Heute im Radio gehört: Muslimischer Feminismus

Ab 18:30 läuft derzeit immer auf DRadio Wissen die „Redaktionskonferenz“, bei der Gäste verschiedener Campusradios zu Gast sind oder neulich Chris vom Missy Magazine und gemeinsam mit den Moderator_innen ein Thema diskutieren. Das heutige Thema war „Islamischer Feminismus“ – leider schienen gleichzeitig alle Beteiligten ein schlechtes oder sogar ambivalentes Bild des Feminismus zu haben, statt explizit Feministinnen zu sein.

Relativ kurz wurde darauf eingegangen, dass auch Feminist_innen versuchten und versuchen, muslimische Frauen zu retten, selbst wenn diese das nicht für nötig halten. Desweiteren bezog sich das Unwohlsein und die Ablehnung vor allem auf Radikalfeminismus. Dabei strebt kaum ein_e Feminist_in eine reine Frauenherrschaft an oder kämpft gegen Männer, gekämpft wird für gleiche Chancen. Die Kritik, mit dem Begriff „Feminismus“ würde man die Frauen erst recht als spezielle Gruppe herausstellen, statt sie als Teil der Gesellschaft zu sehen, kann ich schon eher verstehen. Für mich klingt es dennoch danach, statt der Diskriminierung die feministische Kritik als Problem zu sehen. Don’t blame the problem, blame the messenger.

Während der Redaktionskonferenz zeichnete sich darüberhinaus ab, dass nicht nur das Wissen über modernen Feminismus begrenzt war. Wie lebt es sich überhaupt in Katar oder Pakistan, wie sind die Geschlechterrollen, welche Diskriminierung kommt vor? Da die Berichterstattung aus diesen Ländern oft einseitig und knapp ist, unser Wissen meist begrenzt, müssen diese Fragen überhaupt erst einmal gestellt werden. Eine einfache Antwort, „wie muslimische Länder sind“ und welche feministischen Anliegen dort wichtig sind, gibt es dabei nicht. So wird teilweise sehr viel Wert auf die Frauenbildung gelegt, während in anderen Ländern Kinder an Hunger sterben. Dass Argument, Feminismus müsse manchmal hinter dringenderen Problemen anstehen, teile ich dabei auch nicht. Was passiert, wenn man Gender-Aspekte außen vor lässt, zeigen die jüngst eingestandenen Versäumnisse der UN in Bezug auf die Massenvergewaltigungen in Kongo.

Schließlich kam die Diskussion noch einmal auf muslimischen Feminismus zu sprechen. Im Unterschied zum westlichen Dekonstruktvismus bzw. Gleichheitsfeminismus, betone dieser eher die Unterschiede zwischen Mann und Frau. Dass es auch in Deutschland differenzfeministische Strömungen gab, wurde noch angemerkt, dass es sie bis heute gibt, leider nicht.

Empfehlenswert ist der Beitrag auf jeden Fall, vor allem, weil einmal Musliminnen selbst reden, statt dass wie üblich über sie gesprochen wird. Noch schöner wäre es natürlich, wenn muslimische Feminist_innen verschiedener Strömungen debattieren würden.

Die Sendung ist online zum Nachhören verfügbar (der Player ist rechts in der Sidebar), insgesamt 1:30 Stunden lang und die Sprache ist Englisch.


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4 Gedanken zu “Heute im Radio gehört: Muslimischer Feminismus

  1. Ich teile deine Einschätzung! Ich muss gestehen, dass ich die Sendung teilweise etwas holprig und an manchen Stellen auch uninformiert fand, insbesondere was die verschiedenen feministischen Herangehensweisen an die Thematik angeht.

    PS: Ich glaube, du meinst die Massenvergewaltigungen im Kongo. (Wenn so etwas auch in Kenia passiert ist, dann double fail für die UN…)

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