Drei sehr coole Teenager (es gibt deutsche Untertitel und eine Übersetzung):
Archiv für Februar 2012
So jung und schon Wissenschaftlerinnen
Veröffentlicht Februar 20, 2012 Wissenschaft 1 KommentarSchlagworte: Biochemie, Krebs, Zellbiologie
ACTA-Protest im Spam? Die Botschaft ist eindeutig!
Veröffentlicht Februar 15, 2012 Erklärtes 5 KommentareSchlagworte: ACTA, EU, Krisenkommunikation
Liebe EU,
bei klirrender Kälte sind wir, Deine Bürgerinnen und Bürger, auf die Straße gegangen und haben gegen ACTA protestiert. Wir haben uns lustige Schilder gebastelt mit Sprüchen aus diesem „Internet“, um genau dieses zu verteidigen. Wir haben aber auch protestiert gegen intransparente Politik, die Kritik an sich mit „Ihr wisst doch, dass wir darüber reden“ abbügelt. Gegen Politik, die Abkommen gegen Produktpiraterie im Agrar- und Fischereiausschuss kurz vor Weihnachten absegnet, also wenn niemand hinschaut.
Nun wackelt ACTA, vielleicht kommt es durch, vielleicht auch nicht. Geschenkt. Denn verstanden habt ihr augenscheinlich nichts. Ganz offiziell heißt es da, alle ACTA-Mails landeten von nun an im Spamordner. Vernünftige Krisenkommunikation sieht anders aus, Internet hin oder her. „Seht her, Eure Bedenken sind uns so wichtig, wir haben nun extra Leute dafür abgestellt.“ wäre eine bessere Antwort gewesen. Dann hättet ihr die E-Mails natürlich immer noch aussortiert und das Krisenteam hätte mit vorformulierten Standardmails geantwortet, aber es hätte wenigstens gut ausgesehen.
So aber landen unsere Bedenken im Spam – dort wo auch die Produktpirat_innen für gefälschte Rolex, Viagra und Officepakete werben. Die Botschaft ist eindeutig.
Deine Bürgerinnen und Bürger
PS: Laut @netzpolitik war die Meldung eine Ente, bzw. bezieht sich nur auf Massenmails – ändert nichts daran, dass hier eine Chance war, unabhängig von Fraktionsgeseier, zu demonstrieren, dass man seine Bürger_innen ernst nimmt. Die Digitale Gesellschaft hat dann noch eine schicke Liste, Europaabgeordnete zu kontaktieren.
Keine Angst vor Klackerlaken
Veröffentlicht Februar 14, 2012 Bebildert Hinterlasse einen KommentarSchlagworte: Elektronik, Klackerlaken, MINT
Am Tag 0 der transmediale 2012 gab es in der c-base „zum Auftakt“ dorkbot.bln. Dort wurden zwei Hackspaces¹ vorgestellt (einer verbindet Elektronik mit Kleidung), ein „Ein Tasten“-Projekt zum Twittern und Klackerlaken.
Klackerlaken sind eine Erfindung von Mey Lean Kronemann, die vor allem bei ihren Workshops gesichtet werden. Aus einem Matedeckel, zwei Batterien, einer LED und einem kleinen Vibrationsmotor wird mit etwas Tesa ein wanderndes, leuchtendes „Insekt“. Ein Einstieg in das Herumspielen mit Elektronik, ohne komplizierte Ausrüstung. Im Anschluss gab es Kits zum Selbstbauen zu Kaufen, eines davon ist nun in meinem Besitz und sieht inzwischen so aus:
Mey Lean Kronemann macht noch andere tolle Kunstprojekte, die Ihr Euch auf ihrer Webseite anschauen solltet.
________________________
¹ Ich ziehe Hackspace dem männlich konnotierten Hackerspace vor, auch in Anbetracht der selbstgewählten deutsch-sprachigen Bezeichnung Haeckse.
