Was ist eine „richtige“ Vergewaltigung?

Bei der denkwerkstatt gibt es gerade ein spannendes Interview mit der Psychologin Susen Werner, die Vergewaltigungsmythen im Rechtssystem untersucht hat.

Nach wie vor geht ein Großteil unserer Gesellschaft davon aus, dass eine klassische „richtige“ Vergewaltigung z. Bsp. eine Situation widerspiegelt, in welcher ein Fremder mit Hilfe einer Waffe nachts (also im Dunkeln) in einem einsamen Winkel blitzschnell, auf sehr gewalttätige Art und Weise, eine sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen wehrende Frau, vergewaltigt und ihr gut sichtbare Verletzungen und Kampfspuren zufügt, die im Nachhinein die Tat beweisen. Sobald bestimmte Merkmale dieses kognitiven Skripts nicht vorliegen, nimmt die Anzahl der Befragten ab, die den dargestellten Übergriff als Vergewaltigung klassifizieren, während die Zahl derjenigen steigt, welche dem Opfer mehr Verantwortung zuschreiben.

Vor solchen Gedanken sind, laut ihren Ergebnissen und irgendwie nicht wirklich überraschend, auch deutsche Rechtsanwält_innen nicht gefeit.