Quo vaditis, Bürgerrundfunk und Lokalradio?

Wer an Radio denkt, denkt meistens nur an die Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten (NDR, WDR etc) oder die privaten, kommerziellen Sender (Antenne, ffn…). Tatsächlich gab es bis zum Anfang diesen Jahres in Niedersachsen noch eine weitere, ganz eigene Form, den lokalen, nicht-kommerziellen Bürgerrundfunk. Neben regionalen Informationen lag dabei der Fokus auch besonders auf der Vermittlung von Medienkompetenz – so sendet auch der Unifunk Osnabrück auf dem Bürgersender osradio 104,8. Mit der Neuordnung des Niedersächsischen Landesmediengesetzes können demnächst auch kommerzielle regionale Sender entstehen, ebenso Campusradios.

Wie die Radiolandschaft in Zukunft aussehen wird, weiß im Moment noch niemand so genau. Ein Beispiel für die Veränderungen hat Barbara Mürdter auf Popkontext zusammengetragen: In Hannover gibt es statt Radio Flora inzwischen LeineHertz 106einhalb. Und dort künftig ein Programm, das mit Versprechen wie „1000 neue Songs“ und dem Besten „der 60er, 70er, 80er, 90er, 2000er und von heute“ sehr nah an den Werbesprüchen vieler anderer Sender dran ist. Mehr 08/15 statt Innovation?! Wir werden sehen.

Ob nun massenweise neue Campusradios entstehen, ist dagegen erstmal zu bezweifeln. So sieht der Landesverband Bürgermedien e.V. Niedersachsen vor allem die Nachteile, da die Kosten für diese Sender ebenfalls aus öffentlichen Mitteln gedeckt werden müssten. Tatsächlich wurde etwa in Osnabrück der Medienstudiengang erst vor einiger Zeit eingestampft, alle anderen regionalen Campusradioprojekte sind noch deutlich kleiner als der Unifunk. Und mit 4 Stunden Sendzeit pro Woche ist ein abwechslungsreicher Vollzeitsender sehr weit weg. Durch die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen haben sich auch einige Probleme eingestellt. Weniger Flexibilität im Studium und mehr (gefühlter) Druck sorgen für Schwierigkeiten und Unlust, sich zu engagieren – die durch den Bruch zwischen den Studienabschnitten geförderte Flexibilität sorgt dagegen für kürzere Verweildauer und häufigere „Turnover“. Ob die Universitäten und Hochschulen des Landes nun auf einmal ihre studentischen Radiosender massiv ausbauen werden, bleibt daher abzuwarten.

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