ASBOs und Plagiate

So, jetzt habe ich mich eine Stunde durch Anne Will gequält und nach viel peinlichem Blabla ist das Anführen von ASBOs in Großbritannien im Zusammenhang mit Plagiaten der absolute Höhepunkt der Dreistigkeit. Um einmal aus der englisch-sprachigen Wikipedia zu zitieren (ja, so sieht ein Zitat auch nach englischen Vorgaben aus, mit Anfang und Ende):

The orders, introduced by Prime Minister Tony Blair in 1998, were designed to correct minor incidents that would not ordinarily warrant criminal prosecution. The orders restrict behaviour in some way, by prohibiting a return to a certain area or shop, or by restricting public behaviour such as swearing or drinking. Many see the ASBO as connected with young delinquents.

Es geht um kleine Vorfälle, die nicht unbedingt eine umfangreiche Ermittlung erfordern. Es wird Verhalten verboten, wie etwa die Rückkehr in einen bestimmten Bezirk oder Verhalten in der Öffentlichkeit, wie Fluchen und Trinken. Es geht um Dinge, die man gemeinhin mit Obdachlosen, mit rumhängenden Jugendlichen und allgemein mit sozial Schwachen in Verbindung bringt. Sie waren und sind der Ausdruck der Hilflosigkeit einer Regierung und Gesellschaft gegenüber Menschen, denen sie keine Perspektive mehr geben können und sich gleichzeitig von ihnen diffus bedroht fühlen.

Um es noch einmal deutlicher zu sagen, es geht um (Liste aus der Wikipedia, Übersetzung von mir):

  • abandoning cars – Autos rumstehen lassen
  • begging – betteln
  • dealing/consumption of controlled recreational drugs – Drogen dealen und nehmen
  • dogging (theatrical public sex) – öffentlicher Sex
  • drunken behaviour – betrunkenes Verhalten
  • fare dodging – Schwarzfahren
  • intimidation – Einschüchterung
  • littering/fly tipping/dog fouling – verdrecken
  • loitering – rumhängen
  • noise pollution – Lärmbelästigung
  • spitting – spucken
  • stealing/mugging/shoplifting – klauen
  • vandalism/criminal damage – Vandalismus

ASBOs sind in UK inzwischen ziemlich umstritten, weil sie vor allem Menschen mit Drogen- und Alkoholproblemen trafen, oder mit Lernstörungen oder psychischen Krankheiten. Probleme, die auch nach der Einführung der ASBOs bestehen blieben, weil es keinerlei verstärkte Bemühungen gab, den Betroffenen zu helfen, statt ihnen einfach Verhalten zu verbieten. Whistleblowing oder das Anschwärzen von Abgeordneten, die plagiiert haben, war nie vorgesehen. Egal wie anti-sozial sowohl anschwärzen, als auch plagiieren sein können – es ging nie um die gesellschaftlichen Schichten, in denen sowas vorkommt. Dass ein Abgeordneter jemals eine ASBO bekommen hätte, ist mir jedenfalls nicht bekannt.

PS: Der Herr Chatzimarkakis hatte angeführt, ASBOs wären als Reaktion auf Whistleblowing entstanden und seien die einzige Möglichkeit, sich dagegen zu wehren.

PPS: Ja, war Herr Bertram Quadt (den von und zu spare ich mir an dieser Stelle). Zu sehen in der Mediathek ab der 59. Minute.

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3 Gedanken zu “ASBOs und Plagiate

    • Kann auch sein, das muss ich morgen noch mal nachgucken. Ändert aber nichts daran, dass ASBOs mit Plagiaten und Whistleblowing mal nichts zu tun haben.

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