März: Body positive Practice Month

Eine gezeichnete Frauenfigur macht eine Brücke, ihre roten Locken hängen herunter. Auf dem Boden steht: Body positive Practice Month

Bild von @distelfliege

Den März haben Wurzelfrau und Distelfliege als Body positive Practice Month ausgerufen:

In diesem Monat, März, soll es also darum gehen, wie wir mit unseren verschiedenen körperlichen Vorraussetzungen etwas Aktives tun, die Praktik, die uns gut tut, was dazu für Gedankengänge entstehen- wie das vielleicht auch unsere Sicht auf unseren Körper verändert / hat. Jede_r die_der Lust hat, kann gern mitmachen. Ihr dürft die Grafik gern mitnehmen und auch etwas dazu posten oder sie einfach einbinden und auf diesen Artikel hier verlinken. Ich freue mich, wenn ihr dabei seid! <3

Für den Start hat ryuu ihre Rahmenbedingungen abgesteckt, was mir so gefallen hat, dass ich die Idee hier aufgreife.

Was ich mache
Derzeit vor allem Jillian Michaels-Workouts und gehe öfter saunieren. Ich suche ein neues Fitness-Studio und schwimmen möchte ich auch mal wieder.

Meine Vorerfahrungen und Voraussetzungen
Von Judo über Touch Rugby bis zum Reiten habe ich schon viel ausprobiert. Seit über zehn Jahren bin ich immer wieder in Fitness-Studios um meinen Rücken und Oberkörper zu stärken. Lange war das mehr generelle Vorbeugung und Kräftigung, inzwischen ist es eher „Sport gegen Schmerzen“, was auf Dauer eine Motivationsbremse ist. Dass ich mehrfach umgezogen bin und danach jedes Mal neue Sportstätten und betreunde Ärzt_innen suchen musste, ist irgendwann auch nicht mehr aufregend, sondern anstregend. Gerade bin ich durch meinen Jobwechsel wieder an diesem Punkt.

Selbst als schlanke Frau ist Krafttraining so eine Sache für sich. Als Ziel wird immer erstmal „Gewicht verlieren“ angenommen und „nein, ich möchte meinen Oberkörper trainieren“ gibt andere Geräte- und Trainingsempfehlungen als bei Männern, damit die Muskeln nicht zu doll sichtbar werden. Geschlecht muss schließlich gemacht werden.

Baustelle
Ich brauche einen neuen Tages- und Wochenrhythmus. Bisher bin ich mit dem Fahrrad zur Arbeit, diese tägliche Bewegung ist weggefallen. Es muss eine neue praktikable Lösung her, bevor das Aufraffloch zu groß wird.

Sportliche Ziele/Was ich mit dem Sport will
Hm? Außer Schmerzfreiheit nicht viel. Streß abbauen und mich wohl fühlen.

Oh ein Blogstöckchen über Bücher!

Großaufnahme eines Bücherregals mit den folgenden RÜcken: "Out" von Natusuo Kirino, "Villain" von Shuichi Yoshida, "A loyal character dancer" von Qiu Xiaolong, von Tess Gerritsen "Body Double", "The Bone Garden", "Vanish" und "The Mephisto Club", von Lindsey Davis "Poseidon's Gold" und "Nemesis", "Believing the Lie" von Elizabeth George, "Blumen für das Grab" von Ann Granger und "Kalte Asche" von Simon Beckett.

Das mit den Bücherstöckchen ist ja leider nichts, bei dem ich immer fix reagieren würde und trotzdem kriege ich sie immer wieder ab… Prinzipiell gibt es die „Noch zu lesen“-Liste bei Goodreads, hier nun fünf ausgewählte Bücher:

Das NEIN weiterdenken.

