weitergekommen.

Zusammengekommen zum Thema „Aktivismus“ entstand die Arbeitsgruppe „Organisationsformen und Durchsetzung“. Ein Titel, der mir besonders gefällt, weil er die politische Arbeit, den Aktivismus, dem ich in den letzten Jahren begegnet bin, konkret beschreibt. Er trifft gleich mehrere Fragen, die sich Aktivist_innen stellen müssen, um gezielt etwas zu bewegen: Wie organisieren wir uns? Auf welcher Ebene müssen wir arbeiten, wenn wir etwas bewegen wollen? Wie können wir andere Aktivist_innen unterstützen?

So haben wir festgehalten, dass politische Arbeit auf mehreren Ebenen ablaufen kann: Aufklärung (im öffentlichen Raum), Lobbyarbeit gegenüber politischen Institutionen und das „Handwerk“, die Benutzung von z.B. Software. Je nach geografischem Ort und Zeitpunkt können verschiedene Punkte wichtig sein. Hier regelmäßig Positionsbestimmungen vorzunehmen ist die erste wichtige Erkenntnis, die ich aus dem Colab mitgenommen habe. Was wollen wir erreichen, auf welcher Ebene müssen wir arbeiten? Haben wir überhaupt die Ressourcen oder fehlt es vielleicht schon beim Handwerk? Fragen, die sich sowohl neue Bewegungen, als auch etablierte Gruppen stellen sollten.

Besonders bei neuen Initiativen schließen sich daran eine Reihe an Überlegungen an – wie genau Aufklärung funktionieren kann, wie Lobbyarbeit, wie überhaupt Voraussetzungen geschaffen werden. Wo das Wissen um Handwerkszeug liegt und wie man daran herankommt. Die ursprüngliche Unsicherheit, worum es im Colab gehen könnte, ist noch nicht ganz gewichen, da beginnt es in meinem Kopf zu brummen. Selbst die Beschränkung auf „Organisationsformen und Durchsetzung“ sprengt eigentlich den Rahmen von drei Monaten. Ich bin gespannt, wie weit wir kommen werden.

Vortrag bei der 0. Spackeriade

Auf der 0. Spackeriade habe ich zu all dem gesprochen, was mir in der Debatte um Post-Privacy bisher fehlt. Vor allem die Prämisse „Mehr Offenheit = weniger Diskriminierung“ ist sehr verkürzt und ignoriert, wie Diskrminierung eigentlich funktioniert. Anschließend habe ich fünf Thesen aufgenommen, die mir immer wieder begegnet sind in Debatten über Post-Privacy, und diese genauer betrachtet.

Die Tonqualität lässt am Ende der Aufzeichnung leider deutlich nach, ich weiß nicht ob das nun schon behoben ist. Aber selbst dann sollte eine Verschlechterung bemerkbar sein.

Ich habe außerdem noch einmal meine Folien überarbeitet. Die Arbeit an einem Blogpost dazu zieht sich bisher noch. Bei der Mädchenmannschaft habe ich schon mal ein anderes Beispiel aufgezeigt – was wir nicht bedenken, wenn wir uns über die Datensammelei von Smartphones unterhalten.

Aus dem Leben einer Feministin: Intersektionalität

Bei Intersektionalität ging es mir lange wie vielen bei mathematischen Konzepten: Zusammenhang gehört, macht irgendwie Sinn, aber der letzte Funke fehlte noch.

Nun habe ich die letzten Tage viel Energie und Zeit auf die Kontroverse mit Rappaport verwandt (z.B. bei der Mädchenmannschaft). Ein Kampf, der irgendwann ermüdend wird und sinnlos scheint. Auf der Facebookseite überwiegen inzwischen die Kommentare mit „man wird doch wohl das N-Wort noch sagen dürfen“ und die meisten Presseberichte gehen in die gleiche Richtung. Weiße Menschen versichern sich allerorten, was nicht rassistische gemeint sei, könne halt nicht rassistisch sein. Im Offline-Leben sieht es etwas besser aus. Anstrengend ist es aber ohne Ende gewesen.

