Archiv für November 2011

Filme! ARD-Reportage über die Hartz IV-Maschine

Berichte aus der „Hartz IV-Industrie“ (Bezeichnung einer in dieser Industrie Beschäftigten) sind immer wieder gruselig. Dennoch wird sie kaum diskutiert. Eine Ausnahme davon schien die Reportage „die Hartz-Maschine“ zu sein, die derzeit noch in der Mediathek anzusehen ist. Tatsächlich fängt die Doku gut an: Es wird aufgezeigt, wie Firmen sich die Qualifikation von Arbeitskräften durch die Jobcenter finanzieren lassen. Um diese dann zunächst als, ebenfalls vom Amt finanzierte, Praktikant_innen „auszutesten“. Oft genug ohne den versprochenen festen Vertrag. Das Ganze organisiert von Bildungsträgern, deren Vorsitzende im feinen Zwirn ihren Geldeseln im Blaumann beim qualifiziert werden zuschauen.

Oder die Möglichkeit, als Supermarkt sein verrottetes Gemüse bei einer Tafel abzugeben und dafür noch eine steuerlich absetzbare Spendenquittung zu erhalten. Entsorgungskosten fallen dann natürlich trotzdem an. Bei den Tafeln. Doch hier beginnt bereits das Geschmäckle des Beitrags. Die Chefin wettert über Leute, die zu mehreren Tafeln gehen, um Geld zu sparen! Die Tafeln dürften nur genutzt werden, wenn das Geld nicht mal zum Essen reicht. Dass es ein Armutszeugnis für die Grundsicherung in unserem Land ist, dass es bei diesem Anspruch immer noch Bedarf für Tafeln gibt? Geschenkt.

Eine der 1-Euro-Kräfte in der Tafel(!) äußert anschließend, am liebsten mit 45 in Rente gehen zu wollen. Die Implikation: Faulheit und der Wunsch, es sich auf Kosten der Steuerzahler_innen gemütlich zu machen. Später wird deutlich, dass der Betroffene bereits eine jahrelange Odyssee durch Qualifizierungseinrichtungen hinter sich hat. Peinlich einfache Telefoncoachings inklusive, Hauptsache raus aus den Arbeitslosenstatistiken. Wie soll man denn da noch Hoffnung oder Selbstachtung behalten?

Wenig beachtet wurde leider auch die Frage, warum die Betroffenen immer wieder in ähnliche Qualifizierungsmaßnahmen gesteckt werden – fällt das niemandem auf? Leisten bestimmte Weiterbildungsunternehmen da schlechte Arbeit und eine Maßnahme reicht nicht? Kümmert sich in den Jobcentern niemand um eine Evaluation? Warum ist das immer noch möglich? Sachte wird angesprochen, dass wenige in Maßnahmen sitzen, die ihnen helfen könnten, sondern dass sie dorthin geschickt wurden. Hier ist doch der Knackpunkt zu finden, der diese Hartz-Maschine am Leben erhält. Arbeitslose werden in Durchlauferhitzer namens Maßnahmen gesteckt, die allen helfen – nur ihnen selbst nicht.

Stattdessen wird der Blick in die Niederlande geworfen. Dort zwei Arbeitslose angesprochen, die noch kein Jahr arbeitslos sind; ganz im Gegensatz zu den Langzeitsarbeitslosen in Deutschland! Tatsächlich zeigt sich dort ein ähnliches Bild wie hier. Arbeitslose werden in Maßnahmen gesteckt (allerdings auch in Fitnesskurse), es gibt staatlich subventionierte Arbeit statt echten Beschäftigungen und Sanktionen. Geht es um die Müllabfuhr, scheint es aber ok zu sein, Arbeitslose arbeiten zu lassen, ohne ihnen einen echten Arbeitsvertrag zu geben. Gar nicht erwähnt wird leider, dass auch in Deutschland die Beihilfen zum Lebensunterhalt gestrichen werden können, wenn Hartz IV-Empfänger_innen nicht in der Maßnahme oder zum Gespräch erscheinen. Lieber zeigt man ein sehr junges Mädchen, das sich um seine künstlichen Fingernädel sorgt.

