Wozu mir die Worte fehlen (Teil 2)

Weils so schön ist, noch ein Gedanke, nämlich der hier weitergesponnen:

@Detmud @hanhaiwen finde ja, auch wenn man nicht ALLES richtig macht, kann man das, was man weiß, ja „richtig“ machen. (bzw dann erst recht)


@HannaGriotte April 02, 2013

Die Dinge, die mensch weiß, richtig zu machen, ist das Eine. Aber wir alle machen manchmal Fehler, gerade wenn es um Sexismus, Rassismus, Behindertenfeindlichkeit und andere Diskriminierungen geht und eine_r selbst nicht davon betroffen ist. Wir diskriminieren Menschen und wissen es nicht besser. Das ist zwar schlimm, aber nicht furchtbar.

Manchmal werden wir auf unsere Fehler hingewiesen. Was dann passiert, ist das Andere. Es bestimmt, ob es bei „schlimm“ bleibt oder „furchtbar“ wird. Die furchtbare, und leider viel zu häufige Situation, ist die Abwehrreaktion. Ich hab’s ja nicht böse gemeint, also kann das nicht schlimm sein! Jede Verantwortung wird von sich gewiesen, keine weitere Sekunde darauf verwendet, die Kritik nicht persönlich sondern aktionsbezogen und grundsätzlich zu nehmen. Im allerfurchtbar schlimmsten Fall endet es mit einem Bingo aller Derailing-Argumente, denn eine diskriminierte Person kann von Diskriminierung keine Ahnung haben.

Eine gelbe Katze, deren Ohren von der Sonne angestrahlt werden

Warum hast Du so große Ohren? Damit ich besser zuhören kann. (CC BY-ND 2.0 Jorbasa)

Was also tun? Tiiiiief durchatmen. Anerkennen, dass man gerade einer Person weh getan hat und ihre Grenzen überschritten – egal wie schlimm der Vorfall gerade war. Noch einmal atmen. Manchmal erklärt die Person dann auch, was gerade passiert ist. Wenn sie das gerade nicht kann oder will, gibt es heute eine unendliche, ständig wachsende Ressource zum Nachschlagen: Das Internet. Je nach Diskriminierung gibt es dort verschiedene Anlaufpunkte Feminismus 101 zu Sexismus, Den Braunen Mob zu Rassismus, Leidmedien.de zu Diskriminierung von behinderten Menschen oder der Lesben und Schwulenverband Deutschlands zu Homophobie. Auf jeder der Seiten sind viele weitere Seiten verlinkt, auf denen mensch sich über Diskriminierung informieren kann. Die lassen sich genauso recherchieren wie günstige Handytarife und das billigste Onisuka Tiger-Angebot. Sobald an irgendeiner Stelle klar wird, was das Problem war, ist es eine sehr gute Idee, sich zu entschuldigen, sofern die betroffene Person nicht klar gestellt hat, dass jeder weitere Kontakt unerwünscht ist. Und nie wieder das diskriminiernde Verhalten zeigen.

Manchmal wird nicht klar, was genau das Problem war. Das ist dann blöd, aber es ist nicht der Knackpunkt bei der Frage „schlimm“ oder „furchtbar“. Wichtig ist es, die kritikübende Person ernst zu nehmen und auf Gegenangriffe zu verzichten. Das gilt natürlich bei jeder Art von Konflikt, wenn es um Diskriminerung geht, kommt aber noch ein Aspekt hinzu. Hier handelt es sich um ein Ungleichgewicht aufgrund struktureller Macht. Männern wird eher zugehört als Frauen, weißen eher geglaubt als Schwarzen. Die Kritik zu ignoieren oder gar lächerlich zu machen, ist aller Bild-Propaganda zum Trotz, der einfachste Weg. Sich dann damit auseinander zu setzen ist der erste Schritt, Diskriminierung zu erkennen und anzuerkennen.