Hannah Rosenblatt hat über das Nein-Sagen und Nicht-tun geschrieben. Eine treffende Beobachtung stach mir ins Auge:

Mein so starkes Nein, wird vom Kapitalismus zum “Bitte überzeug mich” gemacht.
Erst hieß es, das Ziel des Kapitalismus sei es, eine Struktur zu erschaffen, die jedes Bedürfnis und Wünschen erfüllt. Heute geht es darum Bedürfnisse einzureden und Wünsche zu wecken, damit die Struktur wachsen kann.

Dass ein Nein kein Nein ist, nicht ausreicht oder anerkannt wird, ist jeden Tag zu sehen. Mal wieder bin ich auf Twitter von jemanden weiter angeschrieben worden, der mein Nein nicht anerkennen wollte. Auch lange geblockte Maskus provozieren, um in meinen @-replies aufzutauchen und wenn es über Dritte ist. Kein Nein von mir ist nein genug. Zwei Freundinnen schützen ihre Twitter-Account, als letztem Nein gegen diejenigen, die in einer Frau mit (anti-rassistischer, feministischer) Meinung ein konsumier- und debattierbares Objekt sehen.

Und dann all diese Artikel, in denen Heteromänner Händchen halten müssen, um von der Existenz von Homophobie überzeugt zu werden. Nicht-muslimische Frauen ein Koptuch tragen müssen, um von der Existenz anti-islamischer Hetze überzeugt zu werden.

Apropos: Alleine im Januar habe ich sieben neue Artikel und Berichte über Diskriminierung, Vorurteile und Doppelstandards gefunden. Ein Nein, auch wenn es nicht als solches verstanden wird.

Und sonst so? Das war 2014 und wie es weiter geht.

Auf schwarzem Grund ist eine Ansteckbrosche, eine pinke Sonnenbrille.

Ein 80er Original

Seit Anfang des Jahres habe ich auch mal einen Instagram-Account, was diese Arbeit deutlich erleichtert hat.

Über einen Fluss geht eine Brücke mit mehreren Bögen. Am Ufer steht ein Tisch mit Teeglas. Auf der anderen Seite sind Restaurants.

Zhūjiājiǎo

Reise: Es ging nach China. In die Verbotenen Stadt, auf die Chinesische Mauer, nach Zhūjiājiǎo und ich habe den 1. Mai in Shanghai am Bund überlebt. Ich vermisse Jiǎozi, Bāozi und Western Food auf dem immer ein Spiegelei ist. Es war eine Idee, die ich schon sechs Jahre hatte und dann wurde sie Realität. Umwerfend.
Außerdem mein erster Vortrag in Essen. Jede Fahrt durch den Flächenstadt-Pott ist für mich Schleswig-Holstein-Flächenlandkind ein Erlebnis.

Veranstaltungen: Durch die Reise habe ich die Re:publica verpasst und war stattdessen auf dem Hackover und der Maker Faire in Hannover, dem BarCamp Braunschweig und dem AdaCamp in Berlin. Letzteres war eines der besten Erlebnisse und ich bin dankbar, dass ich dabei sein durfte.

Auf einem pixeligen Display sind Farbspuren von rot über grün bis gelb. Am Rand steht „A Stratum 0 PRODUCTION – ENTE – SCHWEIG“

Balkon: Nie wieder eine Wohnung ohne Balkon. Warm angezogen kann eine das ganze Jahr dort sitzen. Mit Sonne und einer Unmenge an Pflanzen ist es noch viel, viel schöner. Außerdem gab es viel zu essen: Gurken, Radieschen, Salat, Chilis, Erdbeeren. Nomnomnom.

Erwachsen: Ich bin 30 geworden. Das fühlt sich irgendwie anders aber und dann überhaupt nicht. Das Leben geht ja weiter und ich freue mich auf den 31. Geburtstag. Und den 32. und den 33. Jedes Mal ein guter Grund für eine Party mit Freund_innen.

Ein Buch mit dem Titel “African American Women Chemists”, darunter sind schwarze Chemie-Studentinnen zu sehen.

