Filme! RED im Kino.

Retired. Extremely Dangerous. Dafür stehen die Buchstaben RED des neuen Actionfilms mit Bruce Willis. Auf Deutsch „Im Ruhestand. Extrem gefährlich“, hierzulande heißt der Film aber RED – Älter. Härter. Besser. und hat damit netterweise keine phantasielose Übernahme des Ursprungstitels erfahren. Wie bereits in Keine halben Sachen nimmt Willis dabei wieder einmal sein Actionheldenimage auf die Schippe. Die Ursprungscomics kenne ich leider nicht, den Film zu schauen lohnt sich für Freund_innen des In-die-Luft-Sprengens und sinnlosen Rumgeballers auf jeden Fall. Außerdem fällt er durch einige intersektional-emanzipatorische Ansätze positiv auf.

Schwarzer Hintergrund mit roten Buchstaben R.E.D.

Wie der Titel bereits andeutet, geht es diesmal um eine Gruppe, die an sich schon selten beachtet wird, im Actiongenre aber noch seltener auftaucht. Alte Menschen. Wobei Bruce Willis als Protagonist Frank Moses der jüngste seiner Truppe ehemaliger CIA-Agent_innen zu sein scheint und mit irgendwas über 50 sicher nicht überall als alt durchginge. Seine Rentensachbearbeiterin und Love Interest Sarah Ross ist im wahren Leben immerhin schon 46. Dass sie, genau wie Helen Mirren, ihre Falten stolz zur Schau stellt, ist dabei eine erfrischende Abwechslung zum durchgängigen Ideal immer jüngerer, faltenfreierer Heldinnen. Helen Mirren kriegt dann auch noch eine eigene Liebesgeschichte, allerdings mit Auf-den-Arm-Nehmen beim Happy End statt eines Kusses, der dem jüngeren Paar vorbehalten bleibt.

Neben den diversen selbstironischen Kommentaren gibt es auch einige großartige Gags. So steigt Mirrens Charakter Victoria etwa aus ihren 10 cm High Heels in Kampfstiefel um – wie sollte sie auch sonst schwere Geschütze vernünftig bedienen oder auf glatten Straßen unfallfrei laufen? Auch Sachbearbeiterin Ross widersetzt sich dem Klischee der hilflosen Prinzessin, die es stets zu retten gilt. Sie befreit sich im Motel und bleibt später auch im Angesicht eines Sondereinsatzkommandos im CIA-Hauptquartier ruhig und schlagfertig.

Trotz der starken Protagonistinnen besteht der Film den Bechdel-Test nur knapp. Beim gemeinsamen Ausharren am Scharfschützinnengewehr unterhalten sich die beiden wiederholt über Männer. Beide unterhalten sich noch kurz mit anderen Frauen, die als Vorgesetzte oder Kartenabreißerin aber namenlos bleiben. Einzig bei der Vorstellung unterhalten sie sich drei Sätze über Victorias ehemalige Tätigkeit. Da genau gemeinsame Szene in der Vorschau zu sehen war, hatte ich hier mehr Hoffnung und bin auch nicht die einzige gewesen – die Bechdel Test Movie List listet RED sogar derzeit als durchgefallen.

So bleibt auch bei diesem Film noch einiges an Potential, aber höhere Erwartungen werden derzeit nur äußerst selten erfüllt. Sehenswert ist er nicht zuletzt auch dadurch, dass eine imposante Besetzung zusammentrifft. So sind auch Morgan Freemann (der viel zu früh sterben muss), Karl Urban, Richard Dreyfuss und, wunderbar normalgewichtig und abgebrüht, Audrey Wasilewski dabei.


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