Wie wir echte Rassismusdebatten verhindern

Einerseits scheinen sie derzeit überall zu sein: Rassismusdebatten. Tatsächlich sind es zum größten Teil Abwehrdebatten, man habe das ja nicht rassistisch gemeint und könne sowieso kein Rassist sein. Diese Argumentationslinien kommen nicht von ungefähr. Dahinter stehen ausgefeilte Mechanismen, die ausgerechnet die vermeintliche Aufgeklärtheit als Abwehrargument verwenden.

Zur blackface-Debatte hat Lara-Sophie Milagro einen schönen Text über die Alltäglichkeit von Rassismus verfasst „Die Bequemlichkeit der Definitionshoheit“:

Man muss kein Neonazi sein, um rassistisch zu handeln, genauso wie man kein Frauenhasser sein muss, um Frauen zu diskriminieren. Rassistische Strukturen werden von denen, die sie geschaffen haben, als normal empfunden, genauso wie die ungleiche Behandlung von Frauen lange Zeit gesellschaftlich sanktioniert war. Das, und nur das, ist der Grund, warum struktureller und institutioneller Rassismus in diesem Land nicht auch konsequent als solcher benannt wird: weil er Normalität ist.

Wie perfide inzwischen das System des Benennens von Diskriminierung funktioniert, bzw. nicht funktioniert, hat Teju Cole im Zusammenhang mit der Kony2012-Kampagne beschrieben:

People of color, women, and gays — who now have greater access to the centers of influence that ever before — are under pressure to be well-behaved when talking about their struggles. There is an expectation that we can talk about sins but no one must be identified as a sinner: newspapers love to describe words or deeds as „racially charged“ even in those cases when it would be more honest to say „racist“; we agree that there is rampant misogyny, but misogynists are nowhere to be found; homophobia is a problem but no one is homophobic. One cumulative effect of this policed language is that when someone dares to point out something as obvious as white privilege, it is seen as unduly provocative.

Zu Deutsch: Schwarze Menschen, Frauen und Homosexuelle – die heute größeren Zugang zu den Machtzentren haben als je zuvor – sind dem Druck ausgesetzt, sich „gut zu benehmen“, wenn sie über ihre Probleme sprechen. Es gibt diese Erwartung, dass wir über Sünden sprechen können, aber niemand als Sünder_in bezeichnet werden darf: Zeitungen lieben es, Sprüche und Taten als „rassisch aufgeladen“ zu beschreiben, selbst wenn es ehrlicher wäre „rassistisch“ zu sagen; wir stimmen überein, dass Frauenfeindlichkeit weit verbreitet ist, aber Frauenhasser_innen findet man nirgendwo; Homophobie ist ein Problem, aber niemand ist homophob. Ein sich steigernder Effekt dieser kontrollierten Sprache ist, dass wenn jemand es wagt, auf etwas so augenscheinliches wie weißes Privileg zu zeigen, es als unangemessen provokativ aufgefasst wird.

So haben die „Opfer“ des Aufzeigens von Rassismus wenig zu befürchten, wie Kommentatorin Betty bei der Mädchenmannschaft zusammenfasst:

Alles was der Rassismus-Vorwurf – sofern er überhaupt kommt – in der Regel hervorruft, ist persönliche Verletzung und das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden.

Aber richtig reale soziale Konsequenzen? Meiner Erfahrung nach: nope. Persönliches Beleidigtsein mit Fokus auf den eigenen Nabel? Meiner Erfahrung nach: ja, oft sogar.
Viel eher hat es soziale Konsequenzen für den-/diejenige, der/die den Rassismus in solchen Situationen anprangert: Denn dann ist man ja nervig, anstrengend, stimmungskillend, gemein, ungerecht, übersensibel, spaßverderbend etc etc etc…

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12 Gedanken zu “Wie wir echte Rassismusdebatten verhindern

  1. Schön zusammengetragen.

    Das ist übrigens auch für mich der Knackpunkt bei den Piraten. Eine Partei mit der Größe und Schlagkraft kann es nur geben, wenn sie einen Querschnitt der Gesellschaft darstellt. Und dieser Querschnitt bedeutet neben den klugen und reflektierten Menschen eben auch Menschen, die in der „Normalität gefangen sind“ – für die ihre Aussagen nicht problematisch sind, weil sie für niemanden in ihrem Umfeld problematisch sind. Deswegen danke schonmal fürs immer wieder sticheln und hinweisen, auch wenn es manchmal etwas unfair ist 😉 Sensibilisierung ist wichtig, wenn auch mühselig.

