Stereotype aufbrechen! Neues von CyberMentor

Eine schwarze Tasche mit dem grün-lila CyberMentor Logo und dem lila Schriftzug CyberMentor liegt auf einem Stehtisch neben einer BlumeNeues Wochenende, neue Stadt, neues Glück. Am Sams­tag gab es in Regensburg den ersten Cyber­Mentor-Kongress. CyberMentor ist ein E-Mentoring­pro­gramm, dass junge Mädchen mit Studentinnen und Ab­sol­ventinnen der sogenannten MINT-Fächer zusammen­bringt (Mathe, Informatik, Natur­wissen­schaften, Technik). Inzwischen ist es das größte Programm dieser Art und das einzige, dessen Auswirkungen gleichzeitig erforscht werden.

Um die Vorstellung sowohl des Projektes, als auch der ersten Forschungsergebnisse ging es nun bei dem Kongress. Nach einigen Grußworten, die zunächst nichts Gutes verhießen („ich betreibe Frauenförderung, ich habe drei Töchter, eine Ehefrau, eine Assistentin und eine Sekretärin“) ging es los. Forschungsministerin Annette Schavan war leider nicht gekommen, ließ aber die Leiterin des Nationalen Paktes für mehr Frauen in MINT-Berufen (Komm mach MINT) eben diesen Pakt vorstellen. Dass es ihn gibt und dass damit endlich systematischere Arbeit begonnen wurde ist zu begrüßen – leider wurde aber auch deutlich, dass wieder einmal versucht wird, Probleme anzuerkennen, um sie dann möglichst umsonst von anderen lösen zu lassen.

Anschließend gab es Vorträge von Heidrun Stöger und Albert Ziegler, der Projektleitung von CyberMentor (die wohl auch bei den Einführungsworkshops gehalten werden, die habe ich aber bisher immer verpasst). Prof. Stöger führte die vielfältigen Probleme auf, die Mädchen von MINT-Fächern fernhalten, darunter: Eltern, die ihren Töchtern in diesen Bereichen weniger zutrauen und weniger von ihnen erwarten, Lehrkräfte die es ähnlich sehen und auch einem Backlash in Schulbüchern, die wieder Männer bei der Arbeit und Frauen zu Haus abbilden. Stichwort: Stereotype!

Prof. Ziegler ging anschließend auf Mentoring ein und präsentierte auch erste Ergebnisse. So sei Mentoring prinzipiell vielversprechend, bei dauerhaften Widerständen verpufften die Ergebnisse aber wieder. Wichtig sei es also, dass es geschützte Räume gebe, in denen sich Schülerinnen fernab von blöden Kommentaren und Stereotypen mit MINT-Themen beschäftigen können. Das bietet CyberMentor, aber auch hier sei zu erkennen, dass der Kontakt zwischen Mentorin und Mentee nach einer Weile abnehme. Ebenfalls wurde festgestellt, dass das Programm bereits besonders interessierte Schülerinnen anziehe. Für die nächste Runde wird daher das Konzept weiterentwickelt und es werden statt 1:1 Mentoring kleine Gruppen gebildet werden.

Apropos nächste Runde. Auch bei CyberMentor ist die Finanzierung eine wackelige Sache. Immer wieder muss um neue Gelder gekämpft werden, wie so häufig werden einmal begonnene Projekte nicht dauerhaft gefördert. Hier gibt es nun einen Beirat mit Mitgliedern aus Wissenschaft und Wirtschaft, der für die nächsten fünf Jahre Geld von verschiedenen Unternehmen zusammengetragen hat. Einige der Mitglieder waren in der abschließenden Podiumsdiskussion versammelt, die ebenfalls viele wichtige Punkte ansprach. So machte der CIO von Daimler deutlich, dass bei Vorurteilen gegen Frauen („die wird doch eh bald schwanger“) nur helfe, in der Unternehmenspolitik das Bekenntnis zu Diversität und gegen Benachteiligung zu verankern.

Auch angesprochen wurden „Karrierehemmnisse“ wie das geringere Selbstvertrauen von Frauen, die sich oft nicht von selbst auf Aufstiegspositionen bewerben – kein Wunder, wenn bereits Lehrer ihren Schülerinnen weniger zutrauen. Und auch dass „kopiert Männer“ kein Patentrezept sei, wenn das Verhalten von Frauen in Gehaltsverhandlungen anders bewertet werde, als das ihrer Kollegen. Eine Teilnehmerin merkte ferner an, dass CyberMentor auch den Mentorinnen eine gute Austauschmöglichkeit biete, da viele Frauen in technischen Berufen weiter sehr alleine seien.

Insgesamt war es dann doch eine spannende Konferenz, bei der viele Probleme angesprochen wurden und es selbst für Leute, die sich mit Gender, Frauenförderung oder Mentoring bereits auseinandergesetzt haben, noch etwas zu lernen gab. Leider wurde wiederholt deutlich, dass ein großes Problem Stereotype sind, die mit einem Programm nicht aus der Welt zu schaffen sind. Ein systemischer Wandel, wie er mehrfach gefordert wurde, bedarf noch weitaus mehr Interventionen als den vorgestellten. Hier zeigte sich eine gewisse Ratlosigkeit, bei der ich mir wünsche, jede und jeder auf der Konferenz würde vielleicht einmal bei sich selbst anfangen, seine/ihre eigenen Vorurteile überprüfen und genau schauen, wo sie weiter perpetuiert werden.

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