Popkultur: Mit herzteile habe ich ein wunderbares Team zum Bloggen über Computerspiele gefunden. Ein Jahr Chaos und kein Ende. <3 Ansonsten habe ich hier einige TV-Serien vorgestellt, gestern meine Film-Empfehlungen gesammelt und den Comics-Sci-Fi-Sachbuch-Stand gibt’s auf Goodreads.

Mein Blog: Dafür hatte ich im Laufe des Jahres immer weniger Zeit. Bis immerhin Ende November habe ich die wöchentlichen Linksammlungen geschrieben – vor allem als Schreibübung für mich. 2015 will ich wieder starten wie 2014 und Euch die besten Serien unterjubeln. The Fall, Nikita, Prime Suspect

Arbeit: 2014 war sehr, sehr anstrengend. Nun sage ich der Befristungsmisere des Öffentlichen Diensts adieu und beginne ein Volontariat. Alles auf Anfang in 2015!

Filme! Angeschaut in 2014

Angespornt von einer App, mit der ich meine „Anzusehen“-Liste digitalisiert habe, habe ich dieses Jahr a) endlich wieder ein paar Filme gesehen und kann b) nun sogar darüber bloggen, welche ich empfehle. Viele Ideen habe ich von Bitch Flicks gehabt und gerade Mediathek-Empfehlungen kamen über Twitter rein. Nicht zuletzt seit der China-Reise standen auch einige asiatische Filme auf dem Sendeplan. Viele der Dokumentationen sind im Internet umsonst anzusehen oder immerhin zu erwerben.

  • Chisholm ’72
  • Shirley Chisholm war 1972 eine der Kandidat_innen in der Demokratischen Partei für die US-Präsidentschaftswahlen. Als einzige Frau, schwarze Frau, in einer See aus weißen Männern. Ihre Reden sind präzise, mitreißend und werden (leider) auch 2015 aktuell sein.

  • Pussy Riot: A Punk Prayer
  • Auch bei Bitch Flicks gefunden (am Rest der Liste arbeite ich noch…) Fand ich eine schlüssige Zusammenfassung des Prozesses.

  • Transgender Parents
  • Ein Tip der Fuckermothers. Über Väter mit Gebärmutter, stillende Transfrauen und die immer noch allzu reale Gefahr, die eigene Familie zu verlieren. Ggf. ein Taschentuch bereit legen.

  • What is new in African feminisms, pop, people and politics?
  • Zufallsfund auf Mon pi Mon einer Podiumsdiskussion von Nana Darkoa Sekyiamah mit Meklit Hadero, Rita Ray, Jessica Horn und Pontso Mafete über afrikanische Feminismen und feministische Geschichte. Mit einem deutlichen Aufruf, sich an die vielfältigen Vorgängerinnen zu erinnern und statt einer, viele Geschichten zu schreiben.

  • For my Sisters
  • Auch für ansonsten Nicht-Jazz-Fans interessant: Eine Reise mit Carole Alston durch das Jazz-Age, auf den Spuren von vier Sängerinnen. Alberta Hunter, Sarah Vaughan, Carmen McRae und Nina Simone. Lief auf 3sat und wird sicher irgendwann wiederholt.

  • War Zone
  • Diese Doku zu Belästigung im öffentlichen Raum hatte ich bereits hier im Blog empfohlen.

  • Women in Space
  • Eine der Makers-Dokumentation über Frauen in verschiedenen Bereichen. Hier über ihre Rolle in der Raumfahrt, die (nur aufgrund ihres Geschlechts) abgelehnten ersten Astronautinnen und das alles erzählt von Jodi Foster!

  • Man for a Day
  • Habe ich nur zwei Jahre für gebraucht, den zu mal zu schauen… Und nun große Lust, selbst einmal einen von Diane Torrs Workshops zu besuchen.

  • To Kill a Sparrow
  • Bei der New York Times gesehen: Eine Doku aus Afghanistan über eine junges heterosexuelles Paar, das aufgrund von „Moralverbrechen“ im Gefängnis landete. Als Moralverbrecherinnen werden dort derzeit viele Frauen verurteilt, die sich Gewalt widersetzen.

