Warum „Frauen, kopiert Männer und alles wird gut“ nicht funktioniert

Eben lese ich mich durch den Artikel „Why Women Fail to Rule the Social Networks“ oder auf Deutsch „Warum Frauen es nicht schaffen, über soziale Netzwerke zu herrschen“ (ich mag, wie an dieser Stelle die deutsche Sprache einiges klar stellt). Auf die Frage, warum Frauen soziale Netzwerke nicht so strategisch nutzen wie Männer heißt es:

“Women think too much about the implications everything has and what certain actions might reveal about themselves”, states Verena Delius, CEO of Young Internet.

„Frauen denken zuviel nach über die Implikationen, die alle Sachen haben, und was bestimmte Handlungen über sie verraten könnten“, sagt Verena Delius, CEO von Young Internet.

Bezeichnend ist wieder einmal, dass die Handlungen von Männern ganz selbstverständlich zum Goldstandard erhoben werden, deren Nichtbefolgung durch Frauen erklärungsbedürftig ist.

Noch bezeichnender ist aber, dass in dieser Aussage schon gewertet wird, dass Frauen es falsch machen (später folgen Handlungsanweisungen) und kein bißchen darauf eingegangen wird, dass Frauen verdammt gute Gründe haben, so zu handeln. Denn Frauen sind einem viel höherem Maß an Beurteilung und (negativer) Bewertung ausgesetzt.

Ständig sind wir in einem Spannungsfeld: tragen wir zu „offenherzige“ Kleidung sind wir Schlampen, tragen wir zu konservative Kleidung wirken wir prüde und unnahbar. Bei der Frage nach Kind & Karriere können wir nur zwischen falsch (Rabenmutter die ihr Kind in die Krippe gibt), falsch (Hausfrau und Mutter an die Steuergelder für ihre Ausbildung/Studium verschwendet wurden) und falsch (Untergang der Republik durch Kinderlosigkeit) wählen.

Für Frauen ist fast jede Äußerung ein potentielles Fettnäpfchen, ein Schlagloch, das ihre Karriere ins Schlingern bringt und das in einem Maße, dem Männer nicht ausgesetzt sind. Während vielleicht Singles beider Geschlechter kritisch beäugt werden, rücken Äußerung über (noch nicht vorhandene) Kinder vergebene Frauen in die Schublade „will Kind, wird schwanger werden und lange ausfallen“, potentielle Väter sehen sich dieser Gedankenkette noch lange nicht ausgesetzt.

Die x. Ratschläge an Frauen, Männer zu kopieren, sind schön und gut – lösen aber kein einziges Problem.

13 Gedanken zu “Warum „Frauen, kopiert Männer und alles wird gut“ nicht funktioniert

  1. Liebe Rant,

    ich finde deinen Artikel sehr gut getroffen, allerdings spreche ich dem Satz „Frauen, Kopiert Männer“ jegliche Ästhetik und finde ihn keinesfalls gut. Ich möchte nicht von Männern lernen.
    Ich empfinde auch die Bedachtheit, Implikationen zu suchen und daher Entscheidungen länger abzuwägen als Stärke. Natürlich können diese ein Karrierehindernis sein.
    Männliche sozialisation ist aufkeinem Falle das glänzende Gold, als welches es uns und wir uns selbst verkaufen. Wir kaufen es, weil es einfacher erscheint, maskuline Gesten zu übernehmen, als um die Akzeptanz des eigenen Repertoirs zu kämpfen. Es ist jedoch nicht die Lösung darin zu finden und zu suchen, ein sozialisiertes Repertoir als Norm zu definieren. Es kann nur die Lösung sein, das Exklusive des sozialen männlichen Geschlechtes, der gesellschaftlichen Akzeptanz zu entziehen.

    Es sind Männer, die für uns die Norm bestimmen, wann wir Schlampen, oder zu prüde sind und wir nehmen die Fettnäpfchen, wie sie kommen, weil drumherum kein Raum ist.

    Von Männern lernen, ist m.E. keinesfalls die Alternative.

    beste Grüße und danke für deine Zeilen

    diue Blitz

  2. Hej Blitz,

    ich bin nicht einverstanden mit Ihrer Aussage „Ich möchte nicht von Männern lernen.“. Würde ich, Mann der ich nunmal bin, das Gleiche im Umkehrschluss behaupten, dann wäre genau das untermauert, was wir seit geschätzten 7.000 Jahren Patriarchat bereits haben und um dessen Abschaffung Sie und Helga Hansen und auch ich streiten; vollkommen verhärtete Fronten und den Ausschluss einer gemeinsam geschaffenen Lösung.

