Subjektivität in Feminismus und dem Kampf gegen Vorratsdatenspeicherung

Feminismus und netzpolitischer Aktivismus haben für viele neben dem Aktivismus auf den ersten Blick nicht viel gemein. Wobei auffällt, dass Feminist_innen gerne den geringen Frauenanteil auf entsprechenden Tagungen und in entsprechenden Parteien kritisieren.

Tatsächlich bin ich gerade über ein gemeinsames Problem gestolpert, dass aber in beiden Kreisen (noch) nicht explizit thematisiert wird. Die Frage nach Subjektivität und Objektivität. Darauf gestoßen hat mich Stephanie Mayfield mit einer Analyse über feministische „Generationen“ und die unterschiedliche Bewertung von Subjetivität und Objektivität. Bis heute bewerten wir letzteres immer noch als höher ein, obwohl wir sie faktisch nicht erreichen können:

Es gibt keinen Abstand zur Gesellschaft den Menschen schaffen können, um die überhöhten Maßstäbe der Objektivität zu erfüllen.

Daran anknüpfend habe die Frauenbewegung hart dafür gekämpft, Subjektivität anzuerkennen, denn niemand wisse besser, was wichtig sei, als die Betroffenen selbst – wobei am Ende stets alle betroffen seien. Ein Kampf, der nicht gewonnen wurde, denn auch heute zucken vermutlich viele beim Wort „Betroffenheitspolitik“ zusammen. So dass auch Feminist_innen weiter immer wieder auf Studien, Erkenntnisse und andere vermeintlich objektive Argumente zurückgreifen.

Ein Zwiespalt, der sich auch in den Argumenten gegen die Vorratsdatenspeicherung wiederfindet. Denn natürlich handelt es sich hier um Betroffenheitspolitik. Wir alle sind davon betroffen, wenn jedes Einloggen ins Internet gespeichert wird und sich darauf aufbauend nachvollziehen lässt, welche Seiten wir besucht und mit wem wir kommuniziert haben. So ist das Hauptargument auch, dass derartige Überwachung, die Eingriffe in unser Zusammenleben abgelehnt werden.

Dennoch wird darüberhinaus mit allerlei Statistiken argumentiert – dass die Aufklärungsraten mit Vorratsdatenspeicherung nicht steigen, wie auch keine Straftaten verhindert werden. Auch hier wird also neben der Subjektivität noch eine objektive Ebene bemüht.

Für feministischen Aktivismus schließt Mayfield mit dem Konflikt zwischen den Generationen. Zum einen die Frauenbewegung, die Objektivität als „Metaebene der Politik“ anders definieren möchte. Zum anderen die jüngeren Feminist_innen, die die Freiheit des Individuums mit all seiner Subjektivität noch weiter in den Mittelpunkt stellen.

Ein Zwiespalt, der sicher auch für die netzpolitischen Aktivist_innen von Bedeutung ist.

2 Gedanken zu “Subjektivität in Feminismus und dem Kampf gegen Vorratsdatenspeicherung

  1. Spannend für die Meta-Diskussion um Subjektivität und Objektivität finde ich Ansätze von Karen Barad, die diese (wissenschaftliche) Trennung zwischen Subjekt und Objekt aufweichen will.

    Bin leider erst vor kurzem darauf gestoßen, wollte es aber jetzt schon mal erwähnen, weil es die Diskussion in meinen Augen bereichern sehr bereichern kann – sofern ich es richtig verstanden habe 😉

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