Ein Gedanke zu den Debatten um sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungen

„Nicht genug gewehrt? Dann kann es ja keine Vergewaltigung gewesen sein.“ Ein Argument gegen diese unfassbar dämliche Behauptung ist die gerne zitierte Analogie, bei einem Raubüberfall würde auch niemand das Opfer auffordern, sich mehr zu wehren. Doch ist das wirklich eine treffende Analogie?

Neulich (man verzeihe mir, dass ich nicht mehr genau weiß, wo, wird immerhin häufiger angebracht) konterte jemand, bei einem Raub gäbe es schließlich keine Möglichkeit, dass der Vorgang freiwillig geschehe, bei Vergewaltigungen sei die freiwillige Variante einvernehmlicher Sex.

Liebe Vollpfosten dieser Welt, natürlich gibt es eine einvernehmliche Variante von Raub. Es gibt sogar vielerlei Arten Geld zu transferieren, die keine Gewalt beinhalten. Geschenke. Spenden. Verkäufe. Ich meine dabei die Szenarien, in denen Menschen anderen Menschen Geld geben möchten. Weil sie etwas dafür bekommen. Weil sie es einfach gerne machen. Klar gibt es dann wieder viele Punkte, an denen der Vergleich hinkt, wenn es etwa um Schulden geht oder Preisgestaltung, aber Euer Problem ist leider viel grundlegender.

Für Euch liegen Sex und Vergewaltigung nahe beieinander, bei Verkauf und Raub gibt es dagegen eine klare Linie. Während ihr Euch vorstellen könnt, dass niemand gegen seinen Willen (und ohne Gegenleistung) Geld weggeben möchte, scheint es vorstellbar, gegen ihren Willen mit Menschen Sex zu haben. Und dass sie davon sogar noch etwas „positives“ hätten oder zumindest daran „wachsen“ könnten. Weil wir alle Batman sind.

Die Opfer sexualisierter Gewalt sind übrigens überwiegend weiblich, Transmenschen und Intersexuelle sind überproportional häufig betroffen. Die Opfer von Raubüberfällen sind vor allem Männer. Sowohl hinter Raubüberfällen, als auch hinter Sexualverbrechen stecken meistens Täter.

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2 Gedanken zu “Ein Gedanke zu den Debatten um sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungen

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