Eine Nachricht an @spiegelonline und den Werberat [TW für Gewalt]

Am 9. März fotografierte Anne Roth dieses Bild der demnächst eröffnenden Bar 111 in Berlin:

Eine bewußtlose, blutverschmierte Frau liegt in Spitzenunterwäsche mit gespreizten Beinen in High Heels auf einer grünen Parkbank, in der linken Hand eine Bierdose. Man kann deutlich auf ihren Intimbereich und ihre Brüste schauen, ihr Gesicht ist dagegen abgewendet und die Haare zersaust.

Alltag in Deutschland (CC BY-NC Anne Roth)

Um mit einer Bildbeschreibung anzufangen: Eine bewußtlose, blutverschmierte Frau liegt in Spitzenunterwäsche mit gespreizten Beinen in High Heels auf einer Parkbank, in der linken Hand eine Bierdose. Man kann deutlich auf ihren Intimbereich und ihre Brüste schauen, ihr Gesicht ist dagegen abgewendet und die Haare zersaust.

Warum ist sie blutverschmiert? Warum in Unterwäsche auf einer Parkbank, aber immer noch in High Heels? Warum sind Brüste und Intimbereich zu sehen, aber nicht ihr Gesicht (eine Positionierung aus dem Handbuch „Frauen als Objekte darstellen“)?

Ich habe dazu eine Beschwerde beim Deutschen Werberat eingereicht. Sie haben „das werbende Unternehmen“ derzeit um eine Stellungnahme gebeten, aber ich habe noch nichts erfahren. Dass dort etwas angekommen ist, beweist der Zettel, der nun dort hängt:

Bild der Bar111-Werbung mit 2 Zetteln darunter: „Hinweis!!! Dies ist ein jugendfreies Werbeplakat. Die Handlungen und das Bild sind frei erfunden und nachgestellt. Sie dienen der Abschreckung vor zu großem Alkoholkonsum!!!!!“ –„SPINNER! Die vielen Satzzeichen machen es auch nicht jugendfreier! Ganz tolles Plakat!“

CC BY-NC-ND 2.0 DE Notes of Berlin

Jetzt also mit einer Erklärung, die nichts besser macht (via Kraftfuttermischwerk)

Hinweis!!! Dies ist ein jugendfreies Werbeplakat. Die Handlungen und das Bild sind frei erfunden und nachgestellt. Sie dienen der Abschreckung vor zu großem Alkoholkonsum!!!!!

Es geht nicht darum, dass das Plakat nicht „jugendfrei“ sei. Es geht darum, dass wieder einmal eine Frau zum Objekt degradiert wird. Dass Gewalt gegen Frauen normalisiert wird. Dass so ein Plakat, mit all den mitschwingenden Deutungen niemals mit einem leichtbekleideten Mann in Deutschland hängen könnte, weil die Lesart „der muss sich mal nicht wundern, wenn den eine Frau jetzt vergwaltigt, wo er so betrunken ist“ nicht passen würde.

Das Schlimme ist, dass die Beschwerde beim Werberat ebenfalls nichts bringen wird. Weil der gar nicht weiß, was sexualisierte Gewalt und Objektifizierung sind. Er beschreibt diese im Zweifelsfall sehr akurat, sieht dann aber nicht, dass genau diese Dinge die Probleme sind.

Schließlich erkennen Medien wie Spiegel Online (kein Link, dank LSR) inzwischen zwar auch sexistische Motive – allerdings nur in Indien. Kein Fortschritt, denn anderen, vermeintlich rückständigen Ländern Frauenfeindlichkeit vorwerfen, ist eine alte Taktik, unfrisch aus dem Kolonialismus zweitverwertet.

All der #Aufschrei, all die Diskussionen um Sexismus im Internet, um den alltäglichen Rassismus, all die Blogbeiträge bis heute, all die Petitionen – bisher völlig ohne Wirkung. Eure Indifferenz kotzt mich an.