Links! Frauen: Überall und nirgends.

Auf einem roten Dachsims ist ein Reiter auf einem Pferd, dahinter fünf Fantasielöwen und ein Drachenkopf.

Vermutlich mein Lieblingsmotiv in Peking: Die Reiter auf den Dächern.


Als Schwarze Posterfrau aus Fotos das eigene Gesicht für (ansonsten WHM-dominierte) FOSS-Projekte herzeigen? Camille E. Acey hat Bedenken.

Auch Alyssa Rosenberg schrieb über die Diskussionen um Diskriminierung in Geekbereichen: Geeks have become their own worst enemies.

Und die New York Times über die aktuelle Diskussion und Studien zu sexualisierten Übergriffen in der Wissenschaft.

Das Magazin make stellt die Frage, wo Frauen in den Makerspaces seien (und wie sie hineinkommen).

Über die alltäglichen Absurditäten, die Frauen in technischen Berufen so erleben.

Auf Der k_eine Unterschied berichtet aus der Archäologie, wie das heutige Geschlechter_un_wissen in die Erklärungen historischer Funde einfließt.

Sexismus und unrealistische Schönheitsstandards. Leider auch als Grundideen im Photoshop-Kurs der Wahl. Zu lesen bei The F-Word.

Deutlicher ist es wohl kaum zu zeigen: Superheldinnen, bzw. die Superhelden-Kostüme für Frauen, sind eine Möglichkeit und werden auch als solche genutzt, um Männer lächerlich zu machen.

Ich war mir sicher, es schon verlinkt zu haben, aber … nope?! io9 über Schwarze Superheldinnen, die nicht Storm sind. Und über „starke“ Frauencharaktere, die Fehler machen und daraus lernen.

Wo beginnt eigentlich die Privatsphäre? The New Yorker hat ein Essay über die Ideen von Virginia Woolf, über Privatheit in Beziehungen.

Bei Astrodicticum Simplex lief gerade ein Blog-Schreibwettbewerb. Dort gibt es einen Beitrag zu ersten Erkenntnissen zu Geschlechterunterschieden bei Auto-Immunkrankheiten (sowohl mehr medizinische Forschung als auch Gender Studies in diesem Bereich tun not). Ebenfalls interessant: Die Grenzen des Irrtums und das Paradoxon der Wissenschaft, in der steile Thesen gebraucht werden, ihre Widerlegung gute Praxis bedeutet, aber gleichzeitig das Ansehen in der Öffentlichkeit beschädigt.

Last but not least: Why It’s Time To Put A Stop To Feminist ‘Infighting’ Accusations

Links! Mit China-Fernweh

Vor weißem Himmel ist ein kleiner Kanal mit vielen Bäumen und einem Haus an der Seite zu sehen. Weiter hinten im Bild ist eine kleine Brücke.

朱家角鎮 (Zhūjiājiǎo Zhèn), das „Venedig Chinas“

  • Im deutsch-sprachigen Podcast Fernostwärts berichten ab sofort Katharin Tai und Nils Wieland aus Peking und informieren über China und die Länder drumzu.
  • Geld über und es soll was gutes damit passieren? Dann z.B. Grow Stuff spenden, das Open-Source-Projekt für das Anbauen von Gemüse, Obst, Kräutern und anderen Nahrungspflanzen.
  • Oder an die Ada Initiative, die sich für Frauen in Open Technology einsetzt und z.B. Policies und Leitfäden für Konferenzen entwickelt.
  • Nach dem Celebgate, bei dem Nacktfotos hunderter bekannter Frauen im Internet landeten, schaut das Bitch Magazine auf die oft nicht-vorhandene Privatsphäre von Frauen und besonders denen in Gefängnissen.
  • TV-Tip von Bitch Flicks: Die Horrorserie Penny Dreadful, mit Eva Green und Billie Piper, die gemeinfreie Charaktere wie Dr. Frankenstein und Dorian Gray zusammenbringt.
  • Whoop, Staffel 2 von Attack on Titan scheint zu kommen. Und wer die erste verpasst hat: Daraus gibt es zwei zusammen geschnittene Filme.
  • Autostraddle stellt euch die Lumpy Space Princess aus Adventure Time als feministische Cartoon-Ikone vor.
  • Dass Harry Potter einer ganzen Generation von Kindern zu weniger Vorurteilen vorholfen hat, berichtete ich schon. BoingBoing veröffentlicht dazu einen Brief einer Schülerin, für die Hermione ein wichtiges Vorbild ist.
  • Wieso müssen Kundinnen und Kunden 2014 eigentlich wiederholt Lego über Petitionsseiten anbetteln, weil sie denen Geld geben wollen? Nach der Kampagne für das Wissenschaftlerinnen-Set läuft nun die nächste, das ausverkaufte Set auch weiterhin anzubieten.
  • Und sonst so?

