Ich habe grün gewählt #btw13

Ja, ich habe bereits gewählt (der Trend zur zeit- und ortsunabhängigen Briefwahl sollte dringend untersucht werden).

Und ja, ich habe grün gewählt. Ich ertrage den Stillstand in der Familienpolitik (Geschlechterquote, Ausbau der Partnermonate beim Elterngeld) nicht mehr, die Verachtung gegenüber alternativen Lebensstilen abseits der verheirateten Mann-Frau-Kleinfamilie. Der Wahlkampf, der uralte V.i.S.d.P-Zeilen hervorkramt, widert mich an, wie auch die aktuelle Verharmlosung von sexualisierter Gewalt durch CDU und FDP.

Atomtanz, Hotelierspenden und NSA-Debakel bei gleichzeitig immer mehr Überwachungsgesetzen – es ist schwer ein Thema zu finden, das nicht als völlge Katastrophe endete. Dass Hebammen ihren Beruf aufgeben, die Verschärfung der Abtreibungsgesetze, die Rezeptpflicht der Pille danach – weitere Themen, bei denen sich dringend etwas tun muss.

Ich habe in der letzten Legislaturperiode Hartz IV bezogen und es war die unwürdigste und demütigenste Erfahrung meines Lebens. Ja, das wurde von Rot-Grün eingeführt, aber Schwarz-Gelb hat es nicht besser gemacht. Im Gegenteil. Hartz IV nimmt jeden Lebensentwurf (unverheiratet, polyamor, freundschaftliche Beziehung) in die Pflicht, ohne dass der Staat im Gegenzug Rechte und Absicherung bereit stellte. Die Situation von Familien mit Kindern hat sich gar verschlechtert.

Die strukturelle Ungerechtigkeiten im Arbeitsleben ging diese Regierung ebenfalls nicht an. Informelle Männernetzwerke reichen sich weiter die Leiter zum Aufstieg, das Ehegattensplitting zementiert weiter die geringfügige Beschäftigung verheirateter Frauen (hallo Minijob) bei gleichzeitig immer weniger Absicherung nach einer Scheidung. An Vollbeschäftigung für alle glaubt doch niemand mehr und wer arbeitet, stöhnt entweder über einen Lohn, der nicht zum Leben reicht und/oder zuwenig Zeit zum Leben. Neue Ideen müssen her.

Schließlich: Als prekäre Gutverdienerin habe ich mit dem grünen Steuermodell mehr Geld. Ich werde mich, wie viele andere, die nächsten Jahre mit sachgrundhaltigen Befristungen durchhangeln. „Ich muss mich ja drei Monate vorher melden, aber ich habe schon die Zusage“ ist so ein Spruch, mit dem die meisten Arbeitsagenturen eine_n in Ruhe lassen. Dennoch bin ich deutlich über dem durchschnittlichen Brutto-Jahresarbeitslohn. Und würde laut dem grünen Steuerrechner immer noch mehr Kohle über haben. Deal.

Siehe auch: Karnele – Warum ich am 22. grün wählen werde

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