Über die Normalisierung von Gewalt in „mobil“ der @db_bahn

Im Zug nach China (naja, zum Flughafen) las ich mobil, das Magazin der Deutschen Bahn. Dort stolperte ich in der April-Ausgabe über ein Interview mit Frauke Ludowig, was ich auf Twitter dokumentierte. Angesichts der aktuellen Debatte um das vermeintliche Anrecht von Männern auf sexuelle Handlungen mit Frauen Frauenkörpern (und die grausamen Folgen bei Zurückweisungen), habe ich mich an das Interview erinnert und der Bahn geschrieben.

2 „Die Zunge von Keith Richards“: Keith Richards hat ein ungewöhnliches Begrüßungsritual – er schiebt Gesprächpartnerinnen gerne seine Zunge in den Mund. Uuuh! Völlig verduzt führte ich das Interview, sein Geschmack nach Campari-Orange verfolgte mich während des gesamten Gesprächs. Ein Glück, dass der Stones -Gitarrist kein Zwiebelmettbrötchen gegessen hatte.

Uuuh! Konsens zum Kuss sieht anders aus. Aber wenigstens kein Zwiebelmett!!1eins!

Sehr geehrte Damen und Herren,

im April las ich in Ihrem Magazin das Interview mit Frauke Ludowig. Diese erwähnt, dass Keith Richards ein „ungewöhnliches Begrüßungsritual“ habe. Er stecke Interviewpartnerinnen (nicht Interviewpartnern anscheinend) gerne die Zunge in den Mund.

Wie Frauke Ludowig mit dieser Situation umgeht, bleibt ihr überlassen. Solange die Interviewerinnen aber keine Einwilligung geben, ist solches Verhalten in Deutschland sexueller Missbrauch und damit prinzipiell strafbar. Dies nun so stehen zu lassen leistet einer Kultur Anschub, in der die sexuelle Selbstbestimmung von Menschen mit Füßen getreten wird.

Keith Richards hat vermutlich noch keine Anzeige bekommen, weil er reich und berühmt ist, die Journalistinnen sich durch eine Anzeige nicht ihre Karriere ruinieren wollen oder gar als „Spaßbremsen“ dastehen wollen. Dies unkommentiert abzudrucken unterstreicht die gesellschaftliche Verharmlosung von sexuellen Übergriffen. Es macht es schwieriger, Kinder gegen Missbrauch zu schützen, wenn schon Erwachsene diesen nicht anprangern sondern über sich ergehen lassen, um keine Probleme zu kriegen. Es macht es schwieriger, andere Verbrechen anzuzeigen, wenn deutlich ist, dass Macht und Geld vor Strafverfolgung schützen.

Bitte denken Sie daran, wenn wir die nächste gesellschaftliche Debatte über sexualisierte Gewalt oder einen prominenten Fall ebensolcher haben.

Mit besten Grüßen
Helga Hansen

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