Das Rutschendrama und kein Ende

Es gibt Neues von der Soap-Opera „Warum dürfen Frauen nicht alle Rutschen benutzen“.

Zunächst bekam ich E-Mail-Post vom Geschäftsführer der Therme Erding. Er betonte, dass Frauen sich im Genitalbereich verletzen und damit auch ihre Fruchtbarkeit verlieren könnten. Anschließend rechnete er mir explizit vor, dass das Verletzungsrisiko von Frauen 8x höher sei, als das von Männern (66 Prozent der Beschwerden kommen von Frauen, diese stellen aber nur 20 Prozent der Rutschenden). Daher sei die Entscheidung in Absprache mit dem TÜV Süd gefallen. Sie habe nichts mit Frauenfeindlichkeit zu tun, sondern man sei besorgt um das Wohl der Frauen und besonders ihr (potentielles) Mutterglück.

Wer beim TÜV Süd hat nun eine diesbezügliche Kompetenz? Wie sich herausstellt, hat dort niemand eine geschlechterspezifische Empfehlung ausgesprochen! Tatsächlich wurde der Hinweis nun geändert zu

Für Frauen gesperrt (aus Sicherheitsgründen; bedingt durch die weibliche Anatomie).

Die Theorie, dass Wasser in die Gebärmutter eindringen und zu Unfruchtbarkeit führen konnte, hat sich ja schon vor langer Zeit in Luft aufgelöst. Wie genau es also zu Unfruchtbarkeit kommen könnte, ist weiter unklar – und erinnert an die Angst um die Fruchtbarkeit von Frauen beim Bau der ersten Eisenbahnen…

Während ich dies tippe habe ich nun noch einmal Post aus Erding erhalten. Es habe wirklich bereits „Verletzungen“ gegeben, außerdem wünsche man mir viel Erfolg mit der Gleichberechtigung in Deutschland. Außerhalb der Rutsche gäbe es da sicher noch viel Nachholbedarf.

Um es noch einmal deutlich zu sagen: Ich bezweifle nicht, dass es zu Verletzungen bei Frauen kam. Ich finde es aber fragwürdig, dass inzwischen wiederholt ignoriert wird, dass auch Männer zu Schaden kamen. Dies vor dem Hintergrund, dass Männer seltener Verletzungen melden. Und dass es zuerst gar hieß, von Männern hätte es noch keine einzige Beschwerde gegeben. Dann pauschal Frauen auszuschließen ist wieder einer dieser Fälle, bei dem das Kind mit dem Bade ausgekippt wird und dafür gibt es ein Wort: Sexismus. Auch wenn es wohlwollender Sexismus ist.

6 Gedanken zu “Das Rutschendrama und kein Ende

  1. Vielleicht haben Frauen ja auch nur öfter Beschwerden gemeldet, weil Männer sich das nicht trauen, weil sie zu „hart“ sind, oder whatever. Kann ich mir jedenfalls vorstellen. So oder so gibt es ja mehrere Gründe, warum das so sein kann, eine Untersuchung hat es dazu ja nicht gegeben oder?
    Ich versteh auch einfach nicht, warum man nicht einfach Rutschen bauen kann, die ab einem bestimmten Alter/Größe alle nutzen können.
    Arrrgh, zu viel Kackscheiße heute für mich!

  2. Naja – Fakt ist wohl, dass es deutlich mehr Beschwerden von Frauen gab, als von Männern. Da ist es doch nachvollziehbar, dass die Verantwortlichen für die Therme Erding solche Beschwerden in Zukunft vermeiden wollen.

    Selbstverständlich ist ein generelles Verbot und ein damit verbundener kategorischer Ausschluss einer Personengruppe nicht das beste Mittel zu diesem Zweck. Sinnvoller wäre es vielleicht, grundsätzlich alle Personen, die diese spezifische Rutsche benutzen möchten mit einem Sicherheitshinweis vorzuwarnen. Auch, wenn das dann wiederum die Maskulinisten auf den Plan rufen könnte..

  3. Also hier nochmal die Stellungsnahme in Kurzform der THERME ERDING: In mehr als 5 Jahren gab es bei Männern keinen einzigen gemeldeten Vorfall. Bei den Frauen dagegen ist die Zahl leider wirklich hoch gewesen. Daher bleibt uns als Betreiber der THERME ERDING keine andere Möglichkeit, als die Rutsche für Frauen zu sperren. Das hat nicht das Geringste mit Sexismus zu tun. Das Wasser, bzw. der Strahl und der Druck des Wassers massive Verletzungen der Gebärmutter zur Folge haben kann, haben wir in der Realität leider mehrfach erfahren müssen. Trotz Hinweise und Aufklärung der Frauen durch den Mitarbeiter am Eingang der Rutsche und expliziter Beschilderung, konnten die Verletzungen bei Frauen nicht reduziert werden. Mit Sexismus hat diese Entscheidung nichts zu tun. Es geht uns einzig und allein um die Sicherheit unserer Badegäste.

  4. @ Marcus Maier: Sie widersprechen sich doch die ganze Zeit. Erst agieren Sie auf Anordung des TÜV Süd, dann doch nicht. Erst gibt es Beschwerden von Männern, dann doch wieder keine.
    Ich hab mir grad mal die medizinische Forschungsliteratur zum Thema angesehen. Verletzungen der Gebärmutter nach dem Gebrauch einer Wasserrutsche (oder auch eines Jet-Skis oder auch beim Wasser-Ski-Fahren) sind extrem selten – und Sie wollen nun erzählen, dass das bei Ihnen mehrfach geschehen ist? Tut mir leid, wenn ich Ihnen das nicht abnehme. Davon mal abgesehen gibt es zahlreiche andere Verletzungen, die in Wasserparks und durch Wasserrutschen entstehen können (siehe z.B. hier: http://www.journalagent.com/z4/download_fulltext.asp?pdir=travma&plng=tur&un=UTD-92195). Wenn Ihnen die Sicherheit Ihrer Badegäste am Herzen läge, müssten Sie allen das Rutschen verbieten.

    In der Fachliteratur gibt es übrigens Empfehungen, um Genitalverletzungen von Frauen beim Rutschen zu verhindern. So empfielt Yaron Mushkat, MD vom Lis Maternity Hospital; Souraski Medical Center; Sackler Faculty of Medicine; Tel-Aviv University; Tel-Aviv, Israel: „On the basis of this mechanism [i.e., dass ein Tampon durch den Wasserdruck tief in die Scheide gepresst wird und Verletzungen hervorruft] as one of the causative agents of this rare injury, we recommended that women should slide with legs together, use wet suit or at least pants, and avoid using vaginal tampons while taking part in this activity.“ (In: The Journal of Trauma: Injury, Infection, and Critical Care.Volume 45(4), October 1998, p 853). Sie könnten diese Warnhinweise doch einfach Ihren weiblichen Gästen mitteilen und entsprechende Badebekleidung leihweise zur Verfügung stellen. Stattdessen gibt es von Ihnen nur Ungereimtheiten und Ausreden.

  5. Im aktuellen GEOlino (welches ich regelmäßig wegen der Rätsel für meine SchülerInnen kaufe) gibt es übrigens einen Artikel über Wasserrutschen und Wettrutschen, und da sind auch Mädchen abgebildet: gleich ganz am Anfang des Artikels: Geolino Juli. (Ihr müsst im abgebildeten Heft blättern: das vierte Bild innen ist ein Mädchen, das sich an Rutschwettbewerben beteiligt.)

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