Gedanken zu den Frauentagsveranstaltungen

Bei der Mädchenmannschaft haben wir gerade die Veranstaltungen zum Internationalen Frauentag gesammelt; dabei sind mir einige Dinge aufgefallen.

Ziemlich beliebt scheinen etwa Empfänge und Frauenfrühstücke zu sein. Ersteres hängt sicher damit zusammen, dass viel von Gleichstellungsbüros organisiert wird, die zu Stadtverwaltungen gehören – Empfänge mit Fotogelegenheit für die lokale Presse sind dort schließlich bis heute en vogue. Letzteres scheint mir aus einer anderen Generation zu stammen oder zumindest auf Mütter zugeschnitten zu sein, denn diese Frühstücke sind meist am Sonntagmorgen – wenn viele Jugendliche und junge Frauen gerade erst ins Bett gegangen sind.

Ein anderer Trend ist es, aus dem einen Frauentag eine ganze Woche oder Monat mit Aktionen zu machen. Leider ein zwiespältiger Trend. Zum einen droht mit einem einzigen Aktionstag natürlich die wiederholte Abschiebung von „Frauensachen“ in die Gedöns- und Minderheitenecke. Ein längerer Zeitraum statt einmaliger Aktion ist da schon besser und ermöglicht es, tiefer zu graben. Doch genau das passiert oft genug nicht. Stattdessen werden noch alle möglichen anderen Veranstaltungen mit ins Programm aufgenommen, vom Seminar für Existenzgründerinnen bis zum Selbstbehauptungstraining. Nicht das wir uns falsch verstehen, solche Seminare sind wichtig. So wichtig, dass sie zur täglichen Arbeit der Gleichstellungsbüros gehören sollten.

Insgesamt sind viele Veranstaltungen noch sehr auf die klassischen Frauenrechtlerinnen zugeschnitten. Vermutlich, weil viele auch von ihnen organisiert werden. Um die Vielfältigkeit der deutschen Frauen geht es selten: Junge Frauen, lesbische Frauen, Transgender, Frauen mit Migrationshintergrund oder Frauen in prekären Verhältnissen werden nicht unbedingt explizit angesprochen, viele Veranstaltungen finden an Orten statt, die sie nicht aufsuchen, in die sie sich vielleicht nicht einmal hereintrauen.

Ein Beispiel: Als Unterhaltungsprogramm wird in gefühlt jeder zweiten Veranstaltung „Musikkabarett“ versprochen. Die Künstler_innen sind bestimmt alle super, meine Vorbehalte am Ende unberechtigt und ich sollte es mir unbedingt mal anschauen – aber ich bin sicher nicht die einzige, die noch nie im Leben im Musikkabarett war, sich nichts darunter vorstellen kann, den Namen schon etwas elitär findet und so erstmal abgeschreckt wird.

Was also sollte es im nächsten Jahr geben? Mehr Diversität, ob auf den Podien, bei den Veranstaltungsorten oder im Unterhaltungsprogramm. Mehr Inhalt: kritische Bestandsaufnahmen, aber auch utopische Visionen. Und schließlich zugänglichere Aufbereitung im Internet (darüber heute nicht viel mehr als „manchmal katastrophal“). Eines Tages wird der Internationale Frauentag vielleicht wirklich überflüssig sein – doch bis dahin ist es noch ein langer Weg!