Archiv der Kategorie 'Rant'



Bloß nicht zuviel Nachdenken!

Ob die Blackface-Debatte um das Stück „Ich bin Rappaport“ oder nun der Shitstorm gegen E wie Einfach: Für die Medienberichte werden irgendwie immer nur die Pressestellen der betroffenen Unternehmen angerufen, ob Süddeutsche, t3n oder die Financial Times. Nachfragen bei den Kritiker_innen? Fehlanzeige. Zitiert werden lediglich Sprüche von Facebook-Pinnwänden oder aus YouTube-Kommentaren.

Was leider auch nicht passiert: Expert_innen zu den jeweiligen Themen befragen, wie Rassismus- oder Sexismusforscher_innen. Einordnungen der Vorfälle in einen breiteren, gar geschichtlichen, Kontext bleiben aus, die immer gleichen Mechanismen bleiben zugedeckt. Dann wird zurückgezogen, manchmal, und eine Erklärung rausgegeben, „man habe es ja nicht so gemeint“. Echte Auseinandersetzung? Fehlanzeige! Dabei wäre genau das viel wichtiger.

Früher war alles… äh naja, wie auch immer

Nach dem #e_wie_ekelhaft Shitstorm (worum es ging stand bei der Mädchenmannschaft) war es ja wieder nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand nicht entblödet mit folgenden Kommentar zu kommen:

Wisst ihr was in der Vergangenheit alles in der Werbung gespielt wurde?

Schaltet mal einen Gang zurück….

http://owni.eu/2010/11/08/top-48-ads-that-would-never-be-allowed-today/

Lieber Schlaumeier,

„früher war alles besser“ (oder in diesem Fall, schlechter) ist genau so ein hilfloses Argument wie „aber alle anderen machen das doch auch“ (oder nicht). Besser wäre es, wenn Du mal scharf nachdenkst. Warum wohl ist solch Werbung heute eigentlich uncool?

Wirklich uncool ist sie übrigens nicht, sonst wäre der Ausknock-Spot nie gedreht worden. Aber immerhin, es gab nen Shitstorm. Warum? Richtig, weil es diese Bewegung namens Feminismus gab, die seit Jahren unbequem ist und anprangert, wenn Gewalt gegen Frauen als totaaaal witzig dargestellt wird. Und geändert hat sich nur deswegen was, weil wir immer einen Gang hochgeschaltet haben.

Dass das auch weiter dringend nötig ist, zeigen sowohl die Ekelwerbung von E wie Einfach, wie auch Dein Kommentar.

- hanhaiwen

Filme! ARD-Reportage über die Hartz IV-Maschine

Berichte aus der „Hartz IV-Industrie“ (Bezeichnung einer in dieser Industrie Beschäftigten) sind immer wieder gruselig. Dennoch wird sie kaum diskutiert. Eine Ausnahme davon schien die Reportage „die Hartz-Maschine“ zu sein, die derzeit noch in der Mediathek anzusehen ist. Tatsächlich fängt die Doku gut an: Es wird aufgezeigt, wie Firmen sich die Qualifikation von Arbeitskräften durch die Jobcenter finanzieren lassen. Um diese dann zunächst als, ebenfalls vom Amt finanzierte, Praktikant_innen „auszutesten“. Oft genug ohne den versprochenen festen Vertrag. Das Ganze organisiert von Bildungsträgern, deren Vorsitzende im feinen Zwirn ihren Geldeseln im Blaumann beim qualifiziert werden zuschauen.

Oder die Möglichkeit, als Supermarkt sein verrottetes Gemüse bei einer Tafel abzugeben und dafür noch eine steuerlich absetzbare Spendenquittung zu erhalten. Entsorgungskosten fallen dann natürlich trotzdem an. Bei den Tafeln. Doch hier beginnt bereits das Geschmäckle des Beitrags. Die Chefin wettert über Leute, die zu mehreren Tafeln gehen, um Geld zu sparen! Die Tafeln dürften nur genutzt werden, wenn das Geld nicht mal zum Essen reicht. Dass es ein Armutszeugnis für die Grundsicherung in unserem Land ist, dass es bei diesem Anspruch immer noch Bedarf für Tafeln gibt? Geschenkt.

