ACTA-Protest im Spam? Die Botschaft ist eindeutig!

Liebe EU,

bei klirrender Kälte sind wir, Deine Bürgerinnen und Bürger, auf die Straße gegangen und haben gegen ACTA protestiert. Wir haben uns lustige Schilder gebastelt mit Sprüchen aus diesem „Internet“, um genau dieses zu verteidigen. Wir haben aber auch protestiert gegen intransparente Politik, die Kritik an sich mit „Ihr wisst doch, dass wir darüber reden“ abbügelt. Gegen Politik, die Abkommen gegen Produktpiraterie im Agrar- und Fischereiausschuss kurz vor Weihnachten absegnet, also wenn niemand hinschaut.

Nun wackelt ACTA, vielleicht kommt es durch, vielleicht auch nicht. Geschenkt. Denn verstanden habt ihr augenscheinlich nichts. Ganz offiziell heißt es da, alle ACTA-Mails landeten von nun an im Spamordner. Vernünftige Krisenkommunikation sieht anders aus, Internet hin oder her. „Seht her, Eure Bedenken sind uns so wichtig, wir haben nun extra Leute dafür abgestellt.“ wäre eine bessere Antwort gewesen. Dann hättet ihr die E-Mails natürlich immer noch aussortiert und das Krisenteam hätte mit vorformulierten Standardmails geantwortet, aber es hätte wenigstens gut ausgesehen.

So aber landen unsere Bedenken im Spam – dort wo auch die Produktpirat_innen für gefälschte Rolex, Viagra und Officepakete werben. Die Botschaft ist eindeutig.

Deine Bürgerinnen und Bürger

PS: Laut @netzpolitik war die Meldung eine Ente, bzw. bezieht sich nur auf Massenmails – ändert nichts daran, dass hier eine Chance war, unabhängig von Fraktionsgeseier, zu demonstrieren, dass man seine Bürger_innen ernst nimmt. Die Digitale Gesellschaft hat dann noch eine schicke Liste, Europaabgeordnete zu kontaktieren.

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5 Gedanken zu “ACTA-Protest im Spam? Die Botschaft ist eindeutig!

  1. Liebe Verfasserin,

    wenn frau sich schon äußert, dann doch bitte auch korrekt. Denn schon die Anrede des Artikels ist falsch: Wer soll denn jetzt wieder die EU sein? Laut eines Artikels der taz hat die VERWALTUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS angeblich einen entsprechenden Filter eingerichtet – die Pressesprecherin des Europäischen Parlaments behauptet das Gegenteil (einfach mal auf der Homepage des Parlaments bei den Tweets nachsehen). Und nun? Blog in Luft aufgelöst? Wo doch selbst der Vorsitzende der Konservativen im EP jetzt ACTA in Zweifel zieht? Wo die Sozialdemokraten, die Grünen, die Linken dort dagegen stimmen wollen?

    Nein, diese Art von Blogs haben leider den Effekt, demokratische Prozesse in Europa zu untergraben. Da wird undifferenziert vom Gesamtkomplex “EU” gesprochen, und so dem zunehmend autoritären Regieren über die Bürgerinnen und Bürger hinweg durch Merkozy und andere Gestalten Vorschub geleistet. Wenn Proteste gehört werden, dann doch in den Parlamenten. Aber statt herauszustreichen, dass ACTA effektiv zu stoppen ist, wenn das EP sich dem Abkommen verweigert, wird lieber auch das gewählte Parlament unter der “bösen EU” subsummiert, das erregt mehr Aufmerksamkeit.

    PS: Eigentlich lese ich Ihre Tweets ganz gern, aber bei nicht reflektierten Bemerkungen kommt mir einfach die Galle hoch.

  2. @starkerkaffee – Da sich Ankündigungen und tatsächliches Abstimmungsverhalten manchmal unterscheiden, bin ich noch sehr gespannt, was tatsächlich passieren wird.

    Und ja, „die EU“ hat mehr als ein Problem, wenn es um Aufklärungsarbeit geht. Sie erscheint außerhalb von Brüssel weit weg als diffuses Gesamtgebilde. Und warum ezählt eine Verwaltung sowas? Warum hat nicht auch die Verwaltung Respekt vor den europäischen Bürger_innen?

    Statt also bei sich selbst anzufangen, dann Blogs die Schuld in die Schuhe zu schieben, ist Kosmetik zu verlangen, wenn das Problem an sich behoben werden müsste.

    • Ich gebe nicht einzelnen Blogs die Schuld für das Image der EU – aber es fällt schon auf, wie undifferenziert irgendetwas die “EU” tut oder läßt. Das machen leider sehr viele Journalisten und nationale Politiker so, auch wenn Europäische Entscheidungen auf deutsche Initiative hin vorangebracht werden. Die Bundesregierung hat doch bei ACTA mitgemacht, sich jetzt als Rebell hinzustellen und allein die EU-Kommission für das Ergebnis verantwortlich zu machen, ist die übliche billige Berliner Masche. Wenn dann das Europäische Parlament mal was im Sinne der Bürger durchsetzt, war es natürlich der Bundestag oder die Bundesregierung. So kann es zu keiner Europäischen Demokratie kommen. Für mich ist die Aufregung über diese Meldung aber auch selbst Mahnung, nicht unüberprüfte Artikel oder Tweets in die Welt zu setzen. Traditionelle journalistische Standards haben schon etwas für sich…

      • Über die journalistischen Werte dann vielleicht bei der taz beschweren? Aber ob nun nur Massenmails oder alle Mails, bei der Kommunikation mit seinen Bürger_innen ist in jedem Falle Luft nach oben! Die Bundesregierung bzw. deren Verhalten ist auch keine Ruhmestat – um die geht es hier aber gar nicht.

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