  • To be Takei
  • Auch dazu hat Bitch Flicks schon alles gesagt… Ein interessanter Einblick in George Takeis Leben und seinen Einsatz für Menschenrechte. Highlight, nicht nur für Trekkies: Nichelle Nichols’ Side-Eye gegenüber William Shatner.

  • GTFO
  • Hab ich Euch bei herzteile bereits empfohlen. Unbeabsichtigt relevant, wie es bis heute für Frauen als Gamerinnen aussieht.

  • Gaming in Color
  • Ebenfalls ein herzteile-Tip, über queere Spieler_innen.

  • The Soong Sisters
  • Verfilmung der Leben der drei einflussreichen Politikerinnen und Schwestern, zwischen Ende der letzten Dynastie und der Gründung sowohl der kommunistischen Volksrepublik China als auch der Republik China (Taiwan).

  • Woman Avenger
  • Wie auch die beiden nächsten Filme auf Empfehlung von Jezebel. Dieser mit Triggerwarnung zu sexualisierter Gewalt. Dafür viel weibliche Solidarität.

  • Come drink with me
  • Cheng Pei Pei (Zhèng Pèipèi) kennt ihr hoffentlich aus Crouching Tiger, Hidden Dragon.

  • The Crane Fighter
  • Mädchen dürfen kein Kung-Fu lernen? Pff, dann bringen sie es sich halt selbst bei.

  • The Four-Reihe
  • Ja. Ähm. Das lief halt im Flugzeug und bei Kung-Fu mit etwas Steampunk kann ich leider nicht nein sagen.

  • The Castle of Crossed Destinies
  • Die Idee klang spannend: Nach einer Epidemie, die nur Männer hingerafft hat, wird im historischen Japan ein Matriarchat eingerichtet. Allerdings geht es dann im Film nur um die Ränkespiele der männlichen Konkubinen und nicht um die von Frauen betriebene Wirtschaft und Politik. Der ursprüngliche Manga hat mich dann mehr angesprochen.

  • Agent Carter
  • Marvel, get your shit together. Ein Kurzfilm mit Agent Carter macht noch keinen Abend. Mal sehen, wie die Serie dann wird…

Und bereits ein Tip für 2015: Arte wiederholt am 2. Januar Mein Leben zwischen den Geschlechtern (Orchids: My Intersex Adventure). Dann auch bis zum 9. Januar in der Mediathek.

Links! Wonder Woman, Astronautinnen und mehr.

Vor dunklem Hintergrund sind bunte Leuchten eines Tetrisspiels.

Endlich ein gutes Foto vom Türtris.

Bitch Flicks widmete sich gerade dem „Terror kleiner Mädchen“. Der Verlust der kindlichen „Unschuld“ als Verarbeitung der Veränderungen, die die Frauenbewegung brachte.

Buhu DC. Was macht ihr nur mit Wonder Woman. Ein Teddybär im Flugzeug? The Mary Sue hat außerdem einen langen Überblick über die verschiedenen Herkunftsgeschichten und warum der Film nicht die aktuelle nehmen sollte.

Statt Gemeinschaften zu pflegen, drängt Twitter neuen Nutzer_innen verstärkt Promis und Marken auf. Das passt zum Gesamtbild, in dem Belästigung toleriert wird.

Was sagen eigentlich selbst gut-gemeinten Diskussionen mit Hasskommentatoren? Dass Menschen sich mit ihnen beschäftigen, statt mit anderen. Die dann vermutlich nicht mehr kommen. Was also tun? Zwei Vorschläge am Beispiel von GitHub.

Wissenschaftliche Zeitschriften sind ein Geschäft, das an vielen Stellen reformiert gehört. Neben Journals, die Kontrollmechanismen faken, ist auch Sexismus völlig ok – wenn er sich nicht gegen konkrete Personen richtet, sondern einfach so geschrieben wird.

