Archiv für Juni 2011

Willst Du mit mir gehen? Bitte kreuze an:

So leicht ist das heute/nach der 5. Klasse ja nicht mehr. Für kluge Gedanken empfehle ich daher das Gastblog vom Khaos.Kind beim Missy Magazine. So ging es etwa um die Frage, wie und wann jetzt Partner_innenschaft eigentlich definiert und beschrieben wird:

Sag ich jetzt „mein Freund“ oder „mein Partner“? Oder „mein Lebensgefährte“? Mich stört dieses „mein irgendwas“, ist ja nicht so, dass er mir gehören würde… Außerdem habe ich dann immer so ein Gollum-mäßiges Bild im Kopf: Meiiiinnn Schaaaaatzzzzzz!!!

Außerdem: was kommt eigentlich nach dem Happy End? Weil das auch zu den Dingen gehört, bei denen unsere Popkultur versagt und uns niemand verrät, wie es funktionieren könnte. (Eine interessante Strategie gibt’s dafür vom Khaos.Kind).

Ich bin ja der Meinung, dass die größte Ungerechtigkeite[n] heutzutage ist, dass uns mediale Vorbilder für gute Beziehungen fehlen. Ob in Büchern oder Filmen – der Mainstream blendet doch gerade dann weg, wenn es zum Alltag geht.

Von expliziten Familienserien abgesehen, scheinen alle Fernsehserien auf „kriegen sie sich oder kriegen sie sich nicht“ zu bauen. Selbst wenn es ausgelutscht ist und Hauptfiguren mit langfristigen Beziehungen mal etwas wirklich anderes wären…

Fußball: Jetzt geht’s loooohooos

Heute ging’s endlich im Berliner Olympiastadion los! Wer in den nächsten Wochen keinen Bock auf Fußballcontent hat, sollte mit „Fußball“ beginnende Überschriften einfach nicht anklicken!

A wie Auftaktspiel

Ach, die Damen, da haben sie es sich heute doch etwas schwerer gemacht als nötig. Gerade einmal ein 2:1 schafften die Deutschen zum Auftakt gegen Kanada. Einerseits völlig verdient, da sie über weite Strecken das Spiel dominierten. Andererseits auch höchst knapp, zeigte Kanada doch schon in den ersten Minuten, dass sie viel Potential besitzen. Erste Chance nach 6 Minuten. Puh! Doch nach der Führung durch Kerstin Garefrekes in der 10. Minute waren die Kanadierinnen erstmal so perplex, dass lange nichts mehr ging. Einzelne Versuche blieben immer in der deutschen Abwehr stecken oder wurden bereits im Mittelfeld unterbunden.

Kurz vor der Pause dann der nächste Treffer von Célia Okoyino da Mbabi. In der zweiten Halbzeit versuchten die Deutschen die Führung zu erhöhen, wirkten aber immer mehr wie der VFL Osnabrück – bemüht, aber ohne Abschluss. Auch die Einwechslungen von Alexandra Popp, Inka Grings und schließlich Fatmire Bajramaj lösten dieses Problem nicht. Dass die Kanadierinnen ihre einzige Chance, auch noch einen Freistoß nutzten, und damit Nadine Angerer mal wieder ein Tor bescherten, überraschte dann nicht mehr. Vorher hatte der TV-Kommentator noch geunkt, ihnen gingen wohl die Kräfte aus, aber so schnell geht das dann im Frauenfußball heute doch nicht mehr.

Location: die B-Note

Geguckt habe ich das alles übrigens im Bonner Frauenmuseum, bzw. dem Hof, der (überall wo man noch halb die Leinwände sehen konnte) voll war. Das Publikum war noch einmal deutlich gemischter als inzwischen bei fußballerischen Großereignissen schon der Fall ist – viele Familien, junge Mädchen und ältere Frauen, dazwischen aber auch einige Männer. Dass es kein Bier sondern nur Kölsch gab, ist wohl eher den strukturellen Gegebenheiten der Region geschuldet…

Die weiteren Spiele mit deutscher Beteiligung gibt es dort auch zu sehen, wer also nicht allein vorm Fernseher hocken will, dem sei das Frauenmuseum empfohlen. In Anbetracht der Tatsache, dass es dort nur nach kurzzeitigem Leinwandausfall und der einhergehenden Abwanderung möglich war, einen Stehplatz mit Sicht zu ergattern, hoffe ich für die Zukunft aber auf weitere Public-Viewing-Locations!

