Nett, aber nicht gut genug: Twee-Q

Durch meine Twitter-Timeline lief gestern nachmittag Twee-Q, augescheinlich dank des Femcamps in Wien. Auf dieser Webseite kann man sich anzeigen lassen, wie hoch der Anteil an Männern und Frauen ist, die ein Account bei Twitter retweetet. Gemessen an den letzten 100 Retweets Tweets. Das ganze ist ein Projekt der schwedischen Organisation für Gleichstellung, Crossing Boarders.

Prinizipiell ist das eine gute Idee, denn einmal nachzuzählen zeigt in vielen Fällen das erste Mal handfest, dass Gleichstellung und -berechtigung heute doch noch nicht erreicht sind. Leider krankt Twee-Q an einigen Stellen. So ist das „Ziel“ eine Repräsentation von 50% Frauen und 50% Männern. Wer mehr Frauen retweetet kriegt ebenfalls den Rat, mehr Männern zu folgen. Das mag gut gemeint sein, lässt aber außer acht, dass die Twee-Q-Analyse schon ein krasses Ungleichgewicht gefunden hat:

Some statistics: Number of tests: 23632 – Average Twee-Q: 5 – Total distribution of retweets: Female 491564 - Male 856931

Der rote Balken täuscht. 50:50 sieht anders aus.

Ein durchschnittlicher Twee-Q von 5 aus 10 Punkten ist schon mal schlecht. In welche Richtung das Ungleichgewicht geht, zeigt die Verteilung der Retweets insgesamt: 491.564 von Frauen vs. 856.931 von Männern. (Zahlen von dem Zeitpunkt am Samstag nachmittag, als ich den Test durchführte.) Hinzu kommt, dass die Nutzung nach Geschlecht auf Twitter eben nicht 50:50 ist, sondern Frauen 60% der Nutzer_innen stellen. Dieses Ungleichgewicht ist also noch krasser.

Schließlich ist auch problematisch, wie das Geschlecht ermittelt wird. Da Twitter das Geschlecht nicht abfragt, nehmen die Macher_innen von Twee-Q den Namen als Maßstab. Dies ist ein notorisch unzuverlässiger Indikator, wobei nicht ganz klar ist, in welche Richtung sich das auswirkt. So ist z.B. „Jan“ als schwedischer FrauenMännername eingestuft, in Deutschland aber ein Männername den USA aber ein Frauenname. Andererseits folgen vermutlich überproportional viele Frauen dem alten Ratschlag, ihr Geschlecht und ihren wahren Namen nicht im Internet anzugeben, um Belästigung zu vermeiden. Sie könnten also auch deutlich mehr Retweets stellen – ohne allerdings als Frauen aufzufallen.

[Überarbeitet am 31. März 2013]