Netzpolitik ist Männersache?

Gestern hat netzpolitik.org die Ergebnisse ihrer Leser_innenbefragung veröffentlicht. Dabei stellte sich heraus: Es gibt sehr viel weniger Leserinnen als Leser.

Die Frage bleibt: Wie kann Netzpolitik für Frauen interessanter werden.

Neben der Netzpolitik-Diskussion hat dazu auch Sammelmappe gebloggt – dort kommentieren vor allem Frauen. Darunter auch ich. Den Grund nennt sie quasi schon in ihrem Text:

Für mich riecht das Blog Netzpolitik männlich. […] Das ganze Blog besitzt eine durch und durch männliche Ausstrahlung […]

Teilweise wird dort in den Kommentaren gleich wieder kommentiert, ob Frauen sich überhaupt für Netzpolitik interessieren, das sollten und nicht vielleicht Frauen wieder defizitär sind und repariert werden müssen. Auf solche Debatten habe ich keine Lust. Außerdem ist meine Erfahrung, dass Frauen sich eben sehr wohl für Netzpolitik interessieren. Allerdings gibt es zwei Punkte, die sich auch gegenseitig bedingen, die ihrem Engagement entgegenstehen.

Zum einen wirkt Netzpolitik eben männlich, d.h. dort sind immer wieder Kommentatoren, die nichts neues zu einer Debatte beitragen, die mit Fachbegriffen um sich schmeißen, die einfach das Konzept „Herrschaftswissen“ verkörpern. Das schreckt Frauen ab, die tendentiell lieber nichts sagen, als einfach noch mal ein Argument zu wiederholen. Die Kommentare sind nicht „das Blog“ aber auch eine Reaktion darauf. Die dann das weitere Bloggen auch wieder beeinflußen.

Immer wieder habe ich bisher die Angst gehört „nachher sage ich was falsches und alle halten mich für blöd“ (im schlimmsten Fall wird daraus die Sippenhaft „alle Frauen sind so blöd“). Auch hier greift das alte Problem, dass Frauen ihre Kenntnisse oft deutlich unterschätzen und im schlimmsten Fall die Brötchen für die Demo schmieren, statt eine Rede zu halten. Das ist für mich die größte Hürde für Frauen, sich stärker zu engagieren. Gleichzeitig aber auch nicht einfach zu fixen.

Zum anderen ist gerade Datenschutz für Frauen oft ein großes Thema. Keine Fotos einstellen, sich z.B. in der E-Mailadresse nicht als Frau zu outen – das sind Tips, die es fast seit dem Beginn des Internets gibt. Statt zu verhindern, dass Frauen aus ihrem Frausein im Internet Nachteile erwachsen – was möglich gewesen wäre – wurde immer wieder der Fokus darauf gelegt, möglichst keine Angriffsfläche zu bieten. Bis heute gibt es oft mehr Bedenken, was alles „Schlimmes“ passieren kann, als den Wunsch, die Möglichkeiten zu nutzen.

Insgesamt bedeutet es für Frauen, dass es gleich mehrere Hürden zu überwinden gilt. Auch wenn jede einzelne für sich klein ist, ist es zusammen genommen sehr viel Arbeit und Aufwand.

Schließlich sollten wir berücksichtigen, dass die netzpolitischen Interessen nicht immer die gleichen sind und die Bedenken nicht aus der Luft gegriffen. Frauen, die im Internet bereits anonyme Drohungen geschickt bekommen haben, finden Anonymität nicht unbedingt super, im Gegenteil. Auch die Vorratsdatenspeicherung klingt dann nicht mehr so schlecht. Hier bedarf es Alternativen, die die Bedenken ernst nehmen und mitdenken.