Eine der 1-Euro-Kräfte in der Tafel(!) äußert anschließend, am liebsten mit 45 in Rente gehen zu wollen. Die Implikation: Faulheit und der Wunsch, es sich auf Kosten der Steuerzahler_innen gemütlich zu machen. Später wird deutlich, dass der Betroffene bereits eine jahrelange Odyssee durch Qualifizierungseinrichtungen hinter sich hat. Peinlich einfache Telefoncoachings inklusive, Hauptsache raus aus den Arbeitslosenstatistiken. Wie soll man denn da noch Hoffnung oder Selbstachtung behalten?

Wenig beachtet wurde leider auch die Frage, warum die Betroffenen immer wieder in ähnliche Qualifizierungsmaßnahmen gesteckt werden – fällt das niemandem auf? Leisten bestimmte Weiterbildungsunternehmen da schlechte Arbeit und eine Maßnahme reicht nicht? Kümmert sich in den Jobcentern niemand um eine Evaluation? Warum ist das immer noch möglich? Sachte wird angesprochen, dass wenige in Maßnahmen sitzen, die ihnen helfen könnten, sondern dass sie dorthin geschickt wurden. Hier ist doch der Knackpunkt zu finden, der diese Hartz-Maschine am Leben erhält. Arbeitslose werden in Durchlauferhitzer namens Maßnahmen gesteckt, die allen helfen – nur ihnen selbst nicht.

Stattdessen wird der Blick in die Niederlande geworfen. Dort zwei Arbeitslose angesprochen, die noch kein Jahr arbeitslos sind; ganz im Gegensatz zu den Langzeitsarbeitslosen in Deutschland! Tatsächlich zeigt sich dort ein ähnliches Bild wie hier. Arbeitslose werden in Maßnahmen gesteckt (allerdings auch in Fitnesskurse), es gibt staatlich subventionierte Arbeit statt echten Beschäftigungen und Sanktionen. Geht es um die Müllabfuhr, scheint es aber ok zu sein, Arbeitslose arbeiten zu lassen, ohne ihnen einen echten Arbeitsvertrag zu geben. Gar nicht erwähnt wird leider, dass auch in Deutschland die Beihilfen zum Lebensunterhalt gestrichen werden können, wenn Hartz IV-Empfänger_innen nicht in der Maßnahme oder zum Gespräch erscheinen. Lieber zeigt man ein sehr junges Mädchen, das sich um seine künstlichen Fingernädel sorgt.

So scheint es am Ende, als hätten sich die faulen Arbeitslosen Deutschlands zusammengetan, um die Maschinerie hinter Hartz IV weiter zu befeuern. Dabei landen von all den großen Summen, die in Projekten und Maßnahmen geschüttet werden, immer nur wenige Euros in ihren Taschen. Trotzdem (und aus Angst vor den Sanktionen) schleppen sich viele in entwürdigende „Qualifizierungen“ und ertragen immer neue Praktika mit vielen Versprechungen aber wenig echten Aussichten auf einen Arbeitsvertrag. Die Profiteure der Hartz IV-Industrie sehen anders aus, liebe ARD!

Facepalming am Morgen – Ich hab die Glamour gelesen

Liebe Glamour,

ich weiß nicht, warum man mir den folgenden Link geschickt hat: „Die Top Ten Liebestöter“ – Anweisungen für Singlefrauen. Damit ich mich aufrege? Denn soviel heterosexistische Kackscheiße hat man lange nicht gesehen. Ob die Verdrehung wissenschaftlicher Erkenntnisse nun aus Ahnungslosigkeit oder als bewußte Instrumentalisierung geschehen ist, ich weiß es nicht.

Schon nach dem ersten Tip Eurer Klickstrecke kann jede vernünftige Singlefrau nur wegklicken. Liebestöter Karriereambitionen? Ernsthaft? Weil Männer „nur zu 5 Prozent Wert auf Bildung und Einkommen der Partnerin“ legen? Aus „sie muss nicht reich sein“ macht ihr also ein „sie darf nicht erfolgreich werden wollen“. Dass ein Viertel der Männer eine Frau mit ähnlichem Energielevel (unspezifiziert) sucht, aber Frauen keine Couch-Potatoes sein dürfen übersehe ich dank des Katzenbildes erst mal großzügig.

