Archiv für April 2011

Farscape. Eine Retrospektive.

Inzwischen ist es leider eine Weile (sprich Monate) her, dass ich Farscape durchgeschaut habe, einige Punkte sind mir dennoch im Gedächtnis geblieben. Noch im letzten Jahrtausend begonnen, ist die Serie schon fast ein Klassiker, aber bis heute einzigartig. Dies beginnt bei den Charakteren, von denen einige durch Puppen der Jim-Henson-Firma Creature Shop dargestellt wurden, geht über die ganz eigene Sprache („frell you“), die für die Serie entwickelt und zieht sich auch durch den allgemeinen Aufbau. Ähnlich wie bei Babylon 5 gibt es einen Storybogen, der auf fünf Staffeln ausgelegt war, von dem aber zuerst nur 4 Staffeln realisiert wurden. Die letzte Staffel wurde stattdessen in eine Miniserie von 2×2 Stunden zusammgekürzt – ein Umstand der sie leider völlig überfrachtete.

Die Serie spielt in einem fernen Teil der Galaxie, in den es den menschlichen Protagonist John Crichton durch ein Wurmloch verschlägt. Crichton ist Astronaut und war auf einem Experimentalflug unterwegs – für menschliche Verhältnisse also auf der Höhe der Technik stellt er schnell fest, dass es überall anders schon deutlich fortgeschrittener zugeht. Zusammen mit einer bunten Truppe verschiedener Außerirdischer, von menschenähnlich bis zu pflanzenbasierten Lebensform sucht er den Weg nach Haus, als Bewohner eines lebenden Schiffs. Die meisten seiner Wegesgenossen sind entflohene Gefangene des regierenden Peacekeeperregimes, ihnen schließen sich immer wieder Entwurzelte an, die ebenfalls nach Hause wollen oder kein Zuhause mehr haben.

Wie auch Anita Sarkeesian von Feminist Frequency finde ich dabei unglaublich spannend, dass Menschen und die Erde wirklich ganz kleine Lichter sind, weit ab vom Schuß am Rande der Galaxis lebend, während sich in ihrem Herzen ganz andere Mächte tummeln. Oft genug ist die (weiße, männliche) Menschheit in Science-Fiction und Fantasy-Universen eine „junge“ Rasse, die es aber trotzdem innerhalb kürzester Zeit zu einer wichtigen Kraft schafft. Im schlimmsten Fall gibt es daneben noch alte mächtige Imperien, die aus diversen Gründen dem Untergang geweiht sind. Ein überstrapazierter Hintergrund!

Aus feministischer Perspektive sind auch die weiblichen Hauptcharaktere überaus spannend. So gibt es zum einen außerordentlich viele (zumindest laut der offiziellen Webseite, die Wikipediaseiten teilen erstaunlich viele davon nur als wiederkehrend ein). Zum anderen sprengen sie viele Klischees. Sie sind offen, selbstbewußt und selbstbestimmt in ihrer Sexualität, sie müssen sowohl aus vertrackten Situationen gerettet werden, retten aber selbst auch andere. Sie sind stark, klug, jede hat ihre ganz eigenen Probleme und alle entwickeln sich im Lauf der Serie enorm – kurz sie sind echte Charaktere statt Projektionsflächen für die Protagonist_innen und Zuschauer_innen.

Zumindest gilt das für die vier Staffeln der Serie, in der Miniserie fragt frau sich nur noch „Was habt ihr mit Aeryn Sun gemacht?” Als ehemalige Peacekeepersoldatin, die zu lange von ihrer Einheit getrennt war und somit als „unumkehrbar verseucht“ gilt, bleibt ihr zunächst nicht viel anderes übrig, als sich in der neuen Schicksalsgemeinschaft zu arrangieren. Im Laufe der Serie erwächst daraus aber immer mehr eine Familie, die sie mit all ihrem Wissen und Kampfgeist verteidigt. Bis zur Miniserie, in der sie immer hilfloser erscheint, am Ende nur noch auf ihre romantische Beziehung und die Gründung einer Mutter-Vater-Kind-Kleinfamilie fokussiert.

Eine Entwicklung die sich ab der ersten Folge von Staffel 4 abzeichnete, als sie als Zeichen ihrer Weiterentwicklung eine neue Frisur bekommt. Leider konnte sich die Darstellerin Claudia Black nicht mit dem Wunsch nach einer Kurzhaarfrisur durchsetzen und musste stattdessen eine Perücke mit Haaren bis fast zum Po tragen – unpraktisch und an Aeryn Sun völlig unglaubwürdig. Im gleichen Maße entwickelt sich John Crichton vom Alien und Außenseiter zum Retter des Universums vor dessen Zerstörung und lässt uns doch einmal wieder davon träumen, dass der Mensch die Krone der Schöpfung ist. Schade.
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Lesetipp:
Im Journal Femspec findet sich eine tiefergehende Analyse, warum es sich bei Farscape um eine Mischung aus Science Fiction und einer Seifenoper handelt. Mit Analysen von Farscape lassen sich sicher noch jede Menge Forschungsarbeiten füllen. Wer Tipps hat, immer her damit!

