Wissenschaftliche Standardeinstellung: Patriarchat

Ein kleiner grauer Mausmaki sitzt im dunklen auf einem Ast und schaut in die Kamera

Graue Mausmakis leiden nicht unter Unterdrückung durch ihre Weibchen, eher an unseren Vorurteilen (Bild: Sevela.p / CC: BY-SA 2.0)

Dass feministische Wissenschaftskritik, besonders in den Naturwissenschaften, dringend nötig ist, erläutert kaum etwas besser als der Blick in die Rubrik „Wissenschaftlicher Quatsch“. Und nicht nur beim Menschen, auch bei Affen schlagen unsere patriarchal geprägten Annahmen immer wieder zu. Neuestes Opfer: Die grauen Mausmakis. Dort paaren sich Weibchen während ihrer empfängnisbereiten Zeit mit einer Reihe an Männchen. Ein Verhalten, das „klassischen Rollenbildern“ der Biologie entgegen läuft. Da bei dieser Spezies Männchen und Weibchen gleich groß und schwer sind, verkuppelten die Wissenschaftler_innen größere Weibchen mit kleineren Männchen. Das erwartete Ergebnis: Die Weibchen könnten unerwünschte Paarungsversuche besser abwehren. Taten sie aber nicht, stattdessen suchten sie aktiv nach verschiedenen Partnern. Auch wenn wir Menschen bisher vor allem nur die Nachteile solchen Verhaltens sehen (Geschlechtskrankheiten, Verletzungen) – die Makiweibchen haben anscheinend die Vorteile gefunden.

Das Sahnetüpfelchen auf dem i ist dann der sexistische Fail in der Berichterstattung, wieder einmal bei DRadio Wissen. Dort setzt man „Vielmännerei“ erstmal mit „Unterdrückung“ gleich. Die dann aber doch nicht herrscht (vermutlich weil MEHR SEX für Männchen nie was schlechtes sein kann).

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