Warum die Medien endlich mal die Klappe halten sollten

Ein Mensch hat fast 100 Menschen, darunter vor allem Kinder, getötet. Dass wir darüber reden müssen, uns austauschen müssen, unsere Gefühle verarbeiten müssen ist klar. Ebenso klar sollte langsam diversen Medien sein, dass das vernünftigste wäre, endlich mal die Klappe zu halten.

Tweet von @maltewelding (Malte Welding): Wie man den nächsten Amoklauf medial vorbereitet: Heroisierung des Täters - check Anleitung + genaue Beschreibung der Durchführung - check 22 hours ago via web

Wie nirgendwo sonst ist bei Amokläufen und Terroranschlägen (oder einer Mischung daraus wie hier), die gesellschaftliche Verantwortung der Medien deutlicher zu sehen. Für Selbstmorde ist das Problem der Nachahmungstäter lange bekannt, z.B. der Tagesspiegel berichtete 2000 über den sog. Werther-Effekt.

Ähnliches gilt auch bei Amokläufern, so Telepolis 2002:

Die zeitliche Verteilung der Amoktaten ist ganz offenbar nicht zufällig, da die Gewaltaktionen in aller Regel nicht länger als 18 Tage auseinanderliegen. Die Suizid-Forscher ziehen daraus den Schluss, dass diese Verbrechen für potentielle Täter ganz offenbar Vorbildcharakter haben. […]
Bei einer Reihe von Amoktätern wurden Zeitungsausschnitte und andere Dokumente über frühere Massenmorde gefunden, in Verhören berichteten die Täter, dass sie sich an entsprechenden Vorbildern orientiert hätten.

Spätestens jetzt sollte klar werden, dass wir verschiedene Debatten brauchen – über Islamfeindlichkeit, über Angst vor Überfremdung, über hasserfüllte Rhetorik. Eine ausführliche Debatte über den Täter und Bildergalerien als Schablonen für weitere Taten gehören nicht dazu!

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2 Gedanken zu “Warum die Medien endlich mal die Klappe halten sollten

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