Was kann aus #selbstgeboren jetzt erwachsen?

Durch meine Twittertimeline tobt es seit Tagen, ich zähle bereits über 15 Blogbeiträge, viele eigene Geschichten in den Kommentaren. Es geht um #selbstgeboren ein gut gemeintes, aber äußerst schlecht umgesetztes Projekt.

Es sind vor allem Mütter, die darüber diskutieren und so stellt sich schnell die Frage, ob hier wieder Mütter aufeinander losgehen; selbst diejenigen seien, die sich (unerfüllbare) Anforderungen stellen. Mütter schreiben, Mütter kommentieren, Mütter lesen. Suchen bei Spiegel Online und der taz zum Hashtag bleiben weiter ergebnislos. Ob sich das in den nächsten Tagen ändert? Vermutlich nicht.

In den Kommentaren bei Berlin Mitte Mom kommt die Forderung, Mütter und Frauen (vermutlich die kinderlosen) müssten sich gemeinsam für bessere Bedingungen bei der Geburt einzusetzen. Doch, wie insgesamt bei der derzeitigen Debatte um den Hebammenstand, frage ich mich, ob und welcher Form das eigentlich möglich ist.

Es gibt keinen klaren Bösen und keine klare Lösung. Es gibt nicht nur Kaiserschnittkrankenhäuser und Hebammen als Rettung und fiese Mütter, sondern auch wunderbare Krankenhäuser und übergriffige Hebammen und Mütter, die gegen die Bewertung von Müttern eintreten. Es gibt Mütter, die nicht gebären können oder wollen und trotzdem Mütter sind (und in dieser Debatte noch gar nicht vorkommen).

Vermutlich haben die meisten frisch-gebackenen Eltern auch genügend andere Dinge zu tun, als politische Kampagnen zu starten. Ein Baby zu versorgen nämlich. Und viel zu viele, so ist zu lesen, müssen sich mit einer traumamtischen Erfahrung auseinandersetzen. Wir brauchen etwas, dass Ihnen hilft, damit umzugehen. Wir brauchen etwas, damit es dazu gar nicht mehr kommt. Doch was?

Bisher, so scheint es mit, werden bei Geburt und Kinderaufzucht immer nur Erwartungen durch neue Erwartungen ersetzt. Ein sich laufend veränderndes Ideal vermittelt Generationen von Eltern was sie „müssen“. Mehr Respekt füreinander statt Bewertungen an einem Ideal ist ein Anfang. Aber auf welche konkreten Maßnahmen lässt sich das herunterbrechen?

Wie lässt sich eine gesamt-gesellschaftliche Änderung erreichen, wenn außerhalb der Betroffenen anscheinend kein Interesse an der Debatte herrscht? Vielleicht ist das aber nicht mal das schlechteste. Was es eher nicht braucht, sind Meinungen von Männern, die am besten nicht mal selbst Väter sind, aber halt eine Meinung haben. Was es braucht, ist Aufmerksamkeit für Mütter und ihre Geschichten und (irgendwann) ihre Forderungen:

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