    Nicht nur dieses Blog erwacht langsam wieder aus der Post-Frühjahrsmüdigkeit. Auch bei Herzteile geht es weiter. Es gibt die gesammelten Links zu Games-News (die es hier nicht gibt), wir haben über #Gamergate geschrieben und heute einen Bericht über Tampon Run. Einerseits mag eins den jungen Macherinnen im aufgehetzten Klima gar keine Aufmerksamkeit zumuten. Andererseits ist ihre Arbeit wichtig. Als Mädchen ein Computerspiel zu programmieren bedeutet, sich gegen eine Industrie zu stellen, die sie lange explizit nicht als Kundinnen ernst genommen und angesprochen hat; und wenn doch, nur mit rosa Tierkliniksimulationen (nichts gegen diese Spiele, das nur ist das Problem). Das englisch-sprachige Medienecho wächst zumindest jede Minute.

    PS: Beim Kotzenden Einhorn sind wir auch im Blog. Direkt neben, äh, eigenartigen Computerreparaturmethoden. o.O

    Links! Mit ganz viel Squeee (soooo niedlich)

    Auf einer Leinwand sind verschiedene Quarks und ihre Ladungen abgebildet. (Im Stratum 0 machen wir immer nur Quark.)

    Pub Quiz! (Bei Fragen vertrauensvoll an @ktrask23 wenden.

  • Vermutlich das Beste am Marvel-Spiderwoman-Desaster: 25 alternative „sexy“ Titelbilder männlicher Superhelden.
  • Uuuund eine illustrierte Übersicht der Catwoman-Kostüme.
  • Squee! Ein Baby-Groot zum Selberhäkeln! (PS: Das Bitch Magazine über Gamora und die stereotypen starken aber humorlosen Frauen).
  • Autostraddle über eine Studie, nach der mehr lesbische und bisexuelle Frauen als „übergewichtig“ gelten als heterosexuelle. Dabei sehen sie sich selbst oft als „normalgewichtig“, während „normalgewichtige“ heterosexuelle Frauen sich eher als „übergewichtig“ empfinden. (Alles nur berechnet über BMIs, keine weiteren Gesundheitsdaten.)
  • Von Sophie Scholz und Asmaa Mahfouz haben wir hoffentlich schon alle gehört – die anderen acht Revolutionärinnen dieser Liste waren mir allerdings noch unbekannt.
  • Der “Books aren’t Dead” (BAD) Podcast des Fembot-Collective über junge Chinesinnen die vom Land nach Peking gezogen sind und wie sie ihre Smartphones nutzen.
  • Interview mit Leigh Honeywell zum Stand der feministischen Hackerspaces.
  • Links! To Be Continued

    Auf einem grauen Hintergrund sind bunte Quadrate sowie ein roter und ein gelber glitzernder Umriss.

    CC BY-NC-ND 3.0 johanna

    Video via Boingboing

    Wo bleiben die Lösungen? Über die #FsA14

    Gestern war in Berlin die siebte Demo „Freiheit statt Angst“ und nach einigen Malen „dabei seins“, gar mitorganisierens, bedeutet sie mir inzwischen nichts mehr. Außer Ideenlosigkeit, die an meinem Leben völlig vorbei geht.