    Ohne die wird es aber nicht gehen. Ich möchte von Menschen lernen. Und mir ist es dabei ziemlich egal, ob es sich um Frauen oder Männer handelt, die mich weiterbringen. Das was Mensch sagt und wie Mensch handelt ist entscheidend.

    Denken wir in Mann/Frau-Schemata, werden wir immer sehr schnell an unüberwindbare Grenzen stoßen. Betrachten wir den Menschen der uns gegenüber steht wie ein Mensch, dann haben wir es entweder mit einer Person zu tun, von der wir lernen wollen und können und der wir etwas lernen können und wollen. Oder es ist ein Arschloch oder irgendetwas dazwischen. Auf jeden Fall aber hilft es, die Spreu vom Weizen zu trennen.

    Wo ich Ihnen aber auf jeden Fall recht gebe ist, dass sich die Werte- und Normenwelt verändern muss. Aber das ist eine langwierige Sache, die viel Kraft, Ausdauer und Gemeinsamkeit verlangt. Ich denke, dass die Frauen in unserer Gesellschaft auf einem guten Weg sind, den – gleichberechtigten – Platz, der ihnen verdammt noch mal zusteht!, einzunehmen.

    Gerade junge Frauen scheren sich keinen Deut um die Befindlichkeiten alter Männer und um gesellschaftliche Restriktionen. Sie machen was sie gerne machen möchten, brechen in „Männerdomänen“ ein und sind dabei oft genug auch noch besser und wegweisend. Das macht mir Spaß, das freut ich mich jedes Mal, wenn ich von solchen Frauen höre oder lese. Und ich habe erst recht keine Angst vor ihnen… ;o)

  3. Hola Rant,

    Nun ich verstehe deine Anführungen, bin jedoch nach wie vor der Meinung, dass eher ein von Männern lernen nahegelkegt wird, als umgekehrt.
    Dennoch möchte ich deine aussage: „Ich möchte von Menschen lernen“ doppelt und dreifach unterstreichen.

    LG Blitz

  4. Denn Frauen sind einem viel höherem Maß an Beurteilung und (negativer) Bewertung ausgesetzt.

    Da kann frau aber auch drüber stehen. Zumal die meisten dieser Beurteilungen von Frauen ausgehen.
    Nicht immer nur kuschen, weil jemand schief gucken. Nicht immer auf „die Leute“ hören und sich danach richten, was „man“ so alles erwartet.

    Insofern: Doch, kopiert, was Männer machen, wenn sie sich einen Dreck drum scheren, was die Leute sagen.

    • @Fragezeichen: Ich glaube, Dir ist das Ausmaß nicht klar. Es geht nicht nur darum, dass eine Frau etwas männlich auftritt und irgendwer (männlich oder weiblich) macht ’nen dummen Spruch. Es geht darum, dass die negative Bewertung zur Folge, dass Frauen keine Beförderung bekommen oder gar nicht erst eingestellt werden.

      In den vdi nachrichten war dazu auch ein Interview: http://www.vdi-nachrichten.com/artikel/Chefetagen-funktionieren-nach-der-Lebenswirklichkeit-von-Maennern/57868/1

      • haiwen, ich habe mich vielleicht undeutlich ausgedrückt. Es geht nicht darum, dass Frauen sich männlich verhalten sollen, sondern darum, dass sie sich von Fremdbeurteilung und vorauseilendem Gehorsam freimachen. Das kann man auch im Kleinen praktizieren.

      • @Fragezeichen: Auch das klingt utopisch. Auf Fremdbeurteilungen beruhen leider Karrieren. Und vorauseilender Gehorsam ist etwas anderes als die Frage „weiblich“ verhalten und abgewertet werden, weil „weiblich“ weniger wert ist oder „männlich“ verhalten und abgewertet werden, weil „männliches“ Verhalten nur bei Männern gut kommt.

      • Och, haiwen, vieles klingt utopisch. Die Abschaffung der Geschlechter, eine Welt ohne Diskriminierung. Wollen wir die Hände in den Schoß legen, oder überlegen, was man selbst tun kann?

        Und es geht ja auch nicht immer um Karriere. Im Privatleben ist es ja das gleiche.

        ps: Ich fände es schön, wenn du darauf verzichten könntest, mir in jeder Antwort meine Urteilfähigkeit abzusprechen. Wenn du einen Diskurs führen möchtest, dann solltest du anderen Diskursteilnehmern und deren Einlassungen Respekt entgegenbringen, statt sie abzuwerten.