Warum die AXE-Werbung so rassistisch ist und warum das wirklich schlimm ist
Veröffentlicht Februar 8, 2012 Erklärtes 44 KommentareSchlagworte: Kolonialismus, Rassismus, Rassismusdebatte
Ob 2012 wirklich die Welt untergeht, wird sich noch zeigen. Untergegangen ist dieses Jahr schon mal der verantwortungsbewußte Umgang mit der Geschichte. Wer hat’s gemacht? Axe, bei deren Kampagnen jedes einzelne Mal Menschen die Mädchenmannschaft um eine Intervention bitten. Dieses Mal haben sie neben sexualisierter Gewalt auch gleich noch ein wenig Neo-Kolonialismus und Rassismus dazugepackt.
„Such Dir eine Stellung als Missionar“ heißt es als Ziel bis zum Untergang der Welt. Während anscheinend langsam klar ist, was Sexismus ist, scheint bei rassistischen Motiven noch große Verwirrung zu herrschen. Neben dem üblichen Totschlagargumenten des Derailing 1×1 („Du bist rassistisch/sexistisch gegenüber weißen Männern, Du verstehst keinen Spaß und bist sexuell frustriert, als Weiße darfst Du Rassismus nicht kritisieren, es gibt viel schlimmere Probleme“) zeigte sich bei vielen auch ein großes Fragezeichen, sobald ich das Thema ansprach. Ebenfalls immer groß: „erklär mir persönlich jetzt, sofort und genau, was das Problem ist, aber erwarte nicht, dass ich wirklich interessiert bin“. Doch genug der Trolle und stattdessen eine Einführung, warum ich dieses Plakat so gruselig finde.
Oberflächlich betrachtet zielt „such Dir eine Stellung als Missionar“ auf die Missionarsstellung ab. Doch hinter diesem ersten Wortspiel verbirgt sich eine lange, problematische, rassistische und sexistische Geschichte, die besonders in Deutschland wenig beachtet wird. Eine treibende Kraft hinter der Kolonialisierung Afrikas waren Missionare, die „den Wilden“ endlich Gott näher bringen wollten:
1842 kamen die ersten Missionare aus Barmen nach Südwestafrika, in ein Gebiet, das von den Hereros und den Namas besiedelt war. Alle Bemühungen, sie zu »bekehren«, schlugen fehl; das »Wort des Evangeliums prallt an ihnen ab«, klagte ein führender Missionar der Missionsleitung nach Barmen. Das sollte sich bald ändern. Hier war nämlich gerade ein Mann zum Missionsinspektor ernannt worden, der für die nächsten 27 Jahre, von 1857 bis 1884, die Geschicke der Missionsgesellschaft bestimmte und zugleich den »Anstoß zur kolonialen Bewegung in Deutschland gab«, wie die evangelische Realenzyklopädie 1898 stolz vermerkt: der Pfarrer Friedrich Fabri. Dieser Missionstheologe hatte erkannt, daß es töricht sei, bei der »Heidenbekehrung« allein dem Worte Gottes zu vertrauen. Er entsann sich der erfolgreichen Missionspraxis früherer Jahrhunderte, als neben den Predigern immer auch Händler, Siedler und Soldaten eingesetzt worden waren, mit deren Hilfe die »Bekehrten« und ihr Land in die Abhängigkeit der christlichen Mutterländer und Kirchen kamen.
An den verheerenden Folgen der wirtschaftlichen Abhängigkeit, der Ausbeutung der Rohstoffe, den Toten des Widerstandes und der Auflösung sozialer und geografischer Strukturen knabbert Afrika bis heute, was sich dann in Spiegelserien wie „Der Fluch des Paradieses“ niederschlägt. Ein Beispiel aus dem Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung:
Mit Hilfe des Schienenverkehrs gelang die Überwindung des afrikanischen Transportproblems, das bis dahin das entscheidende Hemmnis einer beschleunigten wirtschaftlichen Entwicklung gewesen war. Die Eisenbahn senkte wesentlich die Transportkosten. Für die zukünftige Entwicklung Afrikas war jedoch von Nachteil, daß die Eisenbahnschienen nicht traditionellen Handelsrouten folgten oder die wirtschaftliche Erschließung des gesamten Kolonialgebietes zum Ziel hatten. Vielmehr dienten sie neben dem strategischen Zweck nun vor allem dazu, den Gütertransport aus landwirtschaftlich oder mineralisch begünstigten Regionen zu den Häfen oder politischen Zentren eines Kolonialgebietes sicherzustellen.