    Die Schlagwörter um Snowden und Geheimdienste beherrschen die Rhetorik, Angstszenarien statt Freiheitsutopien die Werbebilder. Dabei sind das Überwachungstendenzen, die mit meinem Leben nichts zu tun haben. Es ist kein gutes Gefühl, das potentiell jeder Geheimdienst alles über mich weiß, aber die stehen auch nicht vor meiner Tür.

    Überwachung und Angst statt Freiheit sind real. So real, dass vermutlich alle Betroffenen anderes zu tun haben, als die FsA zu organisieren. Abseits von Geheimdiensten ist Überwachung mit sofortigen Konsequenzen an der Tagesordnung. Für Hartz-IV-Bezieher_innen (die sich auch nicht unabgemeldet frei bewegen dürfen) und künftig noch stärker deren Partner_innen. Für Flüchtlinge, die sich manchmal immerhin bundeslandweit bewegen dürfen. Für Nicht-weiße Menschen, die aufgrund ihrer Hautfarbe jederzeit mit „anlasslosen“ Kontrollen rechnen müssen. Für Schwangere und Eltern mit kleinen Kindern, die zwischen Übergriffen in die Intimsphäre und als unterstützend empfundenen Untersuchungen abwägen müssen. Für politisch aktive Frauen mit Meinung, denen von doxing bis Morddrohungen alles passieren kann.

    Mehr als ein Bett für Snowden und erwartbar konsequenzlosen Forderungen nach Konsequenzen für Geheimdienste braucht es Ideen, Lösungen und Utopien für eine Gesellschaft ohne allgegenwärtige Überwachung. Edward Snowden vor einem Untersuchungsausschuss schafft keine Zählung der Zahnbürsten in WGs ab. Aber ein anderer Blick auf Flüchtlinge, Migration und Nationalität bringt neue Perspektiven in der Polizeiarbeit, die Vorratsdatenspeicherung will, weil sie an Ländergrenzen „scheitert“.

    Stattdessen verkauft ihr uns einen Anzugträgerblock als normale Leute. Lösungen sehen anders aus.

    PS: Siehe dazu auch Claudia Killian.
    PPS: Ich weiß, dass es einen Hurenblock gab. Ein Block mit einem aktuellen konkreten Anliegen macht noch keine gesellschaftliche Utopie.

    Links! Die mit dem Satire-Reminder.

    Auf schwarzem Hintergrund stellt eine Person die folgende QUIZFRAGE: was ist eine satire über Sexismus, wenn sie nicht (mehr) als satire zu erkennen ist? Die Antwort in einer Sprechblase: SEXISMUS!

