Nichts mit Wissen, nur noch Meinungsterror

Die Berichterstattung oder besser: die Meinungsartikel über Feminismus lassen traditionell zu wünschen übrig. Eine kleine Recherche förderte neulich verschiedene Untersuchungen im englisch-sprachigen Raum dazu Tage. Etwa dass Feminismus der „zweiten Welle“ deligitimiert wurde und, genau wie die positiver bewerteten „Gegnerinnen“, als unwichtig abgetan wurde. Die „dritte Welle“ wurde schon ausgewogener dargstellt, aber stark zur zweiten abgegrenzt und deren Erfolge abgetan.

In Großbritannien veröffentlichen Zeitungen seltener Meinungsartikel von Autorinnen und Frauen werden eher als Opfer, als als Expertinnen zitiert. Selbst zu „Frauenthemen“ wie Abtreibung kamen in der US-Wahlberichterstattung 2012 eher Männer zu Wort. Für den deutsch-sprachigen Raum fallen mir auf Anhieb keine Studien ein, aber realistisch betrachtet dürfte es nicht viel anders aussehen.

Die (unbewußte) Diskriminierung von Frauen bei Gehaltsverhandlungen, der Beurteilung ihrer wissenschaftlichen Leistungen und ihrer Krankheitssymptome wird seit Jahren erforscht und leider immer wieder bestätigt. Dennoch haben Feministinnen ein deutlich positiveres Bild von Männern als konservativ eingestellte Frauen.

Seit 2005 sinken sowohl die Scheidungsquote, als auch die absoluten Zahlen.

Unverbindliche Beziehungen oder gar… unverbindlichen Sex wissen, entgegen aller Vorurteile, Frauen tatsächlich auch zu schätzen. Dass sie sich seltener darauf einlassen, liegt eher daran, dass sie nicht als „Schlampe“ gelten wollen oder einfach kein befriedigendes Ergebnis erwarten.

Rassismus, Sexismus, Trans- und Homophobie sind nicht harmlos, sondern tödlich. Besonders schlimm wird es, wenn mehrere Diskriminierungen zusammentreffen – unter den 2011 in den USA erfassten Morden aus Hass gegen Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgenderpersonen betrafen 40% Schwarze Transfrauen. Dass es für Deutschland kaum Zahlen gibt, liegt wohl eher am notorisch zugekniffenen Auge, als an paradiesischer Friedfertigkeit. Zuletzt hat die EU-Studie zu Gewalt gegen Frauen ein düsteres Bild gezeichnet.

Das alles zu wissen oder zu recherchieren ist keine Zauberkunst. Dennoch treiben in den letzten Wochen verstärkt die rechts-konservativen Schreiber_innen ihre Wutreden gegen Akzeptanz durch die deutsch-sprachigen Zeitungen und Online-Medien. Man wird ja wohl noch unwidersprochen diskriminieren und hassen dürfen! Feminist_innen sind wahlweise schuld an der verheerenden Gesamtsituation oder einfach nur zu inkompetent, ihr eigenes Leben in den Griff zu bekommen. Frauen insgesamt sowieso. Da geht es nicht um Zahlen, nicht um Erkenntnisse, nicht um Wissen. Sie zählen nichts im Angesicht eines Feuilletonisten, der dringend etwas sagen muss. Es ist der reinste Meinungsterror.