Und dann schreibt der Guardian über die vielen kleinen Vorfälle, die Frauen aus technischen Branchen vertreiben. Grundlage ist eine Studie unter Leser_innen zu Sexismus. Was nicht fehlt, sind übrigens Kinderbetreuungsplätze.

Für Mädchen hat Autostraddle 51 Geschenke zusammen gestellt, die Wissenschaft unter den Weihnachtsbaum bringen. Eine Ergänzung: Ein leuchtendes Häuschen, gebastelt mit leitfähiger Farbe.

Der Business Insider hat über die US-Amerikanerinnen geschrieben, die ursprünglich Astronautinnen werden sollten. Aber dann aufgrund sexistischer Vorbehalte auf dem Boden blieben, obwohl sie meist bessere Leistungen als die Männer zeigten. Interessant ist auch die Dokum Women in Space mit Jodi Foster als Erzählerin.

Die Astronautin Samantha Cristoforetti hat derweil erklärt, wie Menstruation im All funktioniert. Wie auf der Erde auch.

Nicht ganz die Geschichte von Geekfrauen, aber viele gute Links für Nerdetten brachte das Bitch Magazine.

PS: Herzteile ist jetzt ein Jahr und sieht noch schicker aus. Happy birthday!

Links! Einstellungsprozesse, Crowd-Work und Biotech

Auf einem Grasboden ist ein Schild mit durchgestrichenen Füßen.

Nichts für nackte Füße


Die US-amerikanische Autorin Ursula K. Le Guin hat bei den National Book Awards eine Medaille für ihr Lebenswerk bekommen. In ihrer Rede erinnerte die Sciene-Fiction-Autorin an die früher unumstößlich scheinenden Könige – im Hinblick auf den Kapitalismus heute.

Twitter hat ein Yale-Paper von 2005 ausgegraben, dass sich der Doppelstandards bei Einstellungsprozessen annahm. Danach werden bei männlichen Kandidaten unterschiedliche Qualifikationen jeweils so bewertet, dass sie zu einem Job passen – bei Kandidatinnen passiert dies nicht. Diese Doppelstandards lassen sich verringern, wenn Entscheidungsträger_innen sich zu klare Einstellungskriterien bekennen. Auch interessant: Wer sich als besonders objektiv sah, entschied sich tatsächlich besonders stereotyp.

Die November-Ausgabe von Model View Culture befasst sich mit ebenfalls mit Hiring; also Einstellungsprozessen. So sind in den USA Schwarze und Latin@ Informatiker_innen im Studium bereits unterrepräsentiert, danach sinkt ihr Anteil beim Berufseinstieg aber noch einmal. Dass es in Deutschland für nicht-weiße Frauen ähnlich läuft, unterstreicht leider anekdotische Evidenz aus meinem Berufsalltag.

Shawn Wen hat für The New Inquiry die Welt der Online-Mikro-Arbeit, meist Crowdworking oder Mechanical Turks genannt. Letzteres nach der ersten Plattform (von Amazon) für „selbstständige“ Internetarbeiter_innen, die vom Korrekturlesen für Google Books bis Recherchieren für Datenbanken alles übernehmen. Allerdings schlecht bezahlt und ohne die Absicherungen, die ansonsten für Arbeitnehmer_innen gelten. Ihre Arbeit bleibt auf allen Eben unsichtbar oder wird explizit unsichtbar gemacht. Betroffen sind, unüberraschenderweise, besonders vor allem Schwarze und Latin@s und die meisten von ihnen sind weiblich. Auf Deutsch hat bereits vor einer Weile der Zündfunk berichtet.

Hierzulande jährt sich dann auch gerade die Etablierung von Hartz IV und Antje Schrupp hat zur Bedeutungsverschiebung des Solidarstaats und der damit einhergehenden Entsolidarisierung geschrieben.

