TV! Orphan Black (ich bin verliebt)

[Anmerkung zum Inhalt: Leichte Spoiler]

Vor einem dunklen Hintergrund stehen und sitzen 14 Personen aus dem Cast von Orphan Black

Promotionbild der 2. Staffel © BBC AMERICA

Ist es möglich, sich in eine Serie zu verlieben? Aber ja. Orphan Black zum Beispiel. Das Thema ist filmisch schon etwas ausgekocht: Klonen und genetische Ver­besserungen. Die Serie schafft es allerdings, neue Ideen zu verfolgen und aktuelle Entwicklungen aufzugreifen. Denn trotz aller Fortschritte sind Klone noch kein Alltag, wenn es um Menschen geht. Selbst Gentherapien hängen hinter den Erwartungen zurück.

Orphan Black zeigt die Geschichte von verschiedenen Klonen, die sich ihrer Herkunft nicht bewußt sind und auf einmal (Überraschung) verfolgt werden. Natürlich lernen sie sich darüber kennen und versuchen herauszufinden, wo sie herkommen und warum sie verfolgt werden. So entspinnt sich immer mehr die Stärke der Serie: Die Frage wie Klone eigentlich miteinander umgehen, wie ähnlich sie sich sind oder auch nicht. Maßgeblich für die Begeisterung des Fernsehpublikums ist Hauptdarstellerin Tatiana Maslany, die all den Inkarnationen ein eigenes Leben einhaucht – ob Trick­diebin, Biologie-Doktorandin, Polizistin oder „Soccer Mom“ – bis schließlich Klone in die Rolle anderer Klone schlüpfen. Dabei zeigen sie sich verschieden (auch bei der Wahl der Kleidung), aber doch irgendwie verbunden.

Daneben ist auch der weitere Cast diverser als in vielen anderen Serien. Felix, der Adoptivbruder des „Hauptklons“ ist schwul und verdient als Sexarbeiter Geld, um seine künstlerischen Ambitionen zu verfolgen. Eine der Klone ist lesbisch und beginnt eine Beziehung, die nicht auf Sexszenen für die männlichen Zuschauer reduziert wird, sondern zentral für die Geschichte ist. Überhaupt werden, wie Bitch Flicks dokumentiert, auch Männer sexualisiert dargestellt.

Neben der Reihe an Klonen gibt es noch weitere weibliche Charaktere, die ebenfalls ganz unterschiedlich sind. Unterschiedlich stark und alle unperfekt und alle wundervoll. Dass es nicht darum geht, „starke“ Frauen oder Homosexuelle zu zeigen, bekräftigt Maslany in Interviews. Auch das Bedürfnis von Mädchen und jungen Frauen nach weiblichen Vorbildern ist ihr bewußt. Kinder kommen in der Serie allerdings kaum vor, auch wenn zwei der Klone bereits Mütter sind. Auch dies ist zentral für die Geschichte. Leider wird darüber aber eher gesprochen, als das es gezeigt wird.

Familien, Beziehungen, Sex, Action, Mordversuche, Ethik, Naturwissenschaft. Die erste Staffel hat nur 10 Folgen und bringt all dies unter, ohne überladen zu wirken. Quasi „nebenbei“ ist es auch die Premiere für die Technik, die mehrere Klone in das gleiche Bild einarbeitet. Bei der Comic Con haben Maslany und die Macher erklärt, wie dies funktioniert (und wieviel Aufwand es ist).

Der kanadische Sender Space hat zum Staffelfinale eine Liste mit weiterführenden Texten zum Thema Klonen zusammengestellt.

Die Serie wird in Deutschland ab dem 2. Mai (1. Staffel) bzw. Herbst (2. Staffel) bei ZDFneo ausgestrahlt. Die 1. Staffel ist bereits als Import aus Großbritannien auf DVD erhältlich sowie im iTunes Store. Die 2. Staffel wird auf BBC America ab dem 19. April 2014 ausgestrahlt.

Links! Der Frühling kommt.

In einem länglichen Balkonkasten sind kleine grüne Keimblätter zu sehen.

Wächst.