Was hat das nun mit Intersektionalität zu tun? Stop! Talking hat es mir richtiggehend in den Kopf gehämmert: Nach all der Aufregung kann ich nach Hause gehen und der ganze rassistische Scheiß betrifft mich nicht mehr. Sexistische Anfeindungen werde ich nicht los. Aber solange ich mich nicht explizit hinstelle und gegen rassistische Taten etwas sage, kriege ich keine Probleme. Vielleicht sehe ich noch Blackface-Plakate und rege mich darüber auf, aber sie greifen nicht meine Hautfarbe an.

Ich werde weiter Diskussionen aufgedrückt bekommen, ob kurze Röcke vielleicht doch eine Einladung zur Vergewaltigung sind – aber keine Diskussion, ob Schwarze Menschen vielleicht doch dümmer sind als Weiße. Nur, wenn ich dazu ausdrücklich Stellung beziehe und dann stehe ich auf einer ganz anderen Ebene. Anders als in Genderdiskussionen wird nicht mehr über mich geredet, als Weiße steht meine Intelligenz nicht zur Debatte. Wenn ich es mir anders überlege kann ich zurückflüchten in die Facebookkommentarwelt, in der weiße Menschen keine rassistischen Dinge tun.

Als Schwarze Frau könnte ich das nicht. Und ich müsste jederzeit damit rechnen, dass die Frau, mit der ich mich eben noch gegen Vergewaltigungsentschuldigungen eingesetzt habe, nicht gleich doch über meine Intelligenz redet. Genauso wie ich als behinderte Frau damit rechnen muss, dass auch Frauen*-Einrichtungen nicht barrierefrei sind.

Ich weiß, dass es schwer ist, immer mitzudenken, wer wo wie ausgeschlossen werden könnte. Es ist aufwendig, Bilder in Blogposts anständige Alt-Label zu versehen oder Transkriptionen von Audioaufnahmen zu erstellen. Irgendwann rutscht einer doch ein „das ist ja lahm“ heraus oder das Problem einer rassistischen Dekolampe erschließt sich nicht sofort. All das betrifft mich ja nicht. Und genau deshalb ist es so wichtig, trotzdem zuzuhören, Fehler einzugestehen und sich zu kümmern. Am Ende kann ich nach Haus gehen und mich nur noch mit Sexismus herumschlagen. Mehrfach diskriminierte Frauen* können das nicht.

white charity

Bei der Mädchenmannschaft hab ich ihn gestern schon mal verlinkt, Kathrin Ganz war bei der Premiere dabei. Wer’s noch nicht getan hat, unbedingt ansehen!

Sebastian Edathy und die kritischen Bloggerinnen

Ach Herr Edathy, das wäre ja nun nicht nötig gewesen. Nach seinem schon unsouveränen Löschfeldzug gegen Urmila Goel trat er auf Facebook noch einmal nach (der folgende Eintrag ist inzwischen aber wieder verschwunden):

„Es gab mal ne Zeit, da konnte man Leute, die beständig dummes Zeug redeten, erfolgreich auf die Ausgangstür hinweisen. Meistens half das. Dann kam das Internet. Seitdem Bloggen diese Leute vor der Tür, anstatt einfach beschämt nach Hause zu gehen.“

Der Fehler? Ihn darauf hinzuweisen, dass auch Kritik an Angela Merkel ohne Sexismus ablaufen sollte. Inzwischen hat er weitere Menschen aus seiner Freundschaftsliste gelöscht, die sein Vorgehen kritisiert haben, Urmila und ich können (eingeloggt) seine Facebookseite gar nicht mehr sehen. Worüber ich ihn noch nie kontaktiert habe.

Statt beschämt zu Hause zu sitzen, sitze ich nun vor dem Rechner und schreibe einen weiteren, „beständig dummen“ Blogeintrag. Denn wenn sich hier jemand schämen sollte, dann Herr Edathy für seinen Umgang mit kritischen Bürger_innen.

Projekte, Erfahrungen, Interviews.

Am vergangenen Wochenende war ich bei den Random Hacks of Kindness in Berlin. Ein Artikel von mir darüber ist auf Government 2.0 erschienen. Tatsächlich habe ich auch noch mit Michael Kreil einen Preis bekommen. Für ein Projekt, mit dem hoffentlich eines Tages rassistische oder sexistische Kommentare erkannt werden können.