PS: Was sonst noch so war

Zum Auftakt gab es heute auch noch Programm, eine brasilianisch angehauchte Trommelgruppe, sowie Miao Mio. Letztere habe ich heute leider verpasst, aber wenn ich den Auftritt vom Grimme Online Award richtig in Erinnerung habe, sind die ziemlich cool. Außerdem haben sie super Katzenbuttons… Apropos Grimme: Dort war ich mit Kübra bei der Aftershow-Party und wir haben uns über unser „nominiert, aber nicht gewonnen“-Dasein ausgetauscht. (Klick für Foto und man sieht, wir lächeln trotzdem noch!)

Enten (aus dem Archiv)

Kaum nimmt man sich was vor, findet man natürlich keine Enten mehr… Hier solange ein Archivbild der Schleswiger Enten, das ich gestern durch Zufall wiedergefunden habe:

Zwei Enten auf der Schlei, vor Holmer Fischerbooten

Mit Omis über herrschaftsfreie Räume und (Post-)Privacy diskutieren.

Eigentlich wollte ich heute noch was zur Diskussion auf dem Podium von „Welche Chance bietet das Internet für die Demokratie?“ (PDF) schreiben. Ich hatte mir während der Veranstaltung sogar Notizen gemacht, aber dann waren zwei Diskussionen danach spannender. Provokant habe ich die Protagonist_innen in der Überschrift „Omis“ genannt. Nicht weil ich irgendeine Ahnung von ihrer Nachkommenschaft habe, sondern weil beide sehr interessiert daran waren, jungen Leuten die Teilnahme an der Demokratie (über das Internet) zu erleichtern oder sogar zu ermöglichen.

Zunächst hatte ich ein Gespräch am Stehtisch überhört, das in etwa wie folgt ging (der Einfachheit halber bleibe ich bei Omi, der „Typ“ war ein mittelalter, weißer Mann).

Omi: „Ich hätte mir ja gewünscht, dass es hier noch mehr Informationen über das Internet gibt.“
Typ: „Da gibt es ja heute schon Einrichtungen, die ihnen zeigen, wie sie ins Internet gehen können.“
Omi: „Das meine ich nicht, das weiß ich ja. Aber mehr über die Frage, wieviel kann und muss ich von mir preisgeben.“
Typ: „Na, sie müssen das ja nicht machen.“
Omi: „Aber dann kann ich doch nicht mitreden.“

Den weiteren Verlauf habe ich leider nicht mitbekommen. Aber die Frage, wieviel kann ich preisgeben, wieviel muss ich preisegeben, um mich beteiligen zu können, halte ich für eine der wichtigsten. Auftrieb hat sie nicht erst zuletzt mit dem Hoax um Amina bekommen, in dessen Mittelpunkt die Frage nach Vertrauen steht. Wem vertrauen wir wann, ab wann wird uns vertraut?

Umgedreht wird ein Punkt draus, der in der Post-Privacy-Debatte bisher noch nicht erläutert wurde: Gibt es einen Punkt, ab dem man mir nicht mehr vertraut, weil ich zuviel preisgegeben habe?

Später erläuterte mir eine andere ältere Dame ihre Vision eines politischen Forums im Internet. Eine Mischung aus Habermas’ herrschaftsfreiem Raum und römischen Forum, als meinungsbildendem Ort, dessen Ergebnisse wiederum in die Politik einfließen sollten. Während ich dies in Anbetracht von Spam und Trollen und den damit verbundenen Moderationsmechanismen eher als Utopie sehe, war sie der Überzeugung, dabei handele es sich lediglich um Vorgaben, Herrschaftsfreiheit sei trotzdem gegeben.

Schließlich stieß die bereits vorgestellte Dame zu uns und wir diskutierten noch ein wenig über die grundsätzliche Frage, wie die Beteiligung aller Bürger_innen, also auch von weniger priviligierten Gesellschaftsschichten, möglich sei.

Im Fazit: Schade fand ich, wieder einmal, dass sich so wenig Frauen an der (öffentlichen) Diskussion beteiligt haben. Weder die älteren Damen, noch eines der zahlreichen jungen Mädchen, die auch da waren. Mädels, Frauen, Damen, Omis, ihr habt soviele tolle Ideen und Gedanken, die auch der allgemeinen Diskussion wichtige Anstöße verpasst hätten!

