Das Hackerspaceproblem beginnt beim Namen

Wie inklusiv, wie zugangshürdenfrei sind eigentlich Hackerspaces? Also diese Orte, an denen sich (technikaffine) Menschen treffen können, um an ihre Projekten zu arbeiten oder andere Menschen kennen zu lernen. Gar nicht so dolle, befinden Stephan Urbach und tiefpunkt und mahnen, keine mystischen Orte für Hohepriester daraus werden zu lassen. Einige Punkte hat Lars Weiler schon aufgegriffen, ein weiterer wichtiger Punkt wird aber immer wieder übersehen: Der Name „Hackerspace“.

Schon im Englischen ist das nicht unproblematisch, weil das Bild eines Hackers derzeit „männlich“ besetzt ist. Im Deutschen ist es noch deutlich schlimmer, denn wir haben ein Wort für weibliche Hacker: Haeckse. Dahinter steckt ein langer Kampf um Anerkennung, der es sogar in die Wikipedia geschafft hat. Explizit von „Hackerspaces“ zu reden, ist einer dieser Ausschlüsse, die die Bewegung derzeit produziert. Denn beim generischen Maskulinum werden Frauen nicht mitgedacht und wenn es beim Namen anfängt, zieht es sich durch alle weiteren Bereiche. Dabei hat mensch eigentlich einen höheren Anspruch:

Wir arbeiten mittlerweile in Hackerspaces an so vielen Dingen: Elektronik, Software, mechanische Gerätschaften, hacken Sprache, Kultur und Sex & Gender.

Also, fangt an: Hackt Sprache und redet endlich von Hackspaces. Redet nicht mehr von denen die da sind, sondern von dem, was sie tun. Nämlich hacken.

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Ich war schon öfters als Nicht-Mitglied in der c-base. Da ich aber wirklich nicht in Berlin wohne, wird es beim Nicht-Mitglied-sein erstmal bleiben.

11 Gedanken zu “Das Hackerspaceproblem beginnt beim Namen

  1. ist die tätigkeit des hackens nicht selber auch „männlich“ (und weiß und gebildet und wirtschaftlich nicht-prekär) besetzt? ein schöner hack wäre vielleicht, die nie mitgedachten explizit in die bezeichnung für solche räume zu schreiben.

    • Ja, da hast Du Recht. Hackspace ist ein „alter“ Alternativbegriff und auch nicht perfekt. Von „Hackerspace“ wegzukommen kann nur ein Anfang sein. Je mehr Ideen, wie Sprache hier zu hacken sei, umso besser!

  2. Wichtiger Artikel. Dankeschön.

    Ich würde genau aus diesem Grund niemals solche Orte besuchen, da sie bereits im Vorfeld so wenig inklusiv sind, dass ich mir kaum vorstellen mag, wie das dann vor Ort ist.

  3. Ich finde, „Hackspace“ sprich sich komisch, und plädiere daher für „Hackingspace“

  4. Hiho!

    Ich bin aktiv im Hackerspace attraktor in Hamburg.

    Pylon beschreibt die Abfolge wie es zu der „ueberwiegend geschlossenen Gesellschaft Hack(er)space“ kommt schon ganz gut. Die meissten Hacker die in den Hack(er)spaces leben finden das ganz gut. (Hamburg ist ueberigens recht offen, es gibt keine „geschlossenen Tage“ sondern nur nen Keller in den halt nicht jeder gleich reinkommt).

    Bei uns war das ueberigens noch eine Nummer intensiver. Wir waren frueher in einem Hippen Viertel und hatten regelmaessig „Laufkundschaft“, also Leute die einfach so mal in den Raum kommen. Der Einzelhaendler freut sich ueber sowas, uns hats eher gestoert. Wir haben uns durchaus auch bewusst in einen Bereich zurueckgezogen, der weniger solche Laufkundschaft hat.

    Denn wir denken das es gut ist das in ein Hack(er)space nicht jeder reinkommt. Klingt fies, oder? Da steht mehr hinter als Elitegedanken, das ist eine grosse Portion von „mein Rueckzugsraum, mein Wohnzimmer, endlich mal normale Menschen.“ Wir wollen unter Nerds und Hackern sein, wir wollen in unseren Raeumen – oder (wie in HH in teilen davon) nicht includistisch sein, wir wollen nicht offen auf alle neuen Leute zugehen – weil es Arbeit ist und weil es dazu fuehrt das Hackerspace Feierabend oder Wochenendgefuehl fuer den einzelnden zu unterbrechen.

