5.2.2019: Badewanne

Bloggen aus der Badewanne. Geiler Scheiß, den Smartphones da möglich machen. In der Küche köchelt schon mal der Reis im Kocher. Weil ich welchen verschüttet habe, düst darunter der Staubsaugerroboter rum. Heimautomatisierung. Noch so ein geiler Scheiß. Ich liebe diese Maschinen, besonders, wenn sie mit einem Timer passend an- und ausgestellt werden können. Alles, was ich in guten Momenten vorbereiten kann, damit es später egal ist, wie es mir geht.

Gestern hab ich das vergessen. Was nicht schlimm wäre, wenn ich nicht mit fiesesten Kopfschmerzen aufgewacht wäre. Mein Körper verlangte nach Wärme, der Badewanne, einem Tag im Bett. Leider war meinem Kopf klar, dass nichts außer einer Ibu helfen würde. Wofür es Frühstück braucht, damit ich nicht ein medizinisches Problem gegen das nächste eintausche. Statt noch superproduktiv die fertige Spülmaschine auszuräumen hieß es abwarten auf den Moment, an dem mein Körper kurz genug Energie beisammen und die Schmerzen vergessen hatte, um aufzustehen. Ein Stück zu heiß duschen, um die Schmerzen weiter zu vertreiben. Gerade so dass es reicht, endlich zu frühstücken. Hätte ich das gestern mal vorbereitet, alles wär einfacher gewesen.

Tag im Bett ging natürlich nicht, weil ich gestern (als es mir äußerst gut ging) noch eine Last-Minute-Aufgabe angenommen und genau so weit fertig hatte, dass jede Übergabe wiederum eine Menge Arbeit nach sich gezogen hätte. Überhaupt: Gestern. Hatte ich zu lang gearbeitet, weil es ein guter Tag war? Statt zu Haus zu baden einen Workshop weitergeplant, weil sich ein paar Aufgaben anboten? War es beim Joga vielleicht zu kalt im Zimmer? So wird es weniger Tagebuchbloggen als Vortagsbloggen. Kranksein und Schmerzen zwingen eins mit ihrer Unwägbarkeit immer wieder neues Reflektieren auf. Jeder Plan könnte sich gleich in Luft auflösen. Von außen sehen wir oft unflexibel aus, dabei ist das Leben mit chronischer Krankheit von innen hyperflexibel.

Inzwischen ist der „Außenschmerz“ weg, eine Art Schleier, die eine Weile alles überdeckt, bis nur noch kleine Schmerzpunkte überbleiben. Ich merke, wie der Schädelknochen drückt, wo Muskeln und Sehnen ziehen. Vermutlich war gestern völlig egal und mein kaputtes Gelenk hat sich über Nacht ein winziges Stück zurückgeschoben, zurück in seinen Originalzustand. Der Arzt hatte bei der letzten Begutachtung darauf gehofft. Ich hätte es fast lieber, es bliebe bei „nicht ganz heile“, weil jedes Stückchen Verbesserung erstmal so hart erkauft ist. Bis dahin bleibt mir die Badewanne. Sie ist ein bißchen kalt geworden.

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