Zwei Männer haben die Biotech-Firma einer jungen Frau anscheinend komplett falsch dargestellt und sie, neben dem Imageverlust, auch Investionen gekostet – weil sie bei einer Präsentation zuviel Zeit hatten. Die bisherigen Joghurt-Tamponkuren für Vaginas will Audrey Hutchinson mit ihrer Firma Sweet Peach durch individuelle Analysen ablösen. Leider denkt jetzt alle Welt, es ginge um pfirsich-duftende Intimbereiche.

Nach Scandal kommt jetzt State of Affairs und Alfre Woodard spielt die US-amerikanische Präsidentin!

Über die Darstellung selbstbestimmter weiblicher Sexualität in Literatur und Filmen schrieb Suzie Gibson. Denn diese geht oft einher mit der Darstellung psychischer Erkrankungen.

Das Berliner CTM Festival für adventurous music and art sucht Künstler_innen, Wissenschaftler_innen und Experimentierfreudige. Besonderes Augenmerk liegt auf Projekten, die bio-physikalische Daten unter dem Motto der Turingmaschine verarbeiten. Der Einsendeschluss ist der 12. Dezember, das Festival selbst ist dann vom 26. Januar bis 1. Februar 2015.

Links! Unterhaltung für Erkältete

In einer Einkaufsstraße sind rote Rahmen aufgestellt, darin schwarz-weiß Portraits über 100-Jähriger.

In Peking waren Über-Hundertjährige zu sehen.

Die derzeitige Erkältung habe ich überbrückt mit den Kung-Fu-Filmen, die Jezebel empfohlen hat.

Zwei Serien zu denen ich nur eine Anschauempfehlung geben kann, sind Scandal und How to get away with Murder. Maureen Maisha Eggers stellt sie im neuen Blog der Feministischen Studien vor.

Die ESA hat nach 10 Jahren erfolgreich die Raumsonde Philae auf einem Kometen gelandet (auch wenn sie nun erstmal schlafen muss, bis die Akkus von der Sonne nachgeladen werden können). In einem Fernseh­interview hat einer der Wissen­schaftler dann leider anschaulich gezeigt, warum sich Frauen in der Wissenschaft so oft unwohl fühlen. Twitteruser reagierten gewohnt souverän auf die Kritik – mit Hassnachrichten und Todesdrohungen. Dabei wäre es so einfach. Er hat sich immerhin entschuldigt.

Wie schwierig Wissenschaft sein kann, zeigt derweil die Diskussion um Sexismus in der Wissenschaft. Wird es besser, ist gar ein Ende in Sicht? Und braucht es am Ende doch die viel geschmähte Genderwissenschaft, um mehr als oberflächliche Debatten um Geschlechz zu führen?

Fünf historische wissenschaftliche Theorien, mit denen wir Rassismus und Sexismus bis heute rechtfertigen, hat Autostraddle zusammengetragen.

Wie sähe Afrika aus, wenn die Kolonisation durch europäische Nationen niemals stattgefunden hätte? Vielleicht so, wie diese Karte zeigt.

Über das Impostor Syndrom schrieb ich kürzlich, s.e. smith erklärt nun, wer das ausnutzt.

Links! Heute mit seeeehr vielen Texten

In einem Park hängen an silbernen Stangen 2 Bilder: Ein schwarzes Mädchen in bunter Kleidung, das in die Luft springt. Daneben ein weißer Mann in T-Shirt und Jeans, der mit einer Lichterkette umwickelt ist.

Willow Smith und Ryan Gosling hingen so in Peking rum.

Autostraddle stellt Captain Marvel vor, Carol Danvers soll immerhin nach gefühlten 100 Marvelfilmen die erste Superheldin mit eigenem Film werden. (*Hust* Elektra…)

Über die Diversity-Panels auf der New York Comic Con schrieb Connie für Black Girl Nerds.

Einen Comic über Big Data und wen künftig „individuelle“ Risikobewertung und Preisgestaltung treffen werden, gibt es bei Al Jazeera.

Über das Vergessen und die Wiederentdeckung von Ada Lovelace als Programmiererin schrieb Annalee Newitz bei io9.

