Babylon 5 – ein paar feministische Gedanken

Vor kurzem habe ich mir die komplette Babylon 5-Box ausgeliehen und schaue die Serie gerade am Stück. Nach der ersten Staffel habe ich erst den Pilotfilm geschaut und war schon etwas überrascht. Im Vergleich zu der Serie, die sehr nach den neunziger Jahren aussieht, war der Pilotfilm irgendwie futuristischer, in einer achtziger Optik die teilweise sehr an Blade Runner erinnert.

Außerdem hat die Serie recht viel Applaus bekommen für die Behandlung seiner weiblichen Hauptcharaktere. Tatsächlich sind Ivanova und Delenn spannende Protagonistinnen, aber danach sieht es irgendwie düster aus. Talia Winters wurde mehr über ihre Beziehungen zu anderen definiert, denn als eigene Person. Kaum hatten sie und Ivanova eine Frauenfreundschaft etabliert, die zum Glück auch nichts mit Schönheitstips und Männergetuschel zu tun hatte, war wieder alles vorbei.

Ansonsten gibt es kaum weibliche Charaktere – Na’Toth ist irgendwann unerklärlicherweise verschwunden und alle anderen Nebencharaktere sind bisher Männer (Warren Keffer, Vir Cotto, Marcus Cole, Lennier, Bester, Morden, Garibaldis unbenannter Stellvertreter und Attentäter…). Darüberhinaus sind, von Cotto und Lennier abgesehen, diese Charaktere auch ausschließlich weiße, männliche Menschen. Lediglich die Position des Bordarztes scheint für den „Quotenschwarzen“ reserviert. Auf Dr. Kyle im Pilotfilm folgt Dr. Franklin. Außerdem gibt es, zumindest anfänglich, noch eine Frau mit asiatischem Hintergrund. Im Pilotfilm Laurel Takashima, die dem Studio ironischerweise wohl auch nicht weiblich genug auftrat. Auf Sinclair’s Exfrau Catherine Sakai folgt dann keine mehr, was aus ihr wurde, ob sie Sinclair geheiratet hat und ihm nach Minbar gefolgt ist oder weiter von Babylon 5 aus arbeitet, ist in der zweiten Staffel jedenfalls nicht aufgeklärt worden.

Noch ein Detail aus dem Pilotfilm: Als Sinclair mit Lyta Alexander durch den Aliensektor ging, sitzen die Aliens hinter durchsichtigen Folien, wie in einem öffentlichen Zoo. Alle anderen Quartiere sind natürlich mit normalen Türen ausgestattet.

Immerhin gab es seitdem z.B. Battlestar Galactica – dort wurden Gleichstellung und starke weibliche Hauptcharaktere wichtiger bzw. selbstverständlicher. Doch zunächst einmal zurück zur 3. Staffel…

5 Gedanken zu “Babylon 5 – ein paar feministische Gedanken

  1. Diverse Merkwürdigkeiten der Serie lassen sich aus regelmäßigem Revamp erklären, z.B. war AFAIR die Zoo-Haftigkeit des Spezial-Alien-Sektors tatsächlich etwas stark Kritisiertes und wurde nach dem Pilotfilm fallen gelassen. Außerdem war Delenn ursprünglich wesentlich androgyner angelegt, bis Straczynski sich nach dem Pilotfilm entschied, dass es bei den Minbari sehr wohl Männlein und Weiblein gibt. Dann gab’s noch regelmäßiges Abspringen von Schauspielern, was auch bei den Frauen-Figuren diverse Arcs verwirrte:

    SPOILER-WARNUNG!

