Post-#rp12: Diskutieren like it’s 1970

Die re:publica 2012 ist um, dieses Mal mit weniger Feminismuspanels, aber weiter den gleichen Diskussionen. Nach vier Jahren „Frauendebatten“ lag der Anteil der Speakerinnen nun bei ca. 30 Prozent. (Zur Erinnerung: 2009 ~19%, 2010 ~20%, 2012 ~27%) Schuld daran war unter Anderem die Aufforderung, bei Podiumsdiskussionen mit 5 Teilnehmenden, mind. 2 Frauen darunter zu haben. Das war in diesem Fall aber mehr als Flexi-Quote zu betrachten, denn wie z.B. das nuf zeigt, wurde die Vorgabe noch lange nicht immer erfüllt. Siehe auch eins, zwei, drei, vier, fünf und sechs Beispiele, die ich in 1 Minute zusammengesucht habe. Auch nichts neues: In Fernsehbildern wurden vor allem männliche Nerds und Hipster abgebildet.

Bezeichnend schließlich der Tagesspiegel zu Feminismus und Frauenfrage. Aufhänger ist das „Troll“-Panel, auf dem es wenigstens einmal auf dieser re:publica um Feminismus ging. Oder auch nicht oder doch? Auf der zweiten Seite des Artikels geht es dann ins Eingemachte.

Es sind schrille Frauen, wie die amerikanische Werberin Cindy Gallop, die im brechend vollen größten Saal über ihr Projekt „Make love, not porn“ spricht. […] Über sich selbst sagt Gallop, dass sie Pornos liebt und dass sie Beziehungen ausschließlich mit „furchtbar hübschen, jungen Männern“ eingeht.

Schrille Frauen. Weil sie über Pornos und ihre Vorliebe für junge Männer reden! (Ehrlich, ihre Kleidung, ein dezentes graues Kleid, war’s nicht.) Hallo, 2012 und wir wundern uns, dass auch Frauen über Sex sprechen? Immerhin wird gleich mit Jillian C. York das Beispiel einer politischen Frau hinterhergeschoben. Also einer seriösen politischen Frau, die für „Netzfreiheit“ kämpft. Dass Gallop als Unternehmerin gewaltigte Kritik an Wirtschaft und Politik übte, die ihre Geschäfte allein aufgrund des Wortes „Porn“ erschweren und gesellschaftlichen Wandel forderte, gilt als… schrill? Politisch kann eben nicht alles sein.

Nur Feministin will offenbar keine hier sein.

Hat nicht noch vor zwei Wochen Julia Schramm, die im Satz zuvor erwähnt wird, sich bei Wir Müssen Reden als Feministin bezeichnet? Und auch Cindy Gallop das mehrfach betont in ihrem Vortrag? Egal, schließlich gilt auch hier: Diskutieren like it’s 1970. Der Fortschritt kommt später.

[Update: @cindygallop hat es noch einmal klargestellt.]

3 Gedanken zu “Post-#rp12: Diskutieren like it’s 1970

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