Weitergeklickt, nächster Tip: Aus „Konflikte einfach lösen“ wird „wenn Frauen Konfliktherde sind“. Hier habt ihr nicht mal mehr Probleme mit Korrelation und Kausalität, ihr habt einfach gar nichts verstanden. Und zieht das alte Klischee der anstrengenden Alten, die ihrem Macker täglich das Leben schwer macht, aus dem Hut. Unhinterfragte Stereotypen, gepaart mit etwas Frauenhass? You haz it!

Ein letzter Beweis: Dass vielen Männern emotionale und körperliche Nähe wichtig ist, wird zu den hilfreichen Tipps, nicht kratzbürstig oder kaltherzig zu sein. Oh, man hätte soviel aus diesen Informationen machen können. Aufzeigen, dass die Bedürfnisse von Männern augenscheinlich nicht zu bestimmten Männlichkeitsvorgaben passen. Anerkennen, dass Frauen, die nach emotionaler Nähe kein Bedürfnis haben, guten Gewissens Single bleiben dürfen. Ein Frauen- und Beziehungsbild wie aus den Fünfzigern, das hier vermittelt wird. Gruselig.

Warum macht ihr das? Ist das die clevere Marketingstrategie, Frauen erst kleinzureden, sie damit zu beschäftigen, sämtliches Verhalten auf Hinweise von Kratzbürstigkeit zu untersuchen und zu verändern? Um all den gestressten Leserinnen dann drei Seiten weiter Wellnessprodukte und Entspannungsreisen anzubieten, damit sie endlich wieder sie selbst sein können? Es widert mich an.

Love,
Haiwen

PS: Warum Lesben bis heute nicht von Magazinen wie der Glamour angesprochen werden, erschließt sich mir bis heute nicht. Die können doch soviel Karriere machen wie sie wollen und dann Tonnen von Geld haben. Aber vielleicht ist lesbisches Geld einfach schlechter?

PPS: Liebe heterosexuelle Männer, wenn ihr Euren (zukünftigen) Partnerinnen das Leben einfacher machen wollt, dann schreibt doch endlich mal selbst diesen elenden Frauenmagazinen, dass sie aufhören sollen, im 21. Jahrhundert die Gesellschaft mit solcher unreflektierten Scheiße zu vergiften!

Was mir bleibt: die Definitionsmacht

Reden wir über Definitionsmacht. Ein Konzept, das von Feministinnen maßgeblich geprägt wurde. Es bedeutet, dass die Opfer und Betroffenen von sexualisierter, transphober, homophober, behindertenfeindlicher oder rassistischer Gewalt das Recht haben, die Gewalt als solche zu benennen. Es steht den ansonsten herrschenden Relativierungsversuchen und dem Rechtfertigungsdruck gegenüber.

Vor einiger Zeit geriet ich auf Twitter durch ein Missverständnis in einen mächtigen Shitstorm. Neben allgemeinen Vergewaltigungsandrohungen gegenüber Feministinnen wurden dabei ganz speziell auf mich bezogene Szenarien entworfen. Wie ich zu vergewaltigen sei und warum das gerechtfertigt sei. Daneben ich eine Reihe an Beleidigungen, die sich schon fast harmlos gegenüber der sexualisierten Gewalt ausnehmen.

Diese Sprüche wurden von der Urheberin als total normal angesehen, von diversen Leuten wurde sie für ihren Humor verteidigt und die Provokation sogar gelobt.

Dabei finde ich ich die ganze Geschichte nicht witzig, mich ekelt die Verachtung an, die Respektlosigkeit gegenüber meinem Körper, meinem Recht auf Selbstbestimmung und körperlicher Unversehrtheit. Vermutlich waren die Aussagen sogar strafbar (sie sind inzwischen gelöscht, aber an anderer Stelle dokumentiert.)