Davor habe ich eine Woche im wendländischen Dannenberg verbracht und nachts den Castorticker gemacht. Eine sehr intensive Erfahrung mit vielen verschiedenen Menschen (und dem ersten Jet-Lag meines Lebens…).

Die Wochenenden davor war ich gleich zwei Mal in Nürnberg. Erst beim netzpolitischen Kongress der Bayern SPD und anschließend bei dem Forum Kommunikationskultur der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikations­kultur. Der Workshop zu feministischen Praxen im Internet war (natürlich) viel zu schnell vorbei, anschließend gab’s noch ein Interview mit open web tv:

Die Diskussionen zu Journalismus 2.0 und Partizipation und Internet bei Netzpolitik Kongress kann mensch übrigens auch Nachschauen (dauern aber länger als das 6-Minuten-Interview).

Mit Kritik kann Sebastian Edathy wohl nicht so gut umgehen

Ich gestehe, dass mir Sebastian Edathy aufgrund seiner Position zur Vorratsdatenspeicherung und Ausdrucksweise schon seit Jahren unsympathisch ist. Nun hat er auch noch lieber Urmila Goel angepampt, die ihn auf Sexismus in einem Facebook-Beitrag hinwies. Eine sachliche Diskussion wollte Edathy dann anscheinend nicht und hat sie aus seiner Freundschaftsliste geworfen. Ich habe ihm daraufhin eine E-Mail geschrieben, die ich hier dokumentiere:

Sehr geehrter Herr Edathy,

mit Schrecken habe ich lesen müssen, dass sie lieber kritische Bürgerinnen aus ihrer Facebookliste löschen, als sich konstruktiv mit diskriminierender Sprache zu beschäftigen. Stattdessen ziehen Sie anscheinend die „Ich bin links, ich kann nicht sexistisch sein“-Karte, belehren eine Frau, was als Sexismus zu gelten habe und entziehen sich dann einer weiteren Auseinandersetzung durch Entfreunden. Ein souveräner Umgang mit Kritik sieht anders aus. Ich bin gespannt auf Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen,
Helga Hansen

PS: Da ihre Facebookseite für Nicht-Freund_innen nur ihre eigenen Beiträge zeigt, habe ich mich auf die Schilderung Urmila Goels verlassen, die sie unter http://andersdeutsch.blogger.de/stories/1953301/ nachlesen können. Ich behalte mir vor, diese Mail und weiteren Schriftverkehr zu veröffentlichen.

Update: @lantzschi hat mal im Urban Dictionary nachgeschlagen, was da zu „puss in boots“, dem ursprünglichen Ausdruck, steht. Zum Beispiel:

n., singular: hot chick wearing boots

n., plural: a grouping or gathering of hot chicks wearing boots

Filme! ARD-Reportage über die Hartz IV-Maschine

Berichte aus der „Hartz IV-Industrie“ (Bezeichnung einer in dieser Industrie Beschäftigten) sind immer wieder gruselig. Dennoch wird sie kaum diskutiert. Eine Ausnahme davon schien die Reportage „die Hartz-Maschine“ zu sein, die derzeit noch in der Mediathek anzusehen ist. Tatsächlich fängt die Doku gut an: Es wird aufgezeigt, wie Firmen sich die Qualifikation von Arbeitskräften durch die Jobcenter finanzieren lassen. Um diese dann zunächst als, ebenfalls vom Amt finanzierte, Praktikanten „auszutesten“. Oft genug ohne den versprochenen festen Vertrag. Das Ganze organisiert von Bildungsträgern, deren Vorsitzende im feinen Zwirn ihren Geldeseln im Blaumann beim qualifiziert werden zuschauen.

Oder die Möglichkeit, als Supermarkt sein verrottetes Gemüse bei einer Tafel abzugeben und dafür noch eine steuerlich absetzbare Spendenquittung zu erhalten. Entsorgungskosten fallen dann natürlich trotzdem an. Bei den Tafeln. Doch hier beginnt bereits das Geschmäckle des Beitrags. Die Chefin wettert über Leute, die zu mehreren Tafeln gehen, um Geld zu sparen! Die Tafeln dürften nur genutzt werden, wenn das Geld nicht mal zum Essen reicht. Dass es ein Armutszeugnis für die Grundsicherung in unserem Land ist, dass es bei diesem Anspruch immer noch Bedarf für Tafeln gibt? Geschenkt.