„Es werde Stadt“ – Marl und das Fernsehen und die Geschlechterfrage

In der Ecke eines Zimmers steht ein Fernseher auf dem Fußboden. Davor steht ein weißer Ständer mit einer Blume, daneben ein Olivenbaum. An der Wand ist die Ecke einer Leinwand zu erkennen.

Symbolbild 2014

In der Dokumentation „Es werde Stadt – 50 Jahre Grimme-Preis in Marl“ verbinden Dominik Graf und Martin Farkas die Geschichte des Grimme-Preises mit der Stadt, in der er vergeben wird – und im weitesten Sinne mit dem Aufstieg und der Stagnation des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Neben dem überzogenen Aufbau und dem langsamen Verfall der 60er-futuristischen Stadt zeigt der Film vor allem die Frage: Wo kommt das Fernsehen her und was wird damit passieren? An vielen Stellen wird die Tristesse in Marl und auf dem Bildschirm sichtbar, dennoch bleiben einige Leerstellen. Die zu beachten wäre wichtig, um der Idee des unterhaltenden und informierenden öffentlich-rechtlichen Fernsehens wieder gerecht zu werden.

Ein Projekt des Grimme-Instituts für die Ausrichtung auf die Zukunft ist der seit 2001 (in Köln) vergebene Grimme-Online-Award. Der befragte Preisträger der 11freunde bleibt im Rahmen der Doku zwiespältig. 90 Minuten muss ein guter Fernsehfilm haben. Spannend muss er sein, komplett fesselnd. Fernsehen scheint Fernsehen zu bleiben.

2011 war ich selbst bei der Feier nach der Verleihung des Grimme-Online-Awards. Dort kam ein grauhaariger Mann auf mich und Michael Seemann zu. Er wollte wissen, wie uns die Idee des Preises gefalle. Ich glaube (und hoffe) wir sagten ihm, dass dieser Extrapreis, neben dem Grimme-Preis immer noch die Zweitrangigkeit des Internets betone. Wo doch ein großer Teil der jungen Leute gar keinen Fernseher mehr besitze und selbst das TV übers Internet bezieht. Was wir definitiv sagten: Dass hier kleine, ehrenamtliche Angebote neben zeitungs- und gebühren-finanzierten Angeboten bewertet werden, was Chancen hat, aber auch problematisch ist. Am Ende tat es nichts zur Sache, denn erwartet wurde eigentlich eine gewisse Lobhudelei und Dankbarkeit.

Leider macht der Film einen ähnlichen Fehler. Er blendet bei all der Lobhudelei auf die gute alte Zeit aus, wer damals eigentlich seine Geschichten erzählen durfte und wer nicht. Er erwähnt die Praktikumsmisere, die junge Filmmacher_innen unter äußerst vagen Versprechen ausbeutet. Aber nicht, dass darunter z.B. deutlich mehr Frauen sind als früher. Und er erwähnt auch nicht, wer dann, die Karriereleiter heraufgeklettert, in den kommerziellen Tochterfirmen der Öffentlich-Rechtlichen schließlich Kohle macht.

Dabei kommt die Geschlechterfrage durchaus auf. Wenn etwa eine Frau aus der Zuschauerjury des Publikumspreises zitiert wird mit „wir können keine alten Männer mehr sehen“ (sie sagt selbst „ich hab keinen Bock mehr, alte Männer zu sehen“) – der Film aber gleich entgegen setzt „es sind ja nur noch die Alten, die die Historie der Wahrheit in sich tragen“. Sind die alten, weißen Filmemacher der letzten 50 Jahre nun die Rettung? Während gleichzeitig auf „den Alten“ herumgehackt wird, für die das Öffentlich-Rechtliche nur noch produziert?

Dass das jüngere Publikum an vielen Stellen aus den Augen geraten ist, zeigt zuletzt das Scheitern des Jugendsenders (und die Integration in den Hauptsender scheint doch utopisch). Aber dass auch die älteren Zuschauer_innen unabkehrbar an unterdurchschnittliche Fernsehkost gewöhnt seien, übernimmt der Film zu unkritisch aus den Sendeanstalten. Gerade dieses Publikum hat doch schon das „Weitere“ gesehen.