Und ich wehre mich gegen jeden Versuch, mir jetzt noch meine Meinung abzusprechen, mir eine andere vorschreiben zu wollen und mir als Betroffener die Definitionsmacht wegzunehmen. Ich wehre mich gegen jeden Versuch, die Vorgänge zu relativieren und über Rechtfertigungen zu spekulieren. Ich wehre mich auch gegen Überlegungen, welche Auswirkungen solche Vorgänge auf Vergewaltigungsopfer haben. Das alles ist völlig irrelevant!

Es ging um mich, meine Person, meinen Körper und ich sage: Sexualisierte Gewalt und Aufrufe dazu sind das Letzte und genau das ist passiert. Es sind Versuche mich einzuschüchtern und mich fremd zu bestimmen. Das zu benennen und mich dagegen zu wehren, ist meine Definitionsmacht. Wer sie nicht anerkennt, hält die perfiden Systeme von Unterdrückung, Einschüchterung und Verharmlosung von Gewalt am Leben.

Wie Vorurteile entstehen – eine Selbstbetrachtung anhand des Slutwalks

Inzwischen ist der Berliner Slutwalk eine Weile her. Zeit genug also, mal mit etwas Abstand drauf zu schauen. Interessant dabei ist im Nachhinein, dass ich einmal direkt und unmittelbar die Auswirkungen von Objektifizierung erfahren und vor allem – als solche einordnen konnte.

Aufgefallen ist mir das im Umgang mit der Presse. Nach einigen Jahren eigener journalistischer Arbeit für Radio und Zeitung, sowie zwei re:publica-Teilnahmen mit Radio-, Zeitungs- und Fernsehinterviews bin ich schon einiges gewohnt. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass ich in jedes Mikro quatsche, was mir vor die Nase gehalten wird.

Beim Slutwalk hat sich das geändert.

Als Freiwillige für das Ordnungs- und Awarenessteam kam ich am Slutwalk-Samstag mit ein paar anderen bereits vor dem Demobeginn an. Wir waren noch nicht einmal zum Rest der Gruppe gestoßen, als uns bereits die ersten Reporter_innen beäugten. Wenig später schaffte es bereits der erste – weiß, männlich, Mitte 20 – ein „darf ich sagen, dass ihr ganz schön scharf ausseht“ in unsere leicht uninteressierten Gesichter zu flöten. Neben dem augenscheinlich nicht ganz verstandenen Slutwalkhintergrund sei angemerkt, dass nur etwa die Hälfte von uns sich knapp gekleidet hatte. Bei gefühlten 30°C und Dauersonnenschein übrigens fast schon eine Herausforderung.

Bald ging es dann los mit der Vorbesprechung. Neben den Helfer_innen war auch die Zahl der Pressemenschen in die Höhe geschnellt. „Nervig“ beschreibt dabei das Verhalten einiger nicht mehr zutreffend. Ein weiterer Mann, ebenfalls weiß und um die 20/30, bestand darauf, dass wir ihm dringend Fragen beantworten müssten. Der Hinweis auf das Presseteam nütze nichts, die Bitte bis nach der Besprechung zu warten nur bedingt. Die erste „Pause“ (ich glaube, es wurden Zettel mit der Route rumgegeben) nutze er erneut, um nachzufragen. Anstatt ein „später“ zu akzeptieren, begann er diskutieren. Mein „wir sind hier noch beschäftigt, kannst Du nicht einfach warten bis wir fertig sind“ wurde schließlich mit „jetzt reg’ Dich mal nicht so auf“ quittiert.

Dieses konsequente Nichtzuhören und Ignorieren von Bitten und Anweisungen hat erst die ganze Vorbesprechung und später auch den Marsch an sich überschattet. Wenn man Fotografen schon fast anschreien muss, damit sie überhaupt mal zuhören und dann die Bitte, einen jetzt mal für ein paar Minuten allein zu lassen nur dahingehend erfüllen, dass sie einen Schritt zurück machen – dann zeigt sich erst in aller Deutlichkeit, warum Slutwalks, der Kampf für Respekt und Selbstbestimmung so wichtig sind.

