Zwischen subversiv und Kaufsucht: Craftingblogs

Völlig an mir vorbei gegangen ist die Debatte in Craftingblogs um ihr Selbstverständnis (hallo Filterblase). Cat-und-Kascha warf die Frage auf, warum in diesen Blogs so viel „heile Welt“ und so wenig Brüche damit gäbe.

Manchmal erscheint mir das weibliche BloggerWWW als eine einzige Dekogeschichte von Frauen, die darin ihre Erfüllung finden. Aber warum ist das so, denn mir ist schon klar, dass es nicht der gelebten Wirklichkeit entspricht und dass man den allerwenigsten Frauen gerecht wird, wenn man ihnen unterstellt, sie seien dekosüchtige Hausmütterchen. Nur – warum werden andere Seiten so unsichtbar? Ist der Trend zur weiblichen freiwilligen und positiv verstandenen Häuslichkeit eben die Antwort auf die immer noch so geringe öffentliche Teilhabe?

Neben einer seeeehr langen Debatte griff auch die Anarchistelfliege dieses Thema auf. Sie verwies auf die Möglichkeiten, sich politisch zu äußern.

Nein, ich muss nicht meine persönlichen Probleme in aller Öffentlichkeit auswalzen, aber Brüche im Bild der häuslichen Craftbloggerei können ja auch anders veranstaltet werden. Durch Meinungsmache und Polit-Themen zum Beispiel, oder wenn sowas traditionell häusliches wie Handarbeit auf einmal in Form von Guerilla-Knitting öffentlich wird. Oder manchmal sind auch die gebloggten Dinge in Craftblogs auch überhaupt nicht niedlich-deko-tütelig, sondern an sich unkonventionell und subversiv.

Die Antwort einer Kommentatorin steht dabei vermutlich exemplarisch für die Bedenken, die viele Frauen haben.

Auch habe ich die Erfahrung gemacht, dass man bei politischen Aussagen im Blog sehr schnell massiv angefeindet wird. Da wird nicht versucht, mal die Sichtweise zu beleuchten, sondern nur mit irgendwelchen Kampfbegriffen geworfen und persönliche Angriffe gefahren. Nervt!!!!

Immer wieder kommt dieses Problem auf und immer hat noch niemand eine richtige Lösung dafür.

3 Gedanken zu “Zwischen subversiv und Kaufsucht: Craftingblogs

  1. Ich bin seit ueber 10 Jahren in einem Naehforum unterwegs, und aeussere mich da auch immer wieder politisch. Ich finde das gerade spannend, ueber das subversive Element des Selbermachens Beruehrpunkte zu z.T. konservativer gepraegteren Maedels zu haben!

    Aktuelles Beispiel: Letztens habe ich dort beschrieben, wie ich meinen Kindle gehackt habe, habe direkt Nachahmerinnen gefunden, und es gab auch eine Diskussion um die Herrschaft ueber die eigenen technischen Geraete, Geschlossene Systeme, Konzernpolitik bei Amazon.

    Auch in allgemeineren politischen Diskussionen kann man dort echt oft „Aha-Erlebnisse“ beobachten, bei Leuten, die sich ansonsten vielleicht eher mit anderen Themen befassen. Das finde ich sehr inspirierend!

    Und ich sehe in besagtem Forum neben den ganzen Postings ueber Kosmetik, Mode und Einkaufstipps, die nach wie vor da sind, immer wieder Trends hin zu gesellschaftlich-politischen Themen wie z.B. Vegetarismus/Veganismus, Naturkosmetik, Minimalismus/Konsumverzicht, Tauschen, Mooncup, hinterfragen/diskutieren von weiblichen Rollen-, Berufs- und Koerperbildern, Feminismus, (kritischem) Umgang mit Technik, alternativen Wohnmoeglichkeiten, und vielem mehr.

    Und natuerlich jede Menge grossartige Frauen und ihre DIY-Projekte – DIY ist meiner Meinung nach per se eine politische Sache.

    Gerade das finde ich gut, dass ich dort eben nicht nur mit Menschen diskutiere, die meine politische Meinung oder meine Weltsicht ohnehin schon teilen (das ist ja einfach ;-)), sondern dass ich die „heile Welt“ vielleicht ein bisschen durch meine unbequemen Gedanken aufmischen kann (oder aufgemischt werde ;-)).

    Aufmischen selber machen, Selbermachen aufmischen. DIY or die.

  2. Hallo,
    Ich schreibe schon seit Jahren auch immer wieder politisch (auch gerne mal eher witzig, siehe die Reihe zur Weltherrschaft bei mir) und kann es gerade Craftingblogs nur empfehlen. Sie sind ein hervorragendes Instrument der Subversion 🙂
    Grundvoraussetzung ist aber, dass
    man nicht das „weibliche“ Bedürfnis hat, dass einen alle einen mögen. ich sehe mein Blog auch als ein Instrument zu politisieren: tKörperbilder, Modediktat, Konsum, Image von Frauen: Das alles kann man abhandeln ohne aufs Nähbloggen verzichten zu müssen. Leider haben meinen zitierten Artikel vielle nicht richtig gelesen scheint mir.

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