Und dann: Die Verbindung von Fernsehen und Publikum macht der Film an einer fiktiven, äußerst Ansagerin fest. die erst einen Skandal um ihre (nicht-vorhandene?) Unterwäsche übersteht, nach einer Liebelei mit einem DDR-Agenten aber einen Selbstmord versucht und schließlich bei den ernsten Filme im Nachtprogramm untergeht. Wie so oft mündet hier das jahrzehntelange Übersehen und die schließliche Abschaffung einer weiblich konnotierten Tätigkeit in einer mythischen Überzeichnung. Niggemeier nennt es „träumerisch authentisch“. Vielleicht bin ich auch zu spät geboren um die Authentizität beurteilen zu können?

Ich mag die Doku. Keine Frage. Als Beschäftigte einer Einrichtung des öffentlichen Dienstes verstehe ich die Probleme einer etablierten Einrichtung zu gut. Über Marl wusste ich bisher noch nichts, aber das Erbe der 60er und ihrer futuristisch-modernen Bauten, von Bürgermeistern mit Gestaltungswillen auf 1000 Jahre und Sanierungsfällen nach 30 verstehe ich nur zu gut. Dennoch stolpere ich über die vielen männlichen Filmemacher, Preisträger, steten „liebe Zuschauer“. Die einsame Ansagerin. Ein Märchen in einem Dokumentarfilm. So unpassend es scheint, so passender ist es in diesem Film. Steht es für die gute alte Zeit, in der noch ausprobiert wurde, oder soll es ein Seitenhieb auf das moderne Verhunzen sein? Wer 2014 eine Ära betrauert, in der Solidaritätskonzerten für Zechenarbeiter Brennpunkte mit Liveübertragungen eingeräumt wurden, sollte sich für die Zukunft nicht soviel Konservativität wünschen.

Der Film noch mal im Fernsehen:
NDR, Dienstag (8. April 2014) auf Mittwoch, 0:00 Uhr
SWR, Mittwoch (9. April 2014), 23:30 Uhr
BR, 3. Juni 2014, 22:45 Uhr
Bis zur Depublikation, Mediathek

Lesetip:
Die Geschlechterverhältnisse der Nominierungen des Grimme-Preises hat SchspIN für 2012 und 2013 ausgewertet.

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Anmerkung:
2009 war ich selbst als Mitglied der Mädchenmannschaft für den Grimme Online Award nominiert und bei der Preisverleihung. Wir haben nicht gewonnen, ich traf keine Promis und der Höhepunkt war die After-Show-Party, als Freundinnen und Bekannte nachkamen.

Links! Wissenschaft und Nicht-Diskriminierung sind hart.

  • Sassy black friend oder exotic asian girl – für nicht-weiße Schauspielerinnen gibt es nur begrenzt Rollen. Parodie via Slate.
  • Über die Probleme des deutschen und us-amerikanischen Fernsehens, auf rassistische Stereotype zu verzichten, bloggte auch Naekubi.
  • „Nennen Sie eine lebende Naturwissenschaftlerin.“ Eine so schwere Aufgabe, dass 68% der Befragten eine tote Wissenschaftlerin und 12% einen Mann benannten.
  • Cordelia Fine über die heutige rosa-hellblaue Spielzeugwelt und die (nicht-existenten) biologischen Begründungen.
  • Für mehr Diversität: Oju emotions, App für Androids.
  • iPhone-Nutzer_innen mit Brüsten können diese nun mit einer App vermessen und den grassierenden Fehlkäufen vorbeugen. Hm. (Die Boobosphere ist nicht angetan.) Nachtrag: Aus der Hannoveraner BH-Lounge berichtet Ninia LaGrande übers Offline-Vermessen.
  • Kleiner Drei hat die Comic-Autorin Martina Schradi interviewt, die die Erfahrungen von LGBTI*-Menschen aufzeichnet.
  • Die neue Anschläge ist draußen. Thema: Abtreibungen (und unsichtbare Vulven in Filmen über sexuell aktive Frauen).
  • Das Leben als Frau im Internet, heute: Sexualisierte Beleidigungen, weil ihr Twitternick so ähnlich klingt, wie der vom ManU-Trainer.
  • Was kann aus #selbstgeboren jetzt erwachsen?

