Links! Sommerpause vorbei.

In einem Blumenkasten ist eine Blume mit vielen pinken und pink-lila Blüten

Lila-pinke Sommerfrische.

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¹ Der Fachbegriff für das Durchlesen aller Comics einer Serie, eigentlich Webcomics.

Meredith Haaf über die publizistische Feminismusverbesserungs-Industrie

In der Süddeutschen (jaja) schreibt Meredith Haaf heute über die neuesten Feminismus„debatten“ und wie Anna-Mareike Krause würde ich gerne hinter jeden Satz knallrote Ausrufezeichen schreiben. Hier zumindest einer:

Wie ein Parasit hält sich eine publizistische Feminismusverbesserungs-Industrie am Leben, indem sie jene große Frage, wie die Gesellschaft gerechter werden kann, umwälzt auf die ungleich leichter zu beantwortende Frage, was am “Feminismus” unangenehm, abschreckend oder kompliziert ist.

Dass auch „Wir Alphamädchen“ diese Industrie am Laufen gehalten hat, möchte ich allerdings nicht ganz unterschreiben. Es kam zu einem Zeitpunkt, da die Debatte in Deutschland recht brach lag und brachte mit der Mädchenmannschaft ein Blog hervor, das an den vielen netzfeministischen Entwicklungen einen nicht zu unterschätzenden Anteil hat und wo ich ebenfalls geschrieben habe. Einige Frauen schrieben uns, dass wir sie inspiriert hatten, ihr Blog zu beginnen. Wir haben viele Bloggerinnen vorgestellt, vernetzt und Fragen beantwortet.

Besonders von Menschen die das Blog nie lasen oder lesen passiert allerdings der von Haaf beschriebene Mechanismus: Der Mädchenmannschaft wird seit Jahren eine gesellschaftliche Macht zugeschrieben, die nüchtern betrachtet nicht haltbar ist. Bei #Aufschrei saßen einmal junge Feministinnen in Talkshows und wurden negativ und stereotypisierend inszeniert, wie Bianca Fritz gerade analysiert hat. Es gibt keine Buchangebote von großen Verlagen und die Bücher, die doch geschrieben werden, verhallen weitestgehend – oder saß Maria Wersig schon bei Jauch zum Ehegattensplitting?

Stattdessen kommen neue Bücher, die entweder nur als Ladentheken-Clickbait gedacht sind wie die „Tussikratie“ oder gut-gemeint und doch daneben wie „Stand Up!“ erstmal die Stereotype bestätigen, die sie doch entkräften wollen. Das habe ich bei einer Reihe von Projekten, auch und leider gerade von Feministinnen gesehen, die fühlen, sich von den Klischees abgrenzen zu müssen. Leider nimmt es ihnen die Möglichkeit, dann doch einmal uncool zu sein und wütend zu werden, sich nicht die Beine zu rasieren oder lauter lila Klamotten zu tragen. Hier beginnt jede Arbeit, wie Haaf so schön beschreibt, bei null.

Dabei würde ich mich über mehr neue Bücher und Ideen freuen. Für jugendliche Mädchen sind die Bücher der Nullerjahre vermutlich schon wieder zu alt. Für junge Männer braucht es umso dringender irgendein feministisch reflektiertes Bucht. Sie können und sollten aber auf die jahrhundertelange Arbeit zurückgreifen, als in ein neues Hamsterrad zu steigen.

Dass dies wohl ein frommer Wunsch bleibt, bestätigt gleich der Twitter-Account der Süddeutschen, der die Debatte über publizistische Positionen abgewürgt und verkürzt im Tweet auf „Feminismus der nur mit sich selbst beschäftigt ist“. 140 Zeichen hin oder her – wer dem Text treu sein will, formuliert den Tweet anders.

Dark Twitter ist ein Hack für eine bessere Gesellschaft

Auf rotem Hintergrund steht: Geschlossene Veranstaltung. Darunter: Bitte weichen Sie auf unsere weiteren PC-Räume aus.

Symbolbild.

Kleiner 3 warf heute das Thema „Dark Twitter“ in die Runde, das seinem Namen alle Ehre macht und oft im Schatten bleibt. Weitergedacht ist eine Möglichkeit, Strategien für eine Gesellschaft abseits der hetero-mono-normativen Kleinfamilie zu entwickeln. Dabei ist es vermutlich die Errungenschaft, die die Leute hinter Twitter nie haben wollten.

