Archiv für Januar 2011

Ganz das Nerdklischee: Fertiggerichte!

Was um alles in der Welt könnte eigentlich noch nerdiger sein als Fertiggerichte? Fertigpizza nun mal eingeschlossen. Tatsächlich kann ich auch nach all dem Studieren der Verfahrenstechnik Fertiggerichte nicht verdammen. Im Gegenteil: Ich finde sie faszinierender als je zuvor. „Die Küche war das erste verfahrenstechnische Labor“ hieß es einst im Praktikum und es werden sehr häufig die gleichen Verfahren angewandt. Meist nur unter anderem Namen. Backen kann man nicht nur Kuchen, sondern auch Keramik, das heißt dann allerdings sintern.

Nicht erst mit dem Aufkommen der Molekularküche, schon viel früher, zog die Biochemie in unsere Lebensmittelverarbeitung ein. Freilich ging es zunächst mehr um das Haltbarmachen von Lebensmitteln. Gurken wurden eingelegt, Schinken geräuchert und Marmelade gezuckert. Dank Bakterien und ihrer Stoffwechselwege haben wir außerdem Brot, Joghurt und Bier erzeugt. Mit der Erfindung des Kühlschranks und der Gefriertruhe ist nun vieles sehr lange haltbar – einiges verliert durch das Einfrieren und Auftauen aber auch seinen Geschmack, wenn das Eiweiß dabei verändert wird.

Fertigkrams ist für mich daher eine logische Weiterentwicklung. Nicht nur Haltbarkeit ist heute wichtig, möglichst schnell und einfach soll es auch gehen. Warum es dann z.B. Fertigpfannkuchenpulver gibt, dem noch Wasser zugesetzt werden muss, erschließt sich mir daher nicht unbedingt. Zwei Eier in eine Tasse geben, danach die gleiche Menge Milch und Mehl darauf geben, eine Prise Salz und etwas Öl dauert maximal 2 Minuten länger. Egal. Worauf ich eigentlich herauswollte, ist mal ein komplett anderes Fertiggericht, dass ich heute ausprobiert habe: Chatpate Chole.

Vorderseite der Verpackung von Chatpate Chole, Kichererbsen in Sauce, garniert mit Peperoni und Zwiebeln

Ein Kichererbsen-Sauté mit Gewürzen in Tomatensauce, wobei Sauté bedeutet, dass alles in einem kleinen Topf angebraten wurde und es braun aussehen muss am Ende. Leider ist das Essen in einem silbernen Beutel versteckt, den man wenige Minuten im Wasserbad erhitzt (auch das übrigens eine gängige Labortechnik). Denn: die Kichererbsen waren im Beutel nicht zu fühlen, später aber richtig groß und viele. Auch wenn man das auf dem Nachherbild nicht so sieht. Da ist die Sauce drüber, die recht scharf war. Also, für mich. Und auch wenns danach auf dem Fotos ebenfalls nicht aussieht, war sie wirklich lecker!

Eine Schale mit der braunen Kichererbsen-Sauté und einem Löffel – es sieht nicht ganz so aus, wie auf der Verpackung

Nun stehe ich also vor einem Problem, denn den Beutel soll man auf keinen Fall öffnen, bevor man das Essen erhitzt. Schneide ich ihn nächstes Mal doch auf, gucke mir das Innere an und erhitze das dann im Topf? So morgens Elmex, abends Aronal-wagemutig?

PS: Für diesen Beitrag habe ich kein Geld erhalten, ich weiß nicht mal, ob die Erzeugerfirma eine Webseite hat.

Datenschutz fängt im Kleinen an

Und vor allem dort, wo hoffentlich die Schweigepflicht eingehalten wird – im Krankenhaus. Nele Tabler berichtet von einer Klinik, die deutlich mehr wissen will, als für eine Einschätzung der Familiengeschichte wirklich notwendig ist.

Kurz darauf erhielt die Bekannte einen mehrseitigen Fragebogen, den sie ausfüllen und mitbringen sollte. Er enthält die üblichen Fragen begonnen bei der Adresse bis zu den Vorerkrankungen. Außerdem wird nach bekannten Krankheiten in der Familie gefragt, z. B. bei den Brüdern und Schwestern der Eltern – incl. den Vornamen, Alter, Beruf.