    Abgesehen davon: Die Welt so wahrzunehmen, die Probleme und Strukturen so zu erfassen, ist intellektuell recht anspruchsvoll. Ich selbst habe für die ganzen Elemente und Aspekte knapp ein Jahr gebraucht – und ich habe einen 1er Abschluss in Geistes- bzw. Sozialwissenschaft, habe viel Soziologie an der Uni gemacht etc. ich beobachte, dass sich viele Menschen nicht nur ertappt und persönlich verletzt fühlen, sondern auch dumm – sie denken, dass der Gegenüber, der sie auf -istische Handlungen/Aussagen hinweist, sich über sie stellen will. Und manchmal passiert das ja auch. Die Strukturen zu verstehen bedeutet nur allzu schnell arrogant zu werden: understandism oder so 😉

  2. Hallo,

    schade das der Artikel so kurz ist. Da könnte man noch einiges ergänzen.
    Was oben aber steht ist richtig. Wenn jemand echten Rassismuss oder auch nur Alltagsdiskriminierung anprangert, wird dieser leicht als Buhmann oder Blockwart tituliert und angefeindet.
    Die Frage die aber wesentlich ist, ist doch: Liegt wirklich Rassimus oder Alltagsdiskriminierung vor?
    (Ich mag mich hoffentlich durch diese Rückfrage nicht genauso verdächtig, ins obige Schema der Abwehrhaltung zu passen.)
    Es kommt nunmal sehr häufig vor, daß sich Personen nicht richtig verstehen. Das aus dem Kontext gerissene Zitate falsch rüberkommen.
    Jeder der schon Maildiskussionen hatte, weiss, was es schon anrichten kann, wenn an einer kritischen Stelle das Smiley-Zeichen fehlte. (Oder wenn der Empfänger der Mail dieses Zeichen nicht als Ersatzgestik erkannte).
    Ich kam bspw. durch eine Disput mit der Twitteruserin @sanczny hierher.
    Aus den kurzen beiderseits ungehaltenen Tweets die wir einander zuwarfen kann sich jeder von uns beiden ein Bild des anderen aufbauen.
    Und ich wette, jeder von uns beiden könnte anhand dieser Tweets und anderer Tweets die wir beide im Laufe der Twitternutzung irgendwann zu irgendeiner Sache schrieben, den anderen Rassismus nachweisen.
    Jedenfalls könnten wir dieses Wort verwenden.
    Unterstütze ich möglicherweise wirklich Rassisten, weil ich Menschen nach ihrer Taten beurteilen will und Blabla im Twitter weniger Bedeutung zuordne?
    Oder ist @sanczny ein Rassist, weil sie Menschen auf 140 Zeichen reduziert und somit all dem Handeln und Menschsein einer Person, die sich eben nicht im Twitter wiederfinden als Unwichtig, als unwert, einstuft?
    Und schon stecken wir in ein Dilemme, das oben so treffend beschrieben wurde. Wer ist Täter, wer ist Opfer? Wer ist Schuld? Wer wird gemobbt?
    Und wer urteilt am Ende?

    Ich hab das Gefühl bei dem ganzen tun wir alle der ganzen Sachen einen Bärendienst.
    Niemand von uns will Rassismus. Aber wir meinen doch eigentlich nicht den echten Rassismus, die echte Alttagsdiskriminierung und die tatsächliche Ausgrenzung?
    All dieser Rassismus hat seine Wurzeln in Respektlosigkeit, in Intolleranz und in eigener Angst. Und begründet liegt er in Nicht-Wissen. Man kennt die Personen nicht, über die man sich aufregt. Man will sie mglw. garnicht kennenlernen. Man kennt deren Kultur nicht, man kann sich nicht in diese reinversetzen.

    Aber was tun wir?
    Wir lesen ein paar Tweets. Die uns übel aufstoßen.
    Von denen wir nicht wissen, unter welchen Bedingungen der Autor sie schrieb, in Rahmen welcher Antwort. Ob er dazu grinste, oder gar ob er dabei weinte und verzweifelt war.
    Erinnert ihr euch an den verzweifelten und frustrierten Tweet an Mohammed, den ein Saudi vor kurzem schrieb? Dieser Mensch muss nun um sein Leben fürchten, weil andere in seinen Tweet Gotteslästerung sahen. Wir hier im Westen veruteilen dies. Zu recht.