Die miserable Umänderung der Block- in eine Mutefunktion sowie die Einführung einer „echten“ Mutefunktion und das Verhindern vom URL-Versand in direkten Nachrichten bedeuten „soviel Öffentlichkeit wie möglich“. Dennoch waren geschützte Accounts immer möglich, obwohl der Kontrollverlust nur ein Copy & Paste oder eine @-reply entfernt lauert. Die Interaktion von geschützten und offenen Accounts bleibt daher schwierig und erfordert eigentlich eine Verständigung von Fall zu Fall (deswegen folge ich so selten geschützten Accounts, sorry).

Dagegen scheint sich im Dark Twitter eine Regelung durchgesetzt zu haben: Was in Dark Twitter steht, bleibt im Dark Twitter. Große Skandale sind zumindest mir bisher nicht bekannt. Anders als das „normale“ Twitter, das zu großen Teilen auf Asymmetrie beruht, scheint jede Definition der dunklen Seite des Vogels die Symmetrie in den Mittelpunkt zu stellen: Lauter geschützte Accounts, die sich gegenseitig folgen. Quasi eine Erweiterung der direkten Nachrichten auf mehrere Personen. Da diese nur eine begrenzte Anzahl an Mitteilungen anzeigen und der URL-Versand selten klappt, fällt auch noch eine Reihe an Nachteilen weg.

Dennoch ist Dark Twitter nicht einfach nur ein Gruppenchat, wie bei Facebook oder WhatsApp, die oft als Alternativen genannt werden. Denn die große Stärke von Twitter, nur bestimmten Leuten zu folgen, spiegelt sich auch in Dark Twitter wieder. Die Nutzer_innen können selbst bestimmen, wem sie folgen und wer ihnen folgen darf. Nach Streits ist es möglich, nur eine Person zu entfolgen, die aber weiter mit allen interagieren kann – Gruppenchats fordern dagegen immer „alle oder niemand“.

Das stellt Herausforderungen an Gruppendynamiken, die vermutlich am besten mit „ewiger Klassenfahrt“ beschrieben werden können und damit außergewöhnlich sind. Immerhin mit der Möglichkeit, jederzeit zu gehen oder auch mal niemanden im Gruppenraum vorzufinden. Dort dennoch oft und ortsunabhängig Gleichgesinnte zu treffen, ist gerade dann und für diejenigen interessant, die in weniger queeren und feministischen Umfeldern leben.

„Dumme Fragen“, emotionaler Zuspruch, digitales Händchenhalten – Dark Twitter ist das folgerichtige Update der Telefongespräche mit der besten Freundin oder die Zettelchen der Jugend auf die „dauer-adoleszente Smartphonegesellschaft“. Es ermöglicht neue Intimität über die moderne Kleinfamilie hinaus, zu selbstgewählten Freund_innen. Neue Formen der Beziehungen können hier ausprobiert werden. Und wenns zuviel wird: Ausloggen und Abmelden.

Links! Doctor(in) Who und Dinge zum Zeitvertreib

In einer blauen Tasse ist schwarzer Tee mit Milch. Der Aufdruck der Tasse ist ein weißer Kopfumriss mit einzeichnetem Gehirn und der Aufschrift "Bitte Kopf benutzen"

  • Zuerst das Geld. Die „Datenbank Schriftstellerinnen in Deutschland, Österreich, Schweiz 1945-2008“ braucht Geld, für einen vernünftigen Relaunch. Mehr Crowdfunding-Projekte haben wir bei Herzteile gesammelt.
  • Doktor Who Special: The Mary Sue hat der Idee eines weiblichen Doktors hinterher recherchiert – bereits 1987 schlug einer der Köpfe hinter der Serie dies vor. Die Frage, wie es sich mit Sexismus in der Serie seit ihrem Reboot verhält, hat Rebecca Moore in einem Studienprojekt erforscht.
  • Nehmen wir (bzw. Bachelorstudierende in den USA) weiblich benannte Stürme als weniger schlimm wahr? Vermutlich. Dass dies aber zu mehr Todesfällen führt, wie derzeit überall berichtet, ist deutlich fragwürdiger.
  • 15 feministische Comics oder wenigstens mit Frauenfiguren, die nicht nur Tropen sind, die die Handlung vorantreiben – sondern echte Charaktere. (via @ti_leo
  • Im Jugendroman „The Truth About Alice“ geht’s um slut shaming, im Film „Obvious Child“ um Abtreibung und das endlich einmal realistisch.
  • Noch zwei Artikel bei Salon: Ein Interview zu schlecht-bezahlter, sinnvoller Arbeit, gut-bezahlten Bullshit-Jobs und warum das gute Leben nach der indutriellen Revolution immer noch nicht da ist. Angi Becker Stevens über ihren Alltag mit einem Ehemann und einem Freund.
  • Vom 4. bis 11. August ist in Calafou, Spanien das TransH@ckFeminist (THF!) camp, organisiert in Zusammenarbeit mit dem eclectic tech carnival.
  • Links! Männlichkeit, schlechte Software und Frauenkörper

