Meredith Haaf über die publizistische Feminismusverbesserungs-Industrie

In der Süddeutschen (jaja) schreibt Meredith Haaf heute über die neuesten Feminismus„debatten“ und wie Anna-Mareike Krause würde ich gerne hinter jeden Satz knallrote Ausrufezeichen schreiben. Hier zumindest einer:

Wie ein Parasit hält sich eine publizistische Feminismusverbesserungs-Industrie am Leben, indem sie jene große Frage, wie die Gesellschaft gerechter werden kann, umwälzt auf die ungleich leichter zu beantwortende Frage, was am „Feminismus“ unangenehm, abschreckend oder kompliziert ist.

Dass auch „Wir Alphamädchen“ diese Industrie am Laufen gehalten hat, möchte ich allerdings nicht ganz unterschreiben. Es kam zu einem Zeitpunkt, da die Debatte in Deutschland recht brach lag und brachte mit der Mädchenmannschaft ein Blog hervor, das an den vielen netzfeministischen Entwicklungen einen nicht zu unterschätzenden Anteil hat und wo ich ebenfalls geschrieben habe. Einige Frauen schrieben uns, dass wir sie inspiriert hatten, ihr Blog zu beginnen. Wir haben viele Bloggerinnen vorgestellt, vernetzt und Fragen beantwortet.

Besonders von Menschen die das Blog nie lasen oder lesen passiert allerdings der von Haaf beschriebene Mechanismus: Der Mädchenmannschaft wird seit Jahren eine gesellschaftliche Macht zugeschrieben, die nüchtern betrachtet nicht haltbar ist. Bei #Aufschrei saßen einmal junge Feministinnen in Talkshows und wurden negativ und stereotypisierend inszeniert, wie Bianca Fritz gerade analysiert hat. Es gibt keine Buchangebote von großen Verlagen und die Bücher, die doch geschrieben werden, verhallen weitestgehend – oder saß Maria Wersig schon bei Jauch zum Ehegattensplitting?

Stattdessen kommen neue Bücher, die entweder nur als Ladentheken-Clickbait gedacht sind wie die „Tussikratie“ oder gut-gemeint und doch daneben wie „Stand Up!“ erstmal die Stereotype bestätigen, die sie doch entkräften wollen. Das habe ich bei einer Reihe von Projekten, auch und leider gerade von Feministinnen gesehen, die fühlen, sich von den Klischees abgrenzen zu müssen. Leider nimmt es ihnen die Möglichkeit, dann doch einmal uncool zu sein und wütend zu werden, sich nicht die Beine zu rasieren oder lauter lila Klamotten zu tragen. Hier beginnt jede Arbeit, wie Haaf so schön beschreibt, bei null.

Dabei würde ich mich über mehr neue Bücher und Ideen freuen. Für jugendliche Mädchen sind die Bücher der Nullerjahre vermutlich schon wieder zu alt. Für junge Männer braucht es umso dringender irgendein feministisch reflektiertes Bucht. Sie können und sollten aber auf die jahrhundertelange Arbeit zurückgreifen, als in ein neues Hamsterrad zu steigen.

Dass dies wohl ein frommer Wunsch bleibt, bestätigt gleich der Twitter-Account der Süddeutschen, der die Debatte über publizistische Positionen abgewürgt und verkürzt im Tweet auf „Feminismus der nur mit sich selbst beschäftigt ist“. 140 Zeichen hin oder her – wer dem Text treu sein will, formuliert den Tweet anders.

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