Aus dem Leben einer Feministin: Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück

Der Tag fing so konstruktiv an – ich las Nadines Blogeintrag zum Thema Rassismus von Migrant_innen und stolperte über

Was Menschen wie Sezgin, Lau, Kaddor, etc. tun ist nichts weiter als der Mehrheitsgesellschaft nach dem Mund zu reden. Nicht, weil sie Rassismus beipflichten, sondern weil sie mit ihren Argumenten einen rassistischen Diskurs stützen, über den sie niemals werden selbstständig bestimmen können.

Das klingt so ausweglos, als ob es niemals eine Lösung geben wird. Mir fiel das Panel vom Politcamp 11 ein, das sich um Utopien drehte. Sind Utopien noch zeitgemäß und warum waren sie eigentlich jemals wichtig? Am Ende beschreiben sie doch immer Zustände, die gar nicht Realität werden können. Dann forderte gerade die analyse & kritik neue feministische Utopien. Tatsächlich, so beschloss ich, ist es an der Zeit, neue Utopien zu entwickeln, sich neue Ziele zu setzen und Strategien zu entwerfen – ob sie nun eintreffen oder nicht.

Leider habe ich den Fehler gemacht, vorher noch einmal die Diskussion um den Elektrischen Reporter weiter zu verfolgen. Bzw. den „Frauen und Männer”-Beitrag, der nun davon handelte, wie Frauen jetzt anders wären, oder auch nicht. Als ob der Beitrag an sich nicht schon ein Lehrstück dafür wäre, was schiefläuft in unserer Gesellschaft, wie Menschen Stereotype aufgedrückt werden, um die Stereotype weiter am Leben zu halten, wie kluge Frauen, die sich für verschiedene Themen engagieren aufs „Frausein“ reduziert werden – auch die weiteren Debatten machen wieder schmerzvoll deutlich, dass wir noch keinen Schritt weitergekommen sind.

Da heißt es von einem Kommentator bei Anne Roth, er sehe die Problematik nicht, auch wenn er sich schon länger damit beschäftige und bittet dann:

Hast Du einen Link, in der die Problematik, mit der Ihr Euch (und offensichtlich ich mich) gerade hier beschäftigen, mal genauer erklärt wird?

Junge, dir kann man keinen Link geben, weil „die Problematik“ leider niemandem erläutert, womit Du Dich nun gerade beschäftigst. Kann es wirklich sein, dass jemand, der sich nun schon eine Weile mit Stereotypen und Geschlechtszuschreibungen beschäftigt, nicht auf das Wort „Sexismus“ gestoßen ist? Aber vielleicht meint er das auch nicht, Das übrigens unter einem Text, in dem viele, auch weiterführende, Links waren, u.a.:

Glücklicherweise hat Antje Schrupp das Problem gut zusammengefasst: Die Männer-Frauen-Endlosschleife.

Hervorhebung von mir, just in case. Apropos Diskussion bei Antje Schrupp. Auch dort schafft es ein Mann, seinen gesamten Frust mit, ja was eigentlich, Frauen? Feminismus? der Welt? in einem ewig langem Kommentar unterzubringen. Und aus der themenbezogenen Diskussion einen Debatte über seine Befindlichkeiten zu machen.

Ich mache sowas jetzt über zwei Jahren im Lichte einer größeren Aufmerksamkeit und diese Verhaltensweisen begegnen mir immer wieder und wieder. Kommentatoren kommen aus dem Nichts, könnten gar nicht verstehen, wo da das Problem wäre, ob man ihnen das nicht fix erklären könne („einmal Fast-Food-Feminism on the go“). Manchmal ward nie wieder von ihnen gehört (nicht mal ein Danke), manchmal beginnen dann längere Diskussionen, das sei ja wohl alles doch nicht so schlimm und danach ward nie wieder von ihnen gehört. Manchmal handelt es sich auch um Arschlöcher, bei denen mit der Anzahl der Kommentare auch die Beleidigungen häufiger werden.

Das perfide daran: Reagiert frau bei der 100. Nachfrage mal genervt, gibt es gleich nen Stempel. Zickig und nicht wirklich daran interessiert, für ihre Sache einzutreten ist frau dann. Dabei hatte ich noch kein einziges Mal das Gefühl, mit meinen Erklärungen bei solchen Kommentatoren irgendwas bewegt zu haben. Wenn ich sowas noch beantworte, dann nur, um eben nicht als zickig und arrogant da zu stehen – auch wenn ich damit doch wieder Mechnismen unterstütze, die ich eigentlich abgeschafft sehen will. Ein Teufelskreis aus dem ich noch keinen Ausweg gefunden habe.