    Durch meine Twittertimeline tobt es seit Tagen, ich zähle bereits über 15 Blogbeiträge, viele eigene Geschichten in den Kommentaren. Es geht um #selbstgeboren ein gut gemeintes, aber äußerst schlecht umgesetztes Projekt.

    Es sind vor allem Mütter, die darüber diskutieren und so stellt sich schnell die Frage, ob hier wieder Mütter aufeinander losgehen; selbst diejenigen seien, die sich (unerfüllbare) Anforderungen stellen. Mütter schreiben, Mütter kommentieren, Mütter lesen. Suchen bei Spiegel Online und der taz zum Hashtag bleiben weiter ergebnislos. Ob sich das in den nächsten Tagen ändert? Vermutlich nicht.

    In den Kommentaren bei Berlin Mitte Mom kommt die Forderung, Mütter und Frauen (vermutlich die kinderlosen) müssten sich gemeinsam für bessere Bedingungen bei der Geburt einzusetzen. Doch, wie insgesamt bei der derzeitigen Debatte um den Hebammenstand, frage ich mich, ob und welcher Form das eigentlich möglich ist.

    Es gibt keinen klaren Bösen und keine klare Lösung. Es gibt nicht nur Kaiserschnittkrankenhäuser und Hebammen als Rettung und fiese Mütter, sondern auch wunderbare Krankenhäuser und übergriffige Hebammen und Mütter, die gegen die Bewertung von Müttern eintreten. Es gibt Mütter, die nicht gebären können oder wollen und trotzdem Mütter sind (und in dieser Debatte noch gar nicht vorkommen).

    Vermutlich haben die meisten frisch-gebackenen Eltern auch genügend andere Dinge zu tun, als politische Kampagnen zu starten. Ein Baby zu versorgen nämlich. Und viel zu viele, so ist zu lesen, müssen sich mit einer traumamtischen Erfahrung auseinandersetzen. Wir brauchen etwas, dass Ihnen hilft, damit umzugehen. Wir brauchen etwas, damit es dazu gar nicht mehr kommt. Doch was?

    Bisher, so scheint es mit, werden bei Geburt und Kinderaufzucht immer nur Erwartungen durch neue Erwartungen ersetzt. Ein sich laufend veränderndes Ideal vermittelt Generationen von Eltern was sie „müssen“. Mehr Respekt füreinander statt Bewertungen an einem Ideal ist ein Anfang. Aber auf welche konkreten Maßnahmen lässt sich das herunterbrechen?

    Wie lässt sich eine gesamt-gesellschaftliche Änderung erreichen, wenn außerhalb der Betroffenen anscheinend kein Interesse an der Debatte herrscht? Vielleicht ist das aber nicht mal das schlechteste. Was es eher nicht braucht, sind Meinungen von Männern, die am besten nicht mal selbst Väter sind, aber halt eine Meinung haben. Was es braucht, ist Aufmerksamkeit für Mütter und ihre Geschichten und (irgendwann) ihre Forderungen:

    Links! MOOCs, Ms Marvel und Medien

    Ein beiges Spielfeld mit 4x4 Feldern, darüber die Aufschrift "You Win!"

    Ich habe Judith Butler besiegt. Woohoo.