So scheint es am Ende, als hätten sich die faulen Arbeitslosen Deutschlands zusammengetan, um die Maschinerie hinter Hartz IV weiter zu befeuern. Dabei landen von all den großen Summen, die in Projekten und Maßnahmen geschüttet werden, immer nur wenige Euros in ihren Taschen. Trotzdem (und aus Angst vor den Sanktionen) schleppen sich viele in entwürdigende „Qualifizierungen“ und ertragen immer neue Praktika mit vielen Versprechungen aber wenig echten Aussichten auf einen Arbeitsvertrag. Die Profiteure der Hartz IV-Industrie sehen anders aus, liebe ARD!

Schluss mit unerwünschter Telefonwerbung

Jede_r kennt sie, niemand mag sie – unerwünschte Anrufe, die einer neue Strom-, Handy- oder sonstwelche Verträge aufs Auge drücken wollen. Bisher konnte frau sich mit dem Gegenwehrskript von EGBG wehren (auch in einer bunten Fassung, übersetzt vom inzwischen verstorbenen Jo Schäfers, erhältlich).

Inzwischen hat sich auch der Staat eingeschaltet (naja, schon 2009 aber das hat sich anscheinend noch nicht herumgesprochen). Bei Svenja-and-the-City habe ich gerade den Verweis auf ein ähnliches Skript gefunden, das aber von der Bundesnetzagentur erstellt wurde. An die das ausgefüllte Skript auch zurückgeschickt werden kann, damit die Agentur den Firmen auf den Zahn fühlt. Nichts wie los!

Hilft nicht gegen Stereotype und Sexualisierung: “SafeSearch”

Hier die Ergebnisse eines Spontantests zur Google-Bildersuche und dem „Schutz“ von Kindern. Das Feature „SafeSearch” verspricht:

  • Bei der strikten Filterung werden sexuell eindeutige Videos und Bilder sowie Ergebnisse, die mit eindeutigen Inhalten verlinkt sein könnten, aus den Google-Suchergebnisseiten gefiltert.
  • Bei der moderaten Filterung werden sexuell eindeutige Videos und Bilder aus den Google-Suchergebnisseiten ausgeschlossen. Ergebnisse, die mit eindeutigen Inhalten verlinkt sein könnten, werden jedoch nicht gefiltert. Dies ist die SafeSearch-Standardeinstellung.
  • Wenn Sie keine Filterung auswählen, wird der SafeSearch-Filter vollständig deaktiviert.

In Bildern:

Google-Bildersuche nach Tina Fey, einer brünetten, weißen Frau. Safe search aus.
Ohne SafeSearch gibt es ein Bild unter den ersten 20 Ergebnissen, dass sexualisiert und suggestiv wirkt (leicht geöffneter Mund, Spiel mit der Brille, sehr tiefer Ausschnitt).

Google-Bildersuche nach Tina Fey, einer brünetten, weißen Frau. Safe search moderat.
Bei der Einstellung „moderat“ kommt das gleiche Bild noch einmal. Außerdem eine sich auf dem Boden räkelnde Tina Fey mit einem noch tieferen Einblick in ihren Ausschnitt, gleich zweimal der „hilflose“ Versuch sich zu schminken und ein in die Höhre gereckter Hintern.

Google-Bildersuche nach Tina Fey, einer brünetten, weißen Frau. Safe search strikt
Wer mit „strikt“ sucht, findet fast die gleichen Bilder, immerhin ohne die Schminkkatastrophen.

Fazit: Von Tina Fey scheint es keine beliebten „sexuell eindeutigen“ Bilder zu geben, die die Google-Bildersuche rausfiltern muss. Bilder, die weibliche Stereotype von Hilflosigkeit und sexueller Verfügbarkeit suggerieren, sind ebenfalls vergleichsweise unbeliebt – und der beste Weg sie zu finden ist die Aktivierung der „SafeSearch“.


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  • Unikeller. Kein Netz aber WLAN. Yolo. (There, I wrote it.) — tweeted 2 hours ago
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