Manchmal kriegen wir übrigens E-Mails oder Feedback: „Ich kommentiere ja nie bei Euch, aber seit ich mitlese hab ich angefangen, mir Gedanken darüber zu machen und micht mehr mit Feminismus zu beschäftigen.“ Für Euch, ihr wundervollen Mitdenker_innen, werde ich mich jetzt nicht weiter frustrieren lassen und mir endlich Gedanken über feministische Utopien machen.

Lebensrealitäten – modernes Nomadenleben

„Hase, Du musst Deine Angst vor der Schrankwand überwinden“ (Ein Freund)

Wie kann man so eigentlich leben? Internetzugang gibt es nur auf der Arbeit. Ein großes Lebensziel ist das eigene Haus oder die Eigentumswohnung. Der Weg zwischen diesen Polen wird mit dem eigenen Auto zurückgelegt. Dieser Tage wird mir durch verschiedene Gespräche wieder sehr bewußt, wie sehr sich meine Lebensziele von alten Idealen unterscheiden.

Ohne Laptop und Internet zu Haus geht es bei mir gar nicht mehr – ohne Fernseher und Stereoanlage bliebe auch nicht viel zur Unterhaltung übrig. Meine kindliche, umweltbewegte Resolution, niemals den Führerschein zu machen, habe ich zwar über Bord geworfen und eigentlich fahre ich auch gerne selbst, trotzdem habe ich keinerlei Absicht ein Auto anzuschaffen. In Bus und Bahn kann man lesen und arbeiten, auf dem Fahrrad bewegt man sich wenigstens noch ein wenig. Die Aussicht auf Wohneigentum erscheint einfach nur absurd. Schließlich mache ich mir bei jedem Einzug bereits darüber Gedanken, wie der Auszug am einfachsten über die Bühne gehen könnte. Nicht ohne Grund. Nach dem Auszug zu Hause bin ich in 7.5 Jahren 9 Mal umgezogen, dazu noch zwei Monatspraktika in fremden Städten.

Manchmal bin ich versucht, diese Unterschiede am Alter festzumachen, aber dann fallen mir wieder Kommiliton_innen und Kolleg_innen ein, deren Ziele weiterhin „klassisch“ sind. Am Studium liegt es daher auch nicht. Ist das Internet schuld? Haben die ständige Verfügbarkeit von Freund_innen in ICQ und co. meine Lebensziele beeinflußt? Oder ist die intensive Beschäftigung mit dem Internet nur die Folge meines Lebensentwurfes? Etwas das ich als Mittel entdeckt habe, mit dem sich meine Vorstellungen besser umsetzen lassen.

Ich habe mich bereits gefragt, ob ich nicht eines Tages dieses Lebensstils überdrüssig werden könnte. Doch das ist erstaunlicherweise nicht der Fall. Derzeit bin ich mehr auf Reisen, als am Umziehen und tatsächlich leicht genervt davon. Aber nur, weil ich diese Art des Reisens (zu Workshops oder Konferenzen, nicht in den Urlaub) noch nicht so beherrsche. Wo auch immer ich am Ende eines Tages sitze: Solange ich noch eben meine Mails checken und die tägliche Dosis Webcomics verfolgen kann, ist alles ok.

Diesen Monat: Deutsche Welle

Getwittert hab ich’s glaub ich schon, aber hier noch gar nicht vermerkt. Ich bin diesen Monat in Bonn bei der Deutschen Welle. Genauer gesagt in der Wissenschaftsredaktion des deutschen Programms und mache Radiobeiträge, Nachrichten, Online-Artikel und sogar Bildergalerien – informativ und nicht aus der Retorte sind letztere ganz schön aufwendig… Die meisten Sachen sind online anzusehen oder anzuhören und auf Twitter könnt ihr uns auch folgen.

Ach… Enterprise…

Habe ich mich etwa über Babylon 5 beschwert? Das war, bevor ich Star Trek Enterprise angefangen hatte. Eigentlich sollte mich das nicht überraschen, denn obwohl Star Trek stets das Bild einer besseren Gesellschaft zeichnen wollte, ließen die Frauendarstellungen immer wieder zu wünschen übrig. Mit Nichelle Nichols gab es zwar erstmals eine schwarze Frau in einer wichtigen Rolle, die dazu auch noch unglaublich stark war – das aber leider viel zu selten zeigen durfte. Auf Trekdom gibt es für Interessierte einen ausführlichen Text über Sexismus und Feminismus in TOS.

