Hochqualifiziert und in Deutschland nicht willkommen

In der FAZ gibt es gerade einen Bericht, welche Probleme bei der Integration ausländischer Arbeitskräfte drohen und wie sie vermieden werden können. In den letzten Wochen habe ich miterleben müssen, wie Schwierigkeiten schon viel früher auftreten (vgl. auch diese Horrorgeschichten im Spiegel). Trotz allem Jammerns über Fachkräftemangel geben wir uns nämlich alle Mühe, genau diese möglichst schnell wieder loszuwerden.

Gerade ist eine Freundin nach einem Jahr Arbeitslosigkeit zurück nach China gegangen. Dabei hatte sie gerade ihr Studium der Elektrotechnik abgeschlossen – eigentlich eines der heiß umkämpften Fächer. Aber genau an dieser Stelle ergab sich zwischen möglichen Arbeitgebern und der Ausländerbehörde ein Hennen-Ei-Problem. Um eingestellt zu werden, brauchte sie eine Arbeitserlaubnis. Diese wollte man ihr aber nur ausstellen, nachdem sie einen Arbeitsvertrag hatte. Mal davon abgesehen, dass sie z.B. in Ingenieurbüros oder allzu „fachfremden“ Arbeitsstellen eh nicht arbeiten durfte. Wobei letzteres natürlich im Auge des Betrachters lag.

Einer weiteren Freundin will die Ausländerbehörde am liebsten nicht einmal das Jahr Zeit lassen, sich nach ihrem Bachelorabschluss einen Job zu suchen. Entweder sie beginnt sofort einen Master oder sie muss zurück. Obwohl ihr als Absolventin einer deutschen Hochschule ein Jahr Zeit zusteht, sich eine Stelle zu suchen.

Alle anderen Probleme, die sich aus den verschiedenen Arten von Visa, Beantragungs- und Verlängerungsfristen, Botschaften, Konsulaten und unmöglichen Öffnungszeiten ergeben, kommen natürlich noch einmal obendrauf.

Schließlich arbeitet eine chinesische Freundin neben ihrem Studium als Hiwi. Nach ihrem Masterabschluss möchte sie sich dann mit einer interkulturellen Beratungsfirma selbstständig machen – wäre sie Deutsche, könnte sie mit der Gründung und Arbeit bereits beginnen. So aber wird ihr das verwehrt, warum genau haben wir nicht verstanden, und ob sich das nach ihrem Abschluss ändern wird, bleibt abzuwarten!

Advertisements

5 Gedanken zu “Hochqualifiziert und in Deutschland nicht willkommen

  1. Eigentlich würde ich deinen Beitrag gerne flattrn – funktioniert aber leider nicht 😦

    • Mmmh, Flattr ist mir inzwischen einfach zuviel Aufwand. Geld über Paypal schicken, regelmäßig andere Leute flattrn… Sorry.

  2. Willkommen in Deutschland, das wird langsam zum Paradox. Im Prinzip sind ja nicht mal alle deutschen Willkommen. Auch nicht die Hochqualifizierten.
    Die Wirtschaft und die Politik reagiert schon lange nicht mehr rational, obwohl sie genau das ja immer für sich in Anspruch nehmen.

  3. Ich halte den Fachkräftemangel ja für ein Gerücht.

    Noch mehr Gruselgeschichten gefällig?
    Ein Kollege von mir hatte massive Probleme mit den Ausländerbehörden, weil er von Hessen nach NRW umgezogen ist aus beruflichen Gründen. Damit war die Ausländerbehörde überfordert. Was fällt so einem Ägypter auch ein, einfach den Job und dann auch noch das Bundesland zu wechseln.
    Der gleiche Kollege musste seinerzeit sogar illegal zum Bewerbungsgespräch einreisen, weil so ein Visum für einen Ägypter gerne schonmal 3 Monate dauert. Welche Firma wartet schon 3 Monate, bis sie einen Kandidaten interviewen kann? Er hatte ein gültiges Visum für die Schweiz, so dass er gute Chance bei der Einreise über den Landweg hatte, nicht kontrolliert zu werden.

  4. Ein Dauerthema.
    Von der Zeit, wo es rechtlich unmöglich war, nach abgeschlossenem Studium in Deutschland bleiben zu dürfen (selbst mit deutschem Ehegatten/Kindern) bis jetzt, wo man gnadenhalber ein Jahr genehmigt bekommt, um Arbeit zu suchen, hat sich in der Einstellung von Gesetzgeber und -ausführer wenig bis nichts geändert.
    Kein Wunder, dass vor allem Akademiker hohe Rückwanderungszahlen haben.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.