Nochmal zur Vielfältigkeit der #rp11

Wer ist dafür verantwortlich, eine bessere Welt zu schaffen und Ungerechtigkeiten anzugehen? Von wem muss an dieser Stelle die Initiative ausgehen? Diese Fragen wurden im Pluralismus-Panel auf der re:publica XI ja schon kontrovers diskutiert. Ich hatte es in meinen ersten Gedanken schon angesprochen, nun hat es Urmila Goel auf anders deutsch noch einmal deutlicher beschrieben:

Marginalisierten zu sagen, dass es doch ihre eigene Verantwortung sei, dass ihre Stimme wahrgenommen wird, ist eine höchst machtunkritische Perspektive. Selbstverständlich kümmern sich Marginaliierte selbst um ihre Interessen, sie erheben ihre Stimme, aber gegen dominante Machtverhältnisse können sie alleine nur wenig ausrichten. Zudem müssen sie ihre knappen Zeit- und Kraftressourcen auch selbstschützend einsetzen. Solidarität und Unterstützung von Menschen in privilegierteren Positionen sind nötig, damit sich in der Gesellschaft etwas ändert. Und diese Solidarität und Unterstützung erfolgt im Ideal, ohne dass eine Dankeschön erwartet wird. Anderenfalls ist es eine paternalistische Geste, bei der die als hilfsbedürftig Konstruierten ihren Helfer_innen danken müssen.

Diese Punkte illustriert auch die Nach-rp11-Frauen/Feminismusdiskussion sehr eindrucksvoll. Geht es um das Eindringen in etwa männlich, weiße, heterosexuelle Bereiche, wird oft an Frauen oder Menschen mit Migrationshintergrund oder Homosexuelle appelliert, sich mehr einzubringen, statt in der Opferrolle zu verharren. Das ist schön und gut, doch ihre Arbeit alleine reicht leider fast nie aus – denn entweder waren sie vorher alle faul und blöd und haben es in diese Bereiche nicht geschafft oder es gibt noch andere Mechanismen, die ihnen das Leben schwer machen. Wer „drinnen“ sitzt, ist dabei leicht geneigt, von Faulheit auszugehen, wer „draußen“ ist, erlebt aber ganz andere Dinge.

So haben Kathrin Ganz und ich eine ganze Stunde nur über Aktivismus, Aktionen und erfolgreiche Strategien gesprochen, aus einem feministischen Background heraus. Mit Nadine Lantzsch und Magda Albrecht habe ich versucht, den Blick der Besucher_innen auf die Herkunft ihrer technischen Geräte zu werfen, mit Feminismus als Aufhänger zum kritischen Denken. Trotzdem gibt es statt inhaltlicher Fragen vor allem eine „Frauen generieren sich als Opfer und das ruiniert mir die re:publica“-Diskussion. Ich kann mich also hinstellen, mir den Mund fuselig reden über Strategien für digitale Kampagnen, die auch Umweltschützer_innen oder lokale Watchblogs übernehmen können aber am Ende muss ich nur wieder darüber reden, warum ich als Frau und Feministin und überhaupt…

Vor zwei Jahren kritisierten Teilnehmerinnen, dass Frauen auf der re:publica nicht vorkamen. Als Gegenargument kam natürlich sofort, jede_r könne und müsse Themen und Panels vorschlagen, also seien sie selbst für das Ungleichgewicht verantwortlich. Immerhin taten die Frauen wir ihnen geheißen und stellten dann schließlich 30% der Sprecher_innen (bei einer zu 60% weiblichen Blogosphäre). Und auf einmal heißt es, es gäbe zuviele „Frauenthemen“, es herrscht Angst vor Verweiblichung, die inhaltlichen Punkte werden dauernd unterschlagen und einzelne Aussagen zum alten Klischee der jammernden Feministinnen zusammengezimmert.

Was soll frau denn dann noch tun? Muss ich in Zukunft verschweigen, dass ich Feministin bin, damit mich auch ZDFneo ernst nimmt oder vielleicht gleich als Mann auftreten, damit meine Themen endlich als hart angesehen werden? Und glaubt hier noch irgendjemand ernsthaft, dass es z.B. muslimischen Blogger_innen in irgendeiner Weise besser ergehen würde?