Die untere Hälfte eines Planeten, davor die Aufschrift - Star Trek - Enterprise

Schon in der ersten Episode geht es eigentlich nur… um Männer (s.a.The F-Word’s review). Aus der halbwegs diversen Crew am wichtigsten sind… zwei weiße Männer. Genau wie in TOS ist die Kommunikationsoffizierin eigentlich total überflüssig. Selbst wenn es auf fremde Planeten geht, ist Hoshi Sato fast nie dabei, sondern Chefingenieur und All-American-Dreamboy Trip Tucker kommt mit. So fällt mir als wichtigste Folge ihres Charakters nur die Paralleluniverumsfolge ein (go emperess, go!).

Gerüchteweise war der Charakter Travis Mayweather erst als Lieutenant eingeplant, wurde dann aber zum Fähnrich degradiert, was mit seiner Hautfarbe vermutlich gaaar nichts zu tun hatte.

Der größte Brocken: T’Pol. Über sie habe ich mich echt geärgert. In ständig wechselnden, hautengen Anzügen, wenn der Rest der Crew normale Overalls trägt. Aber sie ist Vulkanierin, da ist ihr sowas doch egal oder es ist einfach die logische Wahl. Während alle anderen Vulkanier_innen wallende Gewänder tragen, bleibt sie selbst in der Wüste dem hautengen Look treu und verheddert sich dabei fast in ihrer weißen Schleppe. Bleh. In vielen Situationen, in denen sie mit jemandem zusammen eine Aufgabe erledigt, bleibt sie bei Fragen einfach stumm und ihr (eigentlich immer männlicher) Begleiter antwortet. Selbst wenn sie der ranghöhere Offizier ist, also eigentlich auch immer. Immerhin war geplant aufzuklären, warum sie eine besonders emotionale Vulkanierin ist (ihr Vater ist Romulaner).

Die Crew der Enterprise: Malcolm Reed, T'Pol, Travis Mayweather, Jonathan Archer, Hoshi Sato, Trip Tucker, Phlox

Überhaupt wirkt die Serie oft wie der Versuch, „teh sexy“ zurückzubringen. Leider sind die Sechziger vorbei und damit auch Kirks Häschen der Woche. Die vermeintlich sinnlichen Eincremeszenen in der Quarantäne(!) wirken aber eher wie langgezogene Auffüllszenen. Da es mittlerweile Star Trek XXX-Parodien gibt, hält sich der Bedarf an Star Trek-Softpornos wohl in Grenzen. Zieht man dann die Sexsklavinnen, die „verführerischen Orion-Frauen“ und die sexuell aggressiven Andorianerinnen ab, bleiben nicht mehr viele Alien-Frauen übrig, die im Verlauf der Serie eine Rolle gespielt haben.

Vielleicht die Sphärenbauer(_innen), denn deren höchster Rat besteht tatsächlich nur aus weiblich anmutenden Gestalten. Andererseits vermutet man bei Memory Alpha, die Charaktere sollten möglichst androgyn und damit fremdartiger wirken – ein „Trick“ der bei Star Trek schon öfters angewendet wurde. Wenn einmal nicht der Großteil oder sogar die gesamte Führungsriege eines Planeten aus Männern besteht, kann es sich nur um eine androgyne Spezies oder ein Matriarchat handeln. Im Xindi-Rat sitzt tatsächlich noch eine Frau, die Aquarianerin (das musste ich nachschlagen, ihre Rolle war ja eher gering).

Mit der vierten Staffel wurde es dann doch ein wenig besser – die Columbia bekam einen coolen weiblichen Kapitän, Erika Hernandez. Bei der Rettung der sabotierten Enterprise sind gleich drei der vier Brückenoffizier_innen weiblich. Hoshi Sato rettet (den Tränen nah) die Mars-Kolonie, ebenfalls umgeben von einer überdurchschnittlich weiblichen Brückenbesetzung und schließlich beweint Trip den Tod seiner Tochter in den Armen von T’Pol. Auch das Familiensystem der Denobulaner (jeder Mann heiratet drei Frauen, jede Frau drei Männer) klingt äußerst spannend, aber diesmal ging das Star Trek-Serienkonzept (nach den ersten beiden miesen Staffeln langsam besser werden) nicht auf. Wieviel Spielraum nach oben es noch gab, darüber lässt sich nur noch spekulieren.

