Hollywood-Haare (und mehr) in Castle

Das Blog Cockeyed Caravan hat über die sogenannten „Hollywood-Haare“ gerantet. „Natürlich“ fallende weiche Locken, die seit einigen Jahren fast alle Schauspielerinnen tragen. Natürlich in Anführungszeichen, denn: in der Realität ist eine solche Frisur unglaublich schwer zu föhnen und fixieren und furchtbar unpraktisch zu tragen.

Neben den angeführten Beispielen dort (Skye aus Agents of S.H.I.E.L.D., Rizolli und Isles, Total Recall) hat es mich besonders bei Kate Beckett aus Castle genervt. Hier das DVD-Cover zur ersten Staffel:
Vor blauem Hintergrund stehen ein weißer Mann im dunkelblauen Anzug und eine weiße Frau mit kinnlangen braunen Haaren in brauner Lederjacke. Beide haben die Arme vor der Brust verschränkt.

Seit der dritten Staffel läuft Beckett allerdings so herum (und das meist auf 10 cm Absätzen!?)
Vor blauem Hintergrund hält ein weiße Pärchen, das Rücken an Rücken sitzt jeweils die Hand zur Kamera. Er trägt einen dunklen Anzug, sie eine weit aufgeknöpfte dunkelblaue Bluse.

Mit dem merkwürdigen Gesichtsausdruck und der weit geöffneten Bluse ist dieser DVD-Titel dabei weit unter der Darstellung von Beckett in der Serie, die ansonsten sehr taff ist. Auch die Promobilder der Staffel 6 unterstreichen den Hollywoodhaartrend ein weiteres Mal (Lanie! Captain Yates Gates!)

Das ist umso ärgerlicher, als dass die Serie gute Ansätze und Möglichkeiten hat, aber zuviele immer wieder vergibt. Mit Castles Mutter und seiner Tochter sowie Lanie und Captain Gates sind seit der 4. Staffel gleich fünf Frauen im Cast und nur drei Männer. Darunter mit Lanie und Captain Gates sogar zwei(!) schwarze Frauen – die hoffentlich irgendwann noch einmal miteinander sprechen dürfen. Außerdem ist Martha Rodgers eine herausragende Großmutter, die sich in der Dating-Szene herumtreibt und eine Schauspielschule gründet. Becketts Mutter, eine Anwältin, wurde ermordet (und der Tod ist ihr Antrieb, Klischeeeeee) aber immer erfahren wir im Laufe der Ermittlungen einiges über sie und ihre Beziehung zu Beckett.

Leider bleibt so nur eine Frauenbeziehung, die von Alexis und ihrer Großmutter, die regelmäßig gzeigt wird. Denn während wir die Männerfreundschaften zwischen Castle, Esposito und Ryan oft sehen, bleibt die von Lanie und Kate doch eher unterentwickelt. Denn ob romantisch, freundschaftlich, familiär oder auf der Arbeit – die Darstellung von Beziehungen ist eine der Stärken der Serie. Hier arbeiten nicht einfach ein paar Leute nebeneinander, sie sind befreundet, tauschen sich über ihre Gefühle aus, sorgen füreinander. So bleibt es unendlich schade, dass gerade die Freundinnenschaften und Beziehungen unter Frauen (gar eine nicht-heterosexuelle Beziehung) so kurz abgehandelt werden.

Trotz der vielen weiblichen Charaktere hat die Serie bisher keinen Kultstatus unter Feminist_innen – die Hollywoodhaare sind dafür symptomatisch.