Mehr Gedanken zu One Step Too Far

Weil’s so schön ist, hier noch mal das von Patrick verlinkte Video:

Es geht um die neue Kampagne in Wales One Step Too Far, die sich gegen die alltäglichen Belästigungen wehrt, denen sich Frauen ausgesetzt sehen. Denn von Pfiffen über Sprüche zu körperlichen Übergriffen und Vergewaltigungen ist es manchmal nicht weit. Und hinter allem steht das Verlangen, Macht auszuüben. Wir alle können sehr genau unterscheiden, was ein respektvolles Kompliment und was ein dummer Spruch ist. Wir können einschätzen, ob eine Person an Sex interessiert ist oder nicht. Trotzdem kommen immer wieder Entschuldigungen und Erkärungsversuche, wird ein vermeintlich grauer Raum aufgebaut.

Weg damit. Den grauen Raum brauchen wir nicht, denn er ermöglicht es einzig und allein, respektlosen Umgang zu legitimieren und öffnet Missbrauch Tür und Tor. Die Anst, selbst einmal doch in eine uneindeutige Situation zu kommen, ist verständlich. Aber selbstständig denkende Menschen sind in der Lage, das zu bemerken und entsprechend zu handeln, bzw. nicht zu handeln. Wenn man doch einmal schneller einen Spruch raushaut oder jemanden anfasst, als nachzudenken, muss man dann die Verantwortung übernehmen. Ist unangenehm und unbequem, gehört aber zum Leben dazu.

5 Gedanken zu “Mehr Gedanken zu One Step Too Far

  1. Was wären denn gute Beispiele von Flirts, bei denen alles okay ist? Direktes Ansprechen mit einem Lächeln, rübergucken etc?
    Ist normales angucken okay? ich bin der Auffassung, dass ich eine Frau, die sehr freizügig angezogen bin, auch als sexuelle Person wahrnehmen kann, allerdings natürlich in einem vernünftigen Rahmen. Schließlich kann ihre Kleidungswahl ja nicht dazu führen, dass ich weggucken muss.

    • Im Video gehts nicht ums Flirten, sondern darum, dass Frauen in gewöhnlichen Alltagssituation (z.B. beim Spazieren gehen, am Arbeitsplatz) sexistische Bemerkungen, Gesten etc. ertragen müssen. Wenn mir bei einer Besprechung ein Kollege ständig in den Ausschnitt glotzt ohne meinen Worten folgen zu können, ist das für mich kein Flirt, sondern eine sexuelle Belästigung. Und daran bin nicht ich mit meiner Kleiderwahl schuld, sondern derjenige Herr der mich ausschließlich als sexuelles Objekt wahrzunehmen scheint.

  2. Der Punkt ist, das Menschen, die Andere in dieser Form belästigen, eben nicht unterscheiden können, was respektvoll und was nicht ist, bzw. sie haben vor Anderen keinen Respekt, weil sie das Konzept nie gelernt haben.

    Ich will jetzt nicht sagen, das es alles an Erziehung liegt, aber für mich lieg da schon einiges im Argen.

    Die Frage, die sich mir bei diesem Beitrag stellt, ist: Was dagegen tun? Härtere Gesetzte und Bestrafungen?

    Damit wird man nicht mehr Respekt erlangen.

  3. Stimmt, härtere Strafen alleine nützen nichts. Sie erhöhen zwar den Anreiz Gesetze einzuhalten, führen aber nicht zum grundlegenden Umdenken bei den Tätern bzw. verhindern nicht das ständige Neue heranwachsen. Denn durch die Gesellschaft wird den Männern weiterhin suggeriert, dass es sich bei Frauen um Freiwild handelt, dass es durch besonders „männliches“ Verhalten zu erobern gilt. Und das, denk ich, ist das eigentliche Problem. Bestes Beispiel ist die aktuelle Axe-Werbung, die genau das wieder aussagt.

    Was dagegen tun? Es gibt natürlich nicht die eine Maßnahme, die alles verändern würde, aber ich denke dass es in jedem Bereich strukturelle Maßnahmen geben würde, die auf längere Sicht zum Umdenken führen würden. In Sachen Werbung könnten zum Beispiel sexistische Inhalte per Gesetz verboten werden und die bisher freiwillige Selbstkontrolle der Industrie durch den Werberat an die Antidiskrimminierungsstelle des Bundes übertragen werden. Bei der Ausbildung der LehrerInnen an den Unis könnte verpflichtend die femministische Pädagogik in den Lehrplan mitaufgenommen werden, deren höchstes Ziel die Durchbrechung von Rollenstereotypen ist. Keiner meiner Pädagogikprofessoren hat in all den Jahren auch nur einmal den Begriff erwähnt.

    Ich bin davon überzeugt, dass es in jedem gesellschaftlichen Bereich geeignete Maßnahmen geben würde, nur fehlt der politische Wille diese umzusetzen.

    • Ein erster Schritt ist, Pfiffe und Sprüche (etc) nicht mehr mit „damit müssen Frauen halt leben” oder „Männer sind halt so” abzutun und zu entschuldigen. Und auch wenns unangenehm ist oder irgendwann nervig wird – Bekannte die das tun, darauf hinweisen, dass Frauen das Recht haben, unbelästigt eine Straße herunterzulaufen und dass es eben nicht alle Männer tun.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.