    Aber gleichzeitig sehen auch hier einige nur die aneinandergereiten Worte bei bösen Tweets. Aber niemand sieht in den Kopf des Autoren.
    Trotzdem maßen auch wir uns an, einen Urteil über diese Personen zu bilden. Aus 140 Zeichen. Ist das nicht auch eine Form von Rassismus? Nicht einer der gegen „Rassen“ geht, sondern gegen Geisteshaltungen und Gefühlslagen. Wir verurteilen Menschen, die in was auch immer für einer Situation einen Bockmist in 140 Zeichen schrieben; Oder sei es gar eine ganze Mail oder auch einen längeren verzweifelten Brief wie das jener 51 Tatortautoren.

    Ich schweife ab.
    Worauf ich hinauswollte war der Bärendienst. Wir verzetteln uns mit der Reaktion auf Tweets, E-Mails oder Blogartikeln, die missverständlich sind oder hetzend und rassistisch wirken.
    Und in unserer Aufregung und unserer vor uns selbst gerechtfertigten Wut verdammen und verurteilen wir diese. Wir verweisen darauf, daß kein Schritt zurückgewichen werden darf. Das dem Hass kein Weg bereitet werden darf und das die Anfänge gewehrt werden müssen.

    Aber laufen gleichzeitig nicht die echten Rassisten feixend an uns und unserem aktuellen Objekt des Streites vorbei um ungestört und ausserhalb unserer Wahrnehmen weiter ihr tun zu treiben?

    Und bereiten wir nicht genau durch unser Wegsehen auf die wirklich Probleme denen ein Boden? Wenn wir gar sagen: Wir wollen den
    Menschen garnicht kennenlernen, die Tweets reichen, sind wir dann nicht
    genauso schlecht, wie die echten Rassisten, die aus Unwissenheit
    über andere Menschen diese ausgrenzen?
    Wo ist da die Grenze?

    Während in Bayern sich Piraten und deren Sympathisanten aufregen über einen Hausmeisterposten (!), gehen die skandalösen Zustände in bayrischen Unterkünften für Asylbewerber weiter.
    Weiter geht auch die rigide Politik des Freistaats gegen Asylbewerber oder andere Opfer von Verfolgung. Man braucht nun nach den beiden Stichworten „Ausländeramt Bayern“ zu suchen. Hier, aber auch anderswo kommt es zu wirklich gravierenden Formen der Alltagsdiskriminierung.
    Dagegen aber gibt es kaum ein Protest.

    Warum? Weil die Täter etwa nichts darüber tweeten? Weil diese sagen,
    dass sie es so und so tun müssen (z.B. Abschiebungen), weil es so im Gesetz steht?

    Wir müssen aufpassen, wie wir selbst handeln. Der Angst vor Rassismus
    darf nicht dazu führen, dass wir selbst das werden wovor wir Angst haben.
    Der Weg in die Hölle ist gepflastert mit guter Vorsätzen.
    Der Vorsatz „Keinen Fußbreit dem Rassismus“ sollte daher nicht
    dazu führen, dass wir Menschen ausgrenzen, die wir nicht verstehen
    oder nicht mögen.
    Wir müssen das Gegenteil tun.
    Unser kürzlich gewählter Bundespräsident sagte zu dem Thema einen richtigen Satz: „Euer Haß ist unser Ansporn.“

    Und genauso sollten wir es handhaben.
    Nicht ausgrenzen, sondern reden. Kennenlernen! Überzeugen! Umarmen!
    Oder als Pirat: Mehr flausch und weniger Hass.

    • Hallo Wolf,

      Dein Text ist sehr lang und ich habe wenig Zeit gerade, deswegen nur kurz ein paar Punkte. Mit der Unterscheidung zwischen Rassismus und „Alltagsdiskriminierung“ ist eigentlich schon alles klar. Ja, das ist eine Form der Abwehrhaltung. Alltagsdiskriminierung ist Rassismus, Sexismus, Behindertenfeindlichkeit. Punkt. Sie wird alltäglich von Nicht-Betroffenen ausgeübt und trifft damit täglich die Betroffenen. Mit „aber das ist doch nicht so schlimm“ kann nur jemand kommen, der nicht diskriminiert wird.

