#Genderfocus (Menschen auf @focusonline-Titeln)

Dank eines Probe-Abos flattert mir seit einiger Zeit der Focus ins Haus. Schon nach den ersten Ausgaben ließ sich ein gewisser, mir bekannter Trend von Titelbildern erahnen, den ich nun rückblickend auf das Jahr untersucht habe. So gibt es 2013 bereits 15 Titelbilder, mit einer großformatigen Menschabbildung, bzw. einer Collage (von insgesamt 24 Ausgaben). Davon zeigen 7 Ausgaben eine Frau, 3 zeigen Paare mit einem Mann und einer Frau und 5 einen Mann. Diese Bilder habe ich mir genauer angeschaut, ob die Subjekte sexualisiert dargestellt sind und zu welchen Themen sie gezeigt werden.

Drei Titel des Focus auf Holzdielen. Ein weißer Mann zu „Durchstarten mit 40+“, eine weiße, nackte Frau mit einem iPad vor der Brust zu „So macht das internet gesund“ und eine nackte Frau mit einer Katze vor der Brust zu „Schluss mit Allergie“

Von den einzeln abgebildeten Männern ist keiner sexualisiert dargestellt, drei sind darüberhinaus mit ihrem Namen benannnt. Peer Steinbrück ist als Opfer von Gewalt zu sehen, die er sich selbst zufügen könnte. Die beiden unbenannten Männer illustrieren Stress im Job und „Durchstarten mit 40+“. Unter den Paaren ist ein Mann sehr vage sexualisiert dargestellt: ein Mann mit grauen Haaren im engen T-Shirt unter dem sich seine Muskeln abzeichnen zu „Medizin die jünger macht“.

Von den drei Paaren ist eine Frau sexualisiert dargstellt, im knappen weißen Sporttop, das über der CD „fit bleiben“ nach vorne drängt. Gleich vier der alleine dargestellten Frauen sind deutlich sexualisiert zu sehen: fast nackt mit einem iPad, mit roten Lippen und Kugelschreiber daran, mit dunkel geschminkten Augen und laszivem Blick gleich zwei Mal. Die Themen: Liebe, Gesundheit und Übergriffe. Das Bild zu „Schneller & besser denken“ ist dagegen schon sehr dezent. Außerdem sehen wir ein Jugendbild von Angela Merkel und neun benannte Frauen, überwiegend Erbinnen oder Schauspielerinnen, die sich gegen „die Frauenquote“ aussprechen.

Zwei Focustitel auf Holzdielen. Links eine Frau mit roten Lippen, die einen Tintenfüller daran hält zu „Liebe im Büro“ und rechts ein Mann unter Post-Its zu „Raus aus der Stressfalle“.

Politik, Finanzen und Arbeit sind also nur mit Frauen illustriert, wenn es um die Kanzlerin, Liebe oder die Frauenquote geht. Stress oder die Euro-Krise sind dagegen Männersache. Das Thema Gewalt kommt zwei Mal vor und beide sind verstörend: Steinbrück als „Opfer seiner selbst“ und zu sexualisierten Übergriffen sehen wir eine anscheinend nackte Frau, inszeniert als willige Verführerin. Neben dem gleichzeitig in seiner Männlichkeit gestärktem und gepeinigtem Steinbrück wird die DDR-Vergangenheit der Kanzlerin mit einem jungen, schüchternen Mädchen bebildert.

Ferner sind alle abgebildten Personen weiße Menschen, andere scheint es nicht zu geben in der Focus-Welt. Es geht aber eh nur einmal um ein anderes Land, China, das mit einem wütenden Drachen personifiziert wird (wer hätte da keine Angst?). Auch die kleinen Bildchen am unteren Rand weichen von dem Schema nicht ab und lassen sich mit Kindern, Titten (Brustkrebs! Irgendwie muss mann die ja mal aufs Cover kriegen!) und Hoeneß beschreiben.

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