Vom Vergessen und Erinnern feministischer Kritik

Der Blick aus einer alten dunklen Bahnhofshalle auf überwuchertes Industriegelände.

CC BY-NC-ND 3.0 johanna

In der aktuellen Anschläge geht es um die immer wiederkehrende Erkenntnis, dass feministische Interventionen wieder ausradiert werden und Frauen aus der Geschichte geschrieben werden. Und dann wird die Frage einmal umgedreht. Warum passiert das eigentlich? Wie Karina Korecky habe ich keine Antwort (zumindest keine, die über „Patriarchat“ hinausgeht), aber eine These. Denn auch das Eskalieren inner-feministischer Kritik wird angesprochen und die Angst, nur noch durch­re­flek­tierte Aussagen abgeben zu dürfen, weil jeder Fehler zum Shitstorm führen könnte. Sowohl die Kritik als auch die Angst vor ihr sind Symptome genau dieses Systems des Aus­löschen und Nicht-Erinnerns und des ständig wieder­holten, mühsamen Wieder­er­innerns. Praktisch fängt jede_r Feminist_in von vorne an und muss sich alles er­ar­bei­ten. Und dann wird es irgendwann ermüdend, wie sich die Debatten wieder­holen, wie die immer gleichen Medien­mechanismen greifen, wie Jahr um Jahr Dinge „neu“ entdeckt werden. Aber Kritik an denen, die erst am Anfang stehen, muss den Kreis­lauf des Ver­gessens und Erinnerns mitdenken und benennen, wenn sie ihn durch­brechen will. Erst dann können wir* konstruktive Lösungen erarbeiten und umsetzen. PS: Die Anschläge und ihr Titelthema „Herstory“ zu feministischer Geschichts­schrei­bung ist auch ansonsten eine Lese­empfehlung. Weitere Artikel drehen sich um (nicht nur Frauen-) Stadt­spazier­gänge, um Geschichts-Digitalisierung vs. Copyright und Angst vor dem Internet, um Kritiken am weißen Mittelschichts­feminismus, der noch am ehesten wahrgenommen wird. PPS: Irgendwo stehen bestimmt genau diese Über­legungen schon, nur dass ich sie nicht gesehen habe.