    CC BY-NC-ND 2.0 trouble_x

  • Erwachsene Autist_innen erfahren häufiger sexualisierte Gewalt als Erwachsene ohne Autismus, Frauen wiederum mehr als Männer. Dies hängt vor allem an ihrem mangelnden Wissen über Sexualität und Übergriffe, das sie seltener durch Austausch mit anderen Menschen sondern eher über mediale Darstellungen erhalten.
  • Twitterfund: Ein Erklärbärintext über Schwangerschaft, der die grimme, brutale Realität darstellt, in der Schwangere und Embryonen um Nährstoffe und das Überleben kämpfen
  • Für Sci-Fi-Fans: Sieben Schwarze Autorinnen, deren Bücher als nächstes auf die Leseliste sollten.
  • Eine „bessere Stadt-Erfahrung“ versprechen die Macher_innen von neuen Stadtbewertungsapps, die Hinweise zu vermeidenswerten Gegenden sammeln. Und meinen am Ende doch nur das Verbreiten von Vorurteilen, oftmals rassistischer Natur.
  • Das zu einer Zeit, in der die Broken-Windows-Theory, nach der ein kaputtes Fenster den Weg zu weiterer Kriminialität öffnet, stark kritisiert wird. Denn in der Praxis trifft es vor allem nicht-weiße Menschen und bedeutet immer härteres Vorgehen, bis hin zum Tod Unschuldiger.
  • Leider ebenfalls nicht empfehlenswert aufgrund von Rassismus: Ridley Scotts Exodus-Verfilmung. Im historischen Ägypten angesiedelt spielen lauter Weiße die Hauptrollen, während Schwarze Schauspieler_innen die Dekorollen übernehmen.
  • Bei Bitchflicks:Top 10 Superheroes Who Are Better As Superheroines
  • Nicht nur Star Trek-Fans haben Susan Oliver schon einmal gesehen – ganz in grün, als „Orion-Sklavin“. Darüberhinaus ist ihre Karriere als Schauspielerin und Pilotin aber leider fast unbekannt (auch mir bis eben).
  • Was passiert, wenn auch frau sich einmal breitbeinig in den öffentlichen Nahverkehr setzt? Eine Reporterin hat es ausprobiert. Und fände offizielle Kampagnen gegen Breitmachmackerei nun sinnvoll.
  • Den immer kleiner werdenden Anteil an Interviewpartnerinnen Im Gespräch bei Deutschlandradio Kultur hat SchspIN nachgezählt und gleich mögliche weibliche Gäste recherchiert.
  • Liebe Schwangere, nicht einschüchtern lassen durch die Epigenetik!

    Ein Kugelmodell der Elemente der DNA: Miteinander verbundene rote, weiße, blaue, schwarze und gelbe Kugeln.

    CC BY 2.0 net_efekt

    In der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature ist ein Kommentar zu den Tücken der medialen Aufbereitung von Epigenetik. Epigenetik beschreibt das An- und Abschalten von Genen, ohne die Abfolge der Gene zu verändern. Eine Reihe von Faktoren spielen dabei eine Rolle, aber welche Änderungen Babies im Leib der (oder des) Schwangeren erfahren, wird am häuftigsten diskutiert – gerne auch mit alar­mis­tischen Warnungen ohne wissen­schaftliche Grundlage.

    Dies reihe sich ein in eine Tradition an Überwachung und Mythenbildung um Mütter. So ist Alkohol während der Schwanger­schaft bis heute strengstens verpönt, obwohl für geringen bis moderaten Alkohol­konsum wiederholt keine negativen Kon­se­quenzen gefunden wurden. Auch die Panik über sogenannte „Crack-Babies“ hat sich nach 30 Jahren als überzogen heraus­gestellt; Weit schädigender als Crack­konsum in der Schwanger­schaft ist das Auf­wachsen in Armut. Vor der gerade grassierenden Impf­panik waren „Kühl­schran­kmütter“ an autistischen Kindern schuld. Und im 19. Jahr­hundert wurden Schwangere, noch ohne epi­gentische Grund­lage, vor den gleichen Dingen gewarnt wie heute: Ernährung, Stress und dem Um­gang mit den falschen Leuten.

    Epigenetik könnte nun der nächste heiße Trend der Gängelung durch Sorge werden. Denn nachdem lange geglaubt wurde, die umgelegten Genschalter würden bei neu­ge­borenen Babies „auf Werkseinstellungen“ zurückgesetzt, wird inzwischen immer deut­licher, dass auch diese Ver­änderungen vererbbar sind. Traumatische Er­fah­rungen und extremer Hunger sind zwei Faktoren, die epigenetisch vererbt werden. Allerdings passiert dies nicht aus­schließ­lich über die Schwangeren, in deren Bauch der Embryo heranwächst. Auch Spermien tragen ihren Teil dazu bei und manche Ver­ände­rungen werden über Generationen hinweg weiter gegeben.