    Stern-Titel mit Aminata Sanogo und der Aufschrift „100 Gründe Deutschland zu lieben“, Grund Nr. 61 ist, dass sie sich „lässig“ gegen Rassismus wehrte.

    Deutschland ist so toll, hier dürfen sich Betroffene gegen Rassismus wehren. Aber nur ganz nett.

    • Keine Zeit, kein Geld, keine Ahnung oder kein Interesse. Die Gründe, schlechte Arbeit abzuliefern, sind vielfältig. Welche Faktoren noch dazu kommen, damit am Ende schlechte Software rauskommt, hat Quinn Norton aufgeschrieben.
    • Sexualisierte Gewalt wird langsam als eine Waffe im Krieg anerkannt. Der Umgang mit den Opfern lässt allerdings auch von Seiten der Straf­ver­folgungs­be­hörden immer noch zu wünschen übrig, wie Monika Hauser berichtet.
    • Elliot Rodger wollte mit Morden seine Männlichkeit demonstrieren und in diversen Sozialen Netzwerken geht gleichzeitig ein Text rum, wie furchtbar die Verweiblichung der Jungen heute sei. Dieses Männlichkeitsbild ist kaputt, befindet Journelle.
    • Arthur Chu über das Problem mit dem Anspruchsdenken vieler männlicher Nerds auf Frauenkörper – und wie das tagtäglich in den Medien unterstützt wird.
    • Webcomic-Zeit: Pussybear über das Leben als fat queer feminist butch trans* poly nerd.
    • X-Men: Days of Future PastY U SO LITTLE KITTY PRYDE?
    • Mikrobiome, also die Gemeinschaften der in uns lebenden Mikroorganismen, sind gerade ein großes Thema in der Biologie. So hieß es lange, in Vaginas müssten Laktobazillen leben. Tatsächlich aber scheint es auch hier viel größere Diversität zu geben, als bisher bekannt.
    • Noch mehr Wissenschaft (from the Department of Duh). Diskriminierung kommt selten durch ausgesprochenen Hass zustande. Sondern durch das Bevorzugen von Menschen, die einem selbst ähnlich sind. Mit Chancen­gleich­heit oder Qualifikationen hat das natürlich noch lange nichts zu tun.
    • Aufgepasst im Buchregal: Falsch verstandene wissenschaftliche Erkenntnisse und wilde Behauptungen „erklären“ jetzt den Aufstieg des Westens und die Kolonialgeschichte. Rassisten klatschen natürlich gleich Beifall.
    • In Leipzig soll die Frauenbibliothek MONAliesA gerettet werden und braucht dafür Geld. Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt, so dass Spenden wieder von der Steuer abgesetzt werden können.
    • Unterstützung sucht auch die angehende Naturpädagogin Nimue Dröge für eine Umweltbildungstour durch Europa im Sommer.
    • In eigener Sache: Für Herzteile habe ich das Buch „Gender in Gamesgelesen. In dem auch ein Interview mit mir steht.

    Über die Normalisierung von Gewalt in „mobil“ der @db_bahn

    Im Zug nach China (naja, zum Flughafen) las ich mobil, das Magazin der Deutschen Bahn. Dort stolperte ich in der April-Ausgabe über ein Interview mit Frauke Ludowig, was ich auf Twitter dokumentierte. Angesichts der aktuellen Debatte um das vermeintliche Anrecht von Männern auf sexuelle Handlungen mit Frauen Frauenkörpern (und die grausamen Folgen bei Zurückweisungen), habe ich mich an das Interview erinnert und der Bahn geschrieben.