Schließlich kam eine junge Frau mit einer Kamera, stellte sich vor und fragte sehr höflich, ob ich in einem Satz darlegen wolle, warum ich am Slutwalk teilnehme. Sie hat wirklich alles richtig gemacht. Trotzdem habe ich mich das erste Mal in meiner „Pressekarriere“ überwinden müssen, tatsächlich einzuwilligen. Nach all dem grenzverletzenden Verhalten zuvor erlebte ich mich selbst, wie ich jedes ihrer Worte, jede Geste im Geist noch einmal in Zeitlupe durchging und extra abklopfte. Ich merkte, wie ich einen inneren Zaun hochzog und mich dahinter zu verschanzen versuchte.

Schließlich habe ich dann mitgemacht und mich über das Video, wie auch den Artikel im Tagesspiegel gefreut. Zu der Qualität anderer Beiträge kann ich dagegen nur den Text von Paula empfehlen.

Wie ich in Zukunft mit journalistischen Anfragen umgehen werde, kann ich noch nicht abschätzen. Was mich nun interessiert, wären auf jeden Fall Statements der beschriebenen Fotografen und Journalisten. Verhalten sie sich immer so übergriffig und respektlos oder nur beim Slutwalk? „Verleitete“ sie gar der Schlampenlook dazu? Welche Rechtfertigung könnte es wohl geben, die nicht beweist, dass weitere Slutwalks dringend notwendig sind?

ASBOs und Plagiate

So, jetzt habe ich mich eine Stunde durch Anne Will gequält und nach viel peinlichem Blabla ist das Anführen von ASBOs in Großbritannien im Zusammenhang mit Plagiaten der absolute Höhepunkt der Dreistigkeit. Um einmal aus der englisch-sprachigen Wikipedia zu zitieren (ja, so sieht ein Zitat auch nach englischen Vorgaben aus, mit Anfang und Ende):

The orders, introduced by Prime Minister Tony Blair in 1998, were designed to correct minor incidents that would not ordinarily warrant criminal prosecution. The orders restrict behaviour in some way, by prohibiting a return to a certain area or shop, or by restricting public behaviour such as swearing or drinking. Many see the ASBO as connected with young delinquents.

Es geht um kleine Vorfälle, die nicht unbedingt eine umfangreiche Ermittlung erfordern. Es wird Verhalten verboten, wie etwa die Rückkehr in einen bestimmten Bezirk oder Verhalten in der Öffentlichkeit, wie Fluchen und Trinken. Es geht um Dinge, die man gemeinhin mit Obdachlosen, mit rumhängenden Jugendlichen und allgemein mit sozial Schwachen in Verbindung bringt. Sie waren und sind der Ausdruck der Hilflosigkeit einer Regierung und Gesellschaft gegenüber Menschen, denen sie keine Perspektive mehr geben können und sich gleichzeitig von ihnen diffus bedroht fühlen.

Um es noch einmal deutlicher zu sagen, es geht um (Liste aus der Wikipedia, Übersetzung von mir):

  • abandoning cars – Autos rumstehen lassen
  • begging – betteln
  • dealing/consumption of controlled recreational drugs – Drogen dealen und nehmen
  • dogging (theatrical public sex) – öffentlicher Sex
  • drunken behaviour – betrunkenes Verhalten
  • fare dodging – Schwarzfahren
  • intimidation – Einschüchterung
  • littering/fly tipping/dog fouling – verdrecken
  • loitering – rumhängen
  • noise pollution – Lärmbelästigung
  • spitting – spucken
  • stealing/mugging/shoplifting – klauen
  • vandalism/criminal damage – Vandalismus

ASBOs sind in UK inzwischen ziemlich umstritten, weil sie vor allem Menschen mit Drogen- und Alkoholproblemen trafen, oder mit Lernstörungen oder psychischen Krankheiten. Probleme, die auch nach der Einführung der ASBOs bestehen blieben, weil es keinerlei verstärkte Bemühungen gab, den Betroffenen zu helfen, statt ihnen einfach Verhalten zu verbieten. Whistleblowing oder das Anschwärzen von Abgeordneten, die plagiiert haben, war nie vorgesehen. Egal wie anti-sozial sowohl anschwärzen, als auch plagiieren sein können – es ging nie um die gesellschaftlichen Schichten, in denen sowas vorkommt. Dass ein Abgeordneter jemals eine ASBO bekommen hätte, ist mir jedenfalls nicht bekannt.