Sarah Jeong erklärt bei Forbes, wie Überwachung heute immer mehr ein Thema „zuhause“ im Privaten ist – und wie Polizei und Geheimdienste gezielt Überwachungstechniken nutzen, um die Intimsphäre von Frauen zu verletzen.

Über die „Väter der Technik“ und die Folgen schreiben Astra Taylor und Joanne McNeil in einem Longread für The Baffler: Das Vergessen der „Mütter der Technik“, die Etablierung homogener Männernetzwerke und der unkritische Blick auf die Möglichkeiten der Technik, ohne die gesellschaftlichen Hürden für all die Nicht-Väter zu beachten.

Warum sie als Schwarze Frau auf ihrem Doktortitel besteht, erklärt daher Carlotta A. Berry, Professorin für Elektrotechnik und Informatik, bei der New York Times.

Roboter haben keine Geschlechtschromosomen und brauchen kein Geschlecht, weder männlich noch weiblich. Wenn wir ihnen entsprechende Signale (Haare, Kleidung, Make-Up) verpassen, bewerten wir sie allerdings genauso stereotyp wie Menschen. Was auch z.B. für ein angenommenes Alter oder Rassifizierung gilt. Victoria Turk über die Chancen und die Risiken von Robotern, die menschlicher Normierung unterworfen werden.

Was Krimiserien angeht, ist The Fall eine Rarität. Das liegt unter anderem an der Kommissarin Stella Gibson, die Gillian Anderson als selbstbewußte Einzelgängerin darstellt.

Die Unterrepräsentation von Frauen in den Medien ist seit einiger Zeit ein Thema der feministischen Blogosphäre (z.B. 50 Prozent oder die Männerlastigkeit von Deutschlandradio Kultur). Der k_eine Unterschied geht mit „Rollen zählen“ noch einen Schritt weiter: Wenn Frauen dabei sind nachzählen, ob sie selbst Wissen vermitteln dürfen oder nur empfangen müssen?

Ein McKinsey-Analyst über diskriminierende Praktiken in Firmen, die Frauen den Ein- und Aufstieg erschweren. Von 1976 (via Leigh Honeywell).

Alles was es zur Social-Freezing-Debatte noch zu sagen gab, von Sarah Diehl.

PS: Der Jenaer Frauenhaus e.V. braucht finanzielle Unterstützung.

Anmachen, Gewalt, Anspruchsdenken – 1998 und heute

Als Feministin wird eine oft zu Dingen befragt, von denen sie dann eigentlich gerne nie was gehört hätte. Pick-Up-Artists sind so ein Fall. 2009 geriet ich über dieses „guck mal was sagt ihr dazu?“ an das Thema und war schon unterbegeistert: Hetero­män­ner, die im Club oder auf der Straße solange Frauen ansprechen, bis sie eine ins Bett be­kommen. Später stieß ich auf eine Studie, die das Phänomen untersucht hat. Tat­säch­lich ver­suchen sich vor allem die Männer an Pick-Up, die sexistische Ein­stellungen auf­wei­sen. Und damit haben sie nicht bei allen Frauen Erfolg, sondern nur denen, die die gleiche Ein­stellung haben und unverbindlichen Sex suchen. Gleich und gleich gesellt sich gern – hat aber leider Aus­wirkungen auf die ganz Gesell­schaft, warnten damals die Autor_innen. Denn die zugrunde liegenden sexistischen Ein­stellungen gehen ein­her mit sexuellem Druck auf Frauen und Vergewaltigungs­ent­schuldigungen („kurzer Rock“).