    2 „Die Zunge von Keith Richards“: Keith Richards hat ein ungewöhnliches Begrüßungsritual – er schiebt Gesprächpartnerinnen gerne seine Zunge in den Mund. Uuuh! Völlig verduzt führte ich das Interview, sein Geschmack nach Campari-Orange verfolgte mich während des gesamten Gesprächs. Ein Glück, dass der Stones -Gitarrist kein Zwiebelmettbrötchen gegessen hatte.

    Uuuh! Konsens zum Kuss sieht anders aus. Aber wenigstens kein Zwiebelmett!!1eins!

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    im April las ich in Ihrem Magazin das Interview mit Frauke Ludowig. Diese erwähnt, dass Keith Richards ein „ungewöhnliches Begrüßungsritual“ habe. Er stecke Interviewpartnerinnen (nicht Interviewpartnern anscheinend) gerne die Zunge in den Mund.

    Wie Frauke Ludowig mit dieser Situation umgeht, bleibt ihr überlassen. Solange die Interviewerinnen aber keine Einwilligung geben, ist solches Verhalten in Deutschland sexueller Missbrauch und damit prinzipiell strafbar. Dies nun so stehen zu lassen leistet einer Kultur Anschub, in der die sexuelle Selbstbestimmung von Menschen mit Füßen getreten wird.

    Keith Richards hat vermutlich noch keine Anzeige bekommen, weil er reich und berühmt ist, die Journalistinnen sich durch eine Anzeige nicht ihre Karriere ruinieren wollen oder gar als „Spaßbremsen“ dastehen wollen. Dies unkommentiert abzudrucken unterstreicht die gesellschaftliche Verharmlosung von sexuellen Übergriffen. Es macht es schwieriger, Kinder gegen Missbrauch zu schützen, wenn schon Erwachsene diesen nicht anprangern sondern über sich ergehen lassen, um keine Probleme zu kriegen. Es macht es schwieriger, andere Verbrechen anzuzeigen, wenn deutlich ist, dass Macht und Geld vor Strafverfolgung schützen.

    Bitte denken Sie daran, wenn wir die nächste gesellschaftliche Debatte über sexualisierte Gewalt oder einen prominenten Fall ebensolcher haben.

    Mit besten Grüßen
    Helga Hansen

    „Mehr Kernthemen, weniger Refugees“?! Ein #Piraten-Text

    Während die AfD trotz interner Streitereien und peinlicher Vorgänge ein Rekordergebnis auffährt, bleiben die Piraten bei der Europawahl hinter den selbst-gesteckten Erwartungen zurück. Nun tönt es „weniger Refugees/Flüchtlingspolitik“ und „mehr Kernthemen“. Das, liebe Piratenmenschen in Deutschland, ist keine Parole für die Zukunft, es ist seit Monaten Eure Linie und es ist genau Euer Problem.

    Ihr wollt alles anders und besser machen, als andere Parteien. Ihr wollt transparent sein und stehen bleiben, wo andere umfallen. Dafür haben Euch in Berlin sehr viele Menschen gewählt. Aber „weniger Flüchtlingspolitik und mehr Kernthemen“ steht entweder für Intransparenz oder fürs Umfallen, im schlimmsten Fall für beides.

    Eure Kernthemen scheinen, pauschal zusammengefasst, weniger Überwachung und mehr Datenschutz, um Menschen ein selbstbestimmtes, „freies“ Leben zu ermöglichen. Wenn ihr konsequent seid, dann gilt das eben nicht nur im Internet, für all uns Leute mit der Kohle für Laptop, Smartphone und Flatrate, sondern auch da draußen. Für alle Menschen. Wenn Euch ärgert, dass Ihr bei YouTube nichts gucken dürft, weil in Deutschland alles gesperrt ist, dann gehört da auch zu, dass menschenfeindliche Asylbedingungen und rassistische Passkontrollen. Das kommt vom gleichen Misthaufen.

    „Jaha,“ werden nun einige sagen, „das ist ja auch doof. Aber müssen wir unsere Positionen gleich an die große Glocke hängen?“ HALLO MERKT IHR’S NOCH? Maulkörbe, Mauscheleien und größt-mögliche Intransparenz, damit irgendwo uninformierte Bürgerinnen und Bürger das Kreuzchen für Euch setzen?