Zwar gibt es heute „Entwicklungshilfeministerien“, in Deutschland bekommt dieses gerade einmal die Hälfte (ca. 0,35 Prozent) dessen, was als Budgetanteil nach einer OECD-Vereinbarung vorgesehen ist (0,7 Prozent). Den größten Teil davon stellen tatsächlich Schuldenerlasse dar, ebenfalls ein großer Brocken sind Studienplatzkosten. Erstere sind, um es mit Karlheinz Böhm zu sagen, ein historischer Zynismus, zur Situation von ausländischen Studierenden sei ein Report des Deutschen Studentenwerks empfohlen (tl;dr Studierende aus Entwicklungsländern finanzieren sich überwiegend selbst/familiär und studieren vor allem MINT-Fächer, also das, wo immer Studienplätze unbesetzt bleiben). Viel Geld scheint auch auf Funktionär_innen der FDP zu entfallen… Speziell auf die USA bezogen hat Ampersand einst einen Cartoon gezeichnet, der zur deutschen Situation aber auch passt (Klick für großes Bild):
Bleibt die Frage zu klären, welche sexistisch-rassistische Komponente die Werbung mit sich bringt. So konnten etwa die Besitzer von Sklavinnen über diese verfügen, daraus entstandene Kinder waren ebenfalls Sklav_innen und vergrößerten damit das Arbeitspotential. Legitimiert wurde das, wieder einmal, mit Religion:
Moral justification for the sexual oppression and exploitation of African American slaves stemmed from 15th century Christian missionary attitudes that vilified the “sexual appetite” of Africans. Stereotypes about male African American sexual prowess and the sexual promiscuity of female African Americans linger to this day.
Die moralische Entschuldigung für die sexuelle Unterdrückung und das Ausbeuten afrikanisch-amerikanischer Sklav_innen rührte aus christlich-missonatischen Ansichten des 15. Jahrhunderts, die den „sexuellen Appetit“ von Afrikaner_innen verdammten. Stereotype über das sexuelle Können afrikanisch-amerikanischer Männer und die sexuelle Promiskuität der Frauen bestehen bis heute fort.
So wurde es in afrikanischen Kolonien toleriert, wenn weiße Männer mit Schwarzen Frauen (nicht-)eheliche Beziehungen eingingen, während vor dem Gegenteil gewarnt wurde (S. 208). Da man besonders Frauen der „Unterschicht“ ein Faible für Schwarze zuschrieb, an dieser Stelle auch noch Bonuspunkte für Klassismus.
Damit habe ich jetzt gerade einmal an der Oberfläche gekratzt, dennoch sehe ich schon die Kommentator_innen, die „Du liest da zuviel hinein“ posten wollen. Ja, ich habe viel gelesen und mich informiert. Weil es dringend nötig ist, dass wir uns daran erinnern, was in der modernen Menschheitsgeschichte passiert ist. Wie lange Menschenrechte nicht für alle Menschen galten. Weil Rassismus und Sexismus bis heute an jeder Ecke und auf viel zu vielen Plakaten sind. Weil diese Plakate die Toten und die Menschenrechtsverletzungen verdecken und die Kolonisationsgeschichte auf einen schlechten Wortwitz reduzieren. Weil sie das Vergessen und die Ignoranz normalisieren. Weil das Menschen weh tut und es erst aufhören wird, wenn jede_r den Rassismus entdeckt und aktiv dagegen vorgeht, statt sich hinter „ist doch nicht so schlimm“ zu verstecken.






