Frau, Fräulein, Mädchen?

Franziska Heine hat gerade einmal durchgezählt, wie sich die Bloggerinnen tatsächlich selbst bezeichnen.

  • Mädchen/Girl: 8 Blogs
  • Frau: 4 Blogs
  • Fräulein: 5 Blogs

Männliche Blogger benutzen dagegen nie(?) Wörter, um ihr Geschlecht explizit zu kennzeichnen. Ein super Beispiel für männlich als Standardeinstellung in unseren Köpfen. „Aber muss man denn sein Geschlecht unbedingt angeben“ höre ich die Gegenfragen. Muss man genau wie frau natürlich nicht, aber zum einen wird frau früher oder später immer darauf angesprochen, denn vielen Leser_innen und Kommentator_innen ist das dann doch wieder wichtig, wen sie da gerade lesen. Zum anderen will manche Frau natürlich explizit als Frau bloggen – nicht das es hinterher wieder heißt, wo denn nun die ganzen Bloggerinnen seien.

Bleibt noch die Frage, warum es denn dann ausgerechnet Girl oder Mädchen oder Fräulein sein muss.

Zunächst hat Frau für mich einen Klang nach Hausfrau, Ehefrau oder Feuerwehrfrau – etwas etikettenhaftes, das einfach nur ausdrückt, es handele sich um einen weiblichen Menschen. Oder schlimmer noch, wie Tessa anfügt, der Bezug zum Personenstand. Wie susanna ausführt eine Bezeichnung, die weiblichen Personen ihre Eigenständigkeit abspricht. Darüberhinaus scheint es mir sowieso keinen ausschließlich positiv besetzen Begriff „für uns“ zu geben. Ob Frau, Fräulein oder Lady, irgendwer hat immer irgendwas daran auszusetzen und am Ende ist es egal, welche Bezeichnung gewählt wird. Wer frau ernst nimmt, tut das, egal welches Wort im Raum steht, sondern einfach aus dem Tun heraus.

Mit der Verniedlichungsform, dem Wort für Kinder behält sich die eine oder andere auch vor, eben nicht erwachsen zu werden. Sondern sich etwas kindliches, etwas jugendliches, etwas jungenhaftes zu bewahren. Alles Wörter, die gleich viel schöner klingen. Tatsächlich verdienen einige Blogs schon mit genau den Themen Geld, die jungenhaft erscheinen – Computergames und Technikspielzeug. Wenn sie es in Deutschland noch nicht unbedingt tun, sind es trotzdem die aussichtsreichsten Kandidaten. Und während Erich Kästners Vorgabe, als Erwachsene_r noch Kind zu bleiben, vielen heute zum Lebensziel geworden ist, soll „mädchenhaftes“ dann doch wieder schlecht sein?

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11 Gedanken zu “Frau, Fräulein, Mädchen?

  1. Same procedure as every year, würde eine bekannte sehr alte Dame wohl dazu sagen, dass wir uns wieder wegen der blöden Bezeichnung in die Haare kriegen?

    Ich bezeichne mich eigentlich in der Regel gar nicht. Ich komme z.B. mit ‘Bloggerin’ prima zurecht, da kommt weder Mädchen noch Frau noch Dame noch alte Schachtel drin vor. Einige mögen Frau nicht, Du schreibst auch, warum: zu alt, verstaubt, zu sehr Frau von..

    Ich finde “Mädchen” blöd. Ich bin nicht mehr klein, selbst mit Mitte 30 hätte ich das nicht mehr passend gefunden und das ist auch schon eine Weile her. Im Kontext der Bloggermädchenszene komme ich mir alt vor, und dabei bin ich das mit Anfang 40 nicht. Ich fühle mich einfach nicht gemeint. Ich bin nicht süß, nicht niedlich, ich bin nicht sexy. Ich trug noch nie Kleidergröße 0, ich glaube, als ich sie noch hätte tragen können, gab es die gar nicht. Vielleicht doch, aber das interessierte mich mit Anfang 20, Anfang der 90er, nicht.

