TV! Einfach und einfach gruselig: Bletchley Circle

Auf einem gepunkteten Boden stehen vier weiße Frauen, drei davon in überknie-langen Kostümen, eine geschminkte Frau im Hosenanzug.

Promobild der Serie: Lucy, Susan, Joan und Millie

Was Krimis angeht, bin ich abgehärtet. Dachte ich. Denn trotz schon fast exzessiven Schauen diverser Serien hat mich Bletchley Circle mitgenommen. Wie bereits Call the Midwife und Miss Fisher’s Murder Mysteries ist es eine historische Serie. Anders als diese vermittelt es aber einen subtilen Horror, der über die gruseligen Morde hinausreicht.

Es geht um vier Frauen, die im zweiten Weltkrieg im britischen Bletchley Park an der Entschlüsselung deutscher Nachrichten arbeiteten. Joan war ihre Aufseherin und arbeitet nun, 9 Jahre später, in einer Bücherei. Susan lebt ein bürgerliches Leben mit Mann und Kindern, das sie aber zusehends frustriert. Millie hat auf Reisen zunächst ihre Freiheit genoßen und hält sich nun als Kellnerin über Wasser. Lucy ist die jüngste, hat ein fotografisches Gedächtnis und gerade geheiratet. Als einige junge Frauen ermordet werden, erkennt Susan ein Muster. Nachdem sie vor den Augen der Polizei falsch liegt, beschließt sie, dennoch nicht aufzugeben. Sie sammelt ihre alten Kolleginnen ein, um genauere Daten zu bekommen und ihre Berechnung zu verbessern.

Während die Hebammen aus Poplar stets einen positiven Ausblick auf das Leben versprühen und Phryne Fisher sich allen Konventionen widersetzt, ist Bletchley Circle brutaler. Über den Krieg will und darf niemand sprechen, erst recht nicht Frauen. Früher haben sie Gefechte verhindert und entschieden, heute sind Mann, Kinder und Hausarbeit ihre wichtigste Aufgabe. Geistige Verrenkungen haben sich auf Kreuz­wort­rätsel und Mathepuzzle zu beschränken. Wenn die Polizei einem ihrer Hinweise nachgeht, dann nur aus Höflichkeit.

Wie bei den anderen Serien spielen auch hier die Kostüme eine zentrale Rolle. Wie sich unsere Wahrnehmung gegenüber der zeitgenössischen Wahrnehmung dabei unterscheidet, hat Gavia Baker-Whitelaw aufgeschlüsselt. Denn die Opfer werden, hello victim blaming, nicht als „Menschen wie wir“ angesehen, sondern als „solche Mädchen“. Ihr Make-Up und ihre Kleidung zeigen dies, wie auch ihre Bewegung im öffentlichen Verkehr ohne Begleitung. Einzig den Frauen des Bletchley Circles liegen sie am Herzen. So ist die Serie eine weitere kleine, feine Ausnahme, die Frauen und ihre Freundinnenschaft in den Mittelpunkt stellt.

Zusammengefasst: „Seid füreinander da und gebt aufeinander acht, sonst tut es niemand.“ 62 Jahre später eine deprimierend aktuelle Botschaft.

Die beiden Staffeln von Bletchley Circle sind derzeit als DVD-Import aus Großbritannien erhältlich. Eine dritte Staffel ist leider nicht geplant.

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