„Mehr Kernthemen, weniger Refugees“?! Ein #Piraten-Text

Während die AfD trotz interner Streitereien und peinlicher Vorgänge ein Rekordergebnis auffährt, bleiben die Piraten bei der Europawahl hinter den selbst-gesteckten Erwartungen zurück. Nun tönt es „weniger Refugees/Flüchtlingspolitik“ und „mehr Kernthemen“. Das, liebe Piratenmenschen in Deutschland, ist keine Parole für die Zukunft, es ist seit Monaten Eure Linie und es ist genau Euer Problem.

Ihr wollt alles anders und besser machen, als andere Parteien. Ihr wollt transparent sein und stehen bleiben, wo andere umfallen. Dafür haben Euch in Berlin sehr viele Menschen gewählt. Aber „weniger Flüchtlingspolitik und mehr Kernthemen“ steht entweder für Intransparenz oder fürs Umfallen, im schlimmsten Fall für beides.

Eure Kernthemen scheinen, pauschal zusammengefasst, weniger Überwachung und mehr Datenschutz, um Menschen ein selbstbestimmtes, „freies“ Leben zu ermöglichen. Wenn ihr konsequent seid, dann gilt das eben nicht nur im Internet, für all uns Leute mit der Kohle für Laptop, Smartphone und Flatrate, sondern auch da draußen. Für alle Menschen. Wenn Euch ärgert, dass Ihr bei YouTube nichts gucken dürft, weil in Deutschland alles gesperrt ist, dann gehört da auch zu, dass menschenfeindliche Asylbedingungen und rassistische Passkontrollen. Das kommt vom gleichen Misthaufen.

„Jaha,“ werden nun einige sagen, „das ist ja auch doof. Aber müssen wir unsere Positionen gleich an die große Glocke hängen?“ HALLO MERKT IHR’S NOCH? Maulkörbe, Mauscheleien und größt-mögliche Intransparenz, damit irgendwo uninformierte Bürgerinnen und Bürger das Kreuzchen für Euch setzen?

Was Ihr jetzt machen müsst, ist Euch zu entscheiden, liebe Parteimitglieder. Ihr könnt heute gegen die Länderbeschränkungen bei YouTube kämpfen und morgen dann bei iTunes und übermorgen bei Mega Quizduell, in dem nur noch Deutsche mit Passverifikation antreten dürfen. Weil ihr die grundlegenden Mechanismen übersehen habt und stattdessen gegen Windmühlen kämpft. (So läuft das übrigens gerade bei ACTA, TTIP und was noch alles kommen wird.) Dazu könnt ihr dann am Infostand noch flüstern, dass rassistische Anmachsprüche irgendwie doof wären und beim nächsten Vorfall würde vielleicht was passieren.

Dann seid Ihr umgefallen und niemand hats gesehen. Vermutlich guckt auch einfach niemand mehr hin, denn solche Politik haben wir genug, dafür brauchen wir nicht noch eine Partei.

Oder Ihr denkt Eure Positionen zu Ende und vertretet die konsequent – innen und außen, auf der Straße und im Internet. Mit @senficon habt Ihr eine Abgeordnete, der ich das tatsächlich zutraue. Ich wünsche Ihr, dass Ihre Partei es ihr nachmacht.