PS: Der Herr Chatzimarkakis hatte angeführt, ASBOs wären als Reaktion auf Whistleblowing entstanden und seien die einzige Möglichkeit, sich dagegen zu wehren.

PPS: Ja, war Herr Bertram Quadt (den von und zu spare ich mir an dieser Stelle). Zu sehen in der Mediathek ab der 59. Minute.

Aus dem Leben einer Feministin: Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück

Der Tag fing so konstruktiv an – ich las Nadines Blogeintrag zum Thema Rassismus von Migrant_innen und stolperte über

Was Menschen wie Sezgin, Lau, Kaddor, etc. tun ist nichts weiter als der Mehrheitsgesellschaft nach dem Mund zu reden. Nicht, weil sie Rassismus beipflichten, sondern weil sie mit ihren Argumenten einen rassistischen Diskurs stützen, über den sie niemals werden selbstständig bestimmen können.

Das klingt so ausweglos, als ob es niemals eine Lösung geben wird. Mir fiel das Panel vom Politcamp 11 ein, das sich um Utopien drehte. Sind Utopien noch zeitgemäß und warum waren sie eigentlich jemals wichtig? Am Ende beschreiben sie doch immer Zustände, die gar nicht Realität werden können. Dann forderte gerade die analyse & kritik neue feministische Utopien. Tatsächlich, so beschloss ich, ist es an der Zeit, neue Utopien zu entwickeln, sich neue Ziele zu setzen und Strategien zu entwerfen – ob sie nun eintreffen oder nicht.

Leider habe ich den Fehler gemacht, vorher noch einmal die Diskussion um den Elektrischen Reporter weiter zu verfolgen. Bzw. den „Frauen und Männer”-Beitrag, der nun davon handelte, wie Frauen jetzt anders wären, oder auch nicht. Als ob der Beitrag an sich nicht schon ein Lehrstück dafür wäre, was schiefläuft in unserer Gesellschaft, wie Menschen Stereotype aufgedrückt werden, um die Stereotype weiter am Leben zu halten, wie kluge Frauen, die sich für verschiedene Themen engagieren aufs „Frausein“ reduziert werden – auch die weiteren Debatten machen wieder schmerzvoll deutlich, dass wir noch keinen Schritt weitergekommen sind.

Da heißt es von einem Kommentator bei Anne Roth, er sehe die Problematik nicht, auch wenn er sich schon länger damit beschäftige und bittet dann:

Hast Du einen Link, in der die Problematik, mit der Ihr Euch (und offensichtlich ich mich) gerade hier beschäftigen, mal genauer erklärt wird?

Junge, dir kann man keinen Link geben, weil „die Problematik“ leider niemandem erläutert, womit Du Dich nun gerade beschäftigst. Kann es wirklich sein, dass jemand, der sich nun schon eine Weile mit Stereotypen und Geschlechtszuschreibungen beschäftigt, nicht auf das Wort „Sexismus“ gestoßen ist? Aber vielleicht meint er das auch nicht, Das übrigens unter einem Text, in dem viele, auch weiterführende, Links waren, u.a.:

Glücklicherweise hat Antje Schrupp das Problem gut zusammengefasst: Die Männer-Frauen-Endlosschleife.

Hervorhebung von mir, just in case. Apropos Diskussion bei Antje Schrupp. Auch dort schafft es ein Mann, seinen gesamten Frust mit, ja was eigentlich, Frauen? Feminismus? der Welt? in einem ewig langem Kommentar unterzubringen. Und aus der themenbezogenen Diskussion einen Debatte über seine Befindlichkeiten zu machen.

Ich mache sowas jetzt über zwei Jahren im Lichte einer größeren Aufmerksamkeit und diese Verhaltensweisen begegnen mir immer wieder und wieder. Kommentatoren kommen aus dem Nichts, könnten gar nicht verstehen, wo da das Problem wäre, ob man ihnen das nicht fix erklären könne („einmal Fast-Food-Feminism on the go“). Manchmal ward nie wieder von ihnen gehört (nicht mal ein Danke), manchmal beginnen dann längere Diskussionen, das sei ja wohl alles doch nicht so schlimm und danach ward nie wieder von ihnen gehört. Manchmal handelt es sich auch um Arschlöcher, bei denen mit der Anzahl der Kommentare auch die Beleidigungen häufiger werden.

