Der Bechdel-Wallace-Test

Wie bereits erwähnt, gibt es einen „Bechdel-Test” für Filme. 1985 „erfand” ihn Alison Bechdel, Zeichnerin des Comics Dykes to Watch Out For. In dem Comic erklärte ein Charakter, sie schaue nur Filme, die die folgenden drei Kriterien erfüllen:

  1. Mindestens zwei Frauen kommen in dem Film vor
  2. Sie reden auch miteinander
  3. über ein anderes Thema als einen Mann

Auch wenn es relativ einfach klingt – nur die wenigsten Filme bestehen den Test. Anita Sarkeesian von Feminist Frequency demonstriert das sehr anschaulich und verlinkt noch ein paar interessante Texte und Webseiten.

Aufgrund einiger Nachfragen hier noch eine Ergänzung: Der Bechdel-Test testet nicht die Qualität eines Films, sondern ist ein Indikator für die Präsenz von Frauen in Filmen und wie sie dargestellt werden. Kommen sie überhaupt vor? Und werden sie als vollständige Charaktere behandelt oder nur über die Beziehung zu Männern definiert?
Laut Jennifer Kesler sind genau diese Überlegungen in Hollywood unerwünscht. So vermuten die meisten Filmemacher, dass ihr Hauptpublikum (männlich, weiß, heterosexuell) abschalte, wenn sich Frauen über etwas anderes unterhalten als einen Mann. Ja liebe Männer, Hollywood hält Euch für derartig unfähig und dumm!

Update [26.8.2015]: Da Bechdel den Test nach einer Idee von Liz Wallace erfand, soll er ab sofort „Bechdel-Wallace-Test“ heißen. Damit wird auch die Idee der Kommunikation unter Frauen noch einmal hervor gehoben.

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19 Gedanken zu “Der Bechdel-Wallace-Test

  1. Ein sehr spannender Test, den man selbstverständlich auch umdrehen kann. Am Ende sagt er wenn ich das richtig sehe v.a. eines aus: Unser Interesse an (cineastischen) Erzählungen hängt zu einem sehr hohen Faktor am Geschlect (Gender) der Protagonisten. Warum ist das so? Warum dominiert das Geschlecht so radikal die anderen Aspekete von Identität in der Funktionsweise von Erzählungen?

    Und wirklich spannende wird es wenn man mal schaut, ob das auch für andere erzählenden Medien, wie Literatur, Theater und Computerspiele gilt. Ich sag’s mal so: Ich glaub Shakespeare würde auch mit den wenigsten seinen Dramen durchkommen.

  2. Pingback: Der Bechdel-Test
  3. Der Test ist ohne Frage ein interessanter Ansatz, für mich, wenn er aber so wie im Video vertreten wird allzu formalistisch auf einen engen Bereich bezogen. Wie ich das meine lässt sich an einigen Beispielen erläutern, die das Video zeigt.

    1. Milk: Wow, einfach nur wow. Thematisch ist der Film eingegrenzt und zeitökonomisch stark auch auf die Figur Harvey Milks fokussiert.

    2. Alien 3: Die Prämisse ist, dass eine Frau, Ripley (bester Actioncharakter überhaupt, wenn’s nach mir geht.) in einer Strafkolonie für Männer strandet, in der dann auch das Ungetüm wütet. Wie soll eine solche Prämisse jemals den Bechdel-Test bestehen, wohlgemerkt versuchte der Film (dilettantisch) auf Geschlechterverhältnisse einzugehen.

    3. Fight Club: Auch wenn die männlichen Rezipienten das nicht verstanden haben, was man dem Film aus dieser Warte betrachtet vorwerfen kann. Geht es doch letztlich um die Auswirkungen männerbündlerischer Umtriebe und deren Frustrationen, aus denen aufständisches Potenzial entsteht. Der Film wählt einen zynischen Ton, spielt mit allerlei technischen Finessen, doch kann man m. E. nicht übersehen, dass der Film letztlich psychotische Idioten darstellt und damit auch die männlichen Rezipienten, die sich mit den anarchischen Figuren identifizieren, nicht verstehen, dass der Film gerade dies als Symptom einer männlichen Verhärmung und emotionalen Entgleisung beschreibt.

    Es gibt weitere Beispiele für Filme, die auf inhaltlicher und struktureller Ebene mit interessanten Frauenrollen arbeiten oder eben sich aufgrund der Thematik nicht damit beschäftigen (können, d.h. würden sie’s, wären sie andere Filme).

    Ich für meinen Teil kann mir gut vorstellen, dass der neue Bond, wenn es nach derzeit herrschenden Gerüchten geht, mit Rachel Weisz eine Gegnerin (Bösewicht) für Bond etablieren will und mit Judy Dench schon M geschlechtergetauscht hat. In diesem Fall würden Genre-Stereotypen ausgetauscht, was der Bechdel-Test, der ja nun auch nicht so ernst gemeint war, wenn ich es richtig verstehe, nicht erfasen würde.

    • Es geht nicht darum, dass es Filme gibt, die den Test nicht bestehen – es geht darum, dass es sehr viele Filme gibt, die den Test nicht bestehen. Es reicht ja sogar ein einziger Dialog aus, um den Test zu bestehen, deswegen ist die Aussagekraft sehr, sehr begrenzt. Der Test mag nicht ernst gemeint gewesen sein, aber dass selbst so minimale Anforderungen noch zuviel sind…

      Und ich bin mir sicher, dass auch der neue James Bond den Reverse-Bechdel-Test (2 Männer, die sich über etwas anderes als Frauen unterhalten) bestehen wird. Um zu klären, in welchem Maße ein Film sich über Stereotypen hinweg setzt, müssen noch weitere Tests erdacht werden.

  4. Recht hast Du. Mich würde allerdings interessieren, ob jemand schon einmal mit aller Ernsthaftigkeit und Wissenschaftlichkeit den Bechdel-Test (o.ä.) durchgeführt hat, da ich mir zwar vorstellen kann, dass ein großer Teil der Filme ihn nicht besteht. Doch kann ich mir die Relation ebenso noch nicht vorstellen und wenn man dann von ’systemisch‘ spricht, entspricht das zwar auch meiner intuitiven Erwartung, aber ich für meinen Teil hätte gerne mehr als die paar Beispiele. Wobei ich ja schon erwähnte, dass man einige der Filme der Auflistung nicht hätte machen können, wenn der Test bestanden worden wäre, selbst wenn man gewollt hätte. Diese Auswahl ist stark selektiv, was nicht heißt, dass sie nicht in die korrekte Richtung weist. Hat jemand mehr empirische Daten dazu.

    Und nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Seitdem ich das erste Mal von dem Test gehört habe, denke ich ihn zwangsläufig mit (Kann mich gar nicht mehr dagegen wehren, der ist ja so einfach!), was dann interessant wird, wenn auffällt, wie offenkundig und unproblematisch es in vielen Filmen gewesen wäre, den Test zu bestehen.

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