Eine der 1-Euro-Kräfte in der Tafel(!) äußert anschließend, am liebsten mit 45 in Rente gehen zu wollen. Die Implikation: Faulheit und der Wunsch, es sich auf Kosten der Steuerzahler_innen gemütlich zu machen. Später wird deutlich, dass der Betroffene bereits eine jahrelange Odyssee durch Qualifizierungseinrichtungen hinter sich hat. Peinlich einfache Telefoncoachings inklusive, Hauptsache raus aus den Arbeitslosenstatistiken. Wie soll man denn da noch Hoffnung oder Selbstachtung behalten?

Wenig beachtet wurde leider auch die Frage, warum die Betroffenen immer wieder in ähnliche Qualifizierungsmaßnahmen gesteckt werden – fällt das niemandem auf? Leisten bestimmte Weiterbildungsunternehmen da schlechte Arbeit und eine Maßnahme reicht nicht? Kümmert sich in den Jobcentern niemand um eine Evaluation? Warum ist das immer noch möglich? Sachte wird angesprochen, dass wenige in Maßnahmen sitzen, die ihnen helfen könnten, sondern dass sie dorthin geschickt wurden. Hier ist doch der Knackpunkt zu finden, der diese Hartz-Maschine am Leben erhält. Arbeitslose werden in Durchlauferhitzer namens Maßnahmen gesteckt, die allen helfen – nur ihnen selbst nicht.

Stattdessen wird der Blick in die Niederlande geworfen. Dort zwei Arbeitslose angesprochen, die noch kein Jahr arbeitslos sind; ganz im Gegensatz zu den Langzeitsarbeitslosen in Deutschland! Tatsächlich zeigt sich dort ein ähnliches Bild wie hier. Arbeitslose werden in Maßnahmen gesteckt (allerdings auch in Fitnesskurse), es gibt staatlich subventionierte Arbeit statt echten Beschäftigungen und Sanktionen. Geht es um die Müllabfuhr, scheint es aber ok zu sein, Arbeitslose arbeiten zu lassen, ohne ihnen einen echten Arbeitsvertrag zu geben. Gar nicht erwähnt wird leider, dass auch in Deutschland die Beihilfen zum Lebensunterhalt gestrichen werden können, wenn Hartz IV-Empfänger_innen nicht in der Maßnahme oder zum Gespräch erscheinen. Lieber zeigt man ein sehr junges Mädchen, das sich um seine künstlichen Fingernädel sorgt.

So scheint es am Ende, als hätten sich die faulen Arbeitslosen Deutschlands zusammengetan, um die Maschinerie hinter Hartz IV weiter zu befeuern. Dabei landen von all den großen Summen, die in Projekten und Maßnahmen geschüttet werden, immer nur wenige Euros in ihren Taschen. Trotzdem (und aus Angst vor den Sanktionen) schleppen sich viele in entwürdigende „Qualifizierungen“ und ertragen immer neue Praktika mit vielen Versprechungen aber wenig echten Aussichten auf einen Arbeitsvertrag. Die Profiteure der Hartz IV-Industrie sehen anders aus, liebe ARD!

Schluss mit unerwünschter Telefonwerbung

Jede_r kennt sie, niemand mag sie – unerwünschte Anrufe, die einer neue Strom-, Handy- oder sonstwelche Verträge aufs Auge drücken wollen. Bisher konnte frau sich mit dem Gegenwehrskript von EGBG wehren (auch in einer bunten Fassung, übersetzt vom inzwischen verstorbenen Jo Schäfers, erhältlich).

Inzwischen hat sich auch der Staat eingeschaltet (naja, schon 2009 aber das hat sich anscheinend noch nicht herumgesprochen). Bei Svenja-and-the-City habe ich gerade den Verweis auf ein ähnliches Skript gefunden, das aber von der Bundesnetzagentur erstellt wurde. An die das ausgefüllte Skript auch zurückgeschickt werden kann, damit die Agentur den Firmen auf den Zahn fühlt. Nichts wie los!

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