Der Tag fing so konstruktiv an – ich las Nadines Blogeintrag zum Thema Rassismus von Migrant_innen und stolperte über
Was Menschen wie Sezgin, Lau, Kaddor, etc. tun ist nichts weiter als der Mehrheitsgesellschaft nach dem Mund zu reden. Nicht, weil sie Rassismus beipflichten, sondern weil sie mit ihren Argumenten einen rassistischen Diskurs stützen, über den sie niemals werden selbstständig bestimmen können.
Das klingt so ausweglos, als ob es niemals eine Lösung geben wird. Mir fiel das Panel vom Politcamp 11 ein, das sich um Utopien drehte. Sind Utopien noch zeitgemäß und warum waren sie eigentlich jemals wichtig? Am Ende beschreiben sie doch immer Zustände, die gar nicht Realität werden können. Dann forderte gerade die analyse & kritik neue feministische Utopien. Tatsächlich, so beschloss ich, ist es an der Zeit, neue Utopien zu entwickeln, sich neue Ziele zu setzen und Strategien zu entwerfen – ob sie nun eintreffen oder nicht.
Leider habe ich den Fehler gemacht, vorher noch einmal die Diskussion um den Elektrischen Reporter weiter zu verfolgen. Bzw. den „Frauen und Männer”-Beitrag, der nun davon handelte, wie Frauen jetzt anders wären, oder auch nicht. Als ob der Beitrag an sich nicht schon ein Lehrstück dafür wäre, was schiefläuft in unserer Gesellschaft, wie Menschen Stereotype aufgedrückt werden, um die Stereotype weiter am Leben zu halten, wie kluge Frauen, die sich für verschiedene Themen engagieren aufs „Frausein“ reduziert werden – auch die weiteren Debatten machen wieder schmerzvoll deutlich, dass wir noch keinen Schritt weitergekommen sind.
Da heißt es von einem Kommentator bei Anne Roth, er sehe die Problematik nicht, auch wenn er sich schon länger damit beschäftige und bittet dann:
Hast Du einen Link, in der die Problematik, mit der Ihr Euch (und offensichtlich ich mich) gerade hier beschäftigen, mal genauer erklärt wird?
Junge, dir kann man keinen Link geben, weil „die Problematik“ leider niemandem erläutert, womit Du Dich nun gerade beschäftigst. Kann es wirklich sein, dass jemand, der sich nun schon eine Weile mit Stereotypen und Geschlechtszuschreibungen beschäftigt, nicht auf das Wort „Sexismus“ gestoßen ist? Aber vielleicht meint er das auch nicht, Das übrigens unter einem Text, in dem viele, auch weiterführende, Links waren, u.a.:
Glücklicherweise hat Antje Schrupp das Problem gut zusammengefasst: Die Männer-Frauen-Endlosschleife.
Hervorhebung von mir, just in case. Apropos Diskussion bei Antje Schrupp. Auch dort schafft es ein Mann, seinen gesamten Frust mit, ja was eigentlich, Frauen? Feminismus? der Welt? in einem ewig langem Kommentar unterzubringen. Und aus der themenbezogenen Diskussion einen Debatte über seine Befindlichkeiten zu machen.
Ich mache sowas jetzt über zwei Jahren im Lichte einer größeren Aufmerksamkeit und diese Verhaltensweisen begegnen mir immer wieder und wieder. Kommentatoren kommen aus dem Nichts, könnten gar nicht verstehen, wo da das Problem wäre, ob man ihnen das nicht fix erklären könne („einmal Fast-Food-Feminism on the go“). Manchmal ward nie wieder von ihnen gehört (nicht mal ein Danke), manchmal beginnen dann längere Diskussionen, das sei ja wohl alles doch nicht so schlimm und danach ward nie wieder von ihnen gehört. Manchmal handelt es sich auch um Arschlöcher, bei denen mit der Anzahl der Kommentare auch die Beleidigungen häufiger werden.
Das perfide daran: Reagiert frau bei der 100. Nachfrage mal genervt, gibt es gleich nen Stempel. Zickig und nicht wirklich daran interessiert, für ihre Sache einzutreten ist frau dann. Dabei hatte ich noch kein einziges Mal das Gefühl, mit meinen Erklärungen bei solchen Kommentatoren irgendwas bewegt zu haben. Wenn ich sowas noch beantworte, dann nur, um eben nicht als zickig und arrogant da zu stehen – auch wenn ich damit doch wieder Mechnismen unterstütze, die ich eigentlich abgeschafft sehen will. Ein Teufelskreis aus dem ich noch keinen Ausweg gefunden habe.
Manchmal kriegen wir übrigens E-Mails oder Feedback: „Ich kommentiere ja nie bei Euch, aber seit ich mitlese hab ich angefangen, mir Gedanken darüber zu machen und micht mehr mit Feminismus zu beschäftigen.“ Für Euch, ihr wundervollen Mitdenker_innen, werde ich mich jetzt nicht weiter frustrieren lassen und mir endlich Gedanken über feministische Utopien machen.