    Da die meisten Studien bis heute an Tieren durchgeführt werden und viele Kom­po­nenten miteinander sehr komplex verwoben sind, lassen sich derzeit keine seriösen Rat­schläge ableiten. Schließlich sind einige Faktoren ge­sell­schaft­licher Natur. Armut, rassistischer Dis­kriminierung oder Gift­stoffen in der Umwelt kann eine schwangere Per­son zu oft gar nicht ent­kommen. Hier, so die Autor_innen, sei ge­sell­schaft­licher Wan­del statt in­di­vi­du­eller Lö­sungen nötig.

    Was der Kommentar noch außen vor lässt: Epigenetische Veränderungen lassen sich rückgängig machen. Wie sich das beeinflussen ließe, ist noch nicht erforscht, möglich ist es aber. Also, nicht einschüchtern lassen!

    [Update, 21.8.2014: Epigenetik: Wissenschaftlerinnen sagen “Don’t blame the mother!” – Beitrag von Mama arbeitet]

    Links! Die mit der pinken Sonnenbrille

    Auf schwarzem Hintergrund ist ein Anstecker in Form einer pinken Sonnenbrille zu sehen.

    Immer schon lässig bleiben!

  • Moar Sailor Moon Crystal: Naekubi über ihren Einfluss auf ihre asiatisch-deutsche Identität.
  • Auf Tumblr wurden die Werbefotos für die verschiedenen Staffeln von Doctor Who unter die Lupe genommen.
  • Was passiert, wenn nur ganz bestimmte Gruppen zu Open Data-Projekten beitragen? Dann sind z.B. auf OpenStreetMap eher Informationen zu Stripclubs als zu Kindertagesstätten zu finden.
  • Die Anzeigen wegen Vergewaltigung in Delhi hat The Hindu analysiert und findet ein kompliziertes Bild. Die kürzlich verschärften Gesetze werden dabei den Betroffenen nicht helfen. Was leider fehlt: Angaben zu allen nicht angezeigten Vorfällen.
  • Marvel can’t make movies with women because they never made movies with women. m(
  • Die Wissenschaftlerin Breanne Fahs hat (feministische) Probandinnen ihre Körperhaare wachsen lassen. Ihr werdet nicht glauben was dann passiert ist: Homophobie, negative Reaktionen männlicher Partner und Eltern und ständiges Gedankenkreisen um die Haare. (Direkt zur Studie)
  • Die letzten Lücken im Periodensystem der Elemente sind endlich gefüllt. Da fängt es an zu wackeln.
  • Und zwei weitere Beiträge zur Debatte um Öffentlichkeit und Privatheit, das Spektrum dazwischen und den sozialen Erwartungen, die mehr als technische Möglichkeiten unsere Erwartungen prägen: danah boyd findet „Spektrum“ noch zu kurz gegriffen, es sei vielmehr ein Wollknäuel, der sich noch dazu beständig verändere. Chris Hoofnagle erklärt, warum „einen ausufernd datensammelnden Service verlassen“ so selten gemacht und das „Aufbegehren“ (Voice) im Service selbst viel eher gewählt wird.
  • Wenn Bro-Mentalität auf gesellschaftliche Konventionen trifft – der inszenierte Shitstorm

    Seit vorgestern tobt der Kampf um Deutungshoheit über Sexismus und Tweets unter der Gürtellinie durch die „die Netzgemeinde™“ und erschließt sich, da ohne Hashtag, den meisten leider nicht. „Femtroll“ wird zum Schimpfwort der Stunde, nachdem eine feministische Bloggerin den letzten Witz eines Technikbloggers nicht lustig fand.

    In kurz: Wehe denen, die den „Techbros“ sagen, dass sie nicht so nett sind, wie sie sich selbst so gerne sehen.

    Mitten in eine Twitterdebatte quatscht Sascha P. (25.000 Follower) am Montag eine Bloggerin (5.000 Follower) von der Seite an. Die von ihr vertretene These „die Netz­gemeinde™ umfasst nur einen kleinen Teil der Menschen auf Facebook, Twitter, YouTube“ basiere auf seinem Vortrag „warum YouTube die Zukunft ist“.