    • Today in Buffy studies: War Willow ein weiteres Beispiel für die Unsichtbarmachung von Bisexualität (buh) oder eine der ersten Fernsehfiguren mit sich ändernder, fluider Sexualität (yay)?
    • Wieviele Nebeneinkünfte haben Deine Bundestagsabgeordneten? Find’s raus.
    • Heft Nr.2 von Ms Marvel ist raus. Nachdem die erste Ausgabe mich so „hm“ ließ, bin ich nun restlos begeistert (wie Kelly Thompson).
    • Zum Zustand des journalistischen Feminismus-Verständnis in Deutschland
    • Massive Open Online Courses (MOOCs) galten einst als Möglichkeit, Bildung in die ganze Welt zu tragen. Eine erste Studie zeigt, dass aber vor allem bereits hochgebildete, männliche Angestellte die Kurse belegen. Statt Zugangshürden abzubauen, haben diese sich vermutlich nur verschoben.
    • Von 18.500 Professor_innen sind in Großbritannien gerade 68 Schwarze Männer und 17 Schwarze Frauen. Während in den USA die black studies einen Zugang zu Universitäten eröffneten hätten, fehle dieser in UK, berichtet Times Higher Education. Außerdem würden etwa rassistische Wissenschaftler weiter unkritisch geehrt. (Ich lehne mich mal aus dem Fenster, dass die Situation in Deutschland ähnlich mies ist.)
    • Bei der beliebten Studie „wir schicken zwei bis auf den Namen identlische Lebensläufe raus und gucken was passiert“ hat sich die Diskriminierung gerade wieder beweisen lassen. Alex hat bessere Karten als Ali.
    • Über Carearbeit in technischen Zusammenhängen (und besonders die Frauen, die die Carearbeit übernehmen) schrieb Birtona.

    Vielleicht waren die Hebammen zu ehrlich

    Nach vier Jahren Beobachtung des Geburtsbetreuungsdebakels in Deutschland wage ich eine These: Die Hebammen und ihre Verbände waren in der Darstellung ihrer Probleme zu ehrlich und haben damit nicht in die gängigen Medien- und Politikschemata gepasst.

    Normalerweise laufen Lohnverhandlungen etwa so ab. Die Gewerkschaften wollen 6 Prozent mehr Lohn, die Arbeitgeber_innen bieten 1,5 Prozent. Es kommen ein paar Warnstreiks, man droht mit mehr, und dann einigt man sich auf 2 Prozent jetzt und noch mal 2,5 Prozent später. Alle zufrieden.

    Von den Hebammen kamen keine überzogenen Forderungen. Sie haben lange Texte geschrieben und versucht, möglichst alles zu erklären. Sie haben von höherer Entlohnung bis Begrenzung der Schadenssummen und steuerfinanzierten Fonds bei hohen Summen verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, ohne eine zur allein seligmachenden Rettung zu erheben. Streiken würden sie nie tun, es gibt ja Schwangere und Babies zu versorgen.

    Ihre Horrorszenarien wurden von der Wirklichkeit eingeholt. Mit dem Zusammenbruch der Haftpflicht kann keine Hebamme mehr arbeiten, auch Vor- und Nachsorge sind gefährdet. Trotzdem werden die Aussagen von Politik und Medien so eingeordnet. Dann kommen Kolleginnengespräche in der tagesschau dabei raus, die das Problem gnadenlos unterschätzen und, wie Politiker Jens Spahn, auf die „Spinnerinnen mit ihren Hausgeburten“ reduzieren.

    Ist das nun die „Schuld“ der Hebammen, sich nicht an die „üblichen“ Regeln gehalten zu haben? Oder haben Medien und Politik versagt, weil sie hier ihren Sorgfaltspflichten nicht nachgekommen sind und die spezifischen Gepflogenheiten einer Branche nicht erkannt haben?

    Links! Film- und Serienedition

    Über alle Hindernisse: Die Parkour-Frauen von Teheran von afpdeutsch

    Links! Charmed, Microsoft und Gender in F/LOSS

    Eine mädchenhafte Schaufensterpuppe mit einem grün-weiß-geringeltem Shirt auf dem „Keep on Smiling“ steht.

    Ja liebe Mädchen, immer nett sein und hübsch aussehen – das gilt es möglichst früh zu lernen!