Wenn nun jemand 1 und 1 zusammenzählt (in diesem Falle vielleicht auch 3: Nachname, Vorname, Beruf…) und die Betroffenen ergooglet, ist das eigentlich eine Verletzung der Verschwiegenheitspflicht?

Frau, Fräulein, Mädchen?

Franziska Heine hat gerade einmal durchgezählt, wie sich die Bloggerinnen tatsächlich selbst bezeichnen.

  • Mädchen/Girl: 8 Blogs
  • Frau: 4 Blogs
  • Fräulein: 5 Blogs

Männliche Blogger benutzen dagegen nie(?) Wörter, um ihr Geschlecht explizit zu kennzeichnen. Ein super Beispiel für männlich als Standardeinstellung in unseren Köpfen. „Aber muss man denn sein Geschlecht unbedingt angeben“ höre ich die Gegenfragen. Muss man genau wie frau natürlich nicht, aber zum einen wird frau früher oder später immer darauf angesprochen, denn vielen Leser_innen und Kommentator_innen ist das dann doch wieder wichtig, wen sie da gerade lesen. Zum anderen will manche Frau natürlich explizit als Frau bloggen – nicht das es hinterher wieder heißt, wo denn nun die ganzen Bloggerinnen seien.

Bleibt noch die Frage, warum es denn dann ausgerechnet Girl oder Mädchen oder Fräulein sein muss.

Zunächst hat Frau für mich einen Klang nach Hausfrau, Ehefrau oder Feuerwehrfrau – etwas etikettenhaftes, das einfach nur ausdrückt, es handele sich um einen weiblichen Menschen. Oder schlimmer noch, wie Tessa anfügt, der Bezug zum Personenstand. Wie susanna ausführt eine Bezeichnung, die weiblichen Personen ihre Eigenständigkeit abspricht. Darüberhinaus scheint es mir sowieso keinen ausschließlich positiv besetzen Begriff „für uns“ zu geben. Ob Frau, Fräulein oder Lady, irgendwer hat immer irgendwas daran auszusetzen und am Ende ist es egal, welche Bezeichnung gewählt wird. Wer frau ernst nimmt, tut das, egal welches Wort im Raum steht, sondern einfach aus dem Tun heraus.

Mit der Verniedlichungsform, dem Wort für Kinder behält sich die eine oder andere auch vor, eben nicht erwachsen zu werden. Sondern sich etwas kindliches, etwas jugendliches, etwas jungenhaftes zu bewahren. Alles Wörter, die gleich viel schöner klingen. Tatsächlich verdienen einige Blogs schon mit genau den Themen Geld, die jungenhaft erscheinen – Computergames und Technikspielzeug. Wenn sie es in Deutschland noch nicht unbedingt tun, sind es trotzdem die aussichtsreichsten Kandidaten. Und während Erich Kästners Vorgabe, als Erwachsene_r noch Kind zu bleiben, vielen heute zum Lebensziel geworden ist, soll „mädchenhaftes“ dann doch wieder schlecht sein?

It’s coming.

Weißer Hintergrund mit schwarzer Schrift: IT'S COMING. Darunter in rot: FEMINIST COMING OUT DAY und rechtwinklig daneben in schwarz: 2011

8. März 2011

Lesetipps für Nerds!

Rocchus Wolff hat einen interessanten Artikel über Frauenbilder in Filmen geschrieben. Ob Actionkomödie oder Horrorfilm, oft genug nur stereotyp, manchmal aber auch alle Klischees sprengend.

Das Blog Go Make Me a Sandwich beschäftigt sich mit sexistischen Rollenbildern in Computerspielen. Zuletzt mit den „schicken“ Pressefotos aus den WoW Galerien – in denen die meisten weiblichen Charaktere mehr Wichsvorlagen, denn ernstzunehmende Spielfiguren sind.


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  • Ach Popp. Immerhin: Schöner Versuch und schöne Parade! — tweeted 10 minutes ago
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(C) Foto & Illu: Frl. Zucker

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