    Was Ihr jetzt machen müsst, ist Euch zu entscheiden, liebe Parteimitglieder. Ihr könnt heute gegen die Länderbeschränkungen bei YouTube kämpfen und morgen dann bei iTunes und übermorgen bei Mega Quizduell, in dem nur noch Deutsche mit Passverifikation antreten dürfen. Weil ihr die grundlegenden Mechanismen übersehen habt und stattdessen gegen Windmühlen kämpft. (So läuft das übrigens gerade bei ACTA, TTIP und was noch alles kommen wird.) Dazu könnt ihr dann am Infostand noch flüstern, dass rassistische Anmachsprüche irgendwie doof wären und beim nächsten Vorfall würde vielleicht was passieren.

    Dann seid Ihr umgefallen und niemand hats gesehen. Vermutlich guckt auch einfach niemand mehr hin, denn solche Politik haben wir genug, dafür brauchen wir nicht noch eine Partei.

    Oder Ihr denkt Eure Positionen zu Ende und vertretet die konsequent – innen und außen, auf der Straße und im Internet. Mit @senficon habt Ihr eine Abgeordnete, der ich das tatsächlich zutraue. Ich wünsche Ihr, dass Ihre Partei es ihr nachmacht.

    Links! Bevor ich mal weg bin.

    Ausschnitt aus einem chinesischen Visum

    再见!

    • Die University of Wisconsin richtet das erste us-amerikanische Post-Doc-Programm in feministischer Biologie ein. Dass ein kritischer Blick auf von Geschlechterverhältnissen eingefärbte Forschung auch 2014 noch notwenig ist, zeigt nicht zuletzt die penis-fixierte Berichterstattung über das neu-entdeckte Gynosom.
    • Die murkselige Entscheidung über patentierte Gene hat Orphan Black in der 2. Staffel aufgegriffen. Aisha Harris zieht außerdem die Verbindung zu den Kämpfen von Frauen um reproduktive Rechte und körperliche Autonomie.
    • Erkenntnisse aus der Wissenschaft, über das bisher kaum erforschte Leben minderjähriger Sexarbeiter_innen in den USA. Die gute Nachricht: sie sind viel seltener unter der Knute böser Zuhälter als befürchtet. Die schlechte: Obwohl Viele aufhören wollen, gibt es keine einfache Lösung, ihnen zu helfen. Eine Re-Kriminialisierung oder die verstärkte Verfolgung von Zuhältern oder Kunden würde den Betroffenen das Leben nur deutlich schwerer machen.
    • Kate Losse über die Geschichte der Brogrammer, die eine sich-selbst-erfüllende Prophezeiung wurden und nun auch als Abgrenzungsmechanismus für die „guten“ Programmierer dienen.
    • Und täglich grüßt der Rechtsstaat: Der Geschäftsführer einer Onlinewerbefirma ist mit einer Bewährungsstrafe davon gekommen, obwohl ihn seine Kamera in seinem Schlafzimmer bei aufgenommen hatte, wie er seine Freundin brutal misshandelt.
    • Weiße Menschen, die sich „Schlitzaugen“ ziehen, verstärken rassistische Stereotype, auch „sexy Geisha“-Kostüme werden kritisiert. Ein handliche Übersicht schafft Klarheit, welche Praktiken kulturelle Aneignung bedeuten und was Respekt für andere Kulturen beinhaltet.
    • Das .dpi – Feminist Journal of Art and Digital Culture sucht Beiträge für Ausgabe 30 zum Thema „Cyber Surveillance“. Schwerpunkt ist die „Informatisierung von Körpern“.
    • Nun hat Amazon auch noch Comixology (die beliebte Comic-App) gekauft. Wird es für kleine Comicbuchläden das Aus bedeuten, wie zuletzt für kleine Buchläden? Oder haben die Comicläden vielleicht noch ein ganz anderes Problem?
    • Falls ihr es Samstag nach Hannover schafft: Dort wird ab 10 Uhr gegen eine GesundheitsEsoterikveranstaltung demonstriert, auf der Chlorbleiche als Medikament (besonders bei Autismus) empfohlen wird.