  • Eine *der* Serien meiner Schulzeit war sicher Charmed. Wie die drei vier Schwestern dabei Haus, Familie, Job und Magieverpflichtungen unter einen Hut bekamen, hat Bitch Flicks angeschaut.
  • Microsoft hat einfach kein Glück mit Frauen. Also, entweder kommen von Seiten Microsofts sexualisierte Witze oder sie vergessen die Gamerinnen. Die neuen Touchscreens richten sich nun an … Bräute bei ihrer Hochzeitsvorbereitung.
  • In San Francisco hat Lesbians Who Tech einen Hackathon veranstaltet und dabei tolle Projekte unterstützt.
  • Wie das Schließen von „unrentablen“ Geburtshäusern und Geburtstationen aussieht – auf Pinterest visualisiert.
  • Noch mehr Lesestoff? 10 englisch-sprachige Blogs von Frauen aus der Wissenschaft.
  • Today in women’s underrepresentation: Auch 2013 waren Frauen in Hollywoodfilmen unterrepräsentiert, seltener in Führungspositionen zu sehen und eher über ihre Beziehung zu einem Mann definiert.
  • Die Ausgabe 2.2 des Magazins Libre Graphics heißt “Gendering F/LOSS” und beschäftigt sich mit Repräsentation und Arbeit im Bereich freier und (quell-)offener Software.
  • Nichts mit Wissen, nur noch Meinungsterror

    Die Berichterstattung oder besser: die Meinungsartikel über Feminismus lassen traditionell zu wünschen übrig. Eine kleine Recherche förderte neulich verschiedene Untersuchungen im englisch-sprachigen Raum dazu Tage. Etwa dass Feminismus der „zweiten Welle“ deligitimiert wurde und, genau wie die positiver bewerteten „Gegnerinnen“, als unwichtig abgetan wurde. Die „dritte Welle“ wurde schon ausgewogener dargstellt, aber stark zur zweiten abgegrenzt und deren Erfolge abgetan.

    In Großbritannien veröffentlichen Zeitungen seltener Meinungsartikel von Autorinnen und Frauen werden eher als Opfer, als als Expertinnen zitiert. Selbst zu „Frauenthemen“ wie Abtreibung kamen in der US-Wahlberichterstattung 2012 eher Männer zu Wort. Für den deutsch-sprachigen Raum fallen mir auf Anhieb keine Studien ein, aber realistisch betrachtet dürfte es nicht viel anders aussehen.

    Die (unbewußte) Diskriminierung von Frauen bei Gehaltsverhandlungen, der Beurteilung ihrer wissenschaftlichen Leistungen und ihrer Krankheitssymptome wird seit Jahren erforscht und leider immer wieder bestätigt. Dennoch haben Feministinnen ein deutlich positiveres Bild von Männern als konservativ eingestellte Frauen.

    Seit 2005 sinken sowohl die Scheidungsquote, als auch die absoluten Zahlen.

    Unverbindliche Beziehungen oder gar… unverbindlichen Sex wissen, entgegen aller Vorurteile, Frauen tatsächlich auch zu schätzen. Dass sie sich seltener darauf einlassen, liegt eher daran, dass sie nicht als „Schlampe“ gelten wollen oder einfach kein befriedigendes Ergebnis erwarten.

    Rassismus, Sexismus, Trans- und Homophobie sind nicht harmlos, sondern tödlich. Besonders schlimm wird es, wenn mehrere Diskriminierungen zusammentreffen – unter den 2011 in den USA erfassten Morden aus Hass gegen Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgenderpersonen betrafen 40% Schwarze Transfrauen. Dass es für Deutschland kaum Zahlen gibt, liegt wohl eher am notorisch zugekniffenen Auge, als an paradiesischer Friedfertigkeit. Zuletzt hat die EU-Studie zu Gewalt gegen Frauen ein düsteres Bild gezeichnet.

    Das alles zu wissen oder zu recherchieren ist keine Zauberkunst. Dennoch treiben in den letzten Wochen verstärkt die rechts-konservativen Schreiber_innen ihre Wutreden gegen Akzeptanz durch die deutsch-sprachigen Zeitungen und Online-Medien. Man wird ja wohl noch unwidersprochen diskriminieren und hassen dürfen! Feminist_innen sind wahlweise schuld an der verheerenden Gesamtsituation oder einfach nur zu inkompetent, ihr eigenes Leben in den Griff zu bekommen. Frauen insgesamt sowieso. Da geht es nicht um Zahlen, nicht um Erkenntnisse, nicht um Wissen. Sie zählen nichts im Angesicht eines Feuilletonisten, der dringend etwas sagen muss. Es ist der reinste Meinungsterror.