Wieder zurück von der #rp11

Bei der Mädchenmannschaft sortieren wir noch unsere Eindrücke, Fotos und die Interviews – denn davon haben wir einige gegeben. Mit den Panels und Offlinegesprächen blieb diesmal leider wenig Zeit, noch viel „anderes“ von der re:publica mitzunehmen.

Am Donnerstag habe ich immerhin Noha Atef gesehen (und sie Freitag abend hoffentlich nicht zu sehr vollgequatscht, weil ich so aufgeregt war). Wie auch bei Jaclyn Friedman war es spannend, einmal direkte Einblicke in digitalen Aktivismus zu bekommen, bzw. die Vorgänge, die hinter den Kulissen abliefen. An dieser Stelle auch mein Respekt an Kübra, der das fotografiert und gefilmt werden dort öfters passierte. Mehr dazu auch im Interview mit netzdebatte:

Die Frage, wieviel Pluralität in der Blogosphäre vorhanden ist, wie sie abgebildet wurde und wer Verantwortung hat, diese abzubilden, wurde u.a. von ihr kontrovers diskutiert. Im Cicero-Rückblick gibt es dazu einen schönen Ansatz, der sich zwar auf die Digitale Gesellschaft bezieht, der aber auch gut auf die re:publica an sich passt:

Denn von der Öffnung, die sie so wortreich propagieren, war auf der re:publica wenig zu spüren. Weder wurden Themen gesetzt, noch mit möglichen Mitstreitern das Gespräch gesucht. „Mitmachen“, sollen möglichst viele Menschen, aber warum lädt man dann nicht Vertreter von zivilgesellschaftlichen Organisationen oder traditionelle Bürgerrechtsgruppen zum Mitdiskutieren ein.

Wer eine deutsche Bloggerkonferenz auf die Beine stellt, der sollte sich eben nicht nur darauf verlassen, dass Leute kommen. Vor allem, wenn diese Leute jedes Mal wieder die gleichen sind und eine homogene Masse darstellen. Sondern auch abseits der wenigen eingeladenen Speaker auf Blogger_innen zugehen und den Call for Papers in den vielfältigen Blogcommunities bekannt machen. Auch mit der expliziten Versicherung, diese Vielfältigkeit zu wollen und dann mit bewußtem Auge bei der Auswahl – denn von Lippenbekenntnissen gibt es in Deutschland genug.

Wobei dann hoffentlich ein Trend vermieden wird, der sich diesmal ein wenig bei den Panels von Bloggerinnen abzeichnete und z.B. von Tessa Bücker im Cyberfeministinnen-Gespräch schon kritisiert wurde. Dass am Ende zwar etwa Frauen und Muslime da sind, aber dann nur über sich und ihre vermeintlichen Nischenthemen sprechen. Dass sie immer noch nicht selbstverständlich auch zu anderen Themen gehört werden, weil diese, meist als hart angesehenen Themen, eben weiter von den gleichen Leuten bespielt werden.

Mehr zum Panel „Shitstorm? You can do it!“ gibt es bei der netzdebatte der Bundeszentrale für politische Bildung und am Donnerstag mit einem Interview auf ALEX um 20:15 Uhr (und später online). Online anhören kann man schon mein Interview mit dem breitband von Deutschlandradio Kultur. Sehr gefreut habe ich mich auch über das Lob von Dörte Giebel und den Remix zu Donna Haraway, den Felix Knoke für fm4.orf.at gefunden hat.

Filme! Wer macht eigentlich unsere elektronischen Geräte?

Im Zuge der Recherchen zum Panel „Herrschaft der Informatik – (cyber) feministische Perspektiven auf politisches Handeln“ von Magda Albrecht aufgetan (Film in englisch mit deutschen Untertiteln):

La película también está disponible con subtítulos en español.

Eine Toilette für alle

1 Toilettentür mit 3 Schildern: Blau-WC Männer, Rosa-WC Frauen, Grün-WC (mit Rollstuhlsymbol)

Dinge auf die ich mich nicht freue: Die Visa-Warndatei

Eine Visakarte hab ich nicht, aber um Kreditkartenbetrug geht es auch gar nicht. Sondern um den Plural von Visum. Diese komischen Papiere und Stempel im Reisepass, die wir hier in Deutschland kaum noch kennen, Schengenraum sei Dank. Aber wer darüber hinaus verreisen will braucht so etwas und wer nach Deutschland kommen will, erst recht. Und dazu noch eine Einladung, denn einfach mal so unser schönes Land zu besuchen, das geht natürlich nicht so einfach.