In ihrer ganzen Häßlichkeit zeigt sich das gerade bei dem „Dating Coach“ Julien Blanc. Er postete auf Facebook und Co. Bilder, wie er auf der Straße fremde Frauen „zum Spaß“ würgt. Als Werbung für eine Japanreise brüstete er sich, als weißer Mann dürfe man sich da alles erlauben: Frauen auf der Straße anfassen, anbrüllen und erniedrigen. Eine Checkliste an Warnzeichen einer gewalttätigen Beziehung verlinkte er als Anleitung für eine Langzeitbeziehung (sicher total witzig gemeint). Weitere „lustige Sprüche“ bezogen sich u.a. darauf, dass es beim Sex nur wichtig wäre, wenn er kommt und sie dann liegen lassen darf und dicke Frauen herabzuwürdigen seien. Nach massiven Online-Protesten auf der ganzen Welt untersagt nun endlich z.B. Marriott die entsprechenden Workshops in den eigenen Räumlichkeiten. Wenig überraschend: Die Übergriffe können laut seiner Fans nicht schlimm sein, die betroffenen Frauen lachten schließlich. Ja, wenn ein fremder Mann schon ungebeten seine Hand an Deinen Hals gelegt hat, dann lachst Du weiter und betest nur noch innerlich!

Was Blanc überraschenderweise Vielen voraus hat: Seine Erkenntnis, diese Übergriffe (bis jetzt) ohne Probleme ausführen zu können, weil er ein weißer Mann ist. Dass sein Fall es jetzt in diverse Medien schafft, hängt vermutlich mit der aktuellen Diskussion um Belästigung auf der Straße zusammen. Das virale Video von Hollaback allerdings zeigte keinen einzigen weißen Mann. Die gab es zwar, nach einer Reihe an „Zufällen“ und fehlender Arbeit, die Zufälle für ein realistisches Bild auszugleichen, passierte allerdings das, was Blanc vorhersagt: Weiße Männer brauchen bei Übergriffigkeit keine Konsequenzen fürchten. Was wiederrum dazu geführt hat, dass in der Debatte über das Video rassistische Vorurteile bestätigt wurden.

Als Gegenbeispiel hat das Blog Bitch Flicks die Dokumentation War Zone von Maggie Hadleigh-West ausgegraben. Diese hat 1998 in New York bereits Männer gefilmt und zur Rede gestellt, die sie auf der Straße belästigt haben sowie Interviews mit verschiedenen Frauen geführt. Deutlich wird, wie schnell das „Kompliment“ gerade bei weißen Männern umschlägt und zur Beleidigung oder Übergriff mutiert. Auch ein Polizist ist unter den Tätern. An den Antworten zeigt sich vor allem, dass sich nichts geändert hat: „Du hasst doch Männer. Bist Du lesbisch? Du willst es doch auch.“ Und wie Frauen sich selbst und andere Frauen einschränken, um sich zu beschützen. Geschichten von Belästigung durch Familienmitglieder, verheimlichte Übergriffe und rassistische Beleidigungen „runden das Bild ab“. Klar wird auch, dass es kein „richtig“ gibt. Einerseits sollen die Betroffenen reagieren, aber dann ist es doch nicht richtig. Einerseits sollen sie hübsch aussehen und lächeln, aber eigentlich macht das ja nur alles schlimmer. Einerseits ist dein Körper so schön, andererseits bist Du zu hässlich für die Öffentlichkeit.

Vor 30 Jahren waren Frauen im öffentlichen Raum viel seltener unterwegs. Seither, so scheint es, kämpfen wir tagein tagaus um unser Recht, einfach über die Straße gehen zu können, um ein Eis zu kaufen. Belästigung, sexualisierte Gewalt, das Denken, Anspruch auf einen Körper oder Aufmerksamkeit zu haben, Rassismus, Sexismus, Diskriminierung, Macht, öffentlicher Raum und private Umgebung – das alles gehört zusammen und ergibt diesen Riesenberg an Scheiße, durch den wir weiter waten, und der wachsen würde, wenn wir uns ihm nicht täglich entgegen stellen.

Update 9. November: Die Produzentin Collier Meyerson hat als Antwort auf das Hollaback-Video ebenfalls Interviews mit nicht-weißen Frauen geführt. Und dabei gleich einen Fall von Belästigung gefilmt.