    Ich fand mich allerdings in dem Alter auch nicht erwachsen und habe mich nur mühsam damit abgefunden, dass es mir irgendwann doch passiert ist. Dass das nicht angenehm ist, weiß ich. Was ich aber auch nicht angenehm finde ist, wenn unter den eh schon wenigen Femnistinnen im Netz noch Untergruppen etabliert werden, die mich gewissermaßen qua Alter ausschließen – natürlich nicht absichtlich, natürlich hätte niemand was dagegen, wenn ich mich auch als Mädchen fühlte. Aber abgesehen von allen meinen anderen Vorbehalten käme es mir ziemlich albern vor. Für mich hat der Begriff Mädchen – ähnlich wie in dem von Franziska zitierten Artikel – auch damit zu tun, niemandem gefährlich werden zu wollen. Zu demonstrieren: Ich tu doch niemandem was, ich bin doch noch klein. Mit dem Alter hat das sicher auch nur zum Teil zu tun. Als ich Anfang/Mitte 20 war, hörten wir interessiert von den Riotgrrlz. Sehr schick, aber auch damals schon hätte ich mich so nicht bezeichnet. Mein Leitmotiv war ernstgenommen werden zu wollen und das passte mit Girls, auch Grrlz, nicht zusammen. Sicher gibt es auch Frauen, die älter sind als ich und das Problem nicht haben, wie jüngere, die schon mit 17 auf ‘Frau’ wert legten.

    Meinem Unbehagen mit den um mich herum vermehrt auftauchenden Mädchen und Girls setzte ein Erlebnis beim Frauen Barcamp letztes Jahr die Spitze auf. Thema eines Workshops waren eigentlich sog. Schönheits-OPs im Genitalbereich und im Verlauf der Diskussion wurde mir klar, dass es inzwischen offenbar bei Frauen ab irgendeinem Alter unter meinem völlig normal zu sein scheint, die Schamhaare komplett abzurasieren. Wir haben dann ganz kurz die Motivation dazu gestreift und mich sprang fast schon sowas wie Ekel darüber an, dass es ein neues Schönheitsideal gibt (das ich vollständig verschlafen hatte), bei dem es darum geht, eben nicht erwachsen auszusehen. Wie kleine Mädchen eben. Der gedankliche Sprung zum Missbrauch ist dann kein großer mehr.

    Ich bin sicher, dass das überhaupt nicht so gemeint ist und nicht so empfunden wird (von den meisten, jedenfalls hoffe ich das), aber ich war bei der Assiziationskette zum Begriff Mädchen in meinem Kopf in dem Moment ziemlich entsetzt. Das Entsetzen hat mich noch nicht ganz wieder verlassen.

    Ich unterstelle niemandem, meine verschiedenen Bilder zu ‘Mädchen’ und ‘Girls’ bei der Benutzung der Begriffe zu meinen. Mir geht es nur darum zu erklären, warum sie zu mir nicht passen und ich es nicht über mich bringe, mich mitgemeint zu fühlen, wenn sie benutzt werden.

    Nun sind wir ja nicht viele öffentlich wahrnehmbare Bloggerinnen im ‘Erwachsenenalter’ und wir haben noch kein Unternetzwerk mit dem Adjektiv grau im Namen gegründet, aber mich würde schon auch interessieren, wie es anderen Bloggerinnen (und sonstigen … naja, wohl am ehesten Frauen) über 40, 50, 60 geht?

    Auf jeden Fall hoffe ich, dass uns (allen) gelingt zu vermeiden, eine völlig überflüssige neue Trennlinie zu entwickeln. Recht haben kann ja hier niemand, und wahrscheinlich ist uns allen klar, dass es unterschiedliche Befindlichkeiten, Vorlieben und Abneigungen bei den Selbstdefinitionen gibt und deswegen wohl unmöglich (und eben überflüssig) ist, irgendeine davon zu überzeugen, sich mit einer Definition abzufinden, die sie eben nicht mag.

    Und was dann? Dann bräuchten wir eine Art, uns zu beschreiben, die möglichst wenig ausschließend ist. Mir kommt es so vor, als wenn sich das am ehesten duch die Endung zum definierenden Substantiv machen ließe – also wenn das Gemeinsame das Bloggen ist, dann eben Bloggerinnen, wahlweise Blogger*nnen, Blogger_innen. Für weitere Vorschläge wäre ich ganz dankbar.

