Berichte aus der „Hartz IV-Industrie“ (Bezeichnung einer in dieser Industrie Beschäftigten) sind immer wieder gruselig. Dennoch wird sie kaum diskutiert. Eine Ausnahme davon schien die Reportage „die Hartz-Maschine“ zu sein, die derzeit noch in der Mediathek anzusehen ist. Tatsächlich fängt die Doku gut an: Es wird aufgezeigt, wie Firmen sich die Qualifikation von Arbeitskräften durch die Jobcenter finanzieren lassen. Um diese dann zunächst als, ebenfalls vom Amt finanzierte, Praktikant_innen „auszutesten“. Oft genug ohne den versprochenen festen Vertrag. Das Ganze organisiert von Bildungsträgern, deren Vorsitzende im feinen Zwirn ihren Geldeseln im Blaumann beim qualifiziert werden zuschauen.
Oder die Möglichkeit, als Supermarkt sein verrottetes Gemüse bei einer Tafel abzugeben und dafür noch eine steuerlich absetzbare Spendenquittung zu erhalten. Entsorgungskosten fallen dann natürlich trotzdem an. Bei den Tafeln. Doch hier beginnt bereits das Geschmäckle des Beitrags. Die Chefin wettert über Leute, die zu mehreren Tafeln gehen, um Geld zu sparen! Die Tafeln dürften nur genutzt werden, wenn das Geld nicht mal zum Essen reicht. Dass es ein Armutszeugnis für die Grundsicherung in unserem Land ist, dass es bei diesem Anspruch immer noch Bedarf für Tafeln gibt? Geschenkt.
Eine der 1-Euro-Kräfte in der Tafel(!) äußert anschließend, am liebsten mit 45 in Rente gehen zu wollen. Die Implikation: Faulheit und der Wunsch, es sich auf Kosten der Steuerzahler_innen gemütlich zu machen. Später wird deutlich, dass der Betroffene bereits eine jahrelange Odyssee durch Qualifizierungseinrichtungen hinter sich hat. Peinlich einfache Telefoncoachings inklusive, Hauptsache raus aus den Arbeitslosenstatistiken. Wie soll man denn da noch Hoffnung oder Selbstachtung behalten?
Wenig beachtet wurde leider auch die Frage, warum die Betroffenen immer wieder in ähnliche Qualifizierungsmaßnahmen gesteckt werden – fällt das niemandem auf? Leisten bestimmte Weiterbildungsunternehmen da schlechte Arbeit und eine Maßnahme reicht nicht? Kümmert sich in den Jobcentern niemand um eine Evaluation? Warum ist das immer noch möglich? Sachte wird angesprochen, dass wenige in Maßnahmen sitzen, die ihnen helfen könnten, sondern dass sie dorthin geschickt wurden. Hier ist doch der Knackpunkt zu finden, der diese Hartz-Maschine am Leben erhält. Arbeitslose werden in Durchlauferhitzer namens Maßnahmen gesteckt, die allen helfen – nur ihnen selbst nicht.
Stattdessen wird der Blick in die Niederlande geworfen. Dort zwei Arbeitslose angesprochen, die noch kein Jahr arbeitslos sind; ganz im Gegensatz zu den Langzeitsarbeitslosen in Deutschland! Tatsächlich zeigt sich dort ein ähnliches Bild wie hier. Arbeitslose werden in Maßnahmen gesteckt (allerdings auch in Fitnesskurse), es gibt staatlich subventionierte Arbeit statt echten Beschäftigungen und Sanktionen. Geht es um die Müllabfuhr, scheint es aber ok zu sein, Arbeitslose arbeiten zu lassen, ohne ihnen einen echten Arbeitsvertrag zu geben. Gar nicht erwähnt wird leider, dass auch in Deutschland die Beihilfen zum Lebensunterhalt gestrichen werden können, wenn Hartz IV-Empfänger_innen nicht in der Maßnahme oder zum Gespräch erscheinen. Lieber zeigt man ein sehr junges Mädchen, das sich um seine künstlichen Fingernädel sorgt.
So scheint es am Ende, als hätten sich die faulen Arbeitslosen Deutschlands zusammengetan, um die Maschinerie hinter Hartz IV weiter zu befeuern. Dabei landen von all den großen Summen, die in Projekten und Maßnahmen geschüttet werden, immer nur wenige Euros in ihren Taschen. Trotzdem (und aus Angst vor den Sanktionen) schleppen sich viele in entwürdigende „Qualifizierungen“ und ertragen immer neue Praktika mit vielen Versprechungen aber wenig echten Aussichten auf einen Arbeitsvertrag. Die Profiteure der Hartz IV-Industrie sehen anders aus, liebe ARD!