    Im Geplänkel danach lässt er trotz ihrer humorvollen Konter nicht locker sondern eskaliert zusehends. Nach dem „Ich bin so cool, ich kenne dich eh nicht“ kommen Spitzen auf fix ergooglete Fakten „da stellen die jetzt Leute ohne Qualifikation ein?“ Früher auch Schwanzlängenvergleich genannt, sind diese unproduktiven Duelle inzwischen als ein Faktor für leaky pipelines und den Exodus von Frauen aus männlich-dominierten Bereichen benannt.

    Ob er seine niederträchtige Sprüche eigentlich geil fände, wird der Mann nun gefragt. Und weil da statt „geil“ ein Slangwort für Masturbieren steht, braucht es zur nächsten Entladung nur die Anstachelung durch einen weiteren Twitterer. Klar würde er das tun, da müsse die Frau nun durch. Ein bemitleidenswertes Zwinkersmiley schließt den Tweet. Es erschließt sich nicht ganz, ob als Wichsvorlage die Bloggerin selbst gemeint sei oder das erniedrigende Verhalten ihr gegenüber. Ist dann aber nichts, was ich wirklich wissen möchte.

    Als Reaktion auf so einen Tweet wäre selbst WTF noch untertrieben, der Kommentar ist aber nur eine nüchterne Zusammenfassung. Insgesamt haben wohl die wenigsten Frauen Interesse daran, öffentlich als Wichsvorlage diskutiert zu werden (denn natürlich geben seine Follower jetzt ihren Senf dazu). Initiationsriten gibt es viele, aber mir fällt kein Zeitalter ein, in dem Frauen „da durch mussten“.

    Was danach passiert, lässt sich nur noch als kognitive Dissonanz beschreiben. Dass hier eine Grenze überschritten wurde, was nicht mehr weggelächelt werden kann, kollidiert mit der Ansicht, eine gesellschaftlich akzeptierte Aussage getätigt zu haben. Herr P. macht ein Bild seiner eigenen Tweets, inklusive der Zusammenfassung durch die angesprochene Bloggerin. Er kommentiert seinerseits, hier würde jemand einen #Aufschrei faken. Wobei er der erste ist, der den Hashtag verwendet. Und zieht dann ihre geistige Gesundheit in Zweifel.

    Inzwischen hat er seine Sicht der Dinge ausführlich auf seinem Technikblog dargestellt und mit „Femtrollen“ den Begriff „Feminazi“ gerade noch umschifft. Journalisten und Dudes (natürlich auch ein paar Frauen) springen ihm rudelweise bei. Irgendwo zwischen „Unparteilichkeit“ und „ich kenne nur seine Sichtweise, also retweete ich gleich den Text“ pendelt sich die Debatte ein, ob Frauen jetzt noch „Masturbieren“ sagen dürfen. Irgendwann ist so eine öffentliche Fickbarkeitsdebatte ja wohl erlaubt! Dass sich über das Nievaulimbo niemand wundert, das aber keine Rechtfertigung für Ausfälle ist – geschenkt.

    Aggressives Einfordern von Erklärungen, penetrantes Nachfragen ob das nicht alles ganz anders gewesen sei bei akuter Indifferenz gegenüber den Antworten wird zum Hattrick des Gaslighting. Obendrauf die Reaktion mit allen Synonymen belegen, die es zu „hysterisch“ so gibt. Bis sie ihren Twitter-Account schützt und für alle Social-Media-Kanäle Moderator_innen rekrutieren muss, weil soviel Verachtung nagt.

    Am allerschönsten sind allerdings die „Vermittler“. Die gleich raushauen, jeder Sexistenvorwurf sei überzogen, der Mann sei doch ein Guter. Markenzeichen fair and balanced. Egal wie gar nicht „Sexist“ gerufen wurde, die Unterscheidung zwischen Tun, Tat und Täter verwischt schnell beim Versuch der größtmöglichen Verteidigung. Aber Denunziation, Rufmord und Vorverurteilung – das sind immer nur die anderen.