      • @Fragezeichen: Ich fände es super, wenn Du darauf verzichten könntest mir zu unterstellen, ich würde Dir etwas absprechen. Ich bin nicht Deiner Meinung, das alles so einfach ist und sage das. Damit illustrierst Du eigentlich sehr schön meinen Punkt: Ich als Frau bleibe bei meiner Meinung und widerspreche einem Mann und muss mir prompt anhören, ich sei respektlos. Wie oft wird sowas Männern vorgeworfen? Selten bis gar nicht.

        Um zu Utopien zurückzukehren: Ich mag Utopien sehr. Doch „Frauen verhaltet Euch wie Männer“ ist für mich keine Utopie, kein Mittel zu einer Utopie, sondern Alltag. Frauen Handlungsanweisungen zu geben um irgendwas zu erreichen hat Tradition. Wenn sie es dann nicht schaffen, kann man ihnen vorwerfen, das nicht gut genug umgesetzt zu haben. Utopisch ist, dass niemand Frauen schlecht bewertet, wenn sie „männlich“ sind und niemand Männern mehr „Weiblichkeit“ vorwirft. Dass allerdings ist nicht dadurch zu erreichen, dass Frauen einfach mal Männer kopieren.

      • Dass allerdings ist nicht dadurch zu erreichen, dass Frauen einfach mal Männer kopieren.

        Schau mal, haiwen, das hab ich gar nicht geschrieben.

        Ich fände es super, wenn Du darauf verzichten könntest mir zu unterstellen, ich würde Dir etwas absprechen.

        Darauf würde ich sogar sehr gern verzichten. Aber nun unterstellt du mir sogar, ein Mann zu sein, und sprichst mir mein Geschlecht ab. Ich kann also gar nicht darauf verzichten. Du tust es.

        Kannst du dir nicht vorstellen, dass eine Frau andere Erfahrungen gemacht hat als du? Geh bitte davon aus, dass ich weiß, wovon ich spreche.

        Danke.

      • @Fragezeichen: Sorry, ich hatte einen Kommentar am Anfang so verstanden, dass Du ein Mann wärst. Ich spreche Dir nicht ab, mit „männlichen“ Verhaltensweisen Erfolg zu haben. Ich warne aber davor, dass als Allheilmittel zu sehen und einfach allen Frauen zu empfehlen. Denn es gibt Frauen, die damit schlechte Erfahrungen gemacht haben und es gibt Forschung, die leider nachweist, dass Frauen sich das nicht einbilden.

  5. Ich bin der selben Meinung. Es ist auch unsinnig Männerverhalten und ihre Art zu kopieren. Es geht schließlich darum etwas eigenes zu entdecken und es der Welt zu präsentieren.
    Häufig überkommt mich das Gefühl als seien es die Frauen selbst, die sich gegenseitig das Bein stellen. Ich würde ich auch nicht wundern, wenn das Thema von einer Frau bearbeitet wurde, die der Meinung ist, Frauen müssen sich mal von ihrem Verhalten entfernen und den Männern nacheifern. Aber was bleibt denn das das Einzigartige an uns Frauen erhalten?
    Wieso muss der Feminismus eigentlich so ausarten, dass wir eigentlich so tun als seien wir Männer nur mit der Möglichkeit Kinder zu ernähren und diese mal „eben“ auf die Welt zu bringen? An einigen aus meinem Umfeld bekannten Fällen orientierend, würde ich nicht behaupten, dass diese Art von Ausführung der Arbeit prächtig befreiend für Frauen ist.
    Denn die Pflichten bleiben immer noch die Gleichen und wer sie nicht erfüllt, mutiert, wie du gesagt hast, zur Rabenmutter/Schlampe/etc.pp.

  6. Hallo Tati, der Feminismus artet nicht so aus. Es sind die Protagonist*innen die bestimmen, was feminismus und wer feminist*in ist. Das von dir beschriebene Konkurrenzverhalten ist ebenso sozialisiert, wie eine „konservative“ Mutterrolle. Wir füllen den Raum der uns gelassen wird und das schlimme ist nicht, dass wir uns dabei wohl fühlen. Das schlimme ist nur, das, wenn wir für uns beschließen, dass uns das nicht ausfüllt, wir an den Rollenmustern scheitern.
    LG Blitz

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