    Blogstöckchen: 5 Bücher

    Großaufnahme eines Bücherregals mit den folgenden RÜcken: "Out" von Natusuo Kirino, "Villain" von Shuichi Yoshida, "A loyal character dancer" von Qiu Xiaolong, von Tess Gerritsen "Body Double", "The Bone Garden", "Vanish" und "The Mephisto Club", von Lindsey Davis "Poseidon's Gold" und "Nemesis", "Believing the Lie" von Elizabeth George, "Blumen für das Grab" von Ann Granger und "Kalte Asche" von Simon Beckett.

    Die Ninia hat gesagt, ich solle Euch fünf Bücher empfehlen, die ich schon habe, aber die noch ungelesen sind. Und keine Fortsetzungen. (Naekubi auch, aber die war langsamer.) Das trifft mich natürlich genau dann, nachdem ich einmal einen Haufen Bücher fertig gelesen habe. Aber noch ist Backlog über:

    Und weil Bommeljogi uns das alles eingebrockt hat, ohne selbst ein Stöckchen bekommen zu haben, stehle ich mich so langsam in den Urlaub. Nadia hat auch schon geschrieben.

    TV! Einfach und einfach gruselig: Bletchley Circle

    Auf einem gepunkteten Boden stehen vier weiße Frauen, drei davon in überknie-langen Kostümen, eine geschminkte Frau im Hosenanzug.

    Promobild der Serie: Lucy, Susan, Joan und Millie

    Was Krimis angeht, bin ich abgehärtet. Dachte ich. Denn trotz schon fast exzessiven Schauen diverser Serien hat mich Bletchley Circle mitgenommen. Wie bereits Call the Midwife und Miss Fisher’s Murder Mysteries ist es eine historische Serie. Anders als diese vermittelt es aber einen subtilen Horror, der über die gruseligen Morde hinausreicht.

    Es geht um vier Frauen, die im zweiten Weltkrieg im britischen Bletchley Park an der Entschlüsselung deutscher Nachrichten arbeiteten. Joan war ihre Aufseherin und arbeitet nun, 9 Jahre später, in einer Bücherei. Susan lebt ein bürgerliches Leben mit Mann und Kindern, das sie aber zusehends frustriert. Millie hat auf Reisen zunächst ihre Freiheit genoßen und hält sich nun als Kellnerin über Wasser. Lucy ist die jüngste, hat ein fotografisches Gedächtnis und gerade geheiratet. Als einige junge Frauen ermordet werden, erkennt Susan ein Muster. Nachdem sie vor den Augen der Polizei falsch liegt, beschließt sie, dennoch nicht aufzugeben. Sie sammelt ihre alten Kolleginnen ein, um genauere Daten zu bekommen und ihre Berechnung zu verbessern.

    Während die Hebammen aus Poplar stets einen positiven Ausblick auf das Leben versprühen und Phryne Fisher sich allen Konventionen widersetzt, ist Bletchley Circle brutaler. Über den Krieg will und darf niemand sprechen, erst recht nicht Frauen. Früher haben sie Gefechte verhindert und entschieden, heute sind Mann, Kinder und Hausarbeit ihre wichtigste Aufgabe. Geistige Verrenkungen haben sich auf Kreuz­wort­rätsel und Mathepuzzle zu beschränken. Wenn die Polizei einem ihrer Hinweise nachgeht, dann nur aus Höflichkeit.

    Wie bei den anderen Serien spielen auch hier die Kostüme eine zentrale Rolle. Wie sich unsere Wahrnehmung gegenüber der zeitgenössischen Wahrnehmung dabei unterscheidet, hat Gavia Baker-Whitelaw aufgeschlüsselt. Denn die Opfer werden, hello victim blaming, nicht als „Menschen wie wir“ angesehen, sondern als „solche Mädchen“. Ihr Make-Up und ihre Kleidung zeigen dies, wie auch ihre Bewegung im öffentlichen Verkehr ohne Begleitung. Einzig den Frauen des Bletchley Circles liegen sie am Herzen. So ist die Serie eine weitere kleine, feine Ausnahme, die Frauen und ihre Freundinnenschaft in den Mittelpunkt stellt.

    Zusammengefasst: „Seid füreinander da und gebt aufeinander acht, sonst tut es niemand.“ 62 Jahre später eine deprimierend aktuelle Botschaft.

    Die beiden Staffeln von Bletchley Circle sind derzeit als DVD-Import aus Großbritannien erhältlich. Eine dritte Staffel ist leider nicht geplant.