Das perfide daran: Reagiert frau bei der 100. Nachfrage mal genervt, gibt es gleich nen Stempel. Zickig und nicht wirklich daran interessiert, für ihre Sache einzutreten ist frau dann. Dabei hatte ich noch kein einziges Mal das Gefühl, mit meinen Erklärungen bei solchen Kommentatoren irgendwas bewegt zu haben. Wenn ich sowas noch beantworte, dann nur, um eben nicht als zickig und arrogant da zu stehen – auch wenn ich damit doch wieder Mechnismen unterstütze, die ich eigentlich abgeschafft sehen will. Ein Teufelskreis aus dem ich noch keinen Ausweg gefunden habe.

Manchmal kriegen wir übrigens E-Mails oder Feedback: „Ich kommentiere ja nie bei Euch, aber seit ich mitlese hab ich angefangen, mir Gedanken darüber zu machen und micht mehr mit Feminismus zu beschäftigen.“ Für Euch, ihr wundervollen Mitdenker_innen, werde ich mich jetzt nicht weiter frustrieren lassen und mir endlich Gedanken über feministische Utopien machen.

Metagedanken nach dem #YMS2011

Nach langer Fahrt und viel zu wenig Schlaf, bin ich seit gestern abend zurück in Deutschland. Nun heißt es Fotos und Gedanken zu sortieren. Außerdem die Kontakte pflegen. Beim Versuch, eine der Teilnehmerinnen des Young Media Summits zu adden, musste ich mich allerdings durch einen absurden Facebook-Dialog klicken (aus dem Gedächtnis aufgeschrieben):

“Wenn Sie Personen als Freunde hinzufügen, die sie nicht kennen, wird das als Spam behandelt und Freundschaftsanfragen blockiert. Kennen Sie diese Person wirklich?”
Ja, ich kenne Maha.
“Sind sie sich sicher, dass Sie diese Person kennen? Ansonsten wird die Anfrage als Spam behandelt.”
JA, ich bin mir immer noch sicher!
(und dann kam noch ein Hinweisfenster:)
“Wenn Sie diese Person nicht kennen, wird diese Anfrage als Spam behandelt.”

Zunächst behandelt Facebook seine Nutzer_innen durch die wiederholten Hinweise wie unmündige Menschen, die nicht verstehen, was sie da eigentlich machen. Was äußerst respektlos ist. Annina wies mich darauf hin, dass sie im letzten Jahr ähnliche Probelem hatte, die anderen Teilnehmer_innen zu adden, vielleicht „…passen Eure üblichen Aufenthalsalgorithmen nicht zusammen.“

Meine Antwort lautete: Da werden alle Vorteile des Internets, Leute international kennenzulernen, wieder genau rückgängig gemacht. Zusammenkommen kann nur, wer aufgrund undurchsichtiger Regeln anderer Leute zusammenkommen darf. Bald können wir alle Utopien, die uns das Internet versprach abschreiben, es ist dann eben doch nur noch die Abbildung der realen Welt.

Ich kann verstehen, dass Leute genervt waren, wenn ihnen auf den ersten Blick völlig Unbekannte einfach so Freundschaftsanfragen schicken. Nicht jede_r möchte über Facebook auch neue Bekanntschaften machen. Ich kenne einige Leute, die alle ignorieren, die nicht wenigstens ein paar Zeile dazu schreiben. Dagegen frage ich im Zweifelsfall nach, aber das ist ein Aufwand, den nicht jede_r betreiben möchte.