Damit wir uns keine „potentiellen Sozialschmarotzer“ einhandeln, müssen Menschen aus visumspflichtigen Ländern, ihren Aufenthaltszweck und ihren Rückkehrwillen nachweisen. Das kann zum Beispiel durch eine Einladung geschehen, die Einladenden bürgen auch dafür, dass ihre Gäste dem deutschen Staat durch Krankheit oder extra Rückreisekosten auf der Tasche liegen.

Aber wer demnächst seine chinesische Kommilitonin zu seiner Hochzeit einladen will oder seinen ehemaligen indischen Mitbewohner einlädt, mal wieder vorbei zu schauen, der hat die neue Warndatei an der Backe. Die speichert zum einen Daten über alle, die im Zusammenhang mit Visums-Straftaten stehen. Und zum anderen Daten von allen, die in irgendeiner Weise mit einen Visumsantrag zu tun haben – vermutlich von der Oma bis zum Kleinkind.

Eingebrockt hat uns das der Verzicht auf die Netzsperren. Ein cleverer Tausch, denn bisher ist keine Bundsregierung dadurch aufgefallen, dass sie Jugendämtern und Sozialprojekten mehr Geld gegeben hat, um Kindesmissbrauch verhindern und bekämpfen zu können. So kann man selbst sein Stückchen Feigenblattpolitik aufgeben und das noch auf Volkeswillen schieben. Gleichzeitig boxt man ein Gesetz durch, dass für Otto-Normalverbraucher_in erstmal weit weg ist und durch die Ziele „Verhinderung von Visamissbrauch und Ausnutzen unseres Sozialstaates“ auch super klingt.

Dabei entsteht eine weitere undurchsichtige Datenbank, in der theoretisch jede und jeder landen kann. Wie schon bei der Vorratsdatenspeicherung wird das Volk wieder einmal unter Generalverdacht gestellt. Man weiß ja nie, wer wirklich böse ist.

(via Metronaut)

Hochqualifiziert und in Deutschland nicht willkommen

In der FAZ gibt es gerade einen Bericht, welche Probleme bei der Integration ausländischer Arbeitskräfte drohen und wie sie vermieden werden können. In den letzten Wochen habe ich miterleben müssen, wie Schwierigkeiten schon viel früher auftreten (vgl. auch diese Horrorgeschichten im Spiegel). Trotz allem Jammerns über Fachkräftemangel geben wir uns nämlich alle Mühe, genau diese möglichst schnell wieder loszuwerden.

Gerade ist eine Freundin nach einem Jahr Arbeitslosigkeit zurück nach China gegangen. Dabei hatte sie gerade ihr Studium der Elektrotechnik abgeschlossen – eigentlich eines der heiß umkämpften Fächer. Aber genau an dieser Stelle ergab sich zwischen möglichen Arbeitgebern und der Ausländerbehörde ein Hennen-Ei-Problem. Um eingestellt zu werden, brauchte sie eine Arbeitserlaubnis. Diese wollte man ihr aber nur ausstellen, nachdem sie einen Arbeitsvertrag hatte. Mal davon abgesehen, dass sie z.B. in Ingenieurbüros oder allzu „fachfremden“ Arbeitsstellen eh nicht arbeiten durfte. Wobei letzteres natürlich im Auge des Betrachters lag.

Einer weiteren Freundin will die Ausländerbehörde am liebsten nicht einmal das Jahr Zeit lassen, sich nach ihrem Bachelorabschluss einen Job zu suchen. Entweder sie beginnt sofort einen Master oder sie muss zurück. Obwohl ihr als Absolventin einer deutschen Hochschule ein Jahr Zeit zusteht, sich eine Stelle zu suchen.

Alle anderen Probleme, die sich aus den verschiedenen Arten von Visa, Beantragungs- und Verlängerungsfristen, Botschaften, Konsulaten und unmöglichen Öffnungszeiten ergeben, kommen natürlich noch einmal obendrauf.

Schließlich arbeitet eine chinesische Freundin neben ihrem Studium als Hiwi. Nach ihrem Masterabschluss möchte sie sich dann mit einer interkulturellen Beratungsfirma selbstständig machen – wäre sie Deutsche, könnte sie mit der Gründung und Arbeit bereits beginnen. So aber wird ihr das verwehrt, warum genau haben wir nicht verstanden, und ob sich das nach ihrem Abschluss ändern wird, bleibt abzuwarten!


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  • Ach Popp. Immerhin: Schöner Versuch und schöne Parade! — tweeted 10 minutes ago
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(C) Foto & Illu: Frl. Zucker

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