Das war Babylon 5 – und dann?

Schon vor einiger Zeit habe ich Babylon 5 nun schon zu Ende geschaut. Nach den ersten gemischten Gefühlen ging es leider so weiter. Einerseits sind etwa Lyta Alexander und Susan Ivanova starke Charaktere und machen spannende Entwicklungen durch. Andererseits werden diese Entwicklungen in einem Maße an ihren (intimen) Beziehungen zu Männern aufgehangen, wie das umgekehrt nicht der Fall ist.

Zum einen setzen Fernsehserien leider viel zu oft darauf, dass die Protagonist_innen Single bleiben. Vermutlich aus der gleichen Logik heraus, aus der das Boybandsängern vorgeschrieben wird, damit sie als Projektionsflächen für die Zuschauer_innen und ihr Bedürfnis nach Beziehung dienen können. Dabei wird dann allerdings fast immer bei den männlichen Charakteren kein großes Ding daraus gemacht – Männer sind halt so und wollen nichts festes. Bei den weiblichen Charakteren ist es dagegen erklärungsbedürftig. Ivanova hat eine Bindungsphobie (als Frau!!einself!) und Alexander ist als Telepathin isoliert (und leidet sichtbar darunter).

Bei Captain Elizabeth Lochley, die im Vergleich zu den anderen Charakteren etwas zu kurz kommt, fiel mir noch etwas anderes auf. Im englischen Wikipedia-Eintrag der Darstellerin Tracy Scoggins heißt es, Lochley wäre in der fünften Staffel der “competent, troubled commander”, also kompetent, aber problembeladen. Im Charaktereintrag klingt das dann schon gemäßigter, dafür wird unglaublich viel auf ihr Äußeres und ihre Beziehungen zu Männern eingegangen. Bei „problembeladen“ musste ich spontan an Garibaldi denken – in seinem Wikipediaeintrag geht es im Überblick dagegen nur in einem Satz um seine Alkoholabhängigkeit und andere Probleme und gar nicht um seine Beziehungen zu Frauen.

Mit vielen guten Ansätzen war Babylon 5 eine super Serie, auch wenn z.B. die damals bestaunten Computergrafiken heute sehr anachronistisch aussehen. Aus feministischer Perspektive hätte man noch einiges besser machen können, aber wie wir bald feststellen werden, ging es in späteren Serien sogar wieder bergab!

Filme! I can’t think straight.

Vorhin habe ich das Filmreihen-Angebot des LBST-Referats der Bonner Uni genutzt und mal wieder eine RomCom geguckt. I can’t think straight ist, kurz gesagt, die Geschichte zweier Frauen in heterosexuellen Beziehungen, die sich verlieben und damit klarkommen müssen. Dabei sind die Protagonistinnen alles andere als 08/15-Charaktere: Tala ist eine christlich-arabische Palästinenserin, die in Jordanien aufgewachsen ist. Leyla stammt dagegen aus einer muslimischen Familie, die auch in England auf ihre indischen Wurzeln Wert legt. Neben Homophobie steht dabei auch die Auseinandersetzung mit Antisemitismus auf der Agenda.

Allzu tiefgängige Analysen gibt es in dem Film allerdings nicht, bei allen Resentiments gegen Homosexualität müssen die beiden auch nie um ihr Leben oder ihre Gesundheit fürchten. Aber hier geht’s ja auch um leichte Unterhaltung.

Apropos: Nach einem etwas hölzernen Beginn kommt die Geschichte langsam in Fahrt. Bewährten RomCom-Motiven folgend bleibt sie vorhersehbar, ist dabei aber unterhaltsam umgesetzt. Gelacht wurde auf jeden Fall und wer nah am Wasser gebaut ist, darf sich für den Schluß auch ein Taschentuch mitnehmen.

Im Verlauf der Semesters gibt es dann noch Offside (22. Juni), Trick (29. Juni) und Women without Men (2. Juli) zu sehen. Jeweils um 20 Uhr im Hörsaal III im Schloß und der Eintritt ist frei.

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  • Ach Popp. Immerhin: Schöner Versuch und schöne Parade! — tweeted 10 minutes ago
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