Die Lösung kann aber nicht sein, einen Hindernisparcours an sich wiederholenden Warnhinweisen aufzubauen. Vor allem ist auch nicht klar, wann genau man in den Verdacht gerät zu spammen und welche Konsequenzen das genau hätte. Reicht es bereits, sich ein Mal zu verklicken oder muss man erst 50 Unbekannte hinzufügen wollen? In diesem Fall hatten wir bereits gemeinsame Bekannte, was also hat Facebook bewegt, mir diese Warnungen zu senden? Welche Algorithmen sind hier am Werk, die Facebook wissen lassen, dass ich Erna aus Sutthausen wohl kennen könnte, Maha aus Saudi-Arabien aber nicht? An den genauen Wortlaut der ersten Meldung erinnere ich mich leider nicht – hätte ich den Rest geahnt, hätte ich alles mit Screenshots dokumentiert. Aber es blieb völlig unklar, ob dann nur diese eine Freundschaftsanfrage ausgeblendet wird oder ich am Ende gar keine Anfragen mehr stellen kann und für wie lange diese Strafe verhängt würde.

Mit der Beantwortung dieser Fragen würde uns Facebook weiterhelfen, uns wie intelligente Nutzer_innen behandeln. Mit klaren, später nachlesbaren Erläuterungen statt einer Reihe an wirren, einschüchternden Popups. Aus dem Versprechen einer besseren Welt, an der jede_r teilnehmen kann, wird ansonsten aus dem Internet immer mehr eine Welt, die von unsichtbaren und unkontrollierten Kräften beherrscht wird.

Was ist weiblich, was ist männlich im Internet?

Schon Mitte letzten Monats erschien der „Rant“ von Jörg-Olaf Schäfers zur Frage, wer eigentlich was in der Netzpolitik in den letzten Jahren/Jahrzehnten bewegt hat. Dabei sind mir zunächst 2 Dinge aufgefallen. So geht es im Artikel im verschiedene Organisationen und Aktionen, von Stop1984 mit Bettina Hammer, über die Petition gegen Internetsperren von Franziska Heine, bis hin zum stärkeren Engagement des CCC, das laut Schäfers vor allem an Constanze Kurz hängt. Hier treffen mit Politik und Technik eigentlich 2 Bereiche aufeinander, die als männlich gelten. Und dennoch so viele Aktivistinnen? Aber Obacht:

Die floralen Elemente eher weichen Themen der SIGINT standen anfangs jedenfalls noch deutlich in Kontrast zur harten Hacker-Realität auf dem Kongress in Berlin […]

Galt all das was „auf den Webseiten“ steht mal als „weiblich, weich, blumig“ im Vergleich zu dem, was hinter den Webseiten steht? Beispiel Weblogs. Seit dem Aufkommen von Blogs sind als Autor_innen überdurchschnittlich viele Frauen zu finden, gleichzeitig wurden sie lange als „Tagebücher im Internet“ verschrien. Inzwischen gibt es einige sehr bekannte Blogs, das Image beginnt sich zu wandeln und damit auch das Geschlechtsimage, denn meistens ist von den Bloggern (m) die Rede.

Doch Frauen strömen verstärkt ins Internet, der Gender Gap schließt sich an dieser Stelle immer mehr. Damit einher geht eine stärkere Differenzierung der Tätigkeiten. Der Anteil von Frauen und Männern, die im Netz daddeln ist fast gleich? Dann wird eben unterschieden zwischen krassen Egoshootern und „Social Games“. 83% der Surfer und 88% der Surferinnen kaufen Zeug übers Internet? Also schnell klargestellt, dass Frauen Kleidung kaufen und Männer Computer. Jedes Mal, wenn eine Achse der Unterscheidung wegfällt, wird nach der nächsten gesucht.

Doch nicht immer erobern die Frauen sich neues Terrain, es geht auch umgekehrt. Bei der Gründung der Digitalen Gesellschaft, die künftig die digitalen Bürgerrechte vorantreiben will, waren nur Männer dabei. Nach der ersten Kritik hat man inzwischen klargestellt, es gäbe „auch einige weibliche Mitglieder“. Na dann.
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PS: Eine ganz andere Frage stellt sich mir inzwischen auch noch. Warum mir Google bei der Suche nach dem inzwischen totgenudeltem Slogan „Frauen erobern das Internet“ auch das Wort „Verführen“ fett markiert, obwohl es nicht zur Suchanfrage gehört.


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  • Beim zweiten Lesen sind die Teilnahmebedingungen der @DB_Info über die „Kooperationen“ beim verkauf der bahn.bonus-Daten leider zu unklar. — tweeted 25 minutes ago
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