Wieder zurück von der #rp11

Bei der Mädchenmannschaft sortieren wir noch unsere Eindrücke, Fotos und die Interviews – denn davon haben wir einige gegeben. Mit den Panels und Offlinegesprächen blieb diesmal leider wenig Zeit, noch viel „anderes“ von der re:publica mitzunehmen.

Am Donnerstag habe ich immerhin Noha Atef gesehen (und sie Freitag abend hoffentlich nicht zu sehr vollgequatscht, weil ich so aufgeregt war). Wie auch bei Jaclyn Friedman war es spannend, einmal direkte Einblicke in digitalen Aktivismus zu bekommen, bzw. die Vorgänge, die hinter den Kulissen abliefen. An dieser Stelle auch mein Respekt an Kübra, der das fotografiert und gefilmt werden dort öfters passierte. Mehr dazu auch im Interview mit netzdebatte:

Die Frage, wieviel Pluralität in der Blogosphäre vorhanden ist, wie sie abgebildet wurde und wer Verantwortung hat, diese abzubilden, wurde u.a. von ihr kontrovers diskutiert. Im Cicero-Rückblick gibt es dazu einen schönen Ansatz, der sich zwar auf die Digitale Gesellschaft bezieht, der aber auch gut auf die re:publica an sich passt:

Denn von der Öffnung, die sie so wortreich propagieren, war auf der re:publica wenig zu spüren. Weder wurden Themen gesetzt, noch mit möglichen Mitstreitern das Gespräch gesucht. „Mitmachen“, sollen möglichst viele Menschen, aber warum lädt man dann nicht Vertreter von zivilgesellschaftlichen Organisationen oder traditionelle Bürgerrechtsgruppen zum Mitdiskutieren ein.

Wer eine deutsche Bloggerkonferenz auf die Beine stellt, der sollte sich eben nicht nur darauf verlassen, dass Leute kommen. Vor allem, wenn diese Leute jedes Mal wieder die gleichen sind und eine homogene Masse darstellen. Sondern auch abseits der wenigen eingeladenen Speaker auf Blogger_innen zugehen und den Call for Papers in den vielfältigen Blogcommunities bekannt machen. Auch mit der expliziten Versicherung, diese Vielfältigkeit zu wollen und dann mit bewußtem Auge bei der Auswahl – denn von Lippenbekenntnissen gibt es in Deutschland genug.

Wobei dann hoffentlich ein Trend vermieden wird, der sich diesmal ein wenig bei den Panels von Bloggerinnen abzeichnete und z.B. von Tessa Bücker im Cyberfeministinnen-Gespräch schon kritisiert wurde. Dass am Ende zwar etwa Frauen und Muslime da sind, aber dann nur über sich und ihre vermeintlichen Nischenthemen sprechen. Dass sie immer noch nicht selbstverständlich auch zu anderen Themen gehört werden, weil diese, meist als hart angesehenen Themen, eben weiter von den gleichen Leuten bespielt werden.

Mehr zum Panel „Shitstorm? You can do it!“ gibt es bei der netzdebatte der Bundeszentrale für politische Bildung und am Donnerstag mit einem Interview auf ALEX um 20:15 Uhr (und später online). Online anhören kann man schon mein Interview mit dem breitband von Deutschlandradio Kultur. Sehr gefreut habe ich mich auch über das Lob von Dörte Giebel und den Remix zu Donna Haraway, den Felix Knoke für fm4.orf.at gefunden hat.

7 Gedanken zu “Wieder zurück von der #rp11

  1. Interessanter Bericht, danke!

    Als kleine Anmerkung einer Niedagewesenen: Dieses ‚Frauen waren zwar sichtbarer, haben aber hauptsächlich über Cyberfeminismus geredet‘, halt ich eher für Spin und sehe keinen Grund sich dieser Erzählweise anzuschließen. Natürlich reden die über sich, aber das tun ja alle, worüber denn sonst.

    Mein Eindruck ist vielleicht vom alleinigen Friedrichstadtpalaststream gefärbt, aber da waren auf meinen ersten Blick 4 Frauen, Jaclyn Friedman hat über Digital Feminist Activism geredet, weil das halt ihr Job ist, in dem sie erfolgreich ist. Solana Larsen hat Global Voices vorgestellt mit Nachrichten und Politik – hart.😉 Jillian York berichtet über Content Policing vor allem vor Revolutionshintergründen – hart. Und die Frau von der Mozilla Foundation über Browser und so. (KA, nicht wirklich zugehört, aber um ne Nische ging’s bestimmt nicht.)
    Dazu hast du ja selber Noha Atef erwähnt und bestimmt gibt es noch jede Menge anderer Beispiele. Jedes außer Shitstorm, offene Blogosphäre und Cyberfeminismus?

    Also vielleicht bezog sich deine Aussage ja nur auf die Panels zum deutschsprachigen Bloggen und dann mag sie stimmen. Aber ich denke, es ist wichtig sich bewusst zu sein, dass dieses „Boah, die Frauen können nur Frauenthemen und Feminismus“ eine beliebte Strategie im Rückzugsgefecht ist, wenn sich Sexist_innen mit höherer Frauenpräsenz konfrontiert sehen. Speziell während des Vortrags von Jillian York hab ich ein paar Tweets gesehen, die ganz deutlich „Frau spricht – muss bedeuten, sie prangert Missstände in der Frauenhaltung an“ durcheinandergebracht haben. Unabhängig vom tatsächlichen Inhalt.

    Btw. mal völlig abgesehen von der Frage, wie viele Panels feministisch waren und hätten sein sollen: Ich sehe überhaupt kein Problem darin, wenn sich steigende Partizipation von „Frauen“ über die thematische Schiene Feminismus vollzieht. Wenn die an den Panels Beteiligten keinen Bock mehr drauf haben, klar. Aber was man so gelesen hat, war es ja nicht das Problem, dass andersthematische Themen von Frauen nicht angenommen wurden. Solang nur irgendwelche Leut zuviel Feminismus diagnostizieren, würd ich dafür plädieren das lustig zu ignorieren.

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