      Du schreibst dann noch über aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten. Da bin ich jetzt schon fast etwas in meiner Intelligenz verletzt, denn auch die Betroffenen von Diskriminierung können unterscheiden, ob und wann ein Zitat aus dem Zusammenhang gerissen wurde, bzw. das Anerkennen, wenn sie nur einen Teil mitbekommen haben. Das hat aber erstmal nichts mit Diskriminierung zu tun.

      Und: Die meisten Aussagen die derzeit kritisiert werden, sind unglaublich rassistisch, da „vertun sich die Betroffenen nicht“. Gerade wenn es um normalisierten, institutionalisierten, alltäglichen Rassismus geht, greift aber das Problem was ich beschrieben habe. Die Ausübenden wurden noch nie darauf hingewiesen, diese Formen des Rassismus werden dauernd legitimiert und verharmlost und nun spricht es mal jemand an – bäm, Abwehrhaltung!

      Schließlich, kannst Du allen möglichen Leuten vorwerfen, nichts gegen die schlechten Bedingungen in Asylbewerberheimen zu tun. Aber als Protip: Diejenigen, die sich gegen Rassismus engagieren, gehören noch am ehesten zu denen, die sich auch in diesem Bereich engagieren. Viel eher solltest Du mit den „Alltagsrassisten“ darüber sprechen!

  3. Man mag mich ruhig naiv nenne, trotzdem halte ich persönlich derzeit daran fest, dass Aussagen (Tweets) nicht allein gelten können.
    Selbst eine grottige Aussage in der Richtung, man müsse irgendwo eine Atombombe drauf werfen um mal Ruhe zu haben (Nur zur Sicherheit: Ich unterstütze die Aussage nicht! Naja, nutzt mir jetzt nichts mehr, man kann Copy-Pasten, diese Klammer weglassen und mich jetzt auch irgendwie nennen – aber verdammt, wie sollen wir über ein Thema diskutieren, wenn wir nicht zitieren können?), kann (aber muss nicht!) sich im Kontext als ganz anderes darstellen.
    Gleichzeitig können harmlose, ja freundlich klingende Sätze, wie „Ich finde toll was ihr macht“, in einem anderen Kontext gebracht auch ziemlich fies gemeint sein.

    (Nebenbei: Als ich ein paar Jahre lang Forensmoderator war, musste ich oft feststellen, dass schlimmsten Trolle und Schlechtmacher, diejenigen waren, die ihren Hass hinter für sich genommenen, wohl formulierten Sätzen verbergen konnten.)

    Du schreibst, die Betroffenen wissen sehr wohl, wie was gemeint ist.
    UND GENAU DAS IST ES DOCH! Die Betroffenen können das! Die Leute, die an der Diskussion beteiligt sind.
    Sind wir aber an der jeweiligen Diskussion beteiligt gewesen?

    Ich selbst wage es jedoch nicht aus einem Satzfragment der aus einem Thread gerissen wurde über Personen die ich nicht kenne, deren Gemütslage ich für den Zeitpunkt des Schreibens nicht einzuschätzen weiß, ein Urteil zu treffen…
    … Aber nein, das ist falsch. Ist von der eigenen Hoffnung erlogen.
    Jeder von uns trifft unbewusst recht schnell ein Urteil über andere Personen. Aufgrund der verfügbaren Infos. Und seien es nur Tweets.
    Diese Urteile, die wir alle unbewusst treffen, sind oft falsch und voreingenommen.

    Deswegen finde ich es wichtig, das jeder in Lage ist, stets sowohl das eigene Verhalten als auch das von anderen zu reflektieren. Auch wenn man dafür mit Menschen reden muss, über die man innerlich längst unbewusst ein schlechtes Urteil fällte.
    Ein virtuelles Urteil (in Form einer Blocklist) ist schnell gefällt und vollzogen. Was, wenn der eigenen Richter in einem selbst sich irrte?

    • Ich glaube, Du beziehst Dich hier auf eine konkrete Diskussion. Ich weiß leider nicht welche. Dieser Post bezieht sich auf Abwehrmechanismen in Debatten über Rassismus, bzw. wie Rassismusdebatten abgewehrt werden. Noch einmal: Mit dem Beharren auf Kontext etc. unterstellst Du Betroffenen, Situationen falsch einzuschätzen. Als ob Schwarze Menschen überall Rassismus sehen, wo keiner ist. Auch das ist ein Abwehrmechanismus, sehr ähnlich der Erwartung nur nett Kritik zu äußern und nicht die Ausübenden von Rassismus zu benennen, wie im Text beschrieben.