    * Takashima sollte ursprünglich der Verräter im Team werden, der Garibaldi am Ende der 1. Staffel in den Rücken schießt. Es gibt wohl im Pilotfilm einen subtilen Hinweis darauf, dass sie einen Finger im Spiel hat beim Kosh-Attentat.
    * Die Schauspielerin von Lyta Alexander war in der ersten Staffel nicht mehr verfügbar, deshalb wurde die Figur des Stations-Telepathen durch Talia Winters ersetzt. Die bekommt in der 1. Staffel andeutungsweise telepathische Supermächte durch (wieder einen Mann) Jason Ironheart verliehen, was noch ausgebaut werden sollte. Die Darstellerin fühlte sich aber unter-eingesetzt und schmiss das Handtuch, was auch im Abbruch der wahrscheinlich noch relevanter sich entwickelnden Beziehung zu Ivanova führte. Dafür kam Lyta zurück, die nun mit Vorlonen-Hilfe die telepathische Supermacht erringen musste, die bei Talia bereits durch den Jason-Ironheart-Arc aufgebaut worden war.
    * Catherine Sakai ersetzte die beim Pilotfilm eingeführte Partnerin von Commander Sinclair. In der ersten Staffel führt sie Expeditionen zu Alien-Welten durch, und wäre der Schauspieler von Sinclair nicht abgesprungen, wäre es ihr zugekommen, in der 2. Staffel auf Z’ha’dum zu verschwinden und dann als Schatten-Agentin zu ihm zurückzukehren — diese Story wurde dann eilig an die Witwenschaft von Captain Sheridan rangehangen, als der Sinclair ersetzte.
    * Statt sich in Trauer über die Aufopferung von Marcus zurückzuziehen, wäre eigentlich Ivanova die nächste Wahl zur Führung der Station gewesen, als Sheridan Präsident wurde. Aber da war die Schauspielerin auch nicht mehr verfügbar, und Lochley wurde aus dem Hut gezaubert.
    * Bei Na’Toth hab ich’s nicht mehr so ganz im Kopf, aber da gab’s jedenfalls auch ein bisschen Schauspielerinnen-Wechsel. Der aber wohl wesentlich leichter durch Make-Up versteckbar war.

    Dass mal eine Rolle im Figuren-Ensemble neu aufgefüllt werden muss, wenn sie wegfällt, ist naheliegend. Aber schon auffällig, dass diese Rollen bei Straczynski so eindeutig auch immer mit Geschlecht und Rasse (der Doktoren-Wechsel) verknüpft sind.

  2. Gna, nun hat WordPress meinen Kommentar gefressen. Die Wechsel an sich fände ich nicht so problematisch, wenn sie aber so halbgar begründet werden wie der Abgang von Ivanova oder eben gar nicht wie der Verbleib Sakais. Richtig doof ist sowas wie der Rauswurf von Takashima, weil sie den Produzenten „zu männlich“ gewesen sei. Die Verknüpfung mit Rollen und Rassen finde ich einerseits einen Schritt nach vorn – immerhin wird also auf Diversität geachtet. Andererseits bleibt man da manchmal hängen und dann bleibt es halt beim einen „Quotenschwarzen“.

  3. Eine Interessantheit, die (wenn auch selten erwähnt) belassen wurde: Narn-Frauen gebären zwar, aber dann wird (AFAIR) das Kind beim Vater in einem Känguruh-Beutel getragen, bis es „reif“ ist. Man sieht zwar recht wenig Narn-Frauen, aber Na’toth ist jedenfalls ein deutlicher Kontrast zu den sichtbar untergeordneten Centauri-Frauen. Das gehört sicher auch ins Konzept zur Kontrastierung der beiden Erzfeind-Kulturen.

    In der Serie finden sich in solchen politischen Fragen immer wieder interessante Ansätze, die dann aber doch in der Gesamtwirkung oft peripher bleiben, vielleicht auch erdrückt unter dem rigiden Normalisierungs-Druck des einzuhaltenden 5-Jahres-Arcs. Bei Buffy wird dann später IMHO mit Abweichungen schon sehr viel mutiger gespielt und eine deviante Figur, die gut ankommt, unvorhergeplant auch schnell und mit dauerhaftem Einfluss auf die Plots ins Hauptfiguren-Ensemble erhoben.

    Gerade guck ich auch die „Sarah Connor Chronicles“, die ich alles in allem nicht so richtig revolutionär finde, aber da kommt in den Nebenfiguren erstaunlich viel Diversity ohne große Aufgeregtheit rüber.

  4. Bei den Narn ist das auch irgendwie schwer, die sehen ja auch recht androgyn aus – umso mehr ist es da schade, dass dann z.B. bei den Sprechrollen später nur Männer drankamen.

    Die Sarah Connor Chronicles hat mir neulich schon mal jemand empfohlen (Philip?), da hab ich nur ab und an reingezappt und war nicht so vom Hocker gerissen. Sollte ich dann aber mal wirklich angucken.

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