    Das fuehrt dann wieder dazu – wie bei Pylon ja im Ansatz beschrieben – das man sich quasi reinkaempfen muss in einen Hack(er)space. Das finde ich auch ganz gut. Es setzt eine Huerde die jeder ueberspringen kann – wenn er denn moechte.

    Viele Leute moechten das aber nicht. Sie moechten in den Raum reinkommen, bespasst werden, wissen was wir denn so machen und wanns anfaengt. Wann es was fuer Vortraege zu welchen Themen gibt und was es fuer Vorteile bei einer Mitgliedschaft gibt.

    Sowas sehe ich als Problem – und sehe auch zu das ich die asap wieder rausbugsiere – denn es sind energiezehrende Konsumenten, die wollen das sie in den Raeumen bespasst und unterhalten werden. Solche Menschen koennen zum Problem fuer einen Hack(er)space werden. Ernsthaft.

    Das das Problem geschlechtsbezogen ist finde ich aber nicht – und daher nuetzt auch das umbenennen nichts. Die Maedels die sich in den Hack(er)spaces rumtreiben verdrehen beim Thema Feminismus soweit ich das sehe eh die Augen. Und recht haben sie… aus meiner sicherlich eingeschraenkten Sicht.

    Mir ist es auch egal ob sich jemand als Mann, Frau oder was auch immer definiert. Hauptsache er faellt den anderen damit nicht auf die Nerfen.

    Folgerichtig will ich aber keine Personen in den Raeumen haben die sich ueber ihr Geschlecht definieren.

    Ich persoenlich will Leute in die Hack(er)spaces die was machen wollen, sich als Hacker sehen, Hack(er)sachen machen wollen, ueber Hackerthemen reden.

    Einen generellen Erziehungsauftrag oder aehnliches wie ihn Tomate fuer die Hack(er)spaces einfuehrt wuerde ich als Insasse eines solchen also auch ablehnen.

    • @mx.fly: Vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar, der leider gar nichts mit meinem Blogpost zu tun hat. Vielleicht schreibst Du diese Rechtfertigungen besser bei Pylon?

      Ich habe nur ein Anmerkung: Das „sich reinkämpfen müssen“ ist eine sehr sehr männliche besetzte Verhaltensweise. Das schließt quasi per Definition Frauen* aus. Also bitte nicht beschweren, wenn das als sexistische Praxis benannt wird. Wenn Dir Leute, die arbeiten und hacken wollen, statt zu kämpfen, auf die Nerven gehen, bitte schön.

      • @haiwen: ich kenne kaum einen Hackerspace der eine so hohe Frauenquote hat wie der hier.

        Das Thema ist hier haeuffiger aktuell und was ich bisher von unseren Frauen gehoert habe ist das „reinkaempfen“ auch ok – wenns alle machen muessen und nicht nur die Frauen.

        Wir „diskriminieren“ aber nicht nur die Frauen sondern alle Menschen gemeinsam.

        Ueberigens sind Leute die arbeiten und hacken wollen durchaus auch bereit sich ein wenig „reinzukaempfen“. Meisstens tun sie das durch ihre arbeit und ihr hacken schon von alleine.

        Wir halten aber so recht erfolgreich Leute draussen, die nur bei den Haggern abhaengen wollen weil die cool sind. (HIPSTER!) Ob nu weiblich oder maennlich.

        Wenn Leute nicht kommen weil ihnen der Name zu wenig inclusiv ist ist das schoen. Das sie nicht kommen. Leute die deswegen nicht kommen wuerden es bei uns wohl eh nicht lange aushalten.

  5. Ich finde überings auch hackingspace oder sowas wie ha_ckingspace auch schöne Varianten. Je nach Betonung lässt sich auch ein „Raum hacken, verändern, öffnen“ hineinlesen.

  6. „Leute die deswegen nicht kommen wuerden es bei uns wohl eh nicht lange aushalten.“

    Bingo. Der Satz vermittelt mir genau die Atmosphäre, in die ich mich nicht begeben möchte. Aber du findest das ja schön. Prima.

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