      • hallo @hanhaiwen,

        nur der vollständigkeit halber, wenn der @xwolf schon implizit nahelegt, ich wäre die eigentliche rassistin…

        er bezog sich auf diesen tweet von mir:

        piraten kv erlangen wählt sich eine in den vorstand, die kritik an rassismus mit lynchmob vergleicht und @ tur_bor flauscht. glückwunsch. (tweet / link zur konversation)

        ich bezog mich da auf tweets (screenshot), wo die dame kritik an den rassistischen aussagen von @tur_bor (siehe z.B. bei politblogger) als bashen und shitstorm bezeichnete und kritiker mit einem lynchmob verglich.

        ich finde, die tweets sprechen für sich.

        und ich hatte den @xwolf eigentlich hier her verlinkt, in der hoffnung, ihm wir bei deinem text klar, dass der richtige umgang mit rassismus nicht darin bestehen kann, ausgerechnet diejenigen, die drauf hinweisen zu kritisieren. :/

      • Da hast du mich leider falsch verstanden. Ich hab doch gerade den Teil extra in Grossbuchstaben geschriebene, wo ich dir zustimme, das die wirklichen Betroffenen genau wissen, worum es geht. Und: „Die Betroffenen können das“.

        Bitte lese unter dem Hinweis meinen Text nochmal.

        Oder kurz gesagt: Ich wende mich gegen Leute, die nicht direkt betroffen sind und eben NICHT alles wissen,trotzdem zum einen meinen, die Weisheit innezuhaben und Moralapostel spielen zu müssen, zum anderen aber was viel schlimmeres tun, nämlich neue Vorurteile und Hass aufbauen.

      • @xwolf: Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung was Du meinst. Leute, die von Rassismus keine Ahnung haben, aber den anprangern? Darum geht’s hier gar nicht (ist mir bisher auch nie untergekommen).

  4. Liebe haiwen, ich glaube, der Titel Deines Artikels ist nicht korrekt. Wenn es wirklich um das Führen „echter Rassismusdebatten“ gehen soll, müsste man ja erstmal darüber reden, wie der Begriff definiert ist, was also unter Rassismus fällt und was nicht. Das aber ist offenbar für Dich völlig klar – so wie ich Dich verstehe, liegt immer dann Rassismus vor, wenn sich jemand davon betroffen fühlt. (Korrigiere mich bitte, wenn ich hier falsch liege.)

    Und diese Ansicht finde ich ziemlich abenteuerlich. Stell Dir vor, ich würde Dir Sexismus vorwerfen, weil Du Dich vielleicht für die Frauenquote einsetzt, die mich als Mann meiner Ansicht nach benachteiligt. Du würdest dann sicher sagen: „Was für ein Blödsinn, die Frauenquote baut doch bestehende Diskriminierungen ab, sie ist gerade anti-sexistisch.“ Woraufhin ich sagen könnte: „Ha, Deine Leugnung ist doch nur eine Abwehrhaltung.“ Und egal wieviele gute Argumente Du dann noch vorbringen würdest, sie müssten alle egal sein, denn ich als „Betroffener“ Deines „Sexismus“ hätte ihn bereits als solchen identifiziert, und ich als „Opfer“ habe ja angeblich die alleinige Deutungshoheit.

    So kommen wir also nicht weiter. Wenn die Betroffenen die alleinige Deutungshoheit haben sollen – was soll dann passieren, wenn sich alle betroffen fühlen?

    Daraus folgt natürlich kein Umkehrschluss, dass nur die Täter die Definitionsheit haben sollen. Es folgt der Schluss, dass wir objektive Kriterien für das Vorliegen von Rassismus und Sexismus haben müssen. Und die können wir erlangen mit „echten Rassismusdebatten“ genau über diese Kriterien. Debatten, in denen Fragen erlaubt sind wie: „War dieses Alltagsbeispiel Rassismus? Wenn ja, warum?“ etc.

    • @Georg: Wenn man sich die Diskussionen genau durchliest, wird schnell klar, dass das Problem nicht die Definition ist. Ein häufiger Satz ist „Ich bin ja nicht rassistisch, aber…“ Es geht um die Fälle, wenn es klar ist, dass mit nackten Frauen Werkzeug zu verkaufen, Frauen zu Objekten degradiert, aber niemand ist Sexist oder hat es sexistisch gemeint.

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