Landays: Gedichte paschtunischer Frauen

Komm nach Guantánamo,
folge dem Scheppern meiner Ketten.

Nicht mal einen Wikipedia-Eintrag gibt es für „Landays“ – kein Wunder, denn diese Zweizeiler sind Gedichte der Paschtun_innen, die oft nur mündlich wieder gegeben werden. Auch und gerade für Analphabet_innen sind sie daher eine Möglichkeit, sich künstlerisch auszudrücken. Allerdings sorgt all dies nicht unbedingt dafür, dass Landays international oder als Kunstform große Beachtung erfahren.

Wenn Schwestern zusammen sitzen, loben sie immer ihre Brüder.
Wenn Brüder zusammen sitzen, verkaufen sie ihre Schwestern an andere.

Die Landays müssen sich nicht reimen und haben nur wenige formale Kriterien: Sie bestehen aus 22 Silben, neun in der ersten Zeile, 13 in der zweiten und sie enden auf „ma“ oder „na“. Die Hauptthemen sind Krieg, Trennung, Heimat, Trauer oder Liebe.

Bush, sei nicht so stolz auf dein gepanzertes Auto,
meine remoti Bombe wird es aus der Ferne in Stücke zerreißen.

Die Autorin Eliza Griswold ist für das Poetry Magazine nach Afghanistan gegangen und hat dort mit Frauen gesprochen und ihre Landays aufgezeichnet. Der Fotograf Seamus Murphy hat sie begleitet und fotografiert.

Wieviel einfacher kann Liebe sein?
Wir sollten uns gleich verloben. Schreib‘ mir ’ne SMS.

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