Nach langer Fahrt und viel zu wenig Schlaf, bin ich seit gestern abend zurück in Deutschland. Nun heißt es Fotos und Gedanken zu sortieren. Außerdem die Kontakte pflegen. Beim Versuch, eine der Teilnehmerinnen des Young Media Summits zu adden, musste ich mich allerdings durch einen absurden Facebook-Dialog klicken (aus dem Gedächtnis aufgeschrieben):
“Wenn Sie Personen als Freunde hinzufügen, die sie nicht kennen, wird das als Spam behandelt und Freundschaftsanfragen blockiert. Kennen Sie diese Person wirklich?”
Ja, ich kenne Maha.
“Sind sie sich sicher, dass Sie diese Person kennen? Ansonsten wird die Anfrage als Spam behandelt.”
JA, ich bin mir immer noch sicher!
(und dann kam noch ein Hinweisfenster:)
“Wenn Sie diese Person nicht kennen, wird diese Anfrage als Spam behandelt.”
Zunächst behandelt Facebook seine Nutzer_innen durch die wiederholten Hinweise wie unmündige Menschen, die nicht verstehen, was sie da eigentlich machen. Was äußerst respektlos ist. Annina wies mich darauf hin, dass sie im letzten Jahr ähnliche Probelem hatte, die anderen Teilnehmer_innen zu adden, vielleicht „…passen Eure üblichen Aufenthalsalgorithmen nicht zusammen.“
Meine Antwort lautete: Da werden alle Vorteile des Internets, Leute international kennenzulernen, wieder genau rückgängig gemacht. Zusammenkommen kann nur, wer aufgrund undurchsichtiger Regeln anderer Leute zusammenkommen darf. Bald können wir alle Utopien, die uns das Internet versprach abschreiben, es ist dann eben doch nur noch die Abbildung der realen Welt.
Ich kann verstehen, dass Leute genervt waren, wenn ihnen auf den ersten Blick völlig Unbekannte einfach so Freundschaftsanfragen schicken. Nicht jede_r möchte über Facebook auch neue Bekanntschaften machen. Ich kenne einige Leute, die alle ignorieren, die nicht wenigstens ein paar Zeile dazu schreiben. Dagegen frage ich im Zweifelsfall nach, aber das ist ein Aufwand, den nicht jede_r betreiben möchte.
Die Lösung kann aber nicht sein, einen Hindernisparcours an sich wiederholenden Warnhinweisen aufzubauen. Vor allem ist auch nicht klar, wann genau man in den Verdacht gerät zu spammen und welche Konsequenzen das genau hätte. Reicht es bereits, sich ein Mal zu verklicken oder muss man erst 50 Unbekannte hinzufügen wollen? In diesem Fall hatten wir bereits gemeinsame Bekannte, was also hat Facebook bewegt, mir diese Warnungen zu senden? Welche Algorithmen sind hier am Werk, die Facebook wissen lassen, dass ich Erna aus Sutthausen wohl kennen könnte, Maha aus Saudi-Arabien aber nicht? An den genauen Wortlaut der ersten Meldung erinnere ich mich leider nicht – hätte ich den Rest geahnt, hätte ich alles mit Screenshots dokumentiert. Aber es blieb völlig unklar, ob dann nur diese eine Freundschaftsanfrage ausgeblendet wird oder ich am Ende gar keine Anfragen mehr stellen kann und für wie lange diese Strafe verhängt würde.
Mit der Beantwortung dieser Fragen würde uns Facebook weiterhelfen, uns wie intelligente Nutzer_innen behandeln. Mit klaren, später nachlesbaren Erläuterungen statt einer Reihe an wirren, einschüchternden Popups. Aus dem Versprechen einer besseren Welt, an der jede_r teilnehmen kann, wird ansonsten aus dem Internet immer mehr eine Welt, die von unsichtbaren und unkontrollierten Kräften beherrscht wird.