  2. Sich nicht zu bezeichnen ist natürlich auch eine Alternative, die ich hier nur am Rande behandelt habe.

    Ich selbst habe aber eher eine Entwicklung zum Begriff Mädchen durchgemacht, die genau anders herum läuft. Am Anfang konnte ich damit auch nicht viel anfangen. Aber je mehr darauf rumgehackt wurde, umso mehr sind mir all die negativen Assoziationen damit aufgefallen, die alle auf dieser allgemeinen Abwertung alles Weiblichen beruhen. Lese dazu gerade noch „Making Sex Revisited“ und diese Abwertung ist seit Jahrtausenden da und geht nicht weg.

    Da hat sich meine Einstellung dann geändert – vor allem weil ich Kindheit und Teenagerzeit auch nicht so negativ sehe, wie das oft der Fall ist. Das innere Kind zu bewahren finde ich tatsächlich sehr wichtig (ohne Kinder nun irgendwie überhöhen zu wollen, die können auch sehr nerven, obwohl, Erwachsene auch). Aber wenn Kind sein was gutes ist, Jungenhaftigkeit meist auch, dann sollte das auch für Mädchenhaft gelten.

    Das weibliche sichtbar zu machen, unter dem Namen Blogger_innen oder vielleicht auch Bloggerinnen* (der Stern bewußt am Ende, um Räume zu eröffnen ohne das generische Maskulinum überhaupt aufzuzeigen) ist ein super Vorschlag. Zumindest in meinen Augen aber auch wieder eine andere Debatte, denn „Mädchen“diskussionen kommen oft genug auch in anderen Kontexten.

    Und zur Körperbehaarung… (und damit wieder der Mädchenfrage.) Der Trend zur vollständigen Enthaarung ist mir auch aufgefallen, eine Freundin davon bin ich nicht, aber mein Verhältnis zu Haaren ist auch mal ein sehr spezielles. Das „Problem“ (am Ende soll ja jede_r machen was er/sie* will) sehe ich weniger im Bild eines kleinen Mädchens, sondern in einem größeren Kontext. Zur Haarentfernung braucht es Produkte, die gekauft werden müssen. Sozialem Zwang, denn wer nicht mitmacht wird ausgegrenzt. Ekel vor dem eigenen Körper und seinen Funktionen und Möglichkeiten. Probleme, die aber auch bei anderen Praktiken entstehen.

  3. ich habe franziskas text und die bisherigen diskussionen nicht als anlass gesehen, über grenzziehungen, gruppenbildungen und spaltungen nachzudenken, sondern als anlass, um über den eigenen umgang mit begriffen nachzudenken und sich darüber auszutauschen. ich finde mich nicht in mädchen oder fräulein, laufe aber auch nicht als frau ganz im netz rum. ich habe meinen namen und meinen blognamen, den ich sehr mag. ich erinnere mich gerade auch nicht daran, auf das frau-sein beim bloggen zurückgeworfen worden zu sein. eher aufs feministin-sein. da bin ich froh zu wissen, dass es viele von *uns* gibt, gleichwohl sich meine nicht-enthaarten nackenhaare hochstellen, wenn jemand versucht, dieses *uns* zu labeln.

  4. Ich hatte den zitierten Blogartikel gestern gelesen, und was mir dazu einfiel, deckt sich in großen Teilen mit dem, was Anne Roth oben schreibt. Ich selbst bin Anfang 50 – und vielleicht auch von der “alten” Frauenbewegung noch weit genug infiziert, dass ich nie “Fräulein” sein wollte – und jetzt ganz sicher nicht “Mädchen” oder “girl”. Das muss keine Trennlinie geben, wenn es anderen so geht wie dir, hanhaiwen, dass es Ausdruck einer positiven Einstellung zur eigenen Kindheit und Jugend ist – bitte. Aber ich fühle mich da trotzdem nicht recht mitgemeint. Das fiel mir neulich auf, als ich so lieb für die Wahl des Bloggermädchens genannt wurde – ich gebe zu, dass es mir ob des Titels lieber war, nicht unter die letzten 10 zu kommen.
    Ich werde in Diskussionen, die unter meinem Nick geführt werden, oft verdächtigt, keine Frau zu sein. Auch witzig. Es hat aber – ok, ist hier wohl OT – den Vorteil, dass ich auf meinem blog selbst nur äußerst selten mit sexistischen Kommentaren belästigt werden. Das geht erst da los, wo bekannt ist, dass ich weiblich bin. Dann meist in der Form von Nichternstnehmen und Lächerlichmachen.

    PS: die Enthaarungsfrage hätte bei mir noch einen ganz anderen Kontext, aber ich will mein Kommentierungsrecht hier nicht allzu sehr missbrauchen.
    lg
    Alien

  5. Ich denke, “Girls” bzw. in Deutschland “Mädchen” ist natürlich inzwischen auch so eine Art Label geworden. Und auch wenn ich es gut finde, dass wir hier keine Grenzziehungen machen wollen, so schwingt darin eben doch eine Abgrenzung gegenüber “Frau” durch (in Teilen der Veröffentlichungen wurde das als Kritik an der “Alten-Schwarzer-Frauenbewegung” ja auch explizit benannt). Also auch an einem Verständnis von “Frausein”, das sich gerade von dem “Mädchen- und Fräulein-Sein” zuvor abgegrenzt hatte – und mit guten Gründne, wie ich finde. Wir haben es hier also imho nicht einfach nur mit einer Mode- oder Geschmacksfrage zu tun, sondern durchaus mit einem Konflikt sowohl über die Bedeutung des Frauseins, als auch über die eigene Einordnung in die Ideengeschichte der Frauenbewegung. Ich finde diese Konflikte spannend, aber bin ja auch sowieso der Meinung, dass Konflikte offen auszutragen die Frauenbewegung nicht schwächt sondern stärkt.

    Nach dieser langen Vorrede: Ich finde Mädchen doof (abgesehen davon, dass es eben eine Marke ist und in diesem SInne verwendet), Fräulein find ich im Einzelfall lustig, in dieser Häufung aber verdächtig, und bevorzuge ganz klar Frau. Einfach weil die Diffamierung, Zurechtweisung, Verklischeesierung des Begriffes “Frau” einer der grundlegenden Fehlers unserer Kultur ist. Und ich denke, ein guter Maßstab dafür, wie weit die weibliche Freiheit gediehen ist, ist, ob man das Wort “Frau” mit Stolz, Schlichtheit und ohne jeden kleinsten Krümel von Peinlichkeit (aber auch ohne Überheblichkeit oder Trotz) benutzen kann. Das ist aber auch heute, egal wie emanzipiert wir sind, nur selten möglich, und daher beschleicht mit immer ein wenig der Verdacht, dass mit Hilfe anderer Umschreibungen dieser “Peinlichkeit Frau” ausgewichen werden soll.

    Wofür ich andererseits natürlich auch wieder Verständnis habe, denn das Thema IST kulturell nach 2000 Jahren Patriarchat verkorkst und die Verwendung des Wortes “Frau” macht Sachen oft komplizierter als sie sein müssten. “Girls” und “Fräulein” ist imho auch ein Versuch, dieses Komplizierte zu vermeiden, aber dennoch die Geschlechterdifferenz sichtbar zu machen, und das ist immerhin besser als die “Neutralitätsillusion” (nach dem ja ebenfalls verbreiteten Motto “Mann oder Frau ist doch egal”).

    Noch eine letzte Bemerkung: Dass die Männer (die meisten) sich über solche Fragen “Wie spreche ich über mein Geschlecht-Sein” keine Gedanken machen halte ich nicht für eine Stärke des männlichen Denkens, sondern für eine Schwäche. Sie blenden da einen wichtigen TEil der Realität aus und das macht ihre Analysen natürlich schwach und fehleranfällig. Platt gesagt: Sie glauben, sie seien normal, wir wissen, dass wir nicht normal sind. Das ist ein großer Vorteil des weiblichen Denkens. Es gibt also keinen Grund, die Männer um ihre “Geschlechtsneutralität” zu beneiden oder gar zu bewundern.

  6. Ob Frau, Fräulein oder Lady, irgendwer hat immer irgendwas daran auszusetzen und am Ende ist es egal, welche Bezeichnung gewählt wird.

    Ja, sehe ich auch so. opalkatze ist ja auch irgendwie eine weibliche Bezeichnung, dennoch geht das wohl unter (http://opalkatze.wordpress.com/2010/07/23/kann-vor-kraft-kaum-laufen/comment-page-1/#comment-1009). Von kaffeebeimir (Twitter) wussten anscheinend von Anfang an die meisten, daß es eine Frau ist. Da schliesse ich mich @ihdl an:

    ich habe meinen namen und meinen blognamen, den ich sehr mag. ich erinnere mich gerade auch nicht daran, auf das frau-sein beim bloggen zurückgeworfen worden zu sein.

    Andere Mädelz bezeichne ich als solche, ohne jemals darüber nachgedacht zu haben, ob das eine Wertung beinhaltet; es hat ein bißchen mit ‘Frechheit’ zu tun. Komischerweiose betrachte ich ‘Mädelz’ als sympathisch, während ‘Mädchen’ und ‘Girls’, abgesehen von der Bedeutung, die @Anne und @Alien dem geben, mir zu niedlich ist.

    In Texten spreche ich fast ausschließlich von ‘Frauen’ und sehe mich auch selbst so: mit fast 52 und einem freundlichen Verhältnis zu mir selbst ist das absolut angemessen :)

    Ps: Gerade ist mir noch Frau Elise eingefallen, die ich sehr mag (http://extrablatt.wordpress.com/)

  7. Ich habe lange gebraucht, bis ich bei Begriffen wie Bloggermädchen oder Mädchenmannschaft nicht mehr zusammengezuckt bin und konnte sie erst über einen „englischen“ Umweg akzeptieren. Als Pendant zu „Good old boy“, Männernetzwerke, die in den Eliteinternaten entstehen, ein Leben lang halten und gleichbedeutend mit Macht sind. Ich selbst würde mich aber nie als Mädchen bezeichnen und will auch so nicht angesprochen werden.
    Das „Fräulein“ ist ebenfalls eine zweischneidige Sache. Es hat viel Zeit und Energie gekostet, bis diese Bezeichnung endlich als offizielle Anrede verschwunden war. Wieder und wieder diese Dialoge: „Fräulein Müller …“ – „Ja, Herrlein Meier?“, bis endlich der letzte Chef kapiert hatte, dass es sich bei der Angestellten Müller um eine Frau = eine selbstständige Person handelte. Doch dann habe ich einmal ein Fräulein kennengelernt, die sie sehr stolz darauf gewesen war, ein Fräulein zu sein. Für sie bedeutete es damals nämlich: „Ich kann allein für mich sorgen, ich brauche keinen Ehemann!“ So gesehen könnten die „Fräulein-Blogs“ auch als „Ich kann alleine bloggen, ich brauche dazu keine männliche Hilfe“ interpretiert werden.
    Mit 54 fühle mich von der Bloggermädchenszene erst recht nicht gemeint, weshalb ich auch mit dieser ganzen Vernetzungsgeschichte große Probleme habe. Von einer Gruppe namens „Lesbischer Herbst – für Lesben ab 49“ oder von Begriffen wie 50plus, die Inkontinenzartikel implizieren, fühle ich mich aber auch nicht angesprochen oder gar dazugehörig. Mir graut es davor, auf einer Veranstaltung vielleicht die „Oma“ der Truppe zu sein bzw. umgekehrt sind mir Dinge – wie neulich passiert -: „Da kannst du dich nicht hinsetzten, der Platz ist für Frau Tabler reserviert.“ – „Das bin ich“ – „Oh, wir dachten, du bist älter …“ wirklich peinlich – und den Veranstalterinnen dann auch. Also ziehe ich es zurzeit vor, daheimzubleiben.

  8. Da ich oben erwähnt werde, dachte ich, ich melde mich auch mal hier zu Wort.

    Es gab früher Unterschiede zwischen der “Frau Doktorin” und dem Fräulein Doktor. Erstere hatte den Doktortitel durch Heirat erworben – der “dritte Bildungsweg” zum Doktortitel. (Ich hoffe, ich habe das jetzt richtig hingekriegt – mir ist einmal ein Benimm-Buch in die Hände gefallen, in dem es tatsächlich so erklärt wird: Die “Frau Minister” hat selbst ein Minister(innen?)amt inne, die Frau Ministerin hat einen Minister zum Ehemann. Für Frauen aus der Generation, die für Worte wie “Kauffrau” gekämpft hat, ein ungewohnter Gedanke.)

    Bei allen Zweifeln darüber, wie viel Fortschritt tatsächlich in Sachen Feminismus erreicht wurde – dass es weder möglich noch nötig ist, einen Doktor(innen)titel zu erheiraten ist ein großer Fortschritt, und dass frau ihre Eigenständigkeit durch ein Fräulein Doktor nicht mehr herausstellen muss, auch. Und eine Freundin von mir hat darauf bestanden, dass sie Doktorin, nicht Doktor ist – aus eigener Kraft, nicht durch Heirat.

    “Frau” ist nicht länger eine Bezeichnung des Personenstandes – und das ist eine gute Entwicklung.

    “Mädchen” – ich oute mich mal als eine, die diese Bezeichnung schon mit 17 abstreifte. Vielleicht, weil “Mädchen” oder “Girl” für mich noch nicht mit Coolness verbunden war. Auch nicht mit “Frechheit” (es gab noch keine “Freche-Mädchen-freche-Bücher-Serien”). “Frau” hieß selbständig und erwachsen zu sein.

    Vielleicht muss ich einfach akzeptieren, dass sich die Assoziationen zu “Mädchen” verändert haben und dass Mädchen heute andere Eigenschaften für sich in Anspruch nehmen – nicht mehr brav, sondern frech – so dass viele junge Frauen sich gerne als Mädchen sehen, selbst wenn sie es rein den Jahren nach nicht mehr sind. Nur ich kann meine eigenen Assoziationen nicht so einfach abstreifen.

    Andererseits: Ich habe das Zitat von Erich Kästner nachgeschlage (Ansprache zum Schulbeginn), es heißt: Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt, ist ein Mensch. Kind bleiben reicht also nicht – Pippi Langstrumpf ist m.E. ein problematisches Vorbild.

    (Mein eigenes literarisches Vorbild ist zur Zeit Granny Weatherwax aus der Discworld Serie von Terry Pratchett. Da habe ich wenigstens noch ein paar Jahrzehnte Zeit zum Hineinwachsen.)

    • An dieser Stelle muss ich dringend anmerken, dass ich das Wort „frech“ dagegen wieder furchtbar finde. Juia Karnick hat das in der Brigitte mal schön beschrieben, warum das eine Beleidigung ist:

      “Frech” ist ein Adjektiv, mit dem man Kinder beschreibt, die sich Respektspersonen gegenüber unhöflich verhalten. Wer Frauen frech nennt, behauptet, dass sie nicht erwachsen sind – oder dass es einen Personenkreis gibt, der einen generellen Anspruch auf ihren Respekt hat: Das hättet ihr wohl gern, was?

      Hier wird auch schon klar, was das zweite Problem ist: einige Personen haben Anspruch auf Respekt, aber nicht alle. Dieses Ungleichgewicht von Respekt ist Mist. Jede_r egal welchen Alters, Geschlecht etc. hat Anspruch auf Respekt. Solange es Respekteinbahnstraßen gibt, implizit oder explizit, ist es nicht frech, sich dagegen aufzulehnen. Unhöflich oder beleidigend sind dabei andere Dinge, letzteres geht einfach gar nicht.

      Frech ist dagegen der (oder die), der Respekt erwartet, aber selbst keinen zeigt. Und sich dann im schlimmsten Fall auch noch darüber beschwert.

  9. Danke, im Umfeld dieser Kommentare fühl ich mich wohler als anderswo. Denn ich muss zugeben, dass ich all die “frechen Mädchen” auch nicht recht für voll nehme. Ich halte das ganze für Selbstverniedlichung und in gewisser Weise auch anbiedernd. Muss jede selbst wissen…

    Zwei Anmerkungen noch hinterher:
    1. All die Selbstbezeichnungen sind generationsbedingt doch sehr verschieden gewertet. Beispiel: meine Großtante Jahrgang 1896, die sich lebenslang mit Stolz als “Fräulein” anreden ließ. Allerdings mit ganz anderer Konnotation. Denn sie hatte sich bewusst entschieden für Selbständigkeit, Bildung, eigenes Einkommen und gegen die Funktionen einer Ehefrau — zu einer Zeit im Kaiserreich, als das absolut noch nicht üblich war. Das würde heute wohl kaum noch jemand nachvollziehen können. Mit über 90 fand man Fräulein W. dann auch eher schrullig, was sie nicht im geringsten störte.

    2. Ich bin im Nachhinein ganz froh, einen geschlechtsneutralen “maschinellen” Nick gewählt zu haben. Das gibt mir mehr Möglichkeiten, eigene Standards zu setzen, wenn ich expolizit aus weiblicher Perspektive schreibe, dies aber nicht extra im Titel kennzeichne. Etwas Verwirrung schadet nicht. War vorab